Die deutsche Sprache in den Händen unserer Jugend

Was ist das für 1 Sprache vong Richtigkeit her?


Wenn die Jugendlichen von Heute eine SMS oder Chatnachricht schreibt, geschieht so einiges, was sich vor Jahren niemand auch nur vorstellen mochte. In den kleinen Textnachrichten achtet kaum noch einer auf Groß- und Kleinschreibung, Rechtschreibung oder Grammatik. Dass die Nachricht nicht noch mehr Rechtschreibfehler enthält, verhindert die Autokorrektur, die auf den neueren Handys vorinstalliert ist. Was aber passiert mit der deutschen Sprache in unseren Kurznachrichten?

Formalitäten werden in den SMS – gerade zwischen Freunden – oftmals ausgelassen. Stattdessen herrscht eine starke Tendenz zum mündlichen Sprachgebrauch. Emoticons zieren dabei die Textnachricht und übermitteln Gefühle oder Stimmungen. Abkürzungen, die kein anderer kennt und Neologismen (Wortneuschöpfungen) erhalten dadurch immer stärkeren Einzug in die deutsche Sprache und auch Idiome (feststehende Redewendungen, z.B.: „ins Gras beißen“, „den Löffel abgeben“) finden mittlerweile einen Platz im deutschen Sprachgebrauch. Regeln der Rechtschreibung und der Zeichensetzung werden in den Kurznachrichten oftmals außer Kraft gesetzt und Wörter werden teilweise komplett ausgelassen, um Zeit zu sparen. Wem die Autokorrektur nicht den Kopf rettet, verzichtet oft auf Korrekturlesen. Der Leser wird schon verstehen, dass mit „Sabdbak“ eigentlich „Sandbank“ gemeint war.
Auch das Internet trägt einen gewaltigen Teil zum Sprachwandel bei. Viele Jugendliche behaupten zwar, dass sie zwischen den 'Codierungen' wechseln könnten, ihren Sprachstil also an den jeweiligen Gesprächspartner anpassen können, die Wahrheit sieht aber ganz anders aus. Die Jugendsprache entfremdet die deutsche Sprache zunehmend. Modewörter wie YOLO oder Sprachtrends wie der in der Überschrift gewählte, wirken auf uns eher befremdlich.

Was ist „Sprachwandel“?


„Sprachwandel“ beschreibt alle Veränderungen, die auf die Sprache wirken und sie in irgendeiner Form verändern oder entwickeln. Die folgenden Einflüsse verändern die Sprache dabei gravierend:

1. Einfluss: Neologismen kommen zur Sprache hinzu
„Grabbelware“ und „kreislaufinstabil“ sind beispielsweise Neuschöpfungen, die sich durchaus durchsetzen könnten – Wörter, unter denen man sich etwas vorstellen kann. Sie folgen einer Reihe von Neologismen, die bisher die deutsche Sprache veränderten. Eine andere Reihe von Neologismen wird jedoch Schwierigkeiten haben, einen Platz im Duden zu finden. Wer sich unter „Befundlust“, „Muskelkopter“ oder „Analogkäsebrot“ etwas vorstellen kann, darf sich an dieser Stelle freuen. Durchsetzen werden sich diese Worte hoffentlich nicht.

2. Einfluss: Auf- und untergehende Wörter
Wer hätte gedacht, dass es eine „Brötchentaste“ gibt? Tatsächlich findet man dieses Wort in der 24. Auflage des „Duden – Die deutsche Rechtschreibung“. Dieses Wort beschreibt umgangssprachlich eine Taste am Parkscheinautomaten für kostenloses kurzes Parken. „Roibuschtee“, „Sudoku“ und auch der „H5N1-Virus“ haben sich einen Platz im Duden gesichert, obwohl sie streng genommen nichts mit der deutschen Sprache zu tun haben. Die Aufnahme in die deutsche Sprache kann verschiedene Gründe haben.
Neben den aufgehenden Wörtern gibt es jedoch auch ein paar Wörter, die zunehmend aus dem Sprachgebrauch verschwinden. Wer kann behaupten, dass er wusste, dass „Backfisch“ eine Bezeichnung für jugendliche Mädchen ist [angelehnt an das englische 'backfish']. Wer steht heutzutage am Bahnhof noch am „Perron“ (→ „Bahnsteig“, „Plattform“) oder geht auf dem „Trottoir“ (→ „Bürgersteig“) durch die Stadt? Meistens ist es so, dass für diese Wörter, die ursprünglich aus dem Französischen stammen, deutsche Entsprechungen gefunden wurden.

3. Einfluss: Anglizismen schaffen die neue Sprache 'Denglisch'
Den wesentlichen Unterschied zwischen Deutsch und Denglisch bilden die Wörter und Phrasen mit tatsächlicher oder nur scheinbarer englischer Herkunft (Anglizismen). Diese Anglizismen sind mittlerweile ein weiterer neuer Bestandteil der deutschen Alltagssprache und werden insbesondere von Jugendlichen verwendet. Man findet sie in Namen wie „YouTube“, „Facebook“, „BurgerKing“, im Zusammenhang mit dem „Internet“ in „Community“, „Link“, „Download“, „Website“, im „Business“ für „Flipchart“ und „Meeting“, bei „Teenagern“, die „chillen“, „relaxen“ oder „cool“ sind, aber auch im Alltag am „Service-Point“ oder im Auto vom „Car-Sharing“, mit dem man im „Stop and Go“ steht und sich denkt: Hätte ich doch lieber das „Park and Ride“ genutzt.
Häufig tauchen diese Begriffe im IT-Bereich, der Industrie und Wirtschaft (zur Internationalisierung), der Werbung (aus Annahme eines besseren Erfolgs) und bei der deutschen Jugend (zur Abgrenzung) auf. „Handy“, „Baby“, „Interview“ und „Clown“ sind nur einige der Anglizismen, die ergänzend wirken und einen festen Platz in der deutschen Sprache gefunden haben. Für den „Air-Bag“ beispielsweise, der übrigens eine deutsche Erfindung war, könnte eine deutsche Bezeichnung gefunden werden, weshalb dieses Wort als differenzierend gilt. Verdrängend wirken Anglizismen, die deutsche Worte ablösen, obwohl diese einen festen Platz in der deutschen Sprache hatten („Shop“ für „Laden“). Aber auch das Rückübersetzen von Anglizismen bildet einen Teil des Wandels. Wieder ein wenig schlauer.

Wie sehen „die Experten“ dieses Problem?


Sprachwissenschaftler streiten sich, ob der Sprachwandel positiv oder negativ zu betrachten ist. Abstreiten, dass es einen Sprachwandel gibt, mag wohl niemand mehr. Rudi Keller, ein Germanistikprofessor an der Universität Düsseldorf sieht Denglisch nicht als Bedrohung sondern als allgegenwärtigen Sprachwandel. „Denglisch ist nur ein Nischenprodukt“, so Keller. Walter Krämer, Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache und Professor an der Universität Dortmund sieht das anders: „Der Sprachwandel schädigt dem Deutschen und ist unnötig. Es handelt sich um einen Sprachverfall.“ Er ist der Meinung, dass es durchaus möglich ist, deutsche Entsprechungen für Anglizismen zu finden.
Die Verwendung von Anglizismen kann tatsächlich für Probleme sorgen. Die Deutsche Bahn bietet hier mehr als nur ein Beispiel. Warum gibt es eine „BahnCard First“, jedoch keine „BahnCard Second“? Engländer würden dies mit „Zuerst die BahnCard“ übersetzen. Außerdem bietet die DB „Bahn & Bike“ an. Die Verwendung eines englischen Wortes war hier unbedingt notwendig, da die deutsche Entsprechung „Rad“ etwas zu lang gewesen wäre, eine „Radfahrer-Hotline“ hat die DB dennoch.
In der Werbung gab es auch schon häufiger Missverständnisse, was die Verwendung von Anglizismen angeht. Ein Unternehmen für Benennungsmarketing untersuchte 2003, inwiefern englische Slogans in deutschen Werbesport überhaupt verstanden wurden. Die Ergebnisse sind nichts für schwache Nerven. Hier einige Auszüge:



Welche Ursachen hat der Sprachwandel?


An dem Satz „Der Bäcker buk das Brot.“ ist absolut nichts falsch. In der Regel wird die Grammatik jedoch stark vereinfacht, sodass starke Verben durch schwächere ersetzt werden: „Der Bäcker backte das Brot.“ Nicht nur die Grammatik wird vereinfacht. Auch um die Aussprache zu vereinfachen, wird die Sprache gewandelt. Andersherum genauso: "Er hat der Oma gewunken." Obwohl "winken" ein schwaches Verb ist, verwenden wir lieber eine abgewandelte Form. Zugegeben: Umgangssprachlich ist auch "gewunken" in Ordnung und "Er hat der Oma gewinkt." klingt echt schrecklich, korrekt wäre es dennoch.
Die größten Einflüsse auf die Sprache kommen jedoch von denen, die sie tagtäglich sprechen, von der Gesellschaft. Der alltägliche Sprachgebrauch verändert die Sprache, ohne dass man es ändern kann. Dabei haben die Medien einen großen Einfluss auf die Sprache. Trendwörter oder Prestigewörter, die einmal auftauchen, werden ohne zu zögern weiterverwendet. Um die Internationalität und die Kulturkontakte zu wahren, finden auch immer mehr englische Wörter Einzug in die deutsche Sprache. Sie dienen nicht allein zur Aufwertung des Sprechers, sondern auch zur Abgrenzung von anderen Menschen. Zuletzt wirken Fachsprachen wie aus der Musik, der Kunst oder der Wissenschaft auf die deutsche Sprache ein.


Wie schwerwiegend sind die Veränderungen?


Als ich im Geographieunterricht die Worte „McDonaldisierung“ und „Cocacolization“ hörte, wurde mir so einiges klar. Schon oft ist aufgefallen, dass es viele Veränderungstendenzen im Deutschen gibt. Wie gravierend die Auswirkungen des Sprachwandels sind, kann jeder an sich selbst messen. Viele Fehler sind mittlerweile so gebräuchlich, dass sie gar nicht mehr als Fehler wahrgenommen werden. Dieser Selbsttest zeigt, ob Ihr Sprachpuristen oder Modern Talker seid. Kreuzt die Sätze an, die eurer Meinung nach akzeptabel sind. Wenn ihr euer Ergebnis abgeschickt habt, erhaltet ihr einen Link, der euch zu der Auflösung führt. Der Link leitet euch zu einer externen Seite weiter, die jedoch von mir erstellt wurde. Am Ende dieser Seite findet ihr einen Link, der zurück zu diesem Blog führt.

Mache den Selbsttest: Sprachpurist oder Modern Talker?


1 Kommentar:

  1. Moin Kev... jetzt habe ich gerade 20 Minuten lang geschrieben und dann sagt der mir der Text ist zu lang für den Kommentar weil er höchstens 4096 Zeichen enthalten darf...

    Ich hab mir das jetzt als Entwurf gespeichert, werde es nochmal überarbeiten und in ein paar Tagen einen eigenen Artikel daraus machen - wirst ja dann über den Backlink Bescheid bekommen. Betrachte es dann als meinen Kommentar zu deinem Artikel ;)

    Wir lesen uns.
    Ben

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