Die Ungerechtigkeit des deutschen Rechtssystems

Heute morgen bin ich zum wiederholten Male über etwas gestolpert, worüber ich heute gerne bloggen würde, weil es mir doch schon häufiger aufgefallen ist.

Was ist passiert?
Es ist der 04. Dezember 2012, wir befinden uns im Landgericht Gera. Ein junger Mann hat gerade seine Straftat gestanden. Nachdem sich die Gerichtskammer zur Urteilsberatung zurückgezogen hat, verkündet der Richter das Urteil. Der 20-Jährige wird zu einer Jugendstrafe von 2 Jahren verurteilt, diese werden zur Bewährung ausgesetzt. Auflage seiner Bewährung sind 240 Sozialstunden. Durch sein Geständnis in der Hauptverhandlung ersparte er seinen beiden Opfern die Aussage vor Gericht. Der junge Mann saß jedoch nicht wegen einer Körperverletzung oder eines Diebstahls vor Gericht. Gehen wir noch etwas weiter zurück.
Nachdem die Gerichtsverhandlung eröffnet wurde, verliest der Staatsanwalt die Anklage. Dem jungen Mann wird sexueller Missbrauch von Kindern (strafbar gemäß §176 StGB) und schwerer sexueller Missbrauch von Kindern in 103 Fällen (strafbar gemäß §176a StGB) zur Last gelegt. Noch während der Verhandlung gesteht der Verdächtige die Tat. Es war wohl sein Geständnis, das ihm die Mindeststrafe für diese Tat verschaffte, denn das Strafgesetzbuch sieht für diesen Tatbestand eine Freiheitsstrafe von zwei bis fünf Jahren vor. Um einen Rückfall zu verhindern, ist dem Mann fortan der Umgang mit Kindern untersagt.



Was ist daran ungerecht?
Ich denke, dass mich in dieser Hinsicht viele Menschen verstehen können. Bereits in der Vergangenheit gab es einige Fälle, die diesem zumindest annähernd ähnlich waren. Kehrt der Straftäter in seinen Heimatort zurück, bekommen es viele - gerade Eltern - mit der Angst zu tun. "Kann ich mein Kind noch allein auf den Spielplatz gehen lassen?", "Sollte ich das Kind zum Schulbus bringen?", "Darf mein Kind überhaupt noch ohne Eltern raus?" - Die Fragen häufen sich. Es passiert nicht selten, dass Kinder spurlos verschwinden. Die Ängste sollten gewaltig sein. Dennoch ist eine ständige Überwachung nicht möglich und in meinen Augen alles andere als vernünftig. Die Ängste der Eltern sind nachvollziehbar und ich möchte wetten, dass viele Familien mit Kindern darüber nachdenken, den Wohnort zu wechseln. Die Aufregung über dieses Urteil ist groß. Auf Facebook findet man beispielsweise folgende Aussage:



Auch finden sich viele Kommentare, die auf die beteiligten Richter abzielen. Um diese jedoch zu verteidigen:
Es sind nicht die Richter, die die Freiheitstrafen vorgeben. Das Gesetz gibt den Spielraum der Strafe vor, ein Geständnis wirkt sich zudem strafmildernd aus, zudem hat sein Geständnis den Kindern eine unangenehme Aussage erspart, was der Verteidiger des Täters sicher eingeworfen hat. Größtenteils unabhängig von der persönlichen Einschätzung wird so ein Urteil gebildet. Ich möchte den Täter keinesfalls in Schutz nehmen oder verteidigen, ich möchte nur klarstellen, dass es das Gesetz und nicht der Richter ist, der dem Täter eine so milde Strafe verschafft hat. Nachvollziehen, warum es letztendlich zur Mindeststrafe kam, obwohl eine immens hohe Zahl von Fällen vorliegt, kann ich jedoch nicht.
Für einen Diebstahl kann man übrigens dieselbe Freiheitsstrafe erwarten und wer Filme oder Musik illegal vervielfältigt, das Urheberrecht also durch Raubkopien verletzt, muss mit einer dreijährigen Freiheitsstrafe rechnen (gemäß §106 UrhG). Liegt ein gewerbsmäßiges Handeln vor, kommt es zu einer fünfjährigen Haftstrafe.

Zwischenfazit:
Wer Kinder in über 150 Fällen vergewaltigt, erhält eine mildere Strafe als jemand, der Filme aus dem Internet herunterlädt und vervielfältigt.

Weiter im Text:
Überlegen wir einmal, wie das Rechtssystem gewährleisten will, dass der verurteilte Täter fortan keinen Umgang mehr mit Kindern hat. Kann dies überhaupt gewährleistet werden? Ich denke nicht.
Wer versichert uns, dass eine Resozialisierung des Täters überhaupt möglich ist? Wer Kinder sexuell missbraucht, hat meiner Meinung nach nicht nur einen kleinen psychischen Schaden und ich zweifle daran, dass dieser in jedem Fall behoben werden kann.
Es ist allgemein bekannt, dass Kinderschändern im Gefängnis das Leben zur Hölle gemacht wird. Wer jemanden ermordet, wird im Gefängnis hingenommen. Wer Kinder vergewaltigt hat, stößt dort ununterbrochen an Ecken und Kanten, wird von den anderen Straftätern verachtet, vielleicht sogar verprügelt. Aber ist das ein Grund für die deutsche Rechtssprechung, eine Strafe derart gering ausfallen zu lassen? Wer einen Menschen ermordet, erhält eine "lebenslange" Freiheitsstrafe, eine Haft auf unbestimmte Zeit, die aber mindestens 15 Jahre beinhaltet. Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland steht im 2. Artikel: Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Wer jemanden umbringt, nimmt ihm das Recht auf Leben und gehört somit hart bestraft. Wer ein Kind vergewaltigt, nimmt dem Kind nicht nur die Würde, die es laut Grundgesetzartikel 1 zu verteidigen gilt, sondern missachtet auch das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Kindern, die psychologische Betreuung brauchen, für ihr Leben geprägt sind und derart entwürdigt werden, tritt die deutsche Rechtssprechung zusätzlich ins Gesicht, indem sie den Vergewaltiger unverzüglich in die Freiheit lässt. Das Recht der freien Entfaltung seiner Pesönlichkeit, das einem ebenfalls durch Artikel 2 zugesprochen wird - ist das überhaupt noch gegeben? Kann man seine Persönlichkeit frei entfalten, wenn man schwer sexuell missbraucht wurde und das im Kindesalter? Kann man nach einem schweren sexuellen Missbrauch körperlich unversehrt leben? Ist die Würde nach einer Vergewaltigung wie dieser noch unangetastet - auch nach 165 Fällen, die auf zwei Opfer aufzuteilen sind? Sind die Ängste der Eltern in dieser Region begründet? Unsere Gesellschaft genießt ein gewisses Grundvertrauen. Man geht nicht automatisch davon aus, überfallen zu werden, wenn jemand mein Geschäft betritt. Man wird nicht brutal zusammengeschlagen, wenn jemand auf mich zugeht, um nach dem Weg zu fragen. Aber sollte man einem Mann noch vertrauen, wenn er bereits 165 mal ein Kind vergewaltigt hat?
Eine Frage, die wohl niemand je beantworten kann: Warum legt das Rechtssystem nicht härtere Strafen für Sexualstraftäter fest?
Ich für meinen Teil würde Menschen nicht mehr vertrauen, nachdem sie wegen einer solchen Straftat verurteilt wurden. Aber lassen wir das Rechtssystem mal gutgläubig sein, solange bis sie eines besseren belehrt werden.

Kommentare:

  1. Interessanter Blog!
    Folge dir nun :) Würde mich freuen wenn du bei mir auch mal vorbei schauen würdest und mir vielleicht folgen würdest :)
    www.luisalicorice.blogspot.de

    AntwortenLöschen
  2. http://m.theeuropean.de/heinrich-schmitz/7675-missbrauchsparadies-landgericht-gera

    AntwortenLöschen