Der Zauber von Weihnachten

Es war abends. Grace saß in ihrem Zimmer, lauschte dem Klang der Kirchenglocken und schaute durch das Fenster den Schneeflocken zu, die im Licht der Straßenlaterne tanzten. Ein Schneeball schlug gegen die Scheibe und riss Grace aus ihren Gedanken. Sie erschrak, sprang auf und schaute aus dem Fenster. Auf der Straße standen Flo und Dennis und schauten zu ihrem Fenster hinauf. Sie schmunzelte und öffnete das Fenster. „Seid ihr bekloppt?!“, rief sie den beiden zu. „Wir doch nicht!“, entgegnete Dennis und Flo fügte hinzu: „Also er schon, nur ich nicht.“ Grace lachte, während Dennis Flo in den Schnee schubste. „Ich komme runter!“, rief Grace, schloss das Fenster und kam wenige Minuten später aus dem Haus. „Was ist mit Maggie und Tim?“, fragte sie und die drei begannen, die Straße entlang zu gehen. „Tim hat ein Date und Maggie ist noch beim Sport. Wir können sie ja an der Turnhalle abholen. Und was ist mit deinem Freund, Grace?“ Die Idee fand Zustimmung und die drei gingen in Richtung der Turnhalle. Grace schwieg bedrückt. „Wir sind nicht mehr zusammen. Ich möchte nicht darüber reden.“ Die beiden Jungs fragten nicht weiter.

Tim schlenderte mit David über den Weihnachtsmarkt. Es war nicht ihr erstes Treffen, aber Tim traute sich dennoch nicht, seine Hand zu nehmen. Zwar schaute er immer mal wieder zu David, aber sobald David seinen Blick bemerkte, schaute Tim schnell woanders hin. „Als Kind bin ich immer in dem Hubschrauber gefahren.“, erzählte Tim, als die beiden am Karussell vorbeigingen. „Ich bin immer mit dem Auto gefahren. Das fand ich viel cooler“, antwortete David. Die beiden blieben stehen. „Es ist gerade nicht viel los. Wollen wir fragen, ob wir eine Runde drehen dürfen?“, fragte Tim und lächelte. „Meinst du nicht, dass wir zu groß dafür sind?“ - „Da fahren sogar Erwachsene mit ihren Kindern. Also sind wir wohl nicht zu groß dafür.“ David begann zu lachen und die beiden gingen zum Karussell. Wenige Augenblicke später saß David in dem kleinen blauen Auto und Tim hatte sich in den Hubschrauber gequetscht.

Maggie kam aus der Turnhalle und bemerkte Grace, Dennis und Flo sofort. „Hey, ihr drei. Was macht ihr denn hier?“ - „Wir wollten dich abholen. Hast du Lust etwas mit uns zu machen?“ Sie begrüßten sich mit Umarmungen, ehe Maggie antwortete. „Ich bin mit Tim auf dem Weihnachtsmarkt verabredet. Er wollte mit David ohnehin dorthin und wir wollten noch Schlittschuhlaufen, weil heute der letzte Tag ist, an dem der Weihnachtsmarkt geöffnet ist. Morgen ist ja schon Heiligabend. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr mitkommen.“ Niemand hatte etwas dagegen und die vier gingen zur nächsten Bushaltestelle, um mit dem Bus in die Stadt zu fahren.

Das Karussell kam wieder zum Stehen und Tim und David stiegen lachend aus. „David, es ist ja schon recht spät und ich wollte gleich noch mit einer Freundin Schlittschuhlaufen. Wenn du magst, kannst du mitkommen. Ich würde mich sehr freuen.“ David schaute auf die Uhr. „Natürlich komme ich mit euch mit. Dann lerne ich deine Freundin auch direkt kennen.“ In diesem Moment klingelte Tims Handy. „Das ist sie.“, sagte Tim und nahm das Telefonat entgegen. Es folgte ein kurzer Dialog, bevor Tim auflegte. „Maggie ist gleich da. Wir treffen uns an der Eisbahn und sie bringt noch drei Freunde mit. Flo und Dennis sind auch schwul und Grace ist die beste Freundin von Flo. Ich hoffe, das ist okay für dich?“ David nickte und die beiden machten sich auf den Weg zur Eisbahn.

„David kommt auch mit zum Schlittschuhlaufen“, erzählte Maggie den anderen, nachdem sie aufgelegt hatte. „Dann lernen wir den auch direkt kennen.“, stellte Dennis fest. „Der arme Tim“, sagte Grace voller Mitleid, „wird sein Date gleich von Flo und Dennis vergrault.“ Maggie und Grace lachten, während die beiden Jungs das eher weniger lustig fanden. „Wir sind gleich da“, bemerkte Flo und drückte auf den Knopf, um bekanntzugeben, dass jemand aussteigen möchte. Als der Bus hielt stiegen die vier aus. Von der Haltestelle war es nur noch ein Katzensprung bis zur Eisbahn, an der David und Tim schon warteten.

Nachdem alle sich David vorgestellt hatten, betraten die sechs das Zelt, um sich Schlittschuhe zu leihen, ehe sie sich wenige Augenblicke später auf der Eisfläche wiederfanden. Flo war noch nie Schlittschulaufen, weshalb es ihm anfangs schwerfiel, sich auf den Kufen über das Eis zu bewegen. Jedoch nahmen Grace und Dennis ihn an der Hand und halfen ihm, bis auch er den Bogen raus hatte. Nach und nach wurde die Eisfläche leerer, sodass die sechs mehr Platz hatten und begannen auf dem Eis miteinander zu tanzen – zumindest versuchten sie es. Tim fuhr gemütlich neben Maggie her, Dennis fuhr neben Flo, Grace verfolgte die beiden und David drehte ein paar Turborunden, was Tim sehr imponierte. Plötzlich griff jemand nach Tims Hand. Es war David, der seine Turborunden beendet hatte und von hinten wieder an die anderen aufschloss. Tim lächelte und auch David schien glücklich.
„Es ist gar nicht so schwierig, wie ich immer gedacht habe.“, sagte Flo nachdem die sechs die Eishalle wieder verlassen hatten. Tim und David hielten nun auch auf der Straße Händchen und um nicht so einsam zu wirken, hielten auch die beiden Mädchen Händchen. Die sechs Freunde gingen auf den Ausgang des Weihnachtsmarktes zu und blieben unter dem riesigen Tor stehen. „Guckt mal! Ein Mistelzweig!“, Grace deutete nach oben und alle schauten hinauf. Während Maggie und Grace schon etwas vorgingen, nahm Flo die Hände von Dennis, schaute ihn kurz an und küsste ihn dann unter dem Mistelzweig, bevor die beiden den Mädchen hinterherliefen. David und Tim hielten sich auch an den Händen und schauten sich lange an. Tim schaute immer abwechselnd auf den Mistelzweig über ihnen, in Davids Augen und auf Davids Mund. Die beiden kamen sich langsam näher, David schloss seine Augen und auch Tim machte die Augen zu und sie kamen sich noch näher, bis sich ihre Lippen berührten und die beiden sich küssten.
Aus einiger Entfernung beobachteten Maggie, Grace, Flo und Dennis die beiden, dich sich unter dem Mistelzweig küssten. Maggies Blick wurde jedoch auf ein kleines Mädchen gelenkt, das nicht weit von ihnen auf dem Bordstein an der Straße balancierte. Einen Augenblick schien es gut zu gehen und das Mädchen sprang wie eine Ballerina auf dem Bordstein herum, doch dann stolperte es und fiel auf die Straße. Maggie machte einen Schritt auf sie zu, doch das Mädchen stand schon wieder auf. Maggie bemerkte ein Auto, das sich schnell näherte. Ohne lange nachzudenken, sprang Maggie auf die Straße und stieß das Mädchen beiseite.
Das Geräusch der quietschenden Reifen des bremsenden Autos ließ David und Tim aus ihren Zärtlichkeiten aufschrecken. Sie schauten zur Straße und sahen in diesem Moment, wie Maggie auf die Motorhaube des Wagens flog, noch bevor der Wagen endgültig zum Stehen kam. Das kleine Mädchen saß am Straßenrand, Grace saß bei ihr, während Flo und Dennis bei Maggie standen. Als Tim und David bei ihnen ankam, stieg der geschockte Autofahrer aus dem Fahrzeug. „Ich rufe einen Krankenwagen.“

~ Fortsetzung folgt ~

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