Facebook kauft Whatsapp und alle werden Datenschützer


Facebook kauft Whatsapp, wenige Tage später fallen die Whatsapp-Server aus, es kommt Panik auf. Erstaunlich, dass man für 19 Milliarden Dollar nicht nur die Konkurrenz aufkauft, sondern auch aus Millionen von Menschen Datenschützer machen kann.


Es ist nun schon einige Tage her, dass der Nachrichtendienst Whatsapp von Facebook aufgekauft wurde. Die Gründer Jan Koum und Brian Acton  haben den Nachrichtendienst in nur fünf Jahren aus dem Nichts nach ganz oben katapultiert, denn mittlerweile nutzen weltweit 450 Millionen Menschen regelmäßig Whatsapp, was zu einer beachtlichen Anzahl von 18 Milliarden Nachrichten führt, die täglich über die Whatsapp-Sever fließen.
Das Unternehmen Whatsapp Inc. beschäftigt gerade einmal 55 Mitarbeiter. Insgesamt 19 Milliarden Dollar hat der Facebookchef Mark Zuckerberg bezahlt, um den Nachrichtenservice in sein Boot zu holen. Klingt viel? Ist es aber nicht! Denn umgerechnet bezahlt Zuckerberg nur 42,22$ pro Nutzer.
Nachdem die Nachrichten über den Whatsapp-Kauf verklangen, stachen mir neue Nachrichten ins Auge: "Sch**ß Facebook, jetzt kriege ich Spieleanfragen bei Whatsapp." oder "Ich lösche Whatsapp, ist mir zu unsicher, weil Facebook so an all meine Daten kommt." Heute soll es um die Gründe, die Folgen und um Alternativen zu Whatsapp gehen. Außerdem möchte ich darüber aufklären, worum sich alle am meisten sorgen: Die Verwendung ihrer Daten.

Warum hat Facebook Whatsapp gekauft?

Der Whatsapp Messenger ist seit 2009 erhältlich und hat seitdem in seiner Funktion als Ablöser der SMS 450 Millionen Nutzer für sich gewonnen. Zuletzt meldeten sich täglich etwa eine Million neuer Nutzer bei Whatsapp an. Somit gilt Whatsapp als der am schnellsten anwachsende Dienst in der Geschichte. Mark Zuckerberg sagte, dass ein Dienst, der bald eine Milliarde Nutzer miteinander verbinden würde, besonders wertvoll sei. Sowohl der Facebookchef als auch einer der Gründer von Whatsapp betonten, dass sie schon länger gute Freunde wären und sich besonders freuen würden, künftig zusammenzuarbeiten. Es sei das Ziel beider Unternehmen, die Welt noch stärker zu vernetzen und durch effiziente und bezahlbare Internetservices Nutzen zu stiften. Gemeinsam könne man dieses Ziel nun noch besser erreichen.

Der Whatsapp-Deal ist die teuerste Übernahme in der Geschichte Facebooks. Es wäre wohl ziemlich blauäugig, zu glauben, dass das die Hauptgründe für die Übernahme Whatsapps seien. Erst seit 2011 arbeitet Facebook am eigenen Messenger. Facebook versuchte damit, auch als mobiler Dienst Platz Nummer 1 und somit ein "Dienst für Überall" zu werden. Die hohen Geschäftszahlen Facebooks zeigen, dass das Unternehmen zumindest anfangs Erfolg dabei hatte. Doch Facebook hielt sich zu lange mit Kleinigkeiten auf, war damit beschäftigt, sich Anschluss im Abteil der mobilen Messenger zu verschaffen, und versäumte somit die Gelegenheit, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, sodass Konkurrenten wie Whatsapp, die von vornherein auf eben dieser mobilen Schiene fuhren, den Markt eroberten.
Facebook verzeichnete einen Rückgang der Nutzer. Insbesondere User zwischen 17 und 34 verließen das soziale Netzwerk. Plötzlich wurde es Trend, Privatgespräche online zu führen - schnell, unkompliziert und persönlich -, anstatt das gesamte Leben in seiner Chronik zu posten. Außerdem versprach man sich so eine bessere Kontrolle über die Menschen, die Posts lesen oder Bilder sehen können. Smartphone-Nachrichtendienste wie Whatsapp füllten diese Lücke und gewannen deswegen rasant an Nutzern.
Der Großteil der westlichen Bevölkerung ist bereits auf Facebook registriert, sodass die Wachstumsmöglichkeiten hier eher gering sind. Ein Marktforschungsunternehmen fand jedoch heraus, dass in anderen Ländern wir Brasilien, Indien, Mexiko und dem afrikanischen Kontinent, Whatsapp der meistgenutzte Dienst ist und Facebook somit übertrumpft. Das birgt natürlich auch ein enormes Potenzial für Facebook. In Whatsapp hat das Unternehmen einen Partner gefunden, der insbesondere dort verbreitet ist, wo das Surfen am PC keine Bedeutung hat, sondern auf das Mobile Web gesetzt wird.
Nicht missachten sollte man auch das zunehmende Interesse Googles am Smartphonedienst Whatsapp. Der Konkurrent Facebooks soll zumindest Gerüchten zufolge ebenfalls Interesse an der Übernahme des Messengers gehabt haben. Zwar wurde das Gerücht, Google befände sich in Übernahmeverhandlungen mit Whatsapp, vor etwa einem Jahr von Whatsapp verneint, es ist aber eine Tatsache, dass auch Google in puncto Mobile Messenger Nachholbedarf hat und daher von einer Übernahme Whatsapps profitiert hätte. Es ist also nicht auszuschließen, dass Google in Whatsapp ähnliches Potenzial wie der Konkurrent Facebook gesehen hat.

Es waren wohl nicht die ersten Verhandlungen, die Mark Zuckerberg mit den Gründern Whatsapps führte, aber es mussten die letzten sein. Dem Facebookchef ist wohl klar geworden, dass er gar keine andere Wahl hatte. Entweder er springt ins kalte Wasser und bezahlt einen gigantischen Betrag für das 55-Mann-Unternehmen oder er sieht zu, wie seine User Facebook verlassen und eventuell ein Konkurrent den Messenger aufkauft. Das aber wollte das soziale Netzwerk auf keinen Fall in Kauf nehmen. Hier sind die Gründe für die Übernahme noch einmal zusammengefasst:




 

Warum war kurze Zeit nach dem Kauf der Nachrichtendienst außer Betrieb?

Die Bekanntgabe des Kaufs von Whatsapp durch Facebook war gerade einmal drei Tage her, als viele Menschen plötzlich feststellten: "Whatsapp geht nicht mehr." Am Samstagabend um etwa 21 Uhr nach deutscher Zeit teilte Whatsapp über den Twitteraccount mit, dass der Service aufgrund von Serverproblemen zwischenzeitlich nicht verfügbar sei. Ich fand es beinahe erschreckend, in wie vielen Posts auf Facebook rumgeheult wurde, weil Whatsapp mal nicht funktioniert. Als wäre das Leben der Menschen nun von dem Kurznachrichtendienst abhängig.

"Wenn Menschen ploetzlich fuer ein paar Stunden lachen 
muessen, anstatt den Smiley zu benutzen. #whatsapp"


Ich fand das Zitat von Twitter in Bezug auf all die Beschwerden echt treffend. Um diesen Ausfall rankten sich jedoch auch Verschwörungs-theorien, Facebook habe den Konkurrenten Whatsapp nach der Übernahme abgeschaltet. Seien wir mal ehrlich: Würdet ihr euch ein teures Auto kaufen, um es dann auf dem Schrottplatz zu verschrotten? Ich glaube nicht, dass Facebook 19 Milliarden ausgibt, nur um Whatsapp aus dem Weg zu räumen. Außerdem gab es auch vor dem Kauf schon häufiger Ausfälle des Dienstes. 450 Millionen Nutzer fordern mit Sicherheit eine gewisse Abdeckung, bei 18 Milliarden Nachrichten am Tag, kann es schon einmal passieren, dass ein Server überlastet ist und deshalb abschaltet.

Was ändert sich für Whatsapp-Nutzer?

Nichts. Das Team, das bisher für Whatsapp Inc. gearbeitet hat, soll auch weiterhin dort arbeiten. Geplant ist weiterhin ein von Facebook unabhängiges Team zu sein, denn die Übernahme des Unternehmens bedeutet nicht, dass Whatsapp und Facebook verschmelzen. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Facebook werden also nicht ohne weiteres für Whatsapp angewendet. Eine Änderung und Anpassung der AGB oder eine Vereinheitlichung beider Unternehmen fordert rechtlich gesehen zunächst die Zustimmung des Nutzers.
Es war nie die Absicht von Whatsapp, möglichst viel Geld zu machen. Wäre dies die Absicht gewesen, hätte man ohne das Schalten von Werbung und mit einer jährlichen Gebühr von nicht einmal einem Euro - wie es aktuell ist - kläglich versagt. Ziel von Whatsapp war und ist es, die Welt besser zu vernetzen und dieses Ziel wird vermutlich bei 19 Milliarden Dollar vertraglich gesichert werden. "Keine Werbung. Keine Spiele. Kein Schnickschnack." Das sind die Grundprinzipien, die Whatsapp seit der Gründung im Jahr 2009 verfolgt. Ob es langfristig dabei bleibt, gilt es abzuwarten. Schließlich fehlen Zuckerberg nun 19 Milliarden Dollar. Mit dem jährlichen Preis von nur einem Dollar pro Nutzer würde es etwa 40 Jahre dauern, diesen Betrag wieder einzuholen.

War Whatsapp vor der Übernahme sicher?

Viele Nutzer fürchten nun, dass ihre Daten missbraucht werden könnten. In der Vergangenheit fiel Whatsapp des Öfteren negativ auf. Der Grund: Sicherheitslücken, die es Fremden ermöglichen sollen, Nachrichten mitzulesen oder sogar selbst zu verfassen. Zu Beginn seiner Zeit wurden Nachrichten häufig unverschlüsselt über den Dienst versendet. Mit einem Update im Dezember 2012 wurde diese Sicherheitslücke geschlossen. Gleichzeitig wurde aber auch klar, dass für die Nutzung des Nachrichtendienstes eine jährliche Gebühr für Android-Nutzer anfallen würde. Aktuell schreibt Whatsapp in seinen FAQ (Frequently Asked Questions = Häufig gestellte Fragen):
"Die Whatsapp-Kommunikation zwischen deinem Telefon
und unseren Servern ist vollständig verschlüsselt. Wir speichern
deine Chatverläufe nicht auf unseren Servern. Alle Chat-
Nachrichten sind privat und werden nur so lange gespeichert,
bis sie zugestellt werden können."

Die Internetseite datenschutzbeauftragter-info.de fragte bei Whatsapp diesbezüglich persönlich nach, da die Datenschutzerklärung des Unternehmens viele offene Fragen hinterlassen hat. Zu den bereits genannten Informationen kamen folgende Fragen hinzu:

Welche Daten aus dem Adressbuch werden verwendet und wie lange werden diese gespeichert?"
Es werden nur die Telefonnummern aus dem Adressbuch verwendet. Die Adressbuchdaten werden derzeit nicht gespeichert."

Gibt es eine Möglichkeit die gesammelten Daten zu löschen?
"Whatsapp arbeitet an einem eigenen Service zum Löschen des Kundenaccounts. Die gesamten Nutzerdaten werden gelöscht, außer die Rechnungsdaten. Nach 30 Tagen werden auch die Rechnungsdaten gelöscht."

Werden Daten an Dritte weitergegeben? Wenn ja, wer erhält die Daten?
"Whatsapp gibt keine Daten an Dritte weiter."

Gehen wir davon aus, dass diese Angaben richtig sind, sind das zunächst gute Nachrichten für die Nutzer. Aber kann man diesen Aussagen trauen?
Whatsapp finanziert sich nicht durch Werbung und hat somit keinen Grund, Nutzerdaten tatsächlich zu speichern oder zu verwerten - wofür denn auch? Facebook und andere Unternehmen sammeln Daten, um Benutzerprofile zu erstellen und die Werbung, über die sich diese Unternehmen finanzieren, zu personalisieren. Interessiert ihr euch für Sportschuhe? Das interessiert diese Unternehmen und erhalten sie diese Daten, schalten sie für euch Werbung von Sportschuhen. Whatsapp schaltet keine Werbung und in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Whatsapp versichert das Unternehmen, dass dies beibehalten werden soll.
Auf der anderen Seite sollte man sich überlegen, ob die Finanzierung durch den jährlichen Beitrag von nicht mal einem Euro pro Nutzer überhaupt möglich ist. Ich bezweifle, dass ein Unternehmen in seinen AGB eingestehen würde, dass es alle Daten gewinnbringend verkauft. Ich muss jedoch betonen, dass das nur Mutmaßungen sind - nicht einmal meine eigenen, sondern verbreitete Meinungen auf Diskussionsseiten.

Was geschieht mit meinen Daten nach der Übernahme?

Meiner Meinung nach sind die Sorgen noch unbegründet. Whatsapp speichert keine wichtigen Daten, sondern greift lediglich auf die Telefonnummern zu, um eure Nachrichten zuzustellen. Nachrichten und Bilder werden nicht dauerhaft auf den Whatsapp-Servern gespeichert. Sie werden höchstens für 30 Tage gesichert, wenn es nicht möglich ist, die Nachricht zuzustellen. Nach 30 Tagen wird die Nachricht gelöscht, auch wenn sie nicht zugestellt werden konnte.
In den AGB von Whatsapp steht allerdings auch, dass alle Daten die erhoben wurden, im Falle eines Verkaufs an den Käufer übergehen. Dennoch kann Facebook diese Daten nicht im vollen Umfang auswerten. Da ihr den Nutzungsvertrag mit Whatsapp abgeschlossen habt, seid ihr den AGB von Whatsapp unterworfen. Diese muss Facebook zunächst ändern, bevor es eure Daten beziehen darf. Eine Änderung der AGB erfordert wiederum eure Zustimmung, denn ohne diese ist die Änderung wirkungslos.
Man ist sich einig, dass Facebook keine Bilder, die bei Whatsapp verschickt wurden, auf der Chronik postet. Ebenfalls ist es unwahrscheinlich, dass Facebook  die Mikrofonfunktion des Handys nutzt, um die Nutzer und deren Verhalten zu überwachen. Vielen ist offenbar nicht bewusst, welche Daten für derartige Unternehmen tatsächlich interessant sind. Erst nach der Zustimmung der veränderten AGB - wenn Facebook diese überhaupt ändern wird -, ist es Facebook möglich, eure Daten über Whatsapp zu beziehen.

Welche Daten könnten Facebook bei Whatsapp interessieren?

Wer glaubt, dass Mark Zuckerberg in seiner Facebookzentrale sitzt und sich unsere Urlaubsbilder auf unseren Chroniken anschaut oder unsere Chatverläufe durchliest, der könnte beinahe paranoid sein. Bei vielen ist die Angst zu beobachten, dass Facebook nun auch die Whatsapp-Verläufe liest. Denkt ihr wirklich, dass es Unternehmen wie Facebook interessiert, dass Ina mit Paul Schluss gemacht hat, oder dass im Schuhgeschäft in der Einkaufsstraße eure Lieblingsschuhe im Angebot sind? Eure Privatgespräche interessiert niemanden! Vermutlich wäre es dennoch gelogen, zu sagen, dass Facebook die Nachrichten im eigenen Netzwerk nicht durchsucht.
Das Unternehmen ist jedoch nicht auf der Suche nach Daten wie Beziehungsstatus, Haarfarbe und Hobbies, sondern viel mehr auf der Suche nach Wohnort, Gewohnheiten und Interessen. Wie oft nutzt ihr den Dienst, wann nutzt ihr ihn? Wie viele Gesprächspartner habt ihr? Wo befindet ihr euch? Was interessiert euch? Wie alt seid ihr? Scheint eine Menge zu sein, was Facebook von euch wissen möchte. Das interessiert allerdings nicht nur Facebook, sondern so ziemlich jedes Unternehmen. Facebook schaltet Werbung. Damit die Chance größer ist, dass ihr auf diese Werbung klickt und womöglich den umworbenen Gegenstand kauft, möchte Facebook diese Werbung für euch optimieren. "Komisch... Gerade habe ich nach Schuhgeschäften gegoogelt und plötzlich zeigt Facebook mir Werbung für Schuhe." Das ist sicher kein Zufall. Denn Facebook und jedes andere Unternehmen erhält Geld dafür, wenn es Werbung schaltet und noch mehr Geld, wenn jemand über diese Werbeanzeige den Artikel kauft.
Zusätzlich muss man sich eingestehen, dass die Posts und Nachrichten auf Facebook eventuell auf Schlüsselwörter durchsucht werden, um herauszufinden, was euch besonders beschäftigt.
Im Gegensatz zu den vorhin verworfenen Spionageversuchen durch Facebook ist es durchaus vorstellbar, dass Facebook die Nutzerprofile zusammenlegt und beispielsweise die Uhrzeiten auswertet, zu denen Nutzer besonders aktiv sind.  
Zwar verstößt das gegen die geltenden Deutschen Datenschutzbestimmungen, doch die Vergangenheit hat schon öfters gezeigt, dass sich US-amerikanische Unternehmen wie Facebook davon nicht aufhalten lassen.
Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass Facebook aus irgendeinem Grund Interesse an unseren Handynummern hat. Diese wurden schon häufiger bei Facebook angefragt (sei es zu "Sicherheitszwecken" oder zur Angabe im eigenen Profil).



 

Was kann ich tun um meine Daten zu schützen?

Es ist sehr schwer, seine Daten im Internet rundum zu schützen. Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie viele Daten tatsächlich digital und übers Internet vermittelt werden. Und sie wissen nicht, wie einfach es ist, an diese Daten zu gelangen, wenn man es tatsächlich wollen würde. Wer glaubt er hätte im Internet Privatsphäre und könnte selbst und komplett sicher über seine Daten bestimmen, der irrt. Wer wirklich seine Daten schützen möchte, sollte sich komplett vom Internet verabschieden, Mobilfunkvertrag und Festnetzvertrag kündigen, Kredit- und Kontokarten aufgeben und seine Arbeitsstelle kündigen. Viel zu schnell gelangen Daten an andere, sodass man selbst keinerlei Kontrolle mehr über die Daten hat.
Ein persönliches Beispiel: Nachdem ich umgezogen bin, gab ich im Sekretariat meiner Schule meine neue Telefonnummer an. Die Sekretärin tippte die Nummer in den Computer und sie wurde sofort im Schulserver gespeichert. Schulleiter, Sekretariat und andere Verwaltungsorgane der Schule konnten diese nun vom Computer aus abrufen. Schnell erhielten auch meine Lehrer die neue Telefonnummer und zu Beginn des neuen Halbjahres stand sie abgedruckt auf der Klassenliste - eine Nummer, die gewollt nicht im Telefonbuch steht. Einfluss hatte ich darauf keinen und ich weiß auch nicht, welcher Lehrer die Nummer nun hat und welche Schüler die Klassenliste noch nächstes Jahr haben und bei mir anrufen könnten.
Streng genommen kann ich also nichts tun. Dennoch gibt es jetzt eine Welle von Nutzern, die Whatsapp den Rücken kehrt und Alternativen aufsucht.

Welche Alternativen gibt es zu Whatsapp?

Seit der Bekanntgabe der Übernahme kriege ich ständig Werbung von Line vor die Augen. Das ist eine Chat-App, die sich in Asien neben Whatsapp sehr gut gemacht hat. Insgesamt soll dieser Dienst schon 300 Millionen Nutzer haben, die Kurznachrichten, aber auch kostenpflichtige kleine Grafiken, Comigfiguren- oder Tierbilder versenden. Daher gilt diese App als besonders profitabel - zumindest für die Betreiber.

272 Millionen Menschen verwenden die chinesische App WeChat, davon jedoch nur 100 Millionen im Ausland. WeChat ermöglicht Videotelefonate und das Versenden kurzer Sprachnachrichten. Finanzieren tut sich die App jedoch durch den Vertrieb von Spielen.

Viber nutzen weltweit etwa 280 Millionen Menschen. Dieser Dienst hat sich auf Telefonanrufe über das Internet spezialisiert. Videotelefonie und der Austausch von Textnachrichten und Bildern sind mit Viber kein Problem. Außerdem kann man die App nicht nur auf dem Smartphone sondern auch auf dem PC nutzen.

Den Schweizer Nachrichtendienst Threema nutzen in Deutschland zwar nur 120.000 User, es kommen jedoch täglich neue hinzu. Threema punktet insbesondere im Bereich Sicherheit, denn der Dienst verschlüsselt die Nachrichten, sodass nur Sender und Empfänger in der Lage sind, die Nachrichten zu lesen.
Derartige Sicherheit hat ihren Preis. Die App kostet zwischen 1,60€ und 1,79€.

Samstagabend kam es auch auf den Servern vom Alternativdienst Telegram zu Problemen, denn der Dienst verzeichnete einen raschen Ansturm von neuen Nutzern, die die Server schlichtweg überforderten. Auch hier wird Sicherheit groß geschrieben. Ähnlich wie bei der App Snapchat kann ein Timer eingestellt werden, der Nachrichten nach einer gewissen Zeit aus den Verläufen alles Gesprächsteilnehmer löscht. In seiner Einfachheit erinnere der Dienst dabei an Whatsapp, sodass eine Umgewöhnung kaum nötig wäre. Im Gegensatz zu Threema ist diese App jedoch kostenlos.

Wie sinnvoll ist ein Wechsel?

Hier trennen sich die Meinungen weiter. Die einen denken, dass es für einen Wechsel bereits zu spät sei, weil Whatsapp ohnehin Telefonnummern weitergibt. Andere sind der Auffassung, dass Facebook nun noch mehr über uns wisse. Sie setzen darauf, ihre Daten aufzuteilen, wenn sie sie nicht vermeiden können.
Nach wie vor denke ich nicht, dass irgendjemanden interessiert, wer mit wem Schluss gemacht hat, welches Mädchen gerne mit welchem Star schlafen würde? Mark Zuckerberg wird sich nicht an euren Strandurlaubsbildern vergnügen und Whatsapp-Mitarbeiter werden euch nicht nachts um 3 Uhr anrufen, weil ihre Freundin Schluss gemacht hat und sie gelesen haben, dass ihr einem anderen Freund über Whatsapp geholfen habt.
Es gibt eine Menge an Alternativen, beinahe zu viele um zu gewährleisten, dass ihr all eure Freunde in derselben App wieder zusammen habt. Obwohl Alternativen eventuell besser sind, werden nicht all eure Freunde sich für dieselbe Alternativ-App entscheiden (bestes Beispiel: Google+, das seinen Konkurrenten Facebook in so mancher Hinsicht in den Schatten stellt).
Eine vollständige Sicherheit hat man meiner Meinung nach auch bei anderen Diensten nie. Wer weiß ob Google nicht die Chance ergreift und eine der Alternativ-Apps aufkauft. In diesem Fall gelangen eure Daten ebenfalls in die Verwertung, nicht durch Facebook, aber durch Google. Zwar wird bei Threema und Telegram mit einer sicheren Verschlüsselung geworben, dass Daten wie Telefonnummern oder andere Daten aber in zwei Jahren nicht verkauft werden, wisst ihr jetzt noch nicht.
Zwar kann man die Reaktionen teilweise nachvollziehen, ich denke aber, dass es noch viel zu früh ist, um sich Gedanken zu machen. Deswegen werde ich mich dieser Bewegung vorerst auch nicht anschließen. Dennoch gibt es durchaus Vorteile, zu einem alternativen Dienst zu wechseln, die man nicht vergessen sollte.

Gehört Whatsapp nun tatsächlich Facebook?

Mit der milliardenschweren Übernahme von Whatsapp durch Facebook wurde die Grundlage für ein neues Streitthema geschaffen. Zuckerbergs Ziel - seine entlaufenen Schafe wieder in sein Boot zu holen - scheint Risse zu kriegen, da immer mehr User sich nun auch von Whatsapp verabschieden.
Zusätzlich blinken nun weltweit die Alarmglocken. Wettbewerbshüter gehen nämlich von Wettbewerbsverzerrung aus. "Facebook und Whatsapp als Monopol stellen eine ziemliche Bedrohung für die Konkurrenz und die Verbraucher dar", mahnte der Europaabgeordnete Ernst Philipp Albrecht, der für die Grünen im EU-Parlament sitzt (Quelle: n-tv.de). Denn Datenschützer sehen die Übernahme kritisch. Ähnliche Aufregung gab es bei der Übernahme von Instagram durch Facebook. Dort hat sich fast nichts geändert. Facebook und Whatsapp versichern, dass sie den Kurznachrichtendienst nicht verändern werden.

Es ist sicher nicht falsch, sich Gedanken über den Datenschutz zu machen.

Sich aber auf Facebook über Whatsapp beziehungsweise Facebook aufzuregen, bringt rein gar nichts. Wie schon gesagt, wird Mark Zuckerberg sich nicht an euren Bilder vergnügen und er wird auch nicht mit der NSA über die Rechtschreibfehler in euren Posts lachen. Gehen wir das ganze einmal logisch an. Wer sich bei Facebook aufregt, besitzt einen Facebook-Account. Wer einen Facebook-Account hat, hat eine gewisse Menge an Daten in seinem Profil bereitgestellt. Ist es nicht komisch, dass euch die Werbung bei Facebook genau das zeigen kann, wofür euch interessiert? Wollt ihr im Internet lieber Werbung für Autoreifen sehen, obwohl ihr Katzenfutter sucht? Es geht ums Geschäft. Facebook wird uns allen kostenlos angeboten. Damit das so bleiben kann, wird Facebook durch das Anzeigen von Werbung gesponsert. Whatsapp schaltet keine Werbung. Deshalb kostet iPhone-Nutzer die App einmalig und Android-Nutzer nach dem ersten Jahr jährlich einen Betrag von unter einem Euro. Dafür gibt es keine Werbung, keine Nutzerprofile. Für Whatsapp sind wir eine Telefonnummer, ohne Namen, ohne E-Mail-Adresse. Bevor wir anfangen, Panik zu schieben, sollten wir erst einmal abwarten, wie sich das ganze entwickelt.

Eine Sache noch...

Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen lesen die wenigsten Menschen. Vielleicht speichert Quizduell eure Profile, um zu sehen, wie schlau ihr seid oder merkt sich, welche Kategorien ihr am häufigsten wählt, um zu wissen, was euch interessiert. Auch die AGB von Apps beinhalten manchmal tückische Stellen, die einfach nicht gelesen werden. Aha... Aha... Akzeptieren. Gelesen hat man kein Wort. Zuletzt erregte die App Angry Birds Aufmerksamkeit, die über den Nutzer Daten bezog, welche wiederum auf die Server der NSA flossen.
Wenn also das nächste Mal ein Update für eine App ansteht, sollte man sich lieber vorher durchlesen, worauf die App nach dem Update Anspruch erhebt.
Das gilt insbesondere für Whatsapp. Es kann zwar sein, dass Facebook schon mit dem nächsten Update die Allgemeinen Geschäftsbedingungen überarbeitet hat, weshalb die Sorge vieler Nutzer nicht ganz unberechtigt ist. Horrorszenarien, dass Facebook erfährt, mit wem ihr wann geschlafen habt, oder dass Facebook euer Handy als Abhörgerät programmiert, sind jedoch nicht angebracht.

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Kommentare:

  1. Hej Kev,
    Vielen Dank zunächst für deinen ausführlichen Bericht. Der trifft das aktuelle Thema natürlich auf den Kopf und ich habe mich gefreut mal eine Zusammenfassung der Geschehnisse und Fragen der letzten Tage zu bekommen. Sehr aufschlussreich.
    Jetzt muss ich aber beichten das ich bisher weder WA noch irgend einen anderen Massanger dieser Art benutzt habe in der Vergangenheit (Zum Leidwesen all meiner Freunde und Bekannten :D). Ich empfinde das einfach nicht als nötig. Wer mit mir sprechen will, der soll mich anrufen - dort klärt man die Dinge eh besser als in irgend einem Chat. Darüber hinaus finde ich es erschreckend wenn ich mit einem Freund oder Date irgend wo essen gehe und als erstes hat mein Gegenüber erst mal sein Smartphone in der Hand... das passiert einem auch an Spieleabenden, Familientreffen, in der Kneipe... selbst auf Konzerten und im Theater. Wie oft ich mich die letzten Monate mit Freunden gestritten habe, weil die nicht mal nen Abend auf ihr Smartphone verzichten konnte, das ist unfassbar. Ich fühle mich da wie das 5 Rad am Wagen, die zweite Geige... viele sind überhaupt nicht mehr in der Lage ordentliche Gespräche zu führen. Das stimmt mich traurig. Sehr traurig.
    In diesem Sinne
    Ben

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    1. Leider stimmt das. Mein erster themenbezogener Artikel auf diesem Blog setzte sich genau mit dem Thema auseinander und beschäftigte sich mit dem von dir beschriebenen "immer erreichbar sein".
      Ich finde es durchaus lobenswert, dass du weder Facebook noch Whatsapp nutzt! :) Ich lege großen Wert darauf, auf das Handy zu verzichten, wenn man mit Freunden unterwegs ist oder Besuch hat. Das ist unhöflich und zeugt von wenig Interesse am Gegenüber. Sowas nennt man dann "Freundschaft". Vielleicht alternativ eine Anfrage auf Facebook senden und über Messenger kommunizieren, wenn man nebeneinander sitzt...
      Von deiner Traurigkeit mitgerissen,
      Kevin

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  2. Sehr interessanter Post! Über das Thema habe ich gelegentlich auch schon gelesen, vorallem diese Facebookposts, die du schon erwähnt hast. Wenn ich ehrlich bin hat es mich auch genervt, dass der Dienst aufeinmal ausgefallen ist, sie hätten ja wenigstens vorwahnen können, denn ich hatte z.B. gerade etwas wichtiges zu besprechen, naja ich habs überlebt, auch ohne Zahlreiche facebook rumheulerein.
    Das Whatsapp auch vor Facebook nicht sicher war sollte einem wohl bewusst sein, also mehr Daten als vorher zwacken die jetzt wohl nicht ;D

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    1. Viel zu wenig Menschen machen sich das bewusst. Nicht nur in diesem Fall, sondern auch in vielen anderen konnte man beobachten, dass sich Menschen aufgrund von Schlagzeilen aufregen, ohne mal in die Materie zu gehen. Ich hoffe, dass es auch mal Menschen gibt, die sich mit beiden Seiten auseinandersetzen.

      Ob nun positiv oder negativ, man sollte sich nicht einseitig mit dem Thema auseinandersetzen. Vielleicht setzen sich Mark Zuckerberg und Barrack Obama zusammen und lachen über ein paar Witze, die wir posten... Wohl kaum.
      Die Unternehmen sind daran interessiert, Nutzerprofile zu erstellen und ihren Gewinn zu maximieren, indem sie individualisierte Werbung für uns Schalten. Private Gespräche wird sich wohl keiner der Mitarbeiter durchlesen, selbst wenn es ihnen möglich ist. Zudem würde ich wetten, dass mindestens 75% der Leute, die sich nun darüber beschweren, dass Facebook ihre Handynummer kriegen könnten, ihre Freunde über Facebook zu Whatsapp eingeladen und ihnen die Handynummer per Facebook geschrieben haben... Recht sinnbefreit.

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  3. Viele regen sich darüber auf, dass ihre Daten ausspioniert werden würden, posten aber jedes Detail ihres Lebens auf facebook. Sich über Datenschutz aufzuregen liegt wohl nur gerade im Trend.
    Als ob facebook das Privatleben von allen Menschen interessieren würde. Was sie wollen sind personenbezogene Daten, die sie für Werbung, Statistiken und Marktforschung nutzen.
    Ich werde WhatsApp genauso weiter nutzen wie zuvor auch.

    @Kev: Mal wieder ein sehr schöner Artikel von dir. :)

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    1. Vielen Dank, Kim :)
      Du sprichst mir aus der Seele. Zwar sehe ich beide Seiten, habe aber meine persönliche Meinung. Letztendlich ist mir egal, ob Facebook Nutzerprofile erstellt, oder Google oder sonst ein Unternehmen. Irgendwer tuts immer.

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  4. Hey Kev,

    da will ich auch mal meinen Senf zu dem Thema dazu geben :)

    Ich finde es zunächst nicht verwerflich, das sich ein Gigant der Wirtschaft, mit einem Giganten der Kommunikation zusammen tun. Das war in der Vergangenheit schon mehrfach erfolgreich durchgeführt worden und da hat sich niemand so echauffiert, wie in diesem Fall.
    Seit die Kommunikationstechnik soweit voran geschritten ist, das Handy's für die private Nutzung erhältlich waren, hat sich niemand auch nur annähernd mit der Sicherheitsthematik befasst. Erst seit diversen "Skandalen" wird ein Terror um die Sicherheit vom Zaun gebrochen, das ist schon mehr als paranoid. Was heißt schon SIcher heit und Datenschutz für den Einzelnen?? Klar die von Dir angesprochene wirtschaftliche Nutzung ist ein Thema, auf der einen Seite ist es sinnvoll, wenn ich nen Auto suche, brauch ich keine Werbung für Kochgeschirr, auf der anderen Seite ist es auch für manche recht nervig, wenn sie mit Werbung berieselt werden. Aber wer sich mal mit den Hintergründen befasst, merkt schnell, das ohne Werbung eine solche Plattform nur mit Kostenerhebung realisierbar ist und das wollen sie schließlich auch nicht. Am besten alles haben und das für Lau, aber so geht es nun mal nicht!

    Zum leidigen Thema Ausfall von Whatsapp und derer Folgen:
    In erster Linie, wer die Infoseite von Whatsapp sich mal angesehen hat, hätte sicherlich gesehen, das diese 'Abschaltung' der Server ein angekündigtest Wartungsfenster der Betreiber war, also nix mit Facebook hat's kaputt gemacht. Ich bin selbst in der IT-Branche tätig und bei solch großen Serveranlagen ist viel Aufwand nötig, um die Teile am laufen zu halten und das geht teilweise eben nur, wenn die Server vom Netz genommen werden um, eine permanente Änderung der hinterlegten Daten zu vermeiden.

    Zusammen fassend kann man sagen, das diese Panikmache zwar zum Vorteil der Alternativen zu sehen ist, aber ebenso gut könnte man, wie ich, sagen, jetzt ist mehr Luft auf den Whatsapp-Servern. Das Thema Sicherheit ist nun breit erläutert worden, kurz zur Zusammenfassung, alle Nachrichten, die über Mitteilungsdienste gesendet werden, werden auf den Servern der Betreiber gespeichert und sind somit auch durch Mitarbeiter mit mehr oder weniger Aufwand einsehbar, aber wer tut das schon, kein Mensch interessiert es, wer an welchem Tag, welche Unterwäsche an hat. Und ob und wie detailliert Benutzerprofile angelegt bzw. ausgewertet werden, kann keiner beeinflussen, zumal JEDER, vor Benutzung des Dienstes, dieser Verarbeitung zugestimmt hat, aber davon will ja keiner mehr was wissen, gut können sie auch nicht, die AGB's wurden ja konsequent ignoriert und abgesegnet, da bleibt mir nur zu sagen: Da seid ihr selber schuld!!!

    So das soll vorerst reichen, wer Fragen dazu hat, kann sich gern melden :)


    Grüße Kiro

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  5. ich finde es lächerlich dass sich jetzt auf einmal alle darüber aufregen müssen. vorher haben doch auch ein großteil der facebook nutzer sich keine gedanken über datenschutz gemacht und ihr halbes leben gepostet.
    nmnjaaa. auf jeden fall ein guter post! (:

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