Medien im Alltag


Digitale Medien -
Chance oder Risiko, Mehrwert oder Zeitverschwendung?

 

Moderne Medien nehmen einen immer größer werdenden Platz in unserer Gesellschaft ein. Gerade bei Jugendlichen finden Teile des Lebens virtuell statt. Freundschaften werden heutzutage über Internet und Handy gepflegt und aufrechterhalten, neue Freundschaften werden bei Facebook und anderen Sozialen Netzwerken geschlossen. Knapp drei Viertel der Deutschen zwischen 14 und 18 Jahren nutzen mindestens einmal pro Woche einen Messenger-Dienst wie WhatsApp oder Skype. Doch auch Social Networks nehmen eine immer größere Rolle ein. Erschreckend ist, dass jedes dritte Profil öffentlich ist und somit von jedem eingesehen werden kann.

Soziale Netzwerke

Während MySpace, mein VZ und andere Soziale Netzwerke eine eher untergeordnete Rolle spielen, dominiert Facebook die Netzwerke in Form eines virtuellen Treffpunktes. Hier kann man sich mit Freunden unterhalten und Informationen und Fotos austauschen, veröffentlichen und kommentieren. Neben den bekannten Sicherheitsrisiken im World Wide Web wird man hier mit anderen Gefahren konfrontiert, über die man sich nicht unbedingt bewusst ist. Insbesondere Jugendliche gehen oft leichtsinnig mit ihren persönlichen Daten um und geben Informationen preis, die teilweise intimste Bereiche betreffen. Peinliche Partyfotos gelangen auf diesen Weg schnell ins Internet. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen Facebooks und den zugehörigen Datenschutzbedingungen, die wir "gelesen und akzeptiert" haben, werden derartige Regelungen aufgeführt. Bilder und Informationen sind öffentlich zugänglich und verbreiten sich rasendschnell im Netz. Es ist schwierig bis unmöglich, seine Spuren komplett aus dem Internet zu entfernen, wenn man sie einmal gelegt hat. Derartige Inhalte können betroffenen Jugendlichen im Nachhinein zum Verhängnis werden, denn immer mehr Arbeitgeber durchforsten zunächst das Internet, ehe sie jemanden einstellen. Brisante Fotos können einer Einstellung durchaus im Wege stehen.
Auch der Missbrauch derartiger Daten ist kein Einzelfall mehr. In der Vergangenheit nutzten Straftäter derartige Daten für die Planung von Mobbing, Stalking oder sexueller Belästigung. In Deutschland, England und Holland kam es sogar schon zu Tötungsdelikten in diesem Zusammenhang.
Rechtlich ist es schwer, dagegen vorzugehen. Die Rechner von Facebook stehen in den Vereinigten Staaten. Dort werden unsere Daten gespeichert und verarbeitet. Aufgrund der unterschiedlichen Datenschutzrechte in Deutschland und den USA haben Benutzerinnen und Benutzer keinerlei Kontrolle mehr über ihre Daten und die Verwendung durch Dritte.
Trotzdem sollte man nicht außer Acht lassen, dass soziale Netzwerke auch Vorteile bieten können. Das Halten und Pflegen von Kontakten und Freundschaften funktioniert unkompliziert und ist unabhängig von Entfernungen und Zeitunterschieden möglich. Zudem wird ein breit gefächertes Repertoire an Möglichkeiten angeboten, die ohne großen Aufwand nutzbar sind. Fotos und Videos können so gleichzeitig vielen Freunden gezeigt werden, ohne sie alle besuchen zu müssen. Speziell für Jugendliche ist zudem die Findung der eigenen Identität lebensnotwendig. Durch das Sammeln von Erfahrungen im Internet und den grenzenlosen Austausch mit anderen Jugendlichen steht einer Identitätsbildung nichts mehr im Wege.

Datenschutz im Internet -
Welche Rechte habe ich?

Datenschutz und Persönlichkeitsrechte im Internet sind ein heiß diskutiertes Thema - besonders im Bezug auf Facebook. Dass es gefährlich ist, all seine Daten preiszugeben, ist nicht unbekannt. Daten, die ihren Weg ins Internet finden, können dort für unbestimmte Zeit vorhanden bleiben und somit im Härtefall sogar missbraucht werden. Davon besonders betroffen sind personenbezogene Daten. Sie umfassen alle Angaben zu den Verhältnissen einer Person, begonnen beim Vornamen bis hin zu ethnischen Hintergründen, der Gesundheit und dem Sexualleben.
Die Kommunikation über das Internet kann immer Sicherheitslücken aufweisen, durch die Daten an Dritte geleitet werden. In der Regel werden derartige Daten jedoch bewusst weitergegeben beziehungsweise verkauft. Dienstanbieter im Internet sind verpflichtet darüber in ihren Datenschutzerklärungen aufzuklären. Fakt ist jedoch, dass nicht einmal annähernd jeder diese Datenschutzerklärung liest. So bieten die Datenschutzerklärungen von Facebook beispielsweise viel Interpretationsfreiraum für die Veröffentlichungsrechte der Nutzerfotos. Zwar behält jeder weiterhin das Urheberrecht seiner Bilder, überträgt Facebook aber gleichzeitig eine Lizenz, die Bilder zu verwenden oder Unterlizenzen zu vergeben. Diese Lizenz ist jedoch gleichzeitig unumgänglich, da Facebook unsere Bilder nicht auf den Startseiten unserer Freunde anzeigen dürfte, und genau das soll es ja schließlich tun. Im Fernsehen oder der Presse oder in Form von Werbung darf Facebook eure Bilder jedoch nicht veröffentlichen, ohne dass ihr diesem Vorgehen zustimmt. Ausnahmen gelten bei Aufnahmen im öffentlichen Raum (z.B. Versammlungsfotos, Landschaftsaufnahmen oder Bilder von Sehenswürdigkeiten).
Um seine Daten möglichst weitgehend zu schützen, ist es notwendig, sparsam mit seinen Daten zu sein. Das bedeutet, dass man möglichst wenig Daten von sich preisgibt.

Tipps zur Sicherung der eigenen Daten:

 

- Verwendung von Pseudonymen statt des richtigen Namens
- je länger das Passwort, desto sicherer der Account
- ein und dasselbe Passwort nicht zu häufig verwenden
- auf optionale Angaben zur Person verzichten
- gesonderte E-Mail-Adresse für soziale Netzwerke
- die Privatsphäreeinstellungen studieren und anpassen
- nur Kontaktanfragen von Personen bestätigen, die man kennt
- Nicht Freunde als Statussymbol nutzen
- auf die Angabe von sensiblen Daten (wie Bankverbindung) komplett verzichten

Leider bietet das Internet auch die Möglichkeit des Identitätsdiebstahls, da man seine Identität nicht verifizieren muss. Demnach ist jeder in der Lage, eure Identität anzunehmen, indem er eure Bilder kopiert und euren Namen annimmt. Das ist zwar strafbar, muss aber erst einmal nachgewiesen werden und der Täter muss ausfindig gemacht werden. Eine große Zahl an Freunden sorgt natürlich dafür, dass ihr schnell den Überblick verliert und nicht mehr wisst, wer von den Freunden tatsächlich echt ist. Auf diese Weise gelangen Straftäter an Daten von ihren Opfern. Aufgrund dieser Gefahr gilt natürlich auch, sich niemals mit Unbekannten aus dem Internet zu treffen, auch wenn sie über das Internet noch so nett zu sein scheinen.

Cybermobbing

Die Weitergabe persönlicher Daten im wirtschaftlichen Bereich ist die eine Sache, gelangen die Daten jedoch im sozialen Bereich in die falschen Hände, offenbart sich eine weitere Gefahr dieses Umgangs. Absichtliches Bloßstellen oder Beleidigen, aber auch Bedrohung und Belästigung eines anderen über moderne Kommunikationswege wird als Cybermobbing zusammengefasst. Dabei ist es egal, ob derartige Bemerkungen über das Internet oder das Handy gemacht werden. Der Täter agiert in der Regel anonym, damit das Opfer nicht gegen ihn vorgehen kann.

§§ Rechtliche Absicherung gegen Cybermobbing §§

 

Das Strafgesetzbuch sichert Personen gegen unterschiedliche Formen des Cybermobbings ab. Andere im Internet oder per Handy zu verleumden, beleidigen oder zu bedrohen ist genauso strafbar wie die Veröffentlichung verletzender Bilder und Videos. Beleidigungen (§185 StGB), Üble Nachreden (§186 StGB), Verleumdung (§187 StGB), Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes (§201 StGB) - etwa durch Tonaufnahmen -, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen (§201a StGB), Nachstellung (§238 StGB), Nötigung (§240 StGB) und Bedrohung (§241 StGB) sind keine Kavaliersdelikte und werden mit Haftstrafen zwischen 6 Monaten und 5 Jahren oder Geldstrafen bestraft. Kommt es im Rahmen des Cybermobbings zu Benachteiligungen für den Betroffenen, etwa die Entlassung aus einem Job aufgrund der Verbreitung von aufgenommenen Bildern, gibt es zusätzlich die Möglichkeit, zivilrechtlich gegen die Verbreitung vorzugehen. In diesem Fall bestehen ebenfalls Schadensersatzansprüche und Unterlassungsansprüche.

Hilfe gegen derartiges Verhalten kann man von den Eltern, Vertrauenspersonen oder der Polizei erhalten. Desweiteren besteht die Möglichkeit, ehrenamtliche Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen und telefonisch Hilfe zu erhalten. ("Nummer gegen Kummer": 0800 1110-333 für Kinder; 0800 1110-550 für Erwachsene).
Cybermobbing unterscheidet sich in einigen Punkten ganz gravierend vom "normalen" Mobbing, denn Cybermobbing endet nie. Betroffene werden über moderne Kommunikationsmöglichkeiten verfolgt und können 24 Stunden am Tag bedroht oder belästigt werden. Es ist kaum möglich, sich gegen die unerwünschten Attacken zu schützen, ohne sich gleichzeitig auch von den erwünschten Kontakten abzuschirmen. Zudem kursieren die belastenden Inhalte dauerhaft im Netz und werden kaum oder gar nicht gelöscht. Und selbst wenn ein Anbieter die Inhalte entfernt, kann ein anderer sie bereits als Download auf dem eigenen Rechner haben und somit neu zur Verfügung stellen. Gravierend ist auch, dass Cybermobbing-Betroffene häufig gar nicht wissen, wer an diesem Prozess mitwirkt und wer von den Angriffen bereits erfahren hat. Das führt zu Verunsicherungen und kann auf Dauer psychische Schäden hinterlassen.


http://www.klicksafe.de/fileadmin/media/documents/pdf/klicksafe_Materialien/Eltern_Allgemein/klicksafe_Flyer_Datenschutz_Eltern_2012.pdf
klicksafe.de bietet Flyer zur Internetsicherheit als Download an. Hier könnt die pdf-Datei zu Datenschutz-Tipps im Internet von klicksafe.de downloaden.

Um die Gefahr des Cybermobbings im Internet weitestgehend zu bannen, ist es notwendig, Augen und Ohren offen zu halten und verletzende Beiträge umgehend zu melden.


Lest außerdem:

Facebook kauft WhatsApp und plötzlich werden alle zu Datenschützern

Immer erreichbar

Kommentare:

  1. Eine sehr ausführliche Aufzählung die du uns hier zeigst.
    Ich finde es auf der einen Seite wirklich gut das die heutige Jugend mit so viel Technik aufwachsen kann und von klein auf lernt damit umzugehen, andererseits schreibst du ja selber das es auch zu vielen Komplikationen kommen kann, wie eben das Cybermobbing. Aber es gibt auf jeder Kommunikationsebene solche Problematiken. Ob man nun von anderen Leuten persönlich gemobbt wird, ob es im Job oder eben im Internet passiert.

    Liebe Grüße,
    Angi

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  2. Sehr schön und ausführlich Kevin!
    Gut gemacht. Ich halte es für sehr wichtig, unsere Jugend aufzuklären. In meiner Generatio (du bist ja noch jünger als ich) war es ja noch so das man "reingewachsen" ist. Wir hatten anfangs noch kein Internet oder Handys. So mit 16/17 hatte ich dann mal nen 56/k Modem und mein erstes Handy. Über die Jahre wurde das dann immer besser, strukturierter und alltäglicher. Bis heute besitze ich aber kein Smartphone mit Internet, benutze auch kein Whatsapp. Und das aus gutem Grund! Ich will mich nicht so abhängig machen. Aber um Facebook bin ich auch nicht drumherum gekommen, Bloggen tue ich auch. Bin also trotz dem, das ich versuche mich zu zügeln doch mitten drin.
    Die Kids von heute wissen alle nicht wie sie damit umgehen sollen. Sie wachsen nicht rein, sie werden ins kalte Wasser geschmissen. Alle haben es, alle wollen es. Es muss einfach sein, um sozialer Teil zu sein. Also; Danke das du aufklärst und mit Rat zur Seite stehst.
    Super von dir!

    Liebe Grüße
    Ben

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