Medien im Alltag (II)

Digitale Medien -
Chancen oder Risiko, Mehrwert oder Zeitverschwendung?

Vor einiger Zeit setzte ich mich bereits einmal mit den digitalen Medien auseinander und untersuchte dabei den Nutzen und die Gefahren von Sozialen Netzwerken, klärte über die Datenschutzrechte im Internet auf und stellte die Gefahr des Cybermobbings vor. Wer diesen Artikel verpasst hat, kann ihn hier noch einmal lesen. Heute möchte ich zwei weitere Risiken und Gefahren der digitalen Medien aufzeigen.



Online- und Mediensucht

Zeigt jemand exzessive und/oder abhängige Verhaltensweisen im Zusammenhang mit der Nutzung von Medien wie PC, Smartphone, Fernseher oder Laptop, spricht man von einer "Medienabhängigkeit". Hierbei handelt es sich nicht um eine substanzgebundene Sucht (wie etwa bei der Drogen- oder Alkoholabhängigkeit oder beim Rauchen), sondern um eine Verhaltenssucht. Am häufigsten wird diese Sucht durch das Spielen von Online-Rollenspielen (wie "League of Legends" oder "World of Warcraft") hervorgerufen. Die hierbei entstehende psychische Abhängigkeit führt zu Störungen der Impulskette, was wiederum einen Leistungsrückgang in Schule oder Beruf mit sich bringt. Ein Entzug führt außerdem zu aggressiven oder nervösen Reaktionen. Eltern berichteten von Jugendlichen, die den Bildschirm oder das Mobiliar zerstörten, weil die Eltern das Modem ausschalteten.
Ein weiteres Problem ist die "Onlinesucht". Sie beschreibt die Dauererreichbarkeit und ist zu Zeiten der Smartphones und Internetflats keine Seltenheit mehr. Viele sind dauerhaft in sozialen Netzwerken aktiv oder tags und nachts online erreichbar. Über dieses Thema habe ich hier schon einmal berichtet: Immer erreichbar.

Sollten Schule oder Beruf, Freundschaften und andere Aktivitäten durch die intensive Nutzung vernachlässigt und bei Entzug Nervosität, Verstimmungen oder sogar Aggressivität ausgelöst werden, ist diese Situation als gefährlich zu bewerten. Insbesondere Jugendliche sind gefährdet. Während Jungen häufiger online spielen, ist für Mädchen das Kommunizieren mithilfe der Medien wichtiger. Was anfangs wie ein Suchtverhalten aussieht, ist in Wahrheit eine flüchtige Phase - das Interesse schwindet oder die Interessen verlagern sich.
Um die Gefahren einer Online- oder Mediensucht vorzubeugen, wird Eltern geraten, mit ihren Kindern feste Nutzungszeiten abzusprechen. Kinder bis 7 Jahre sollten nur etwa 30 Minuten am Tag fernsehen oder Videospiele spielen, Kindern mit 10 Jahren werden maximal 60 Minuten am Tag, Kindern mit 12 Jahren maximal 75 Minuten am Tag empfohlen. Um also zu verhindern, dass ein Kind medienabhängig wird, sollten im Vorfeld klare Regeln vereinbart werden. Die Nutzungsdauer allein ist jedoch nie ein Zeichen für eine Medienabhängigkeit. Zum Schutz vor einer Mediensucht wird geraten, familiäre Bindungen aufrecht zu erhalten, soziale Kompetenzen auch außerhalb der Netzwerke zu pflegen, ein gesundes Maß an Selbstvertrauen und die Fähigkeit zur eigenverantwortlichen Lebensgestaltung zu haben.
Im Falle von Entzugserscheinungen, die zu Verstimmungen oder Aggressivität führen, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Mediensucht kann schnell gefährlich werden, wenn der Süchtige sich nicht mehr von seinen Medien lösen kann und dadurch die Nahrungsaufnahme und den Schlaf vernachlässigt.
Die erste Instanz ist immer die Familie. Derartige Auffälligkeiten sollten zunächst angesprochen werden. In einem sogenannten Konfrontationsgespräch werden dem Süchtigen die Verhaltensweisen und Auffälligkeiten benannt. Sollten diese Versuche erfolglos bleiben, sollte sich an die Suchtprävention gewendet werden.

Abofallen - Abzocke im Internet

Als Abofalle bezeichnet man Webseiten, auf denen ein scheinbar kostenloser Inhalt (z.B. eine Software, Rezepte oder Horoskope) angeboten werden. Internetnutzer und -nutzerinnen nehmen fälschlicherweise an, das angebotene Produkt sei kostenfrei und registrieren sich ohne Bedenken. Dabei geben sie Namen, Anschrift und weitere personenbezogene Daten ein, um Zugriff auf einen Mitgliedsbereich zu erhalten. Der Preishinweis ist auf diesen Websites oftmals versteckt, sodass Internetnutzer diesen nicht auf den ersten Blick wahrnehmen. Da man seine Adresse und seinen Namen bei der Registrierung eingegeben hat, erhält man schon bald Rechnungen und Mahnungen vom Betreiber, Rechtsanwälten und Inkasso-Unternehmen, von denen sich die meisten einschüchtern lassen und deshalb zahlen.
Häufig schaffen es die Betreiber solcher Abofallen, in Suchmaschinen eine vordere Position einzunehmen. Die Chance, dass man also zufällig auf eine solche Seite gelangt, wenn man bei einer Suche die ersten Beiträge anklickt, ist also nicht unwahrscheinlich. Bei einer schnellen Suche klicken die meisten auf die ersten Links, die den gewünschten Inhalt versprechen. Auch über Links auf beliebten Seiten (etwa in Form von Werbebannern) wird auf Seiten der Abofallen gelockt.
Es ist leider nicht einfach, eine Abofalle schon im Vorfeld zu erkennen, da die Betreiber sich Mühe geben, den Nutzer oder die Nutzerin in eine solche Abofalle zu locken und das funktioniert auf Seiten, auf denen "ABOFALLE" steht mit Sicherheit nicht. Wachsam sollte man sein, wenn für ein vermeintlich kostenfreies Programm plötzlich eine Anmeldung mit persönlichen Daten gefordert wird. Auf unbekannten Seiten sollte deshalb im Vorfeld nach einem Preishinweis gesucht werden. Häufig verstecken sich diese in den Allgemeinen Nutzungsbedingungen (AGB). Wenn man nicht die vollständigen AGB durchlesen möchte, kann man mit STRG + F ein Suchfeld öffnen und geläufige Suchbegriffe eingeben, die auf Kosten hinweisen ("Euro", "EUR", "Dollar", "€", "$", "0", "1", "2"..."9"). Sollte bei dieser Art der Prüfung kein Kostenhinweis ausfindig gemacht werden, später aber dennoch eine Rechnung im Briefkasten liegen, kann man diese im schlimmsten Fall wegen arglistiger Täuschung anfechten. Auch wenn der Sitz des Betreibers im Ausland ist, sollte man grundsätzlich vorsichtiger sein. Dies erfährt man über den Aufruf des Impressums der Seite.
Ob man die eingehenden Rechnungen bezahlen muss, hängt davon ab, ob man einen rechtswirksamen Vertrag abgeschlossen hat. Ist der Kostenhinweis versteckt gewesen, ist dieser zumindest in keinem Fall Vertragsinhalt geworden, sodass keine Pflicht zur Zahlung besteht. Wer sich jedoch unsicher ist, sollte die Rechnung vorerst nicht zahlen und sich einen Beratungstermin bei der Verbraucherzentrale geben lassen.

Schreiben von Inkasso-Unternehmen und Rechtsanwälten dienen in der Regel der Einschüchterung der Empfänger. Auf diese Art und Weise wollen die Betreiber bewirken, dass eine Zahlung möglichst schnell zustande kommt. Ein gerichtlicher Mahnbescheid wird in der Regel nicht beansprucht, da bereits der Widerspruch des Nutzers zu einer Gerichtsverhandlung führen wird. Dann muss der Betreiber beweisen, dass ein rechtswirksamer Vertrag abgeschlossen worden ist. Sollte es sich hierbei um eine Abofalle handeln und es ist kein rechtswirksamer Vertrag zustande gekommen, so können die Betreiber dies auch nicht beweisen. Auch hier kann ein Beratungstermin bei der Verbraucherzentrale hilfreich sein.

Ebenfalls gefährdet sind das Mobiltelefon und das Festnetz, denn dort werden die Kosten, ohne den Zahlenden im Vorfeld zu informieren, mit der nächsten Rechnung abgebucht. Eine Drittanbietersperre ist deshalb mit dem Abschluss des Telefonvertrages ratsam. Was man tun kann, wenn man eine Abofalle auf seiner Telefonrechnung entdeckt, kann man auf der Seite des Rechtsanwalts Thomas Meier-Bading nachlesen.


Lest außerdem:

Medien im Alltag - Cybermobbing und Datenschutz

Kommentare:

  1. Hey..

    Also ich habe zwar ein Handy mit Internet und den ganzen Tam tam. Nutze dies aber nicht. Gerade weil man schnell mal in die ABO Falle tappen kann. Da reicht es ja schon, wenn da mal ne Werbung einblendet..
    Ich bin auch kein Freund davon, dass man ständig und überall online sein sollte und auch der Fernsehn sollte doch öfteres mal bei manchen ausbleiben.

    Ein Leben gibt es schließlich auch außerhalb von dem Internet/Medien.

    Als ich noch nen bissel Jünger war. So 2-3 Jahre früher. War ich wohl dauer online.
    Aber die Zeiten sind bei mir vorbei und auch wenn ich jeden Tag mal online bin, geh ich nach 1 Stunde wieder off.

    Interessanter Beitrag von dir..
    Liebe Grüße

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    1. Freut mich, dass dir der Beitrag gefällt! :)
      Es wird noch einen dritten Teil von "Medien im Alltag" geben. Würde mich freuen, wenn du dir den auch ansehen würdest! :)

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  2. Ich bin froh wenn ich in meiner Freizeit mal Zeit habe andere Sachen zu tun zu können. Denn aufgrund meines Studiums bin ich schon oft und recht lange am PC, aber irgendwann hat man einfach keine Lust mehr darauf dauernd davor zu hocken...

    Zwar liebe ich es auch zu Bloggen, jedoch versuche ich alles in Maßen zu halten und einen Ausgleich zu schaffen. Und nachts schalte ich mittlerweile mein Handy aus, denn ich habe keine Lust mitten in der Nacht von irgendjemandem aus dem Schlaf gerissen zu werden... Wenn es wichtig ist wird die Person sich eh wieder melden, spätestens am nächsten Tag

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    1. Das nenne ich mal eine gesunde Einstellung. Ich schalte mein Handy nachts zwar nicht komplett aus, aber Internet und Ton werden ausgeschaltet! :) Wenn sich jemand mit mir unterhalten möchte, kann er das gerne tagsüber machen!

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