3.10 Der Künstler



















Kapitel 10 - Der Plan

Grace behielt Recht. Noch auf unserem Weg zum Dorf fing es an, zu Gewittern, es wurde windig und Regen- und Hagelschauer setzten ein. Wir beeilten uns, doch kriegten die volle Breitseite des Sturmes zu spüren.Wir erreichten das Dorf völlig durchnässt und verabschiedeten uns im Laufen voneinander. „Da hast du deine Dusche!“, rief ich ihr noch nach und ich konnte gerade noch erkennen, wie sich ihre Mundwinkel nach oben zogen, ehe Grace aus meinem Sichtfeld verschwand. Ich schloss die Tür hinter mir, lehnte mich mit dem Rücken gegen selbige und sackte in mich zusammen. 18 Jahre meines Lebens wurde ich belogen. Belogen von den Menschen, die ich für meine Eltern gehalten hatte. Aufgewachsen in einem System, das die Menschen unterdrückt, in dem ich nur Teil eines Planes bin. Ich bin Teil eines Planes, von dem ich keine Ahnung habe, bin das Mädchen, um das sich eine Prophezeiung dreht, ein Mädchen, das seinen eigenen Weg geht. Ohne Vorschriften... ohne Eltern. Es klopfte und ich schreckte aus meinen Gedanken auf. Ich war noch immer komplett durchnässt, denn weit war ich ja nicht gekommen. Ich stand auf, drehte mich zur Tür um und öffnete sie. Mitten im Regen stand Severin, ebenfalls durchnässt, seine Arme vor dem Körper verschränkt. Er fror offensichtlich und ich bat ihn herein. „Ich mach kurz den Kamin an, dann können wir uns aufwärmen, in Ordnung?“ Er zitterte und nickte. Ich warf etwas Holz in den Kamin und zündete es an. Es begann zu knacken, während die Flammen emporstiegen. „Ich bin sofort wieder bei dir“, stotterte ich und verschwand ins Badezimmer. Ich legte meine nassen Klamotten ab und nahm mir ein Handtuch, um mich abzutrocknen. Ich zog mir trockene Unterwäsche an und zog einen Bademantel über. Ich nahm noch zwei Handtücher und verließ das Bad wieder. „Hier, du solltest die nassen Klamotten ausziehen und dich abtrocknen.“ Ich warf ihm die Handtücher zu, die er auffing. „Möchtest du etwas trinken?“ Er wollte einen Tee. Ich verschwand in der Küche und setzte das Wasser auf, machte einen Tee für ihn und einen für mich. Als ich wieder ins Wohnzimmer kam, hatte er seine nassen Klamotten abgelegt und sich die Handtücher umgebunden und sich in die Wolldecke von meinem Sofa gewickelt. Seine Haare standen in alle erdenklichen Richtungen ab und ich musste lachen. Er schüttelte den Kopf, in der Hoffnung, seine Haare würden sich legen, aber es wurde nur noch schlimmer. Ich reichte ihm seinen Tee und setzte mich neben ihn auf den Boden, um mich am Kaminfeuer zu wärmen. Er trank den ersten Schluck und verbrannte sich die Zunge. Auch ich hatte gerade einen Schluck genommen, den ich lachend wieder ausspuckte. Nun musste auch er lachen. Wir lachten und vergaßen für einen Moment, dass draußen ein furchtbarer Sturm wütete. Das Feuer wärmte uns und wir fingen an, uns zu unterhalten. Er befragte mich zum heutigen Tag, was ich erfahren hatte. Ich fühlte mich geborgen und teilte die Geschichte gerne mit Severin. Er hörte mir aufmerksam zu und schenkte mir etwas Trost. Trotzdem berührte mich die Geschichte beim Erzählen wieder und ich konnte mir die Tränen nicht verkneifen. Severin rückte ein Stück zu mir herüber und streichelte mir über den Rücken, um mich zu trösten, wodurch ich seltsamerweise eine Gänsehaut bekam. „Ich weiß, wie es ist, seine Eltern zu verlieren, Bea. Mir wurde meine Mutter genommen und nun auch mein Vater. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, wie du dich nun fühlst, aber ich weiß dass du dich schlimm fühlen musst. Du hast deine Eltern nicht einfach nur verloren, du hast deine wahren Eltern nie gekannt.“ Seine Hand fuhr meinen Rücken hinauf und er streichelte durch mein Haar, über meinen Nacken bis zu meiner Wange. Ich gab mit meinem Kopf ein wenig nach, blickte verlegen zu Boden. „Du bist so wunderschön geworden, Beatrice.“ Das Kompliment machte mich verlegen und ich grinste, während ich zu ihm aufschaute. Er lächelte freundlich und streichelte mir sanft über meine Wange. Sein Daumen berührte meine Unterlippe und er näherte sich mir. Sein Kopf kam langsam auf mich zu und als ich sah, dass er die Augen schloss, tat ich das auch. Einen Atemzug später spürte ich seine Lippen auf meinen. Sie waren etwas wärmer und eher weich. Er küsste mich und es dauerte etwas, ehe ich den Kuss erwidern konnte. Ich legte meine Hand an seinen Hals. Je länger wir uns küssten, desto stärker begann ich zu zittern, weshalb er aufhörte. „Was ist los?“, wollte er wissen. Ich war noch etwas verlegen. „Das war mein erster Kuss“, gestand ich und ergänzte, „und mir ist ein wenig kalt.“ Severin lächelte, zog mich sanft zu sich hin und legte die Decke um mich, sodass wir sie uns teilten. Während uns von außen die Wärme des Feuers wärmte, spürte ich nun auch die Wärme seines Körpers. Er legte seinen Arm um mich, sodass ich seinem Körper ganz nah war. Nur die Handtücher und der Bademantel trennten seine Haut von meiner. Verträumt schaute ich in in seine Augen und er erwiderte meine Blicke.
Ein lauter Donner riss uns aus diesem Blick. Gleichzeitig ging das Licht aus. Stromausfall. Severin schaute zunächst etwas irritiert in den Raum, doch das lodernde Feuer gab genug Licht und sorgte für eine romantische Atmosphäre im Raum. Ich schaute wieder in seine Augen, die im schwachen Licht das Feuer reflektierten und daher funkelten. Ich verlor mich in diesen Blick, als sein Gesicht sich meinem wieder näherte. Unsere Augen schlossen sich beinahe zeitgleich und kurz darauf drückte er seine Lippen zärtlich auf meine. Ich spürte seine Hand an meiner Hüfte, die mich immer weiter zu sich zog. Meine Hand fuhr währenddessen langsam seinen Arm entlang und streifte dabei das Handtuch ab, das er sich über die Schultern gelegt hatte. Für einen kurzen Moment unterbrach er den Kuss, doch noch bevor ich meine Augen wieder öffnen konnte, küsste er mich wieder. Unsere Zungen bahnten sich langsam ihren Weg zueinander und die Küsse wurden wilder. Er drückte mich zu Boden, sodass ich mit dem Rücken auf dem Teppich lag, und beugte sich über mich. Die Decke hatte er über uns geworfen. Während wir uns küssten, fuhr seine Hand an der Außenseite meines Beines entlang nach oben und zog den Bademantel ein Stück mit sich. Er stützte sich mit dem einen Arm neben meinem Kopf ab und öffnete das Band meines Bademantels. Seine Hand fuhr durch die Öffnung und berührte meinen Bauch, während ich versuchte, seine Zunge mit meiner zu dominieren. Mit sanftem Druck glitt seine Hand weiter nach oben, er berührte meine Brust. Seine Küsse lösten sich langsam von meinem Mund und suchten sich einen Weg über meine Wange zu meinem Hals. Ich legte meinen Kopf in den Nacken, mein Atem wurde schwerer, während seine Lippen meinen Hals berührten. Als seine Zunge begann, meine Brustwarze zu stimulieren, löste sich ein Stöhnen von meinen Lippen.


Severin ließ sich neben mich auf den Teppich sinken und holte tief Luft. Auch ich atmete tief durch und schaute an die Decke. Das Feuer im Kamin war sehr klein geworden, der Raum entsprechend dunkel. Nur hin und wieder erleuchtete ein Blitz den Raum. Ich drehte mich zu Severin hin und legte meinen Arm auf seine Brust. Sie war etwas verschwitzt. Ich streichelte über seine Brust und bemerkte eine Erhebung, die jedoch nicht seine Brustwarze war. Es war etwas härter und länglich und zog sich über die komplette rechte Brust– eine Narbe. „Was ist dir denn da passiert?“, fragte ich mit ruhiger Stimme. Mir war die Narbe zuvor nicht aufgefallen. Severin legte seine Hand auf meine. Ich spürte seinen Herzschlag. Es schlug schnell und gleichmäßig. „Kurz nachdem ich aus dem Sektor geflohen und hier im Dorf gelandet war, wollte ich mich etwas umsehen. Leider bin ich dabei in eine Falle getreten und wurde gefangen. Wachen kamen, die mich in Gewahrsam nahmen. Sie wollten mich zum Turm des Künstlers bringen, um mich dort verhören zu lassen. Auf diese Weise wollten sie das Versteck der Outsider aufspüren Beim Versuch, mich zu befreien, verletzte einer der Wachen mich mit einem Messer“, erzählte er. „Aber dann wissen sie ja jetzt, wo sie nach uns suchen müssen“, stellte ich entsetzt fest, doch Severin konnte mich beruhigen: „Nein. Der Künstler hat hier draußen wenig Einfluss. Er weiß also nicht, wo die Wachen sich aufhielten und damit das so bleibt, haben wir sie ausgeschaltet.“
Der Hagel hatte nachgelassen, das Gewitter zog langsam weiter. Wir lagen eine ganze Weile auf dem Teppich, kuschelten uns aneinander und unterhielten uns über alles mögliche. Es wurde wirklich spät. Die Nacht war bereits angebrochen und Severin musste zurück. Die Sachen waren am Feuer etwas getrocknet, sodass er sich wieder anziehen konnte. Ich behielt den Bademantel an, machte ihn jedoch wieder zu, bevor ich ihn zur Tür brachte. „Danke für dieses schönen Abend, Bea.“ Ich lächelte. Er verabschiedete sich mit einem Kuss von mir, was mich abermals zum Lächeln brachte. Nachdem ich die Tür geschlossen hatte, dachte ich über den heutigen Abend nach. Ich räumte die Tassen weg, in denen noch der meiste Tee war, als mir plötzlich eine Idee kam. Schnell stellte ich die Tassen auf die Spüle und lief zur Tür, die ich weit aufriss. „Severin! Ich habe einen Plan!“

Forsetzung folgt...

Kommentare:

  1. Wow du kannst wirklich richtig toll schreiben! Habe das Kapitel total gespannt durchgelesen, leider habe ich grade nicht genügend Zeit um die anderen 9 Kapitel zu lesen - wieso steige ich bei sowas immer viel zu spät ein? - aber das wird definitiv nachgeholt.
    Du hast auf jeden Fall das Zeug zum schreiben, mach weiter so ich freue mich auf die nächsten Kapitel :)

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    1. Danke für das Kompliment. Solltest du wirklich keine Zeit finden, die bisherige Geschichte zu lesen, gibt es eine kleine Zusammenfassung von Kapitel 3.1 - 3.8, die ich dir gerne per E-Mail schicken kann, wenn du möchtest.

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    2. Nein nein, es du schreibst zu gut um einfach so viele Kapitel als Zusammenfassung zu lesen, ich schaffe das definitiv noch :) Aber danke für das Angebot :)

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  2. Wirklich toll geschrieben.
    Mach weiter so:)
    Alles liebe
    Michelle

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    1. Freut mich, dass dir die Geschichte gefällt. Schon bald gibt es eine Fortsetzung! :)

      Liebe Grüße

      Kevin

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  3. Schön schön ;)
    Endlich darf man wieder etwas lesen von dir.
    Finde es sehr spannend und interessant wie du schreibst.
    Mir gefällt die Geschichte und bin schon auf die Fortsetzung gespannt.
    Liebe Grüße

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