[10] Bösewichte und ihre Persönlichkeit



Die Welt hat schon viele Bösewichte gesehen. In meiner Geschichte geht es darum, ihr einen weiteren hinzuzufügen.

 

Was ist ein Bösewicht?

Ganz allgemein bezeichnet man in der Literatur einen Akteur als Bösewicht, wenn dieser als Widersacher des Protagonisten auftritt. Man nennt die auftretende Person dann auch Antagonist. Dabei unterscheidet man in fiktionalen Geschichten verschiedene Arten der Bösewichte.

Verrückte Wissenschaftler

In Literatur und Film neigen verrückte Wissenschaftler oft dazu, dem Bösen zu verfallen. Oft hält sich dieser Wissenschaftler für so genial, dass er den Glauben vertritt, die Weltherrschaft an sich reißen zu können. Dabei missachtet er das Wohl der Menschen und geht sogar über Leichen. Derartige Bösewichte wurden in einigen James Bond Filmen verbildlicht. Der bekannteste verrückte Wissenschaftler dürfte jedoch Victor Frankenstein sein, der ein Monster schuf, das daraufhin los zog, um zu morden.

Rächer

Rächer erlitten in ihrer Vergangenheit ein schreckliches Schicksal. Sie haben geliebte Personen verloren, Gewalt erfahren oder haben schockierende Erlebnisse gehabt, die sie dazu bewegten, Vergeltung zu üben. Ein bekanntes Beispiel ist Harry Osborn aus Spiderman, der unter allen Umständen den Tod seines Vaters rächen möchte.

Diktatoren und Kriegsherren

Diktatoren lassen sich von ihrer Machtgier steuern. Es geht ihnen beispielsweise darum, ihr Reich zu erweitern. Derartige Züge tauchten auch bei existierenden Diktatoren wie Adolf Hitler auf.

Böser Doppelgänger

Viele Protagonisten besitzen ein böses Spiegelbild. Dieses kann beispielsweise ein böser Zwilligsbruder sein, der dem Ziel des Protagonisten im Wege steht und sein exakten Gegenpol bildet. Beispiele hierfür sind Bizarro aus Supermann oder Venom aus Spiderman.

Psycho- und Soziopathen

Es gibt eine Reihe von Bösewichten, bei denen sich zunächst kein Motiv für ihre Handlungen erkennen lässt. Der Protagonist hat es in diesem Fall besonders schwer, Anhaltspunkte zu finden und kann nur geringfügig dagegen vorgehen. Eine meiner Lieblingsserien (Charmed - Zauberhafte Hexen) verwendet häufiger derartige Bösewichte. Das eigentliche Ziel der Bösewichte bleibt lange Zeit verborgen und hindert die Protagonisten deshalb, gegen den Bösewicht vorzugehen. 

Handlanger

Es gibt auch Bösewichte, die nur als Handlungsorgan einer viel mächtigeren Person auftreten. Diese Person tritt eine lange Zeit hinter seinem Handlanger zurück und bleibt deshalb unentdeckt. In den meisten James Bond Filmen wird dieses Prinzip verwendet.
Es kommt jedoch auch vor, dass Handlanger zunächst als Böse dargestellt werden, sich aber letztendlich als gut erweisen.

Welche bekannten Bösewichte gibt es?

Es gibt eine Vielzahl von bekannten Bösewichten und es würde viel zu lange dauern, sie alle zu beleuchten. Denken wir beispielsweise an Micky Maus, bei dem der Kater Karlo immer wieder als Bösewicht auftaucht. Oder die Panzerknacker, die der Ente Dagobert Duck das Leben schwer machen. Wir haben Gargamel bei den Schlümpfen, Julius Cäsar bei Asterix, den Grashüpfer Hopper beim Großen Krabbeln, Darth Vader aus Star Wars oder Freddy Krueger aus dem Film Nightmare 

Severus Snape (-Spoilergefahr-)

Quelle: fanpop.com
In den Harry Potter Romanen von J.K. Rowling ist Severus Snape der Hauslehrer der Slytherins und ab dem ersten Schuljahr Harrys Lehrer im Fach Zaubertränke.Während er die anderen Schüler des Hauses Gryffindor schikaniert, scheint er Harry regelrecht zu hassen. Er stellt ihm im Unterricht bloß, zieht ihm ungerechtfertigt Hauspunkte ab, gibt ihm schlechte Noten und macht ihn psychisch fertig. Harry und seine Freunde verdächtigen ihn mehrfach, Bedrohliches gegen Harry im Schilde zu führen, doch im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass Snape ihm das Leben gerettet hat und außerdem verhinderte, dass Dolores Jane Umbridge Harry in Misskredit bringen konnte. Die Motive für Snapes widersprüchliches Verhalten versteht Harry zunächst jedoch nicht.
Früher gehörte Snape zu den Todessern, der "bösen Armee" in den Romanen. Dennoch vertraut der Schulleiter Dumbledore ihm und lässt ihn als Lehrer an der Schule arbeiten und verbürgt sich sogar vor dem Zaubereigericht für ihn. Am Ende von Harrys sechstem Schuljahr tötet Snape den Schulleiter jedoch und flieht mit anderen Todessern vom Schulgelände.
Erst als Snape im Sterben liegt, offenbart er Harry sein Geheimnis, sodass Harry endlich die wahren Motive des widersprüchlichen Verhaltens von Snape erfahren kann. Während seiner Kindheit und Jugend entwickelte er eine tiefe Liebe zu Harrys Mutter Lily, die aufgrund einer Prophezeiung später von Voldemort getötet wurde. Zwar hatte Snape Voldemort darum gebeten, Harrys Mutter Lily am Leben zu lassen, diese Bitte war jedoch vergeblich. Nach der Ermordung Lilys versprach Snape Dumbledore, wenigstens das Leben ihres einzigen Sohnes zu schützen. Zwar hat Harrys Anblick stets die Hass- und Eifersuchtsgefühle zu Lilys Partner James wachgerufen, er hat sich jedoch immer an seine Verpflichtung gehalten, Harrys Leben zu beschützen. Als vemeintlicher treuer Diener Voldemorts hat Snape diesem in Dumbledores Auftrag halbe Informationen zugespielt, sodass Voldemort zwar von Harrys Abreise aus dem Ligusterweg nicht aber von den Doppelgängern wusste. Harry erfährt auch, dass er selbst einen Teil von Voldemorts Seele in sich trägt und somit ein sogenannter Horkrux ist. Dumbledores Plan sieht vor, dass sich Harry letztendlich selber opfern muss, um Voldemort wieder sterblich zu machen. Als Snape davon erfährt, verzweifelt er, weil sein Lebensziel, Lilys Sohn zu beschützen, damit gescheitert ist. Mit der Übergabe seiner Erinnerung an Harry erfüllt Snape seine letzte Pflicht.

Maleficent (-Spoilergefahr-)

Quelle: diesney.wikia.com
Maleficent ist der Name der dunklen Fee in der gleichnamigen Neuauflage des Märchens Dornröschen. Zunächst ist sie jedoch eine junge, freundliche Fee, die im Reich der Moore lebt, wo Feen und Zauberwesen im Einklang miteinander leben. Eines Tages erfährt Maleficent davon, dass ein junger Mensch in dieses Reich eingebrochen ist. Sie stellt ihn zur Rede, fordert den gestohlenen Edelstein zurück und geleitet ihn dann zum Rand des Reiches. Die beiden werden schließlich Freunde. Bei einem Angriff der Menschen auf das Reich der Moore verteidigt Maleficent dies gegen die Menschen. Mit dem Alter wandelt sich Stefans Gesinnung. Er möchte einen höheren Stand im Reich der Menschen erreichen. Der König bietet ihm diesen an, wenn er dafür Maleficent tötet, die Fee, die ihn in der Schlacht geschlagen hat.
Hinterhältig trifft er sich erneut mit Maleficent, betäubt sie mit einem Trank und beraubt sie ihrer Flügel als Beweis für den König. Dieser Verrat bricht Maleficent das Herz. Sie umschließt die Moore mit einer gigantischen Dornenhecke und ernennt sich selbst zur Königin der Moore.
Maleficent erfährt, dass Stefan mittlerweile zum König ernannt wurde und eine Tochter erwartet. Bei der Taufe des kleinen Mädchens namens Aurora tauchen die drei Blumenfeen, die die einzigen Zauberwesen sind, die sich gegen Maleficents Schreckensherrschaft stellen, auf und besprechen das Kind mit Zaubern und guten Wünschen. Auch Maleficent taucht auf, wünscht dem Kind eine schöne Kindheit und unglaubliche Schönheit und bespricht sie im nächsten Satz mit einem Fluch. Das Mädchen solle sich an ihrem 16. Geburtstag an einer Spindel stechen und in einen todesgleichen Schlaf verfallen. Nur ein Kuss wahrer Liebe könne den Fluch brechen und keine Macht der Welt könne daran etwas ändern. Diese Klausel fügte sie auf Wunsch des Königs herbei, der auch sie an ihrem 16. Geburtstag zum ersten Mal küsste und dies als Kuss wahrer Liebe deklarierte. Sie ging davon aus, dass es den Kuss wahrer Liebe niemals geben könnte.
King Stefan lässt daraufhin alle Spinnräder im Land zerstören und gibt das Mädchen bis an dem Tag nach ihrem 16. Geburtstag in die Obhut der drei Blumenfeen. Da die Blumenfeen mit dem heranwachsenden Kind überfordert sind, beobachtet auch Maleficent dieses und rettet ihm das Leben, als es einem Schmetterling über die Kante einer Schlucht folgt. Mit 15 Jahren lernt Aurora Maleficent persönlich kennen und nennt sie ihre gute Fee. Während die beiden immer mehr Zeit miteinander verbringen und Maleficent ihr das Reich der Moore zeigt, erkennt sie, dass das Mädchen keine Schuld am Verhalten ihres Vaters trägt und möchte den Fluch aufheben. Dies gelingt ihr jedoch nicht, da "keine Macht der Welt vermag, diesen Fluch zu brechen". Die Blumenfeen verraten versehentlich in einem Gespräch, dass Auroras Eltern noch am Leben sind und dass sie verflucht wurde, als sie daraufhin Maleficent aufsucht, gesteht diese, dass sie das Mädchen verflucht hat. Aurora flieht zur Burg ihres Vaters, wird dort jedoch von ihrem Vater zum Schutz weggesperrt. Durch einen Geheimgang gelangt sie in den Kerker, wo ein Spinnrad steht, das sich stets wieder zusammensetzt, wenn es zerstört wird. Wie der Fluch es vorhergesagt hat, sticht sie sich an der Spindel und schläft ein. Maleficent trifft einen hübschen jungen Mann, den auch Aurora zuvor kennengelernt hatte, und erhofft sich von diesem den Kuss wahrer Liebe für Aurora. Sie versetzt ihn in einen Schlaf und führt ihn zum Schloss, wo die Blumenfeen ihn zu dem Kuss zwingen. Als das Mädchen nicht aus dem Schlaf erwacht, verschwinden die Blumenfeen und Phillip. Maleficent ist traurig über den Zustand des Mädchens und verspricht ihr mit Tränen in den Augen, dass ihr niemals etwas zustoßen werde. Als sie sich mit einem Kuss verabschiedet, erwacht das Mädchen aus ihrem Schlaf. Bei der Flucht wird Maleficent gefangen, kann sich aber befreien. Aurora flieht und entdeckt Maleficents Flügel, die King Stefan in einer Glasvitrine aufbewahrt. Sie zerstört die Vitrine, woraufhin die Flügel zu der Fee zurückfliegen und sich wieder mit ihr vereinen. King Stefan, der nun versucht Maleficent zu töten, gerät in einen Zweikampf mit ihr. Als sie von ihm ablässt, um zu gehen, versucht er sie zu erstechen, wobei die beiden von der Burg stürzen. Diesen Sturz überlebt King Stefan nicht.
Maleficent hingegen hat ihren Frieden gefunden. Im Reich der Moore krönt sie Aurora zur Königin beider Königreiche, die Dornenhecke verschwindet und das Königreich der Moore blüht neu auf.

Beide "Bösewichte" zeigen sehr schön, dass ein Bösewicht im Laufe einer Geschichte einen Wandel durchleben kann - sei es ein Wandel der Persönlichkeit wie bei Maleficent oder ein Wandel der Sichtweise auf diese Person wie bei Snape, den man am Anfang für den bösen Lehrer hält, während er sich am Ende als Freund entpuppt. Und die Beispiele zeigen auch, dass in jedem Bösen, etwas Gutes und in jedem Guten etwas Böses stecken kann. Vielen Dank an dieser Stelle an Nico, der mich auf die Idee von Snape als Beispiel gebracht hat, und Lean, von dem die Idee mit Maleficent kam.

Gibt es in der Realität auch Bösewichte?

London, 1888 - Zwischen August und November des Jahres 1888 wurden fünf Prostituierte ermordet, vier der Opfer wurden vollständig zerstümmelt. Neben den fünf anerkannten Morden gab es zu dieser Zeit eine Menge ähnliche Morde oder Angriffe, die jedoch nicht zweifelsfrei dem Täter zugeordnet werden konnten. Die Opfer waren Frauen, die sich ihre Einkünfte durch Prostitution verbesserten. Die Morde wurden dabei an öffentlichen Plätzen verübt. Den Opfern wurde die Kehle oder die Halsschlagader durchgeschnitten, bevor sie verstümmelt, insbesondere am Unterleib. Einigen seiner Opfer nahm der Täter sogar die inneren Organe heraus. Strangulations- oder Würgemale konnten bei den Opfern nicht festgestellt werden, Abwehrverletzungen fehlten gleichermaßen. Man geht davon aus, dass der Täter anatomisches Wissen besitzt, diese Annahme ist jedoch umstritten.
Die Morde ereigneten sich im Londoner Eastend. Für diese Region war Gewalt zwar nicht ungewöhnlich, Morde waren jedoch nur selten. Der erste Mord dieser Serie löste eine Reihe von Gewaltverbrechen an Frauen aus. Die Polizei hatte Probleme, die Morde des gesuchten Täters von anderen Verbrechern zu unterscheiden. Der Täter konnte niemals gefasst werden, sodass man nur über seine Identität spekulieren kann. Der Serienmörder erhielt deshalb das Pseudonym Jack the Ripper.

Chicago, 02.01.1972 - Es ist Abends. Der 16-jährige Timothy McCoy ist vermutlich auf dem Weg nach Hause, als er aus einem Auto angesprochen wird. Freiwillig steigt der Junge ins Auto, das kurz darauf zu einem Haus in der Nähe fährt, und fügt sich dort der Lust eines 30-jährigen Mannes. Anschließend wird der Junge erstochen und unter dem Kriechkeller verscharrt.
29.07.1975 - Der 17-jährige John Butkovich wurde in einer Kneipe zusammengeschlagen. Der 30-jährige Mann kümmert sich hilfsbereit um den Jungen und nimmt ihn mit nach Hause. Dort versorgt er zunächst die Wunden, fesselt den Jungen dann aber an einen Stuhl und vergewaltigt ihn. Nachdem er ihn dann mit einem Strick erdrosselt hatte, verscharrte er den Jungen in der Garage.
Nach der Scheidung seiner Ehe 1976 begann er die Mordserie. Auf die bisherigen Morde folgten 31 weitere Morde an Jungen und jungen Männern in den nächsten zwei Jahren. Am 21. Dezember 1978 wurde der Mann verhaftet. In seiner Verhandlung plädierte die Verteidigung auf "unschuldig aufgrund von Geisteskrankheit", das Gericht wies dies jedoch zurück.
John Wayne Gacy, der als Killer-Clown bezeichnet wurde, weil er häufiger in selbstgenähten Clowns-Kostümen auf Straßenfesten auftrat, erhielt die längste Haftstrafe, die jemals über einen Serienmörder verhängt wurde - 21 mal lebenslänglich. Zudem wurde er 12 mal zur Todesstrafe verurteilt, die nach einer Haft im Mai 1994 vollzogen wurde. Nach der Hinrichtung durch Injektion wurde sein Gehirn dem Schädel entnommen und untersucht. Es wies keinerlei Anzeichen auf eine psychische Störung auf.

Vielen Dank an Eva, die mich auf diese Killer aufmerksam gemacht hat.
Wie ihr seht, gibt es Bösewichte auch in der Realität. Diese Serienmörder mordeten auf brutalste Art und Weise. Das Beispiel von Jack the Ripper zeigt uns jedoch auch, dass es möglich ist (oder zumindest war), ein Verbrechen zu begehen, ohne ertappt zu werden. Dass derartiges Verhalten nicht immer auf eine psychische Störung zurückzuführen ist, zeigt uns der Fall von John Wayne Gacy, der noch nicht einmal so weit in der Vergangenheit liegt.

Wie wird der Bösewicht in der neuen Geschichte?

Natürlich möchte ich euch nicht zu viel verraten. Ich bin bemüht, das Motiv des Bösewichts bis zuletzt zu verschleiern. Außerdem habe ich noch ein paar weitere "Wendungen" für die Geschichte geplant, die auf die menschliche Psyche abspielen und euch sicherlich interessieren. Gerne beantworte ich euch ein paar Fragen zu der Geschichte, solange sie nicht zu viele Informationen vorweg nehmen. Hinterlasst mir deshalb gerne eure Fragen in den Kommentaren!

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Kommentare:

  1. Hach. Snape. Das er ja kein eigentlicher Bösewicht ist, dass macht ihn so unglaublich sympathisch. Ich habe es geliebt als am Ende klar wurde wie viel ihm Lilly bedeutet hat. Wundervoll ♥

    Liebe Grüße,
    Angi

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  2. Wirklich toll, habe ich gerne gelesen.
    Du hast wirklich immer so interessante Themen.
    Jack the Ripper kannte ich ja, Gacy allerdings nicht.
    Echt krass was der gemacht hat und das er so lange damit durch kam.
    Einer meiner liebsten Bösewichte ist ja Hannibal, beim ihm war es auch die Psyche.
    Alles Liebe
    Michelle

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  3. Snape ist auch mein Lieblingsbösewicht, der hatte ja doch was gutes in sich ♥
    Toll geschrieben, lese so gern deinen Stil!

    Liebe Grüße
    Julia

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