[10] Das perfekte Verbrechen



Gibt es das perfekte Verbrechen wirklich? Gibt es einen Mord, den man nicht nachweisen kann?

 

Manchmal sitze ich vor meinem Monitor und fange an, mich zu sorgen. Ich frage mich, ob Menschen Angst vor mir bekommen würden, wenn sie wüssten, wonach ich im Internet suche und worüber ich mir in diesem Augenblick hinter der verschlossenen Tür meines Zimmers Gedanken mache. Ich plane ein Verbrechen. Einen Mord. Vielleicht auch ein paar mehr.

Natürlich möchte ich keinen Mord begehen. Aber ich muss dafür sorgen, dass welche begangen werden. Wie ihr vielleicht schon vermutet habt, geht es in meinem Buchversuch nämlich um einen Mörder. Der Bösewicht, den ihr in meinem letzten Post etwas mitgestaltet konntet, ermordet nämlich Menschen. Ich bin bemüht, euch bis zum Schluss zu verheimlichen, wer der wahre Bösewicht ist. Damit auch die Polizei, für die ja auch der Protagonist Alexander Thompson arbeitet, dem Täter ebenfalls nicht auf die Schliche kommt, bin ich auf der Suche nach dem perfekten Verbrechen.

Leider kam ich bei meiner Recherche im Internet zu dem Ergebnis, dass es den perfekten Mord praktisch gar nicht mehr gibt - zumindest laut vieler Quellen. Die forensische Technik ist mittlerweile soweit fortgeschritten, dass es mittlerweile sogar gelingt, eine Überdosis an Insulin nachzuweisen.

Insulin ist ein körpereigenes Hormon, das Wirbeltiere zum Überleben brauchen und deshalb in der Bauchspeicheldrüse produzieren. Insulin ist das einzige Hormon, dem es gelingt, den Blutzuckerspiegel zu senken, während es eine Vielzahl von Hormonen gibt, die das Gegenteil bewirken. Insulin ist also besonders für Diabetiker wichtig und ist deshalb auch in Spritzen erhältlich.

Der englische Krankenpfleger Kenneth Barlow erwähnte 1955 in einem Vortrag über Insulin, dass man hiermit den perfekten Mord begehen könnte - einen Mord, den man nicht nachweisen könnte. Diese fehlerhafte Annahme wurde Barlow drei Jahre später zum Verhängnis, als er seine Frau mit einer Überdosis Insulin umbrachte. Zwar gelang es den Wissenschaftlern nicht, zweifelsfrei nachzuweisen, dass Barlow seiner Frau Insulin gespritzt hatte, sie konnten aber in zahlreichen Versuchen ein Mittel nachweisen, dass wie das Insulin wirkte. Ursache für diese umfangreiche Ermittlung und Forschung war der Fund der kleinen Einspritzlöcher während der Obduktion.
Mit den gewöhnlichen toxikologischen Tests konnte man das Insulin zu dieser Zeit nicht nachweisen. Außerdem wird Insulin relativ schnell abgebaut. Um das perfekte Verbrechen vorzubeugen, mischte man dem Insulin Beistoffe hinzu, die länger im Körper nachgewiesen werden können. Mittlerweile kann man außerdem den Gehalt von C-Peptiden im Körper bestimmen. C-Peptide sind das Abfallprodukt des Körpers bei der Insulinproduktion. Dieses lässt sich deutlich länger im Körper nachweisen und kann deshalb zur Überführung der Todesursache behilflich sein.

Für mich war also klar, dass das perfekte Verbrechen auf diese Art und Weise nicht funktionieren konnte. Die Einstichlöcher mussten verschwinden. Denn sobald man diese in der Obduktion finden würde, würde man sich gezielt auf die Suche machen und dann die C-Peptide nachweisen. In einem normalen Bluttest kann man dies übrigens nicht nachweisen. Früher oder später würde man dann vermutlich "natürlicher Tod" ankreuzen.

Ich möchte euch nicht verraten, wie die einzelnen Morde vonstatten gehen. Wichtig ist zu wissen, dass keiner schlicht sein wird und dass keiner dem anderen vollständig gleichen wird. Ihr dürft also weiterhin gespannt sein!

Ach übrigens: Wenn man absichtlich versucht, falsche Spuren zu legen, verrät man mehr über sich als über den vermeidlichen Täter. Die besseren Verbrechen begehen laut Experten diejenigen, die ihr Verbrechen nicht planen. Denn jeder Plan lässt sich zurückverfolgen, lässt sich durchschauen. Wer beispielsweise Insektenlarven in die Leiche legen will, um den Eindruck zu erwecken, die Leiche würde schon stärker verwesen und somit älter sein, muss diese irgendwo sammeln oder kaufen und erregt auf diese Art und Weise sicherlich ein wenig Aufmerksamkeit. Selbst die Insekten, die im Rahmen der Verwesung den Leichnam befallen, können wichtige Hinweise sein. Forensische Entomologie nennt sich die Wissenschaft, die Insekten am Tatort untersucht. Maden und andere Insekten am Tatort können beispielsweise DNA-Spuren vom Täter in sich tragen, dass sich an der Leiche befand und von ihnen gefressen wurde. Auch Teile von giftigen Substanzen können ein Leben lang in der Hülle von Larven nachgewiesen werden, wenn diese es aufgenommen haben. Insekten sind also am Tatort weniger ekelerregend sondern können von großer Bedeutung sein.

Obwohl die Forschung mittlerweile so enorm weit fortgeschritten ist, bleiben allein in Deutschland jährlich rund 1.200 Tötungsdelikte ungeklärt. Den Grund dafür sieht ein Rechtsmediziner aus Bonn an der magelhaften Leichenschau der Ärzte, bei denen häufig etwas übersehen wird. Dann erhält dieser Todesfall das Label "natürlicher Tod" und ist somit einer der wenigen Beweise dafür, dass es sie doch gibt - die perfekten Verbrechen, über die man im Internet nichts finden kann.


Stell dir vor...

...du wärst der Bösewicht meiner Geschichte. Wie würdest du morden? Gibt es den perfekten Mord? Schreibe deine Meinung oder deinen Vorschlag (gerne auch anonym, damit dich niemand für einen psychisch-kranken Mörder hält) in die Kommentare. Demnächst gibt es dann eine Abstimmung und mit etwas Glück wird dein Vorschlag einer der Morde in meiner Geschichte!

Kommentare:

  1. Hach wie cool!
    Ich arbeite in einem Labor, da bestimmen wir zwar nicht gerade sowas, aber wir hatten das auch in der Schule. :D
    Ziemlich cool wie du so schreibst und ich muss sagen, dass du mir voll bekannt vorkommst :D
    Ganz liebe Grüße, Carina. :)

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    1. Habe eine Weile überlegt, aber ich glaube, wir kennen uns nicht! :)
      Ist ja interessant, was ihr heutzutage in der Schule lernt! :P

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  2. Ich finde mich schon im ersten Absatz wieder, würde jemand meinen Google Verlauf lesen würde er mich für psychischkrank halten, so viel google ich nach Serienkillern und ähnlichem. Es stimmt wohl, dass es DAS perfekte Verbrechen heute nicht mehr gibt, aber dennoch laufen einige Mörder da draußen frei rum ohne gefasst zu werden, also muss es wohl doch möglich sein einen Mord zu vertuschen?
    Ist es komisch, dass ich es grade ziemlich witzig fand, dass der Typ einen Vortrag über Insulin als perfektes Mordvertuschungsmittel hält und darauf hin seine Frau damit umbringt? Er hat sich ja praktisch selbst verraten.. Nun gut.
    Das mit den Insekten wusste ich auch noch nicht, finde ich sehr interessant.
    Nun zu deiner Schlussfrage. Wie schon erwähnt finde ich Serienkiller ziemlich interessant. Die beiden interessantesten sind für mich Jack the Ripper und John Wynne Gacy (tagsüber ein Clown, nachts ein Serienmörder der Jungen und junge Männer tötet). Als männliche Bösewichte finde ich außerdem Sexualstraftäter interessant und wie ich hier glaube ich schon mal geschrieben habe: psychisch kranke. Wie genau ein Mord meiner Meinung nach ablaufen würde, weiß ich leider nicht, tut mir leid

    Liebste Grüße, Eva
    P.S.: Bei mir gibts grade auch ein kleines Gewinnspiel

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    1. Vielen Dank für die Hinweise zu Jack the Ripper und John Wynne Gacy. Werde mich direkt mal über die schlau machen! :)
      Ich kann soviel verraten: Mein Bösewicht wird aller Wahrscheinlichkeit nach weiblich! :)

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  3. Das perfekte Verbrechen ist ein Gedankenspiel das in so einigen
    Krimis vorkommt.
    Ich glaube Insulin wäre dafür ungeeignet (man bekommt es nur auf Rezept
    und warum sollte jemand insulin nehmen, der sonst keines konsumiert).
    Da kannst du auch zwei Packungen Parazetamol nehmen
    (ist frei erhältlich und kann mit lethalen folgen überdosiert werden).
    Da bin ich mal auf den Krimi gespannt
    Beste Grüße

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    1. Das ist dann wieder so eine Sache. Man fällt natürlich irgendwie auf, wenn man plötzlich 2 Packungen Paracetamol kauft. Außerdem bin ich der Meinung, dass Paracetamol deutlich länger im Körper nachgewiesen werden kann. Ich hatte mir Insulin ja ausgesucht, weil das schnell abgebaut wird. :)
      Aber ich beherzige deinen Kommentar und werde mir noch einmal Gedanken dazu machen!

      Danke!

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  4. Hallo Kevin,

    wir sehen ein Verbrechen dann als perfekt an, wenn der Täter nicht ermittelt werden kann. Damit ein Täter aber ermittelt werden kann, müssen Beweise gegen eine Person vorhanden sein. Fehlen diese Beweise kann es das perfekte Verbrechen geben.

    Um bei dem Insulin-Beispiel zu bleiben: Man mag zwar bei einer Obduktion herausbekommen, dass jemand mit Insulin umgebracht worden ist, aber man kann es nur feststellen, wenn man auch eine Leiche hat an der man diese Untersuchungen vornehmen kann. Keine Leiche bedeutet zwangsläufig auch kein Insulinnachweis und keine Täter-DNA usw.

    Aber selbst wenn Beweise vorhanden sind, müssen diese einem Täter zweifelsfrei zugeordnet werden können. Was nützt es eine Täter-DNA gesichert zu haben, wenn man diese DNA keiner Person zuordnen kann? Was nützt es einen DNA-Test in einem ganzen Dorf durchzuführen, wenn der Täter aus 1.000 km Entfernung kommt? Was nützt es ...

    Das perfekte Verbrechen steht und fällt einzig und allein an der Beweislage.

    Fazit: Rein theoretisch möglich, aber sehr unwahrscheinlich.

    Viele Grüße
    Alexander

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    1. Es wird aber auch ein bisschen umständlich, ein Verbrechen überhaupt zu erkennen, wenn es weder Beweise noch eine Leiche gibt. Für meinen Krimi ist es notwendig, dass die Leichen gefunden werden. Die Beweise sollen natürlich so gering wie möglich gehalten werden und genau das ist das Problem. Die meisten werden sich wehren, durch Kratzen gelangen Hautpartikel des Täters unter die Fingernägel des Opfers, der Täter verliert Haare usw.
      Der letzte Punkt deines Kommentars ist jedoch sehr nützlich. Natürlich bringen auch die besten Beweismittel nichts, wenn sie nicht zugeordnet werden können. Und ehe ein Massen-DNA-Test eingeleitet wird, verstreicht noch eine Menge Zeit!

      Danke für deinen Kommentar. :)

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  5. Mhm demletzt habe ich von einem Medikament gehört, dass wohl Nitro heißt und zusammen mit Viagra tödlich wirkt. Bei den richtigen Personen würde doch so ein Mord nicht auffallen, wenn das richtig in die Geschichte eingebunden ist würde ich das nehmen,

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    1. Danke für deinen Kommentar. Ich habe mich diesbezüglich ein wenig informiert. Der Wirkstoff heißt Glycerintrinitrat (oder Nitroglycerin) und wird nicht nur als Medikament sondern auch als Sprengstoff verwendet.
      Es kann tatsächlich zu lebensgefährlichen Komplikationen kommen, wenn man bis zu 72 Stunden vor der Einnahme des Glycerintrinitrates Viagra einnimmt.
      Ich nehme an, dass dies jedoch in der Packungsbeilage erwähnt und sicher bei Menschen, die sowohl dieses Medikament als auch Viagra zu sich nehmen, bekannt ist.
      Die Polizei würde also zumindest vorläufig ermitteln, bis das Verfahren irgendwann als Selbstmord ad acta gelegt wird. In meinem Krimi handelt es sich jedoch um einen Serienkiller, der auf irgendeine Art und Weise bewusst Spuren hinterlässt, ohne jedoch einen Hinweis auf seine Identität zu hinterlassen. Ein Mord, der aussieht wie ein Selbstmord passt nicht ins Täterprofil, was mich auf der anderen Seite jedoch herausfordert und interessant ist.
      Ich werde mir diesbezüglich Gedanken machen!

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