[10] Posttraumatische Belastungsstörungen



"In meinem Kopf spielen sich wieder diese Bilder ab. Ich stehe alleine, schaue mich in alle Richtungen um. Es ist wie damals. Ich spüre, wie mein Herz zu rasen beginnt, atme ungleichmäßig. Plötzlich vergesse ich mich." (aus »10«) 



Was ist ein Trauma?


Heute möchte ich mich mit Posttraumatischen Belastungsstörungen auseinandersetzen. Warum? Weil sie auch in meiner Story eine bedeutende Rolle spielen werden. Posttraumatische Belastungsstörungen (kurz: PTBS) sind psychische Erkrankungen, denen definitionsgemäß mindestens ein traumatisches Ereignis voran geht. In der Psychologie bezeichnet man als Trauma eine seelische Verletzung. Traumatische Ereignisse können demnach ganz unterschiedlich ausfallen. Naturkatastrophen, Geiselnahmen, Vergewaltigungen, Kriegserlebnisse, Terroranschläge und Folter können ebenso traumatisierend sein wie ein Autounfall, der Verlust einer geliebten Person oder auch das Verbinden eines unangenehmen Ereignisses mit einer bestimmten Situation.


Löst jedes Trauma eine PTBS aus?


Nein. Derartige Ereignisse lösen in Menschen zwar extremen Stress aus, verursachen ein Gefühl der Hilfslosigkeit oder des Entsetzens und rufen dadurch eine Angst- und Stressspannung hervor, die allerdings bei der Mehrzahl der Betroffenen von allein wieder abklingt. Dennoch verändert sich ihr Verhalten dadurch. Wissenschaftler sprechen hierbei vom Posttraumatischen Wachstum, weil die Überwindung des traumatischen Ereignisses sie wachsen lassen hat. Sie intensivieren fortan beispielsweise Beziehungen zu anderen Personen, weil sie eine geliebte Person verloren haben. Oder sie setzen neue Prioritäten, weil die ehemalige Lebensweise sie in eine unangenehme Situation geführt hat.
Nachdem ein Betroffener ein traumatisierendes Erlebnis hatte, beginnt die kognitive Bewältigung, in der sich der Betroffene in fünf Phasen mit dem Erlebnis auseinandersetzt:

1. Häufige, automatische Wiederholung des Ereignisses (kognitiver Verarbeitungsprozess)
2. Emotionaler Stress wird abgebaut
3. Verabschiedung von unerreichbaren Zielen und Ansichten (z.B. Ereignis ungeschehen machen etc.)
4. Reflektierende Wiederholung
5. Veränderung der Grundannahmen (→ Posttraumatisches Wachstum)


Wie macht sich eine PTBS bemerkbar?


In besonderen Fällen bleiben diese Stressspannungen jedoch über einen längeren Zeitraum bestehen, sodass es nicht gelingt, das Erlebnis zu verarbeiten. In solchen Situationen kann es zur Ausbildung von psychischen Symptomen kommen. Bei jedem Dritten kommt es somit neben der schmerzlichen Erinnerung zu einem psychischen Krankheitsbild. Die Posttraumatische Belastungsstörung ist das am häufigsten auftretende Krankheitsbild nach einem traumatisierenden Ereignis. In der Regel tritt sie innerhalb von sechs Monaten nach dem traumatisierenden Ereignis auf. Betroffene können darauf mit körperlichen Reaktionen wie Schmerzen, Magenproblemen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Herzrasen, Schreckhaftigtkeit und erhöhter Krankheitsanfälligkeit reagieren. Weitaus häufiger treten jedoch emotionale Reaktionen wie Emotionslosigkeit, Distanz zu Menschen, die mit dem Ereignis in Verbindung stehen, Depressionen, Ängstlichkeit, erhöhte Aggressionsbereitschaft. Häufig treten auch sogenannte Flashbacks auf, die den betroffenen unfreiwillig an das Ereignis erinnern.
Betroffene verlieren ihr Sicherheitsgefühl, isolieren sich zunehmend und haben das erhöhte Bedürfnis, die Umwelt und Andere zu kontrollieren. Sie sind übervorsichtig, leicht reizbar, können sich nicht mehr konzentrieren oder entscheiden. Auch das Auftreten von Schuldgefühlen ist keine Seltenheit.


Wie wird Betroffenen am besten geholfen?


Wichtig ist der Grundsatz: Hilfe statt Selbsthilfe. Betroffene isolieren sich häufig und versuchen, sich selbst zu helfen. Dabei greifen sie beispielsweise zu Alkohol oder versuchen ihre Probleme selbstständig aus dem Weg zu räumen, wobei sie häufig die Grenzen der Legalität überschreiten. Körper und Geist sind deshalb nach dem traumatisierenden Ereignis auf Zeit und Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld angewiesen. In etwa 50% aller Fälle gelingt dies auf diesen Weg auch ohne professionelle Unterstützung. Wichtig ist ebenfalls zu wissen, dass jeder Mensch persönliche Bewältigungsstrategien besitzt. Diese zu optimieren, sollte das oberste Ziel der persönlichen Unterstützung sein.
Die üblichen 50% sind auf die professionelle Unterstützung angewiesen. Sie benötigen eine Psychotherapie.


In der Geschichte »10« wird Alexander Thompson ein traumatisierendes Ereignis zu verarbeiten haben. Habt ihr Vermutungen, wie dieses Erlebnis aussehen könnte? Ich bin gespannt!

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Kommentare:

  1. Ich könnte mir den Verlust einer nahe stehenden Person gut als Grund für eine PTBS bei Alexander vorstellen. Oder er hat in einem seiner früheren Fälle eine schlimme Erfahrung machen müssen.

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  2. Vielleicht erlebt Alexander in der Geschichte eine Geiselnahme? Ich bin gespannt...

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  3. Interessant .. Ich wusste einiges noch nicht

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  4. Hallo Kevin,

    vorstellen könnte ich mir, dass Alexander Thompson ein schlimmes Erlebnis in seiner Kindheit erfahren hat, und bei seinen Ermittlungen auf einen ähnlichen Fall stößt, der ihn dann schließlich aus der Bahn wirft.

    Z. B. wurde Hannibal Lecter laut dem Film „Hannibal Rising“ erst dadurch zum Kannibalen, weil er als Kind dabei zusehen musste, wie man seine kleine Schwester verspeiste.

    Eine weitere Möglichkeit wäre vielleicht, wenn Alexander Thompson in diesem Roman „Projekt 10“ bei seinen Ermittlungen ein traumatisches Erlebnis erfährt und dann vielleicht im zweiten Teil „Projekt 11“ darauf aufgebaut würde?

    Denkbar wäre, dass ein Täter feststeht und aufgrund von Rechts- und Ermittlungsfehlern dieser nicht angeklagt bzw. schuldig gesprochen werden kann. Alexander Thompson nimmt die Bestrafung dann selber in die Hand und wird vom Ermittler selber zum Täter.

    Hoffentlich konnte ich dir mit den Vorschlägen weiterhelfen. Ich lasse mich mal überraschen, was für eine PTBS Alexander Thompson erleiden wird.

    Alexander

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