Bahn vs. Fernbus



Wie groß ist der Konkurrenzdruck?


Wer in Deutschland über die Autobahnen fährt oder in den Städten unterwegs ist, hat sie sicher schon  einmal gesehen: Fernreisebusse. Die grünen  (meinfernbus.de), die orange-blauen (flixbus.de) oder den gelben  (ADAC Postbus) Fahrzeuge sind schon längst keine Neuheit mehr auf den Autobahnen.. Auf weit über 200 Linien verbinden die Busse der verschiedenen Anbieter deutsche Städte miteinander - und das Netz wächst.

Busunternehmen locken mit kleinen Preisen für große Reisen.


Besonders attraktiv: Eine Reise mit dem Fernbus ist besonders kostengünstig. Die Strecke Hamburg - Berlin gibt es bereits ab 8 Euro. Ohne Bahncard und Sparpreis bezahlt man bei der Bahn fast das Zehnfache.
Nicht verwunderlich also, dass die Fernbusbranche der Bahn ein Dorn im Auge sein könnte. Doch auch der Bahnkonzern mischt in dieser Branche mit. Der IC Bus und die BerlinLinienBusse, die zu einer Tochtergesellschaft der Bahn gehören, waren der Versuch der Deutschen Bahn, am wachsenden Fernbusmarkt mitzumischen. Dominieren tun diesen jedoch weiterhin andere Anbieter.
Um dieser Bewegung weiterhin entgegenzuwirken, hat die Bahn beispielsweise einen InterRegioExpress für die Strecke Hamburg - Berlin angelegt, der die Fahrgäste für 19,90 von A nach B bringt. Zwar fährt dieser Zug fast doppelt so lange wie der Schnellzug, wer aber so großem Wert auf das Geld legt, kann diese Abstriche sicher vertragen.

Die Bahn ist teurer - nicht ohne Grund.


Dass das Bahnfahren teurer ist, hat jedoch seine Gründe. Das Trassennetzwerk, das die Bahnhöfe miteinander verbindet, gehört nicht der Deutschen Bahn. Für jeden Zug muss sie eine Art Belegungsgebühr bezahlen, damit dieser überhaupt über die Schienen rollen darf. Die Busse dürfen die deutschen Autobahnen (noch) kostenlos befahren, was den deutlichen Preisunterschied erklärt.
Dass die Gefahr der Fernbusbranche für die Bahn so gewaltig groß ist, damit hat auch Bahnchef Rüdiger Grube nicht gerechnet. Während Fernreisebusse schon seit vielen Jahren beispielsweise in Frankreich fahren, waren sie in Deutschland noch bis 2012 gesetzlich verboten. Grube erwartete, dass die Fernreisebusunternehmen ebenso schnell wieder verschwunden seien wie sie aufgetaucht waren. Weit gefehlt. Immer mehr Fahrgäste steigen auf die günstigeren Busse um, die im Gegensatz zu den Regionalzügen auch noch kostenloses WLAN und Steckdosen an jedem Platz bieten.
Kein Wunder also dass die Busse an Beliebtheit gewinnen. Besonders beliebt sind die Busse bei Studenten, die sparen wollen, und älteren Leuten, die es nicht unbedingt eilig haben. Wo die Nachfrage vorhanden ist, wächst natürlich auch das Angebot. Deutschlandweit gibt es eine Vielzahl von Unternehmen. Ein Großteil dieser sind Familienunternehmen und zählen kaum mehr als eine Hand voll Busse.
Ob sich die Busse aber dauerhaft rentieren, ist einen andere Frage. Günstige Tickets bedeutet nämlich auch geringer Gewinn. Auf Dauer setzen sich die größeren Unternehmen durch und verdrängen die kleinen. Zu erwarten ist außerdem ein großer Mangel an Busfahrern. Die steigende Nachfrage und der Ausbau der Streckennetze macht auch eine größere Fahreranzahl erforderlich. Schon im letzten Jahr waren mehr als 1.000 Stellen unbesetzt.

Der Druck auf die Busunternehmen steigt. Es bleibt also abzuwarten, ob die Fernreisebusse dauerhaft so günstig  bleiben oder die Bahn sich weiterhin als Nummer Eins hält. Denn in einem Punkt -durchaus neben der regelmäßigen  Unpünktlichkeit - können die Busse die Bahn nicht schlagen: Die Bahn ist schneller und fährt staufrei.

Kommentare:

  1. Eins fehlt mir hier: Der Sicherheitsfaktor!

    Bahnunglücke treten weitaus seltener auf als Busunfälle...

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  2. Die Bahn ist nicht nur dem Fernbus in vielen Aspekten überlegen. Ich sehe jedoch auch ihre Monopolstellung als Nachteil. Ich vermute, dass sich das auch stark auf den Preis auswirkt.

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