[10] Warum wir nicht vergessen



"Was wollte ich noch gleich tun?", "Was hat die Professorin in der Vorlesung gesagt?" Manche Dinge vergessen wir im Handumdrehen, während andere uns nicht aus dem Kopf gehen wollen. 


Wo werden Erinnerungen gespeichert und warum vergessen wir einiges?


Unser Erinnerungsspeicher ist das Gedächtnis. Es besteht aus mehreren Teilen, die über das gesamte Gehirn verteilt und durch das Nervensystem miteinander verbunden sind. Unser Gehirn sortiert sämtliche Informationen nach Relevanz und speichert sie dementsprechend an unterschiedlichen Orten. Wichtige Informationen werden im Langzeitgedächtnis gespeichert. Ehe sie dort gespeichert werden, landen sie - wie alle anderen Informationen - im Kurzzeitgedächtnis. Bildlich kann man sich dieses wie eine Speicherkarte mit begrenzter Kapazität vorstellen. Erlernen wir neues Wissen, muss das alte gelöscht werden. "Wir können uns Dinge besser merken, wenn wir sie regelmäßig wiederholen", weiß Jürgen Howe, Professor für Psychologie an der Technischen Universität in Braunschweig. Um sich vor Überlastungen zu schützen, werden unwichtige Eindrücke aus dem Alltag schnell wieder vergessen. Das Vergessen ist also ein ganz natürlicher Vorgang. Stress beschleunigt diesen Vorgang zusätzlich.

Warum können wir andere Dinge nicht vergessen?


Jeder Mensch reagiert anders auf schockierende Ereignisse. Während viele Menschen sich an schlimme Dinge nur schwer erinnern können, können andere Menschen ihre schlimmsten Ereignisse nicht vergessen. Auf der einen Seite schaltet das Gehirn eine Schutzfunktion. Es blendet schlimme Erinnerungen aus, um uns den damit verbundenen Schmerz zu ersparen. Schlimme Ereignisse gehören (leider) oft zu der Sorte Ereignisse, die besonders tiefe Spuren in unserem Gedächtnis hinterlassen. Deshalb können sie oft nicht vergessen werden, obwohl sie oberflächlich betrachtet keine große Relevanz für das Gedächtnis haben. Derartige Erinnerungen werden oftmals unfreiwillig zu Prägungen für das weitere Leben und nehmen so - ob wir es wollen oder nicht - Einfluss auf Gedanken und Gefühle. Ganz besonders Ereignisse, die die eigene Würde in Frage stellen, wie zum Beispiel sexuelle Übergriffe oder Situationen, in denen man sich selbst eine Schuld zuschreibt, aber auch diejenigen, die die berufliche Kompetenz infrage stellen oder den Ruf vor Familie und Freunden schädigen, nehmen eine prägende Entwicklung ein und werden deshalb nicht aus dem Gedächtnis gelöscht. Psychologe Martin Obermatt erklärt: "Es wäre falsch zu sagen, dass die Zeit keine Wunden heilt, aber es wäre ebenso naiv, zu glauben, dass die Zeit ALLE Wunden heilt." Er schreibt einigen guten Erinnerungen die Fähigkeit zu, derart prägende Ereignisse zu heilen, betont aber gleichzeitig, dass dies eher die Ausnahme sei.

Quellen: hausderwissenschaft.org, br-online.de, abisz.elternbriefe.de


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