Bahnstreik - Wer sitzt am längeren Hebel?


Chaos voraus! Aufgrund von Streikankündigungen der GDL werden diese Woche wieder viele Fahrgäste vergeblich auf ihren Zug warten. Und da auch die Kitas streiken, kann Weselsky leider auch nicht zurück in den Kindergarten...


Bereits seit Monaten kommen die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft deutscher Lokführer zu keiner Einigung im Tarifstreit. Während die Lokführer streiken, bleiben die Passagiere an den Bahnsteigen zurück und sind - verständlicherweise - verärgert. Doch sonderlich transparent sind die Gründe für die Streiks nicht. Worum geht es bei den Tarifverhandlungen und wer sitzt letztendlich am längeren Hebel?

Warum wird gestreikt?


Bei den letzten Verhandlungen hatte die Bahn der GdL 4,7% mehr Lohn in zwei unterschiedlichen Tarifstufen und eine zusätzliche, einmalige Zahlung von 1000 Euro angeboten. Doch mit diesem Vorschlag ist die Gewerkschaft nicht zufrieden. Sie fordert hingegen die Kürzung der wöchentlichen Arbeitszeit, eine fünfprozentige Lohnerhöhung und eine einzige Tarifstufe, in der Rangierlokführer wie andere Lokführer bezahlt werden. 

Die GdL verfolgt aber noch ein anderes Ziel. In Kürze (Freitag, den 22. Mai) soll im Bundestag das sogenannte Tarifeinheitsgesetz durchgewunken werden. Demnach sollen dann nur noch die Tarifverträge der größten Gewerkschaft in einem Betrieb gelten. Bei der Deutschen Bahn wäre dies jedoch nicht die GdL, denn die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat deutlich mehr Mitglieder. Durch den Streik um Tariferhöhung möchte die GdL möglichst viele Mitglieder gewinnen. Wie dies am besten funktioniert dürfen wir alle in dieser Woche bereits zum achten (mittlerweile zum neunten) Mal im laufenden Tarifkonflikt  am eigenen Leib erfahren.

Wer ist vom Streik betroffen?


Bereits ab Montag, 04.05.15, 15:00 Uhr, (Dienstag, 18. Mai) wurde der Güterverkehr bestreikt, der Personennah- und -fernverkehr wird ab Dienstag, 05.05.15, 02:00 Uhr, (Mittwoch, 20. Mai, 2:00 Uhr) ebenfalls stark eingeschränkt. Der Streik soll voraussichtlich bis Sonntag, 10.05.15, 9:00 Uhr, (unbefristet) andauern. Ersatzfahrpläne sollen - laut Angaben der Deutschen Bahn - jeweils für zwei Tage rechtzeitig bereitsgestellt werden. 
Auf ihrer Internetseite verspricht die Deutsche Bahn, dass mindestens ein Drittel der Fernverkehrszüge und je nach Region zwischen 15 und 60 Prozent der Nahverkehrszüge regulär verkehren. Zudem wird zusätzliches Personal in den Betriebszentralen und den Reisezentren bereitgestellt, um dem Ansturm wütender Passagiere standhalten zu können. Ob der eigene Zug betroffen ist, kann man in der DB-Navigator-App oder unter der kostenlosen Servicenummer der Bahn in Erfahrung bringen.

Was bewirkt der Streik?


Ich persönlich muss sagen, dass ich nicht glaube, dass Lokführer besonders wenig verdienen. Es gibt vermutlich andere, deutlich nervraubendere Berufe als Lokführer, die gleichzeitig erheblich schlechter bezahlt werden. Doch ich bin mir sicher, dass ich nicht der Einzige bin, bei dem die Streiks kein Verständnis hervorrufen können. 
Der Industrieverband BDI rechnet aufgrund des Streiks mit wirtschaftlichen Schäden von bis zu 100 Millionen Euro pro Tag. Letztendlich stellen sich die Gewerkschaftler erstrangig selbst ein Bein, da wohl deutlich mehr Menschen auf Fernbüsse und Mitfahrgelegenheiten umsteigen werden, wodurch der Bahn wiederum Geld ausbleibt. 

In meinen Augen handelt es sich hierbei nicht mehr um Tarifverhandlungen sondern um ein Machtspiel. Die GDL setzt die Deutsche Bahn dermaßen unter Druck, dass diese sich eventuell früher oder später gezwungen sieht, nachzugeben. Damit wächst das Ansehen der Gesellschaft, denn höhere Löhne locken neue Mitglieder. Es handelt sich hierbei um einen Machtkampf zwischen dem GdL-Chef Claus Weselsky und dem Vorsitzenden der EVG Alexander Kirchner. Während selbst aus den eigenen Reihen bereits zur Schlichtung geraten wird, hält zumindest Weselsky nicht auf. Er wirft der Bahn inzwischen sogar vor, der Konzern wolle die Verhandlungen bis zur Verabschiedung des Tarifeinheitsgesetzes hinauszögern. 
Der Bahn-Personalchef Ulrich Weber rechnet bereits gar nicht mehr mit friedlichen Verhandlungen. Statt einer Verhandlung auf Augenhöhe stünden die Machtverhältnisse zwischen den Gewerkschaften im Mittelpunkt, so Weber. 

Bis die Tarifverhandlungen vorbei sind, bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten. Kleiner Hinweis noch: Wer mit der Bahn zur Arbeit fährt, sollte sich rechtzeitig damit beschäftigen, wie er die folgenden Tage zur Arbeit kommt, denn rechtlichgesehen trägt der Arbeitnehmer das Wegrisiko. Wer nicht oder verspätet zur Arbeit kommt, muss sogar mit Gehaltskürzungen rechnen.
Daher mein Tipp: Rechtzeitig um Alternativen wie Fernbus oder Mitfahrgelegenheit kümmern, gerne auch mit der Deutschen Bahn kommunizieren, die helfen da sicher weiter. Und: Wenn der eigene Zug fahren sollte, gerne auch diesen Zug nehmen! Erfahrungen zeigen: Während der Bahnstreiks sind die Züge überwiegend leer und aufgrund der geringen Schienenauslastung sind die Züge, die noch fahren, in den meisten Fällen pünktlich. (Ich hab ja noch Hoffnung, dass die Streiks am Freitag beendet werden, dann tritt das Tarifeinheitsgesetz in Kraft und könnte Weselsky den Wind aus den Segeln nehmen. Zum Schluss noch ein Video, das mich zum Lachen gebracht hat.)



Video: extra3 vom NDR

Quellen: spiegel.de, bahn.de, faz.net

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Kommentare:

  1. ich finde es nicht so prickelnd dass die andauernd streiken..genau an den tagen sind die busse & straßenbahnen viel zu voll & alle sind genervt -.-

    liebe grüße:*

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  2. Toller Bericht von dir..
    Ich bin zwar bei dieser Sache nicht betroffen und froh darüber, ein Auto zuhaben. Aber ich finds einfach nur mies.. Ich meine, die Menschen, die auf Bahn wegen der Arbeit angewiesen sind, kommen nicht dort hin. Nicht überall fährt ja auch Bus hin, bzw fährt ein Bus auch gerne mal viel länger. Und Taxi? Ist dann auch ganz schön teuer..

    Ich mein auch. So mies muss es den Bahnleuten ja auch nicht gehen, sonst würden sie den Job nicht machen. Ist zumindest meine Meinung.

    Noch schlimmer finde ich aber den Streik der Erzieher Wenn du da keinen hast, der dir das Kind abnehmen kann, kann dich dieser Streik deinen Job kosten. Und was macht man da? Eine Freundin von mir ist nämlich auch betroffen und hat inzwischen die zweite Abmahnung, weil sie deswegen Zuhause bleiben muss. Nicht jeder hat Eltern oder andere Familie in der Nähe und die meisten müssen auch Arbeiten.

    Aber allgemein verstehe ich die Streike um mehr Geld nicht. Wenn es einem nicht passt, dann soll man sich eine neue Arbeit suchen. Hab ich auch gemacht und das ohne Streik.

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  3. Gut, dass ich nur sehr selten mit der Bahn unterwegs bin.
    Viel mehr stört mich der streik der DHL ... jetzt muss ich schon ewig auf meine Post warten :D
    lg imke von http://modewunsch.de/

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