Schluss mit lustig - Warum Erzieher streiken



Die Bahn, die Post und nun die Kitas. In Deutschland scheint jeder zu streiken, wann er gerade Lust dazu hat - doch Moment: Wer die Gründe kennt, kann vielleicht verstehen, warum die Bällebäder in den Kitas ab Montag leer bleiben werden.


Nach dem langen Streik der Gewerkschaft deutscher Lokführer und den verspäteten Postzustellungen aufgrund von Streiks bei der Post, rief die Gewerkschaft Verdi nun auch die Erzieher zu unbefristeten Streiks auf. Doch der Streik der Erzieher trifft häufiger als Zustimmung als der Bahnstreik in der vergangenen Woche und das obwohl viele - gerade berufstätige Eltern auf den Kita-Platz ihres Kindes angewiesen sind, denn zur Arbeit dürfen sie die Kinder nicht mitnehmen.

Warum wird gestreikt?


Frank Bsirske, Chef der Gewerkschaft Verdi gab bekannt, dass Berufseinsteiger in der Erziehertätigkeit durchschnittlich 2043 Euro brutto, nach acht Jahren dann 2946 Euro im Monat erhalten. Klingt zunächst einmal nicht wenig, drückt aber nicht einmal ansatzweise die Wertschätzung aus, die dieser Beruf verdient habe, so Bsirske. Um dies auszugleichen sollen die Kita-Kräfte in andere Gehaltsgruppen eingestuft werden. Dies bedeute laut Gewerkschaften eine durchschnittliche Lohnerhöhung von zehn Prozent. 
Und seien wir mal ehrlich: Jeder, der schon einmal auf eine wilde Horde Kinder aufgepasst hat, weiß, dass das alles andere als einfach ist. 

Wie anstrengend ist der Erzieher-Beruf?


Forscher aus Aachen fanden in einer Umfrage heraus, dass Erzieher sich durchschnittlich 10 Arbeitstage im Jahr krankschreiben lassen, aber an genauso vielen Tagen zur Arbeit gehen, obwohl sie sich nicht ganz gesund fühlen. Im Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung wiesen mehr als doppelt so viele Erzieher ein erhöhtes Stressniveau auf, das Risiko eines Burn-Outs ist deutlich erhöht. Kein Wunder also, dass rund ein Drittel nach der Ausbildung eine berufliche Neuorientierung in Angriff nimmt - insbesondere Männer.
Ohnehin hat der Erzieherberuf mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen. Über 40% der Erzieher sind zwischen 40 und 55 Jahre alt, 12% sind noch älter. Oft ist es die Freude, mit den Kindern zu arbeiten, die gerade die Erzieherinnen so lange in den Kitas hält. Außerdem fanden Forscher heraus: Durch die üblichen Tätigkeiten in diesem Beruf - Kinder hochheben oder langes Sitzen auf dem Boden - sorgen zu erhöhten Rücken-, Knie- und Gelenkbeschwerden. 

Was tun, wenn die Kita geschlossen bleibt?


In den meisten Fällen darf das Kind nicht mit zur Arbeit und wer keinen Urlaub genommen hat, ist auch während des Streiks verpflichtet seiner eigenen Arbeit nachzugehen. Wer dem nicht nachkommt, riskiert Lohnkürzungen oder eine Abmahnung. Besonders problematisch ist das für alleinerziehende, berufstätige Eltern. Einige Eltern haben jedoch Notfallgruppen eröffnet, sodass pro Gruppe auf bis zu fünf Kinder privat aufgepasst wird. Doch nun sind es eben diese Eltern, die befürchten mit dieser Aktion dem Streik den Wind aus den Segeln zu nehmen und das, obwohl sie eigentlich sogar hinter dem Streit stehen. 
Und wer sich nun aufregt, warum jeder streikt, der soll sich mal vorstellen, wie er in so einer Situation reagieren würde. Es gibt Berufe [ zum Beispiel Lokführer ;-) ], bei denen ich die Streits wenig nachvollziehen kann, doch die Erzieher haben mein vollstes Verständnis. Und wenn wir nun einmal die Hand aufs Herz legen, wissen wir wohl alle, dass Kinder nicht immer einfach sind.

Quellen: spiegel.de, derwesten.de, sueddeutsche.de


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Kommentare:

  1. Schöner Bericht von dir.. Wie immer eben ^^
    An sich kann ich den streik schon verstehen, allerdings ist es für die Eltern eben nicht das tollteste. Vorallem, wenn sie erst 2 Tage vorher erfahren, dass gestreikt wird.
    Was ist, wenn die Eltern niemand finden, der auf das Kind aufpasst.?? Ich glaube, daran denkt dann auch nicht wirklich jemand..

    Klar würde ich es gut finden, wenn die Erzieher auch mehr Geld bekommen, dann soll dieses aber auch der Staat bezahlen mit und nicht alleine die Eltern. Manche kommen trotz Arbeit schon kaum über die runden und dann noch mehr für die Kita bezahlen? Finde ich dann auch nicht ok..

    Das die DHL zum Beispiel streikt, finde ich teilweise auch verständlich. Ich Arbeite selber für ein Paket zustellen und weiß, was das für eine Arbeit und ein Zeitdruck ist. Es ist ja auch nicht so, dass es immer weniger Pakete werden zum Sommer hin. Im gegenteil, wir haben mehr zu tun als zu Weihnachten und dass ist echt nicht mehr normal...

    Ich finde aber im allgemeinen, dass es sicherlich auch eine anderen möglichkeit gibt, um mehr Geld zu bekommen. Den den Nachteil haben immer die anderen Menschen.

    LG

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  2. Im Moment wird ja überall gestreikt, zum Glück hat keiner davon mich betroffen.Oder vielleicht doch? Mit dem Zug fahre ich kaum noch, Geld vom Automaten brauchte ich grad keins und mein Kind ist längst der Grundschule entwachsen ... aber für die Eltern, die die Betreuung brauchen und nicht einfach mal so auf Arbeit fehlen können, ist das schon ein Problem! Hmm, es kam erstaunlich wenig Post die Woche :) Ich warte auch immer noch auf ein Paket ... ich bin wohl doch Opfer geworden! Mist!

    Ich persönlich finde die Arbeit von Erziehern schon sehr lobenswert. Ich habe auch beruflich mit kleinen Kindergartenkindern zu tun und bei manchen denkt man, zum Glück geht er nach 45 Minuten wieder :) Es ist ein anstrengender, aber auch schöner Job. Kinder sind so eine Bereicherung. Aber wenn es so schlecht bezahlt ist, kann ich die Erzieher schon verstehen. Trotzdem sollte es eine Notfallversorgung geben! Nicht jeder hat Oma oder sonstwen in der Nähe, der einspringen kann!

    PS: Viel Erfolg mit deinen Kräutern in der Küche!
    Liebe Grüße
    Jana

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  3. Ich dachte mir gerade "Ja, die Kitas haben doch auch ein Personalproblem" und genau im nächsten Satz schreibst du das gleiche :D
    In der Schule ist das auch häufig so, dass die Schüler, die beim Praktikum keinen Bock auf Arbeit haben oder ein einfaches Praktikum wollen (oder vielleicht wirklich was mit Kindern machen wollen), ein Praktikum im Kindergarten machen.
    Da bekommt man ja auch einiges zu hören.
    Ein Junge aus meiner Klasse hat zum Beispiel berichtet, dass es ein Kind gab, dass ihm die ganze Zeit hinterhergelaufen ist und überall auf ihn gewartet hat, ob er wollte oder nicht, selbst wenn er auf die Toilette gegangen ist, hat das Kind draußen gewartet, bis er wieder rauskommt, um ihm dann hinterherzulaufen.
    Ich denke, sowas ist bei Kindern nicht ungewöhnlich und das ist schon etwas anderes als andere Berufe, bei denen du vielleicht Stress hast, du aber trotzdem irgendwie in Ruhe arbeiten kannst. Dem Beruf des Erziehers liegt Ruhe ja extrem fern.
    Und eine Bekannte, die älter ist als ich, war auch bei ihrem Praktikum im Kindergarten und hat auch über Kopfschmerzen geklagt, weil sie einfach diesen permanenten Geräuschpegel nicht gewohnt war. Auch hat sie erzählt, dass man nach einem Tag schon ziemlich fertig ist, weil man (vor allem als Praktikant, weil man da nicht wirklich Aufgaben hat) immer gefragt ist, wenn die Kinder spielen wollen. Vor allem Fangen. Und die werden ja auch nach einer Stunde Rennen nicht müde, anders als man selbst.

    Ich muss ganz ehrlich sagen: Auch wenn ich selbst gerne drei Kinder hätte und im Allgemeinen gerne mit Kindern spiele, ich könnte das gar nicht, ich würde da keinen Monat aushalten!

    LG,
    Alexandra von growing-in-self-confidence.blogspot.de

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  4. Ich finde jeden Streik wichtig. Viele beschweren sich über ihre Arbeitsbedingungen, sind unzufrieden mit dem Gehalt oder andere Dingen. Andere Menschen stehen auf, organisieren sich und kämpfen für ihre Rechte. Ich bin froh, dass wir in einem Land, wo das möglich ist.

    Liebe Grüße

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    1. Möglich war, zumindest für die kleineren Gewerkschaften. :P

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