Zwanzigeins statt Einundzwanzig



"Dreißigneun Euro und siebzigacht Cent." So könnte es bald an Supermarktkassen klingen - zumindest wenn es nach Prof. Gerritzen gehen würde.


Professor Lothar Gerritzen ist Professor der Mathematik und setzt sich seit Längerem für eine Sprachreform ein. Seine These: Zahlen seien im Deutschen viel zu schwierig, insbesondere Fremdsprachler hätten Schwierigkeiten, die Zahlen im Deutschen zu lernen. Außerdem hätten Schüler weniger Probleme beim Rechnen. Alles, was dafür passieren müsste: Wir müssten unsere Zahlen so sprechen, wie wir sie schreiben!

Denn derzeit beginnen wir beispielsweise bei dieser Zahl beim Sprechen mit der zweiten Ziffer, springen dann zurück zur ersten, machen mit der dritten weiter, sprechen dann die letzte und schließlich die vorletzte Ziffer.

"Viel zu kompliziert!", meint Gerritzen. Er lehnt sich mit seiner These an viele andere Fremdsprachen, beispielsweise das Englische. Dort heißt die "Einundzwanzig" "twenty-ine" - es kommt zuerst die 2, dann die 1. Gerritzen schlägt vor, dieses Prinzip auf das Deutsche zu übertragen - "Zwanzigeins" wäre dann die Zahl nach der Zwanzig. Das Deutsche bilde mit diesen Verdrehern eine Seltenheit, so Gerritzen. Ginge es nach dem Professoren, hieße diese Zahl:

dreißigfünftausendsiebenhundertneunzigeins
Als weiteres Beispiel führt Gerritzen das Französische an. Hier heißt es "vingt et un", was im Deutschen "zwanzig und eins" bedeutet. Ganz schlüssig ist seine Argumentation jedoch nicht, denn im Französischen heißt beispielsweise die 79: "soixante-dix-neuf" - "sechzig zehn neun" - alles andere als einfach.

Dies führt auch das Kultusministerium als Contraargument gegen Gerritzens Forderung auf, Deutsch sei bei Weitem nicht die einzige Sprache, in der es zu einer solchen "Verdrehung" der Zahlen komme. Außerdem sei es schlichtweg unmöglich, die über Jahrtausende gewachsene und anerkannte "Verdrehung" der Zahlen im Deutschen aufzuheben und die Zahlen umzubenennen.

Der Wert der Zahlen sei nicht deutlich


Fremdsprachler, die das Zahlensystem der deutschen Sprache lernen, hätten, so Gerritzen, häufig Schwierigkeiten mit den Zahlen. Außerdem gehe der Wert der Zahlen verloren, wenn die Reihenfolge der Zahlen bei der Aussprache umgestellt, und die Einer vor den Zehnern genannt werden. Deshalb fordert Gerritzen die Anpassung an die seiner Meinung nach internationale Sprechweise der Zahlen. Dabei wolle er nicht das etablierte System abschaffen, viel mehr sei eine Co-Existenz angestrebt, in der beide Möglichkeiten parallel zueinander vorkommen können.

Dass dies nicht zu zusätzlichen Missverständnissen führt, wenn einige Zwanzigeins, andere Einundzwanzig sagen, zeigen Erfahrungen aus dem Tschechischen, in dem beide Sprechweisen akzeptiert werden - ohne Missverständnisse.

Nicht zu Ende gedacht


Sprachwissenschaftler gehen davon aus, dass eine solche Umstellung der Sprechweise mindestens eine bis zwei Generationen dauern würde. Erstmals befand sich eine solche Umstellung um 1900 im Gespräch, ehe 1953 das Buch "Zahlwort und Schriftbild" von Martin Schellenberger erschien, dass sich ebenfalls mit dieser Idee beschäftigt. Gerritzen vertritt diese Idee seit 2005, indem er den Verein "Zwanzigeins" schuf. 

Gedanken darüber, wie die Zählwörter künftig benannt werden sollten, hat Gerritzen sich jedoch noch nicht gemacht. Ob wir den Sommerbeginn also am zwanzigersten oder am zwanzigeinsten Juni datieren sollten, bleibt zunächst einmal unklar. 

Pädagogin Annika Anderer ist skeptisch. Sie ist der Ansicht, dass eine ständige Vereinfachung der Sprache der falsche Weg sei. Hinzu kommt entkräftigend für Gerritzens Thesen die Studienarbeit einer Studentin aus Stockholm, die die von Gerritzen vorgeschlagene Änderung im Mathematikunterricht untersucht hat. Das Ergebnis: Die Matheleistung steht nicht im Zusammenhang mit der Aussprache der Zahlen sondern einzig und allein mit der Qualität der Mathematikunterrichts. Eine neue Sprechweise bringe demnach keine signifikant bessere Leistung. Ob Gerritzens Idee also überhaupt einmal auf fruchtbaren Boden trifft, bleibt wohl zunächst Zukunftsmusik des EINUNDZWANZIGsten Jahrhunderts.


Quellen: rtl.de, spiegel.de, focus.de

Kommentare:

  1. Ich komme so grade noch mit den Zahlen zurecht :P
    Es mag für manche ein Problem geben aber daran kann man sich gewöhnen...
    Wobei ich mich im französischen auch schwer tue, wenn 91 nicht einungneunzig sondern vier-mal-zwanzig-elf ist ;)
    Liebe Grüße,
    Annika

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  2. Themen über unsere Sprache finde ich immer sehr interessant, weil ich auch beruflich damit zu tun habe! Nette Idee von diesem Herrn Professor, doch ich kann mir nicht vorstellen, dass das je umsetzbar wäre. Die neue Aussprache klingt ungewohnt, nicht wirklich schön und wie du ja schon schreibst, bringt sie auch im Matheunterricht keinen Vorteil! In Russisch macht man das auch so, fällt mit grad auf! Aber ich finde, diese Eigenart darf sich das Deutsch gern behalten!
    Liebe Grüße
    Jana

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