Some people are gay - Homosexualität in der Öffentlichkeit



»Schwuchtel«, »Homo« und »schwul« gehören in der heutigen Gesellschaft, der Zeit von Vielfalt, Souveränität und Freiheit, immer noch zu alltäglichen Beleidigungen und Beschimpfungen.

Und das im 21. Jahrhundert. Warum das so ist? Es gibt viele Ursachen und Gründe für die den homosexuell orientieren Menschen gegenüber gebrachten Repressionen. Und diese gehen nicht nur von der gesellschaftlichen Ordnung aus, sondern auch von staatlicher Gewalt. 
»Ich bin schwul.« - Eine Aussage, die das Leben eines Jugendlichen von Grund auf auf den Kopf stellen kann. Und das fängt bei den Eltern und Verwandten an, geht über Freunde und Bekannte und kann sogar Auswirkungen auf das Verwenden sozialer Medien und Netzwerke haben.
Toleranz und Akzeptanz sind hier die Stichwörter: Das grundlegende Problem bei der Diskriminierung ist, dass sich die Menschen nicht mit dem Thema Homosexualität auseinandersetzen. Täten sie dies, verstünden sie auch die persönliche Situation eines sich selbst findenden Menschen - doch die Aufklärung fehlt. Und so kommen Äußerungen, wie »Homosexualität ist eine Krankheit!« zustande. Für die meisten ist es fremd, das gleiche Geschlecht zu lieben und daher abstoßend.
Infolgedessen kommt es oft zu Ausgrenzung, Diskriminierung oder sogar körperlicher Gewalt. Besonders in Schulen - ganz gleich welcher Art - werden Homosexuelle zu Opfern von Mobbing-Attacken. Maßnahmen der Schulen, beispielsweise durch Sozialarbeiter oder das Einrichten eines Deeskalationstrainings sind oft erst nach Eigeninitiative des Betroffenen oder deren Freunde spürbar. Die Folgen dieses Handelns sind meistens schwerwiegend. Die sich ohnehin schon in einer schwierigen Phase befindenden Jugendlichen haben Selbstzweifel, Angst und finden bei vielen sozialen Gruppen keinen Anschluss mehr. Das Ende der Schulzeit ist allerdings nicht automatisch das Ende der Diskriminierung: Auch in der demokratischen und rechtsstaatlichen Republik Deutschland ist die sexuelle Orientierung nicht unerheblich. Ob es um ein Jobangebot geht, die Mitgliedschaft in einem Verein/einer Gruppe oder das Kennenlernen neuer Menschen, die sexuelle Orientierung eines Menschen scheint ausschlaggebend für die Reaktion der Umwelt zu sein. Dabei liegt es in der Natur und es ist normal, wem man seine Liebe schenkt.
In den letzten Jahren hat sich in Bezug auf den letzteren Satz viel geändert. Es gibt zahlreiche Menschenrechtsorganisationen, die sich auf das Erkämpfen der Rechte für LBGTI* (LesbianBiGayTransInter) spezifiziert haben. „ENOUGH IS ENOUGH" ist eine sehr große Organisation, die sich aktiv, auch bei Veranstaltungen wie dem Christopher Street Day oder dem Schwul-Lesbischen-Stadtfest, für die Rechte einsetzen. Warum das so ist? - LBGTI's sind in Deutschland in vielen Hinsichten gegenüber Heterosexuellen benachteiligt. Es gibt Spannungsverhältnisse im Adoptionsrecht oder bei der Heirat. Sie dürfen kein Blut spenden und können bei einer Zuwiderhandlung strafrechtlich verfolgt werden. Dies sind Missstände, die beseitigt werden müssen! Diese Gesetze sind nicht nur diskriminierend und unfair, sondern auch grundrechtsverletzend. In Artikel 3 des Grundgesetzes, unserer Verfassung, wird die Gleichberechtigung nuanciert. Jedoch ist sie in der Realität nicht angekommen. Jede staatliche Gewalt ist an Recht und Gesetz gebunden, so steht es im GG, trotz dessen verhalten sich Regierung, die Ämter und Behörden nicht entsprechend. In Wahrnehmung der Menschenrechte protestieren LBGTI's ihre Vielfalt und demonstrieren für die Rechte, die ihnen eigentlich von Natur aus zustehen.

Persönliche Erfahrungen

Ich habe ihm gesagt, dass wir ein Paar sind. »Ich liebe es, normal zu leben, in der Öffentlichkeit wie jedes andere Pärchen auch die Hand zu halten, sich zu küssen, gemeinsam zu lachen. Aber Menschen verstehen Unbekanntes nicht. Ich war mit meinem Freund auf dem Weihnachtsmarkt und wollte ein Lebkuchenherz mit "Ich liebe dich" kaufen. Ein älterer Mann sprach uns an und sagte:"Ihr könnt doch nicht so rumlaufen, nachher denkt man noch, ihr wärt ein Paar." Ich habe ihm dann gesagt, dass wir ein Paar sind. Wir wurden ganz fragend angesehen. 
Oder als wir von einer alten Dame angesprochen wurden, wie süß wir zusammen wären und dass ihr Enkel auch schwul sei, sich aber noch nicht traue, so offen dazu zu stehen. Sie fragte nach unserer Nummer und ihr Enkel meldete sich bei uns. Wir haben einige Male etwas unternommen. Ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen, wie mutig ich bin.« - Till, 20

Ich will mich nicht ständig umgucken müssen.


»Ich will mich nicht ständig umgucken müssen, ehe ich meinem Freund in der Öffentlichkeit einen Kuss geben kann. Doch vermeiden lässt es sich auch nicht. Wir können nicht so unbedenklich lieben wie Heterosexuelle. Und wenn einmal Sprüche kommen, weil ich mich anders kleide, hilft meistens nur weghören. An das Anecken in der Gesellschaft habe ich mich gewöhnt.«
- Kai, 20
Sie haben überall erzählt, dass ich schwul bin. »Ein paar Typen haben einen Freund von mir zunächst verbal angegriffen und sind irgendwann auf ihn los, weil er sich nicht unterkriegen lassen wollte. Als ich dazwischen gegangen bin, fragten sie mich, ob ich "diesen gottlosen, familienentehrenden wirklich in Schutz nehmen möchte." Ich habe Courage gezeigt, musste aber damit leben, dass überall erzählt wurde, dass ich auch schwul bin. Und obwohl ich in meinem gesellschaftlichen Umfeld und in meiner Kindheit immer wieder gemerkt habe, dass es ein absolutes Tabu-Thema ist, denke ich, dass die Geselllschaft einen großen Schritt in die richtige Richtung gegangen ist, was Toleranz und Akzeptanz anbelangt. Dennoch sind wir noch nicht am Ziel angekommen.« - Samy, 25 Ich kann ebenfalls aus persönlicher Erfahrung berichten, dass es heutzutage auch weltoffene und tolerante Menschen gibt, die nicht wegschauen, die helfen, die Trost spenden und sich einsetzen. Und das sollte unser Ziel sein! ___ Ein Gastbeitrag von Robin B., 17 Jahre alt.

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Kommentare:

  1. Eine sehr negative Eigenschaft von Lebewesen ist es andere Lebewesen auszugrenzen nur weil sie anders sind. Dabei müsste man nur erkennen, wie wundervoll Vielfalt ist. Ich habe im Freundes- und Bekanntenkreis einige Menschen, die Menschen mit dem gleichen Geschlecht bevorzugen. Und jede/jeder geht anders damit um, ein Freund hat jetzt sogar geheiratet, ein anderer ist bedrückt, weil ihn seine Eltern am liebsten enterben würden und eine andere geht damit sehr locker um.
    Mir ist es ehrlich gesagt total egal wer wen liebt. Das ist Privatsache und jeder soll da nach seiner Fason glücklich werden.

    Ich hoffe, dass die Menschen irgendwann erkennen, dass alle gleichwertig aber verschieden sind.

    Viele Grüße

    Myriam

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    1. Du hast Recht. Die Menschen denken vermutlich zu sehr in Schubladen, Menschen werden abgestempelt und wegsortiert. Leider gibt es viel zu viele Menschen, die die Vielfalt nicht zu schätzen wissen und das, obwohl selbst die unterschiedlichsten Menschen immer noch Menschen sind.

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  2. Es ist doch egal, wer wen liebt. Ob Weiblein Weiblein oder Männlein Männlein. Jeder soll glücklich werden und sein dürfen, wie er möchte. Ich denke, in ein paar Jahrzehnten wird der Anblick von gleichgeschlechtlichen Pärchen in der Öffentlichkeit viel normaler sein. Der Mensch an sich, wenn er nicht schon tolerant eingestellt ist, muss halt er erst lernen, mit neuen Eindrücken umzugehen.

    Ich denke, in den vergangenen Jahrzehnten wurde schon viel erreicht und das wird auch in Zukunft so weitergehen, dass jeder irgendwann ohne böse Blicke und Worte so leben kann, wie er es möchte.

    Liebe Grüße
    Jana

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    1. Ich stimme dir voll und ganz zu. Die letzten Jahrzehnte haben Veränderungen mit sich gebracht. Überleg alleine mal, dass im Nationalsozialismus Homosexuelle verfolgt und getötet wurden. Ich kenne einige homosexuelle Menschen, sogar transexuelle und ich finde nicht, dass man diese Menschen verfolgen und ausrotten sollte, wie es damals der Fall war.
      Ich kann nachvollziehen, dass sich nicht alle Menschen damit anfreunden können, aber anstatt zu hetzen, zu prügeln und zu beleidigen, könnte man auch einfach tolerieren. Man muss das nicht gutheißen, nicht unterstützen und auch keinen gleichgeschlechtlichen Partner küssen, aber Toleranz sollte jawohl drin sein im 21. Jahrhundert.Die Menschheit hatte so viel Zeit, zu lernen. Es gab die Kreuzzüge, die Judenverfolgung, Sklaverei. Die Geschichte der Menschheit ist geprägt von Rassismus und Diskriminierung. Eine fortschrittliche, moderne Regierung sollte deshalb unbedingt alles in ihrer Macht stehende tun, um dieses Kapitel enden zu lassen. Die Bundesrepublik hat sich diesbezüglich schon verbessert, aber ich finde, da sich auch diese Menschen nicht von Heterosexuellen unterscheiden, haben sie dieselben Rechte verdient. Das ist leider noch nicht der Fall, wird aber hoffentlich in naher Zukunft geändert werden.

      Liebe Grüße

      Kevin

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  3. Ich denke es gibt von der wissenschaftlichen und humanistischen Seite kein Argument Homosexualität in irgendeiner weise schlechter zu stellen. Im Gegenteil, Zum Glück haben wir uns in den letzten Jahren in Richtung einer offeneren und vielfältigeren Kultur entwickelt und auch andere Schubladen aufgebrochen.

    Und dennoch ist es keine Selbstverständlichkeit, dass sich diese Entwicklung fortsetzt. Denn es entwickelt sich nicht zwangsläufig weiter in diese Richtung. Klare Schubladen helfen nicht nur beim Denken, wenn man andere als minderwertiger betrachtet, kann man sich selbst vermeintlich besser fühlen. Einige Menschen haben Angst den Halt zu verlieren, wenn plötzlich auch das erlaubt ist, was man früher noch abgelehnt hat.

    Wir müssen daher auch weiter für die Toleranz, Akzeptanz und Freiheit eintreten. Es darf kein Zustand bleiben, dass sich so viele Homosexuelle nicht trauen offen zu dem zu stehen, was sie empfinden.

    Auch du kannst etwas tun, lieber Leser! Wenn du mitbekommst, dass jemand für seine Gefühle ausgelacht oder beleidigt wird, stell dich dazwischen. Lass es nicht unkommentiert geschehen. Du kannst auch deinen Protest ausdrücken. Beispielsweise beim Christopher Street Day, der z. B. Anfang August in Hamburg stattfindet.

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  4. Ich hoffe schon seit langem, dass es irgendwann auch bei uns hier erlaubt sein wird, dass Homosexuelle endlich Ehe schliessen dürfen. Die Kirche (die ich übrigens abgrundtief verachte, nicht nur allein wegen ihrer Taten, die höchst fragwürdig sind) predigt uns ständig, wir sollen uns doch lieben, akzeptieren und der, der ja schließlich ohne Sünde sei, solle doch den ersten Stein werfen, nicht wahr? Damit will ich aber ganz und gar nicht sagen, dass Homosexualität eine Sünde sei. Im Gegenteil, Homosexualität ist angeboren, dies ist auch wissenschaftlich bewiesen und hinterlegt. Wenn die Kirche schon sagt, dass wir uns lieben sollen, warum grenzt sie dann Mann und Mann oder Frau und Frau aus? Liebe ist Liebe, sie steckt in uns und wenn wir Liebe nicht ausleben dürfen, dann gehen wir zu Grunde.

    Die Kirche ist meiner Meinung auch daran Schuld, dass das Thema Homosexualität noch so ein Tabu Thema in der Gesellschaft ist. Ich finde es nicht schlimm wenn sich zwei Frauen oder zwei Männer küssen, Händchen halten, sich umarmen und auch in der Öffentlichkeit deutlich zeigen, wie sehr sie sich doch lieben. Wo liegt das Problem? Ist Liebe wirklich zu einem Verbrechen geworden, wofür wir ausgegrenzt werden?
    Wir leben immerhin im 21. Jahrhundert und sich zu outen sollte Alltag sein, es sollte etwas ganz normales sein, wofür sich niemand schämen braucht oder Angst haben muss.

    Liebe ist immerhin etwas, das wir zum (über)leben brauchen. Aber wie wollen diese Menschen überleben, die dafür diskriminiert werden, wenn sie das selbe Geschlecht lieben und dafür immer und immer wieder in den Dreck gezogen werden?
    Meiner Meinung nach sollte es, wie schon gesagt, endlich Aufklärung geben, die Menschen sollten Homosexualität als etwas normales ansehen, sie sollten sich ohne Angst oder Sorge öffentlich zeigen können, heiraten und Kinder adoptieren dürfen. Denke nur ich so? Dass jeder Mensch das Recht dazu hat glücklich zu werden, sein Leben zu leben, wie er es möchte, ohne Angst abgestoßen zu werden? Solange niemand zu Schaden kommt, sollte jeder sein Leben leben dürfen.

    Liebe Grüße, Franzi :)
    www.abinswunderland.blogspot.de

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    1. Hey Franzi, ich weiß nicht, wie du darauf kommst, dass Kirche etwas gegen Homosexuelle hätte. Ich habe diese Erfahrung jedenfalls nicht gemacht. Von den Mitarbeitern und Ehrenamtlichen die ich dort bisher getroffen habe hat sich noch keiner daran gestört. Es gibt auch zahlreiche offen homosexuell lebender Pastoren und von ein paar Monaten habe ich z. B. in einer Kirchengemeinde an einem Aufklärungsabend zu Transsexualität teil genommen.

      Wenn du da andere Erfahrungen gemacht hast, tut mir das Leid. Es sind dann aber vielleicht auch die Menschen in den jeweiligen Kirchen das Problem und nicht die Kirche an sich. Umso selbstverständlicher das in der allgemeinen Bevölkerung wird, umso selbstverständlicher wird es auch bei den Menschen in der Kirche werden und damit für die Kirchen selbst.

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