Sie sagten, wir hätten keine Probleme



117 Weltuntergänge haben wir seit Beginn der Aufzeichnung schon überlebt. Wir leben völlig unbeschwert auf diesem Planeten und das tun wir, obwohl wir ernste Probleme haben.


Aussichten in die Zukunft sind zwar schwierig, aber Entwicklungen zu beobachten und aufgrund dieser Prognosen für die Zukunft zu erstellen, ist heute kein Problem mehr. Gibt es bei dem heutigen Know-How der Menschheit überhaupt noch Probleme? Wir kämpfen dank Heizkörper gegen die Wärme an, Nahrung kaufen wir und müssen sie nicht erst jagen - so problemlos konnte man nicht immer leben. Und wer bei einem Blick in die Nachrichten denkt, unsere größten Probleme wären 35°C im Schatten, der Rücktritt eines Politikers und die Transferangebote für einen Fußballspieler, der hat die Welt noch nicht verstanden. Die Probleme dieser Welt nehmen weitaus größere Dimensionen an. Die Probleme hat nicht bloß das andere Ende der Welt - die Probleme haben wir alle.

Quelle: Frank Höhne, gestalten.com
Die Probleme sehen wir überall anders, nur nicht bei uns - und das, obwohl sie uns genauso betreffen, wie jeden anderen Menschen auf dieser Welt. Um die Auswirkungen der Probleme in den kommenden Jahrzehnten realistisch abschätzen zu können, versuchen die Wissenschaftler im Milennium Project die größten Probleme zu benennen und zu beschreiben - auf über 6500 Seiten. Abholzung des Regenwaldes, Klimawandel, Krankheiten - die Probleme dieser Welt sind mindestens genau so vielfältig wie die Lebewesen, die den Planeten bevölkern und die die Ausmaße all jener Probleme zu spüren kriegen werden.

Das Projekt versteht sich als "unabhängige Denkfabrik der Zukunftsforschung". An einer Universität in den 90er-Jahren gedreht und unter anderem von der Weltbank, der Rockefeller Foundation und dem US Army Environmental Policy Institute finanziell unterstützt, bringt das Projekt jedes Jahr einen Report heraus und unterstützt so unter anderem die UNO.

Die Zukunft stellt uns alle vor Herausforderungen, schürt unsere Ängste. Die EU hat die größten Ängste der Deutschen erfragt, die sich gleichzeitig in den Ergebnissen des Milennium Projects wiederfinden.

Platz 8: Anwachsen der Weltbevölkerung

Mehr als 7 Milliarden Menschen leben zur Zeit auf der Erde. Das sind mehr als je zu einer Zeit den Planeten bevölkert haben. Die Ausmaße werden bewusst, wenn man sich vor Augen führt, dass bisher 110 Milliarden Menschen auf der Erde gelebt haben - von der Steinzeit bis jetzt. Während die Bevölkerung immer größer wird, werden die Ressourcen der Erde immer knapper. Bleibt die Wachstumsrate konstant, könnte sich die Bevölkerung in weniger als 60 Jahren verdoppelt haben. Denn während in wirtschaftlich fortgeschrittenen Ländern wie Deutschland die Verhütung die Wachstumsrate dämmt, vergrößert sich die Bevölkerung in den Entwicklungsländern jährlich um knapp 4 Prozent.

Platz 7: Verbreitung von Nuklearwaffen

Laut Atomwaffensperrvertrag ist es eigentlich nur fünf Nationen gestattet, Nuklearwaffen zu besitzen: China, Frankreich, Russland, Großbritannien und natürlich die USA. Die Realität sieht anders aus: Indien, Israel, Pakistan, Nordkorea - sie alle sind wohl ebenfalls im Besitz von Atomwaffen. Viel mehr Grund zur Sorge besteht jedoch beim Iran, der "nur zu friedlichen Zwecken" Uran anreichert. Auch Syrien, Saudi-Arabien und Ägypten werden verdächtigt, an Nuklearwaffen zu bauen. Gerade Barack Obama, der Präsident der Vereinigten Staaten, fürchtet die Ausbreitung nuklearer Sprengköpfe. Er sehnt sich nach einer atomwaffenfreien Welt und das, obwohl er Staatsoberhaupt der Nation ist, die bisher als einziger Staat der Welt eine Atomwaffe eingesetzt hat.

Platz 6: Verbreitung ansteckender Krankheiten

Vogelgrippe, Schweinegrippe, Spanische Grippe, Gewöhnliche Grippe - die Vielzahl der Krankheiten macht der Menschheit Angst. Doch während solche "Trends" gefürchtet werden, scheint die schlimmste aller Pandemien bereits zum Alltag dazu zu gehören. Das humane immundefizienz Virus (HIV) überträgt AIDS. Im Jahr 2012 lebten etwa 36 Millionen Menschen mit dem HI-Virus, täglich kamen 9300 dazu. Jährlich sterben etwa drei Millionen an der Erkrankung - insbesondere in Entwicklungsländern. Hier fehlt die Aufklärung, Kondome, die medizinische Versorgung ist ungenügend. Etwa 65000 Menschen sind in Deutschland mit der Immunschwäche-Erkrankung infiziert und obwohl ihre Lebenserwartung dank des medizinischen Fortschritts inzwischen angestiegen ist, ist die Krankheit weiterhin unheilbar.

Platz 5: Weltwirtschaftskrise

Es wäre nicht die erste Weltwirtschaftskrise, doch sie ist umso gefürchteter. Nachdem Deutschland im Jahr 2007 hat, fürchten wir uns bereits vor der nächsten. Möglicherweise hat das historische Hintergründe: die Weimarer Republik wurde 1929 von der ersten Weltwirtschaftskrise getroffen. Hohe Arbeitslosigkeit und das Nicht-Einschreiten der Regierung verhalfen Adolf Hitler und der NSDAP an die Macht zu kommen.

Platz 4: Bewaffnete Konflikte

Sie sind in Europa zwar eher selten vorzufinden, in Entwicklungsländern gehören sie oft schon zum Alltag: Bewaffnete Konflikte verschiedener Bevölkerungsgruppen. Dass sie dortzulande allgegenwärtig sind, ist uns oftmals nicht bewusst, die Berichterstattung in unseren Medien fällt eher mau aus. Die wenigsten Menschen könnten etwas mit dem Begriff "Myanmar" anfangen. Seit 1948 bekämpfen sich Rebellen und Regierung in Myanmar, nach mehreren Waffenstillstandsabkommen der späten 1990er Jahre ist der Konflikt jedoch aus unseren Medien verschwunden.

Platz 3: Internationaler Terror

Der 11. September 2001 ist zwar nicht der Beginn des internationalen Terrors, sicherlich aber der Grund vieler Ängste. Erst nach den Anschlägen wurde der islamistische Terrorismus als Gefahr für den Weltfrieden eingestuft.

Platz 2: Klimawandel

Dass sich das Klima auf der Welt verändert, ist völlig natürlich. Grund dafür sind etwa geringste Veränderungen der Erdbahn und der Sonnenaktivität und die Schiefe der Ekliptik. So erklären Wissenschaftler den Wechsel zwischen Warm- und Kaltzeiten, Veränderungen des Klimas schon vor Auftreten des Menschen. Die Erde als geschlossenes System ist in der Lage, sich selbst zu regulieren und zu regenerieren. Die aktuell beobachtbaren Veränderungen lassen sich jedoch auf den Menscen zurückführen. Durch seinen Eingriff wir das System der Erde verändert. Forscher befürchten eine Erwärmung der Erde um bis zu 6,5°C in den nächsten 100 Jahren. Erhöhte Temperaturen ließen das Eis auf der Erde schmelzen, der Meerespiegel könnte um mehrere Meter ansteigen. Außerdem würden Unmengen an Methan und Kohlenstoffdioxid freigesetzt werden, die den Prozess weiter beschleunigen würden.

Platz 1: Armut, Hunger und Trinkwassermangel

Weniger als einen Dollar pro Tag hat schätzungsweise jeder siebte Mensch zur Verfügung - das sind nach aktuellem Wechselkurs etwa 91 Cent. Afrikanische Länder sind besonders von Hunger und Armut betroffen. Der Grund: Die extremen Klimabedingungen machen eine landwirtschaftliche Nutzung kaum möglich, es fehlt an Bewässerungsmöglichkeiten - der landwirtschaftliche Sektor kann nicht bedient werden-, nur wenige Unternehmen legen Produktionsschritte in komplett unterentwickelte Regionen - der industrielle Sektor bleibt aus. Kriege und Naturkatastrophen tragen ihr Übriges zu der Situation bei. Die Finanzkrise und steigende Lebensmittelpreise machen jede Art des Imports unmöglich. Obwohl die Vereinten Nationen vor 15 Jahren beschlossen hatten, den Welthunger bis Ende diesen Jahres zu halbieren, ist der weltweite Hunger weiter angestiegen. Nicht nur Essen, auch sauberes Trinkwasser ist Mangelware. Etwa 80% der Krankheiten und Todesfälle lassen sich auf schmutziges Trinkwasser zurückführen. Wasserknappheit wird ein großes Problem werden. Laut Schätzungen der UN werden in den nächsten 25 Jahren etwa 5 Milliarden Menschen mit diesem Problem zu kämpfen haben. Der geringste Teil des Wassers wird als Trinkwasser verbraucht. Die Landwirtschaft nutzt 70% des zur Verfügung stehenden Wassers.

Es ist ersichtlich, dass die Probleme dieser Welt ungleich verteilt sind. So mögen sie vielleicht nicht vor unserer Tür stattfinden, doch wie diese Umfrage gezeigt hat, befinden sich die Probleme in unseren Köpfen: Wir haben Angst. Wir haben Probleme.

"Ich stehe Statistiken etwas skeptisch gegenüber. Denn laut Statistik haben ein Millionär und ein armer Kerl jeder eine halbe Million."  -  Franklin D. Roosevelt

Quellen: n-tv.de, spiegel.de, huffingtonpost.de, statista.de, focus.de

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Kommentare:

  1. Du sprichst wirklich wichtige Themen an, über die man so eigentlich nicht wirklich nachdenkt.
    Toller Beitrag.
    Liebe Grüße,
    Anne :)

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  2. Ein toller Post von dir! Solche Themen haben mich schon immer sehr interessiert. Ich finde es super, dass du es auf deinem Blog ansprichst. Du hast es auf jeden Fall sehr interessant verfasst und die wirklichen Probleme sehr gut geschildert. Ich frage mich auch sehr oft, was diese belanglosen Themen in den Nachrichten sollen. Es gibt so viel ernstzunehmende Themen, die allerdings weiterhin verdrängt werden. Bis es irgendwann zu spät ist und man z. B. gegen die Umweltprobleme auf der Welt nichts mehr ausrichten kann. Wir leben wirklich so, als ob wir unzählige bewohnbare Planeten zur Verfügung hätten. Ich kann es absolut nicht nachvollziehen, dass nicht viel passiert. Und vor allem finde ich es schrecklich, dass wir unseren Nachkommen solch einen gefährlichen Planeten hinterlassen werden. Wie gesagt, toller Beitrag von dir! :)
    Liebe Grüße
    Larissa

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