Warum sagt man eigentlich...? (Part 2)




Es gibt Redewendungen, die gebrauchen wir jeden Tag. Warum soll man jemandem ausgerechnet am Allerwertesten lecken oder warum versteht man Bahnhof und nicht Flughafen? Über das "Warum?" machen wir uns eigentlich keine Gedanken - was wir da eigentlich sagen, wissen wir gar nicht.


Redewendung: durch Abwesenheit glänzen


Im alten Rom wurden angesehene Personen nach ihrem Tod bei einem großen Leichenzug verabschiedet. Üblicherweise trugen alle Teilnehmer bei diesen Veranstaltungen eine Maske. Den Cäsarmördern Cassius und Brutus wurde es jedoch untersagt, an den Veranstaltungen teilzunehmen. Und so fehlten die beiden auch beim Leichenzug der vornehmen Schwester von Brutus, die gleichzeitig die Frau von Cassius war. Ein Schreiber berichtete anschließend, dass die beiden auffielen, weil ihre Masken eben nicht an der Veranstaltung teilnahmen.

Redewendung: Leck mich am Arsch.


Damals schrieb man dem blanken Hintern die Gabe zu, bösen Zauber abzuwehren. Glaubte man also, einer Hexe oder dem leibhaftigen Teufel gegenüber zu stehen, sagte man diese Formel mehrmals auf, um sich so vor dem Bösen zu schützen. Erstmals als Beleidigung verwendet wurde die Formel von niemand anderem als Johann Wolfgang von Goethe. Der Dichter etablierte die Beleidigung durch sein Drama „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“. In einigen Regionen drückt diese Redewendung jedoch auch großes Erstaunen aus – es gibt also keinen Grund, sich gleich angegriffen zu fühlen.

Redewendung: auf dem Holzweg sein


In den Wäldern, die so alt sind wie das Märchen von „Hänsel und Gretel“ dienten Holzwege zum Abtransport des Holzes. Diese Wege waren zwar auf einer Seite an einen regulären Weg angebunden, führten aber auf der anderen Seite einfach in den Wald hinein – ohne Ziel. Wer also auf den Holzweg geraten war, musste entweder umdrehen oder sich durch das Unterholz schlagen. Da man auf diesem Weg sein Ziel nicht erreichen konnte, setzte sich die Redewendung bis heute durch und dient der Beschreibung eines Irrtums.

Redewendung: eine Eselsbrücke bauen


Während ein Pferd einfach über einen kleinen Bach springt, steht der Esel vor einem Problem. Und obwohl Esel eine lange Zeit als Nutztiere gehalten wurde, gelten sie als dumm und faul. Das schlaue Pferd löst das Problem alleine, eine „Pferdebrücke“ wäre also nie nötig gewesen. Um den Esel jedoch über den Bach zu bringen, muss man eine Brücke bauen, die das Problem löst und uns ans Ziel bringt – die Eselsbrücke.

Redewendung: Ich verstehe nur Bahnhof.



Damals, als die Eisenbahn noch das wichtigste Verkehrs- und Transportmittel war, fand diese Redewendung ihren Ursprung. Gerade im Krieg wurden Güter an die Front und Soldaten in die Heimat gefahren – eingestiegen wurde am Bahnhof, was diesen zum Sinnbild der Heimat für die Soldaten machte. Insbesondere zum Ende des Krieges, der ohnehin viel länger dauerte, als erwartet, wurde diese Redewendung gebraucht, um alle Gespräche, die sich nicht um die Heimreise drehten, abzuwimmeln. Nach dem Krieg erfuhr die Redewendung eine Bedeutungserweiterung, vermutlich weil der Bahnhof nicht nur mit dem Reisen sondern auch mit Lärm in Verbindung gebracht wird. Wer also etwas nicht versteht, versteht halt sprichwörtlich Bahnhof.

Redewendung: Etwas durch die Blume sagen.


Wie so vieles Anderes haben verschiedene Blumen unterschiedliche Bedeutungen. Während man mit einer roten Rose beispielsweise die Liebe ausdrückt, bedeutet eine Kornblume den Ausdruck der Ablehnung. Früher artete diese „Blumensprache“ ein wenig aus, statt Briefe schickte man sich Blumen. Wer diese Sprache verstand, konnte die Nachricht verstehen und gleichermaßen durch die Blume antworten. Das Gemeinte wurde also nicht aufgeschrieben oder ausgesprochen, sondern durch die Blume indirekt gesagt.

Redewendung: Wir sind geliefert.


Wären wir Pakete und würden per Post verschickt werden, hätte diese Redewendung einen einfachen Sinn. „Geliefert“ hat in diesem Zusammenhang jedoch nichts mit einer Paketsendung zu tun, sondern leitet sich von „dem Richter/Henker ausgeliefert sein“ ab – auch heute noch eine aussichtslose Situation.

Redewendung: Mit dem ist nicht gut Kirschen essen.


Früher wuchsen Kirschen nur in den Gärten der hohen Herren. Die Redewendung geht auf eine alte Redewendung zurück, die heute nicht mehr geläufig ist: "Mit hohen Herren ist nicht gut Kirschen essen. Sie spucken dir die Kerne ins Gesicht." Es war eine Warnung vor dem Umgang mit sehr launenhaften Adligen, denen gegenüber man stets im Nachteil war. Ist heutzutage also jemand autoritär, streng oder unfreundlich, ist mit diesem sicherlich nicht gut Kirschen essen.

1 Kommentar:

  1. Sehr schöner Post :-)
    Manche Sachen sind etwas einfacher, wie die Eselsbrücke, aber manche Sachen wie z.B. "Leck mich am Arsch" als Schutz vor dem Teufel und Hexen hätte ich nicht gedacht.
    Allerdings hast du am Anfang die Frage gestellt "Warum versteht man Bahnhof und nicht Flughafen?" und mit deiner Erklärung der Redewendung stellt sich die Frage nur noch mehr: Da es auf den Lärm bezogen ist, passt Flughafen ja auch, es wäre lediglich neuer :D

    Ich lese aber auch manchmal eine Zeitschrift, in der es eine Rubrik gibt, in der solche Sprichwörter und ähnliches kurz erklärt werden.
    Ich finde das auch immer ganz interessant.

    LG,
    Alexandra von growing-in-self-confidence.blogspot.de

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