Tod durch Staub



Millionen Menschen sterben jährlich an Staub, doch gleichzeitig schenkt er einem ganzen Kontinent Leben.


Fünf Milliarden Tonnen - das ist die Menge Staub, die jedes Jahr ihren Weg in unsere Atmosphäre findet. Die Teilchen benötigen nur zehn Tage, um die komplette Erde zu umrunden. Diese sogenannten Aerosole setzen sich aus Abgasen, Salzpartikeln, Rauch und Staub zusammen. Staub ist nicht gleich Sand. Während Sand aufgrund seiner Masse nur eine Höhe von etwa 20 Metern erreichen kann und häufig nicht sonderlich weit transportiert wird, gelangt Staub auch in Höhen von bis zu 6.000 Metern und schafft es so, von Kontinent zu Kontinent zu wandern.
In boomenden Industrieregionen wie China sterben täglich etwa 4.000 Menschen, das sind 1,5 Millionen Menschen im Jahr. Schätzungen der EU zufolge sind es innerhalb der Europäischen Union immerhin noch 250.000 Menschen, die jährlich an den Folgen der Staubbelastung sterben.
Sind Schleimpartikel kleiner als zehn Mikrometer, werden sie nicht mehr durch unsere Schleimhäute abgefangen und gelangen ungehindert in unsere Lunge.
Dies führt zu weitreichenden Problemen, die beispielsweise die Helfer des 9/11 am eigenen Leib erfahren mussten. Die zerstörten Gebäude hinterließen zehn Millionen Tonnen giftige Aerosole sowie etwa 90.000 Liter Kerosin aus den Flugzeugen, die in die Lungen der Polizisten, Feuerwehrleute, Rettungskräfte und Bauarbeiter gelangten. Der sogenannte World-Trade-Center-Husten ist das geringste Problem der Betroffenen, er kombiniert chronischen Husten, Dauerschnupfen, Atemnot und Sodbrennen. Bei vielen sind die Organe regelrecht perforiert, viele erlitten eine Lungenfibrose, durch die die Lunge die Fähigkeit verliert, Sauerstoff und CO2 auszutauschen. Auch in Europa gelangt täglich Feinstaub in unsere Lungen. Die häufigste Folge ist Asthma.
17-mal so viele Menschen wie noch 1970 leiden heute unter der Atemwegserkrankung. Die Ursache dafür lässt sich jedoch nicht häufig im eigenen Land finden, sondern oft viele bis zu tausende Kilometer entfernt. Beispielsweise sorgen die Abholzung des Regenwalds, übermäßige Wassernutzung und intensive Agrarwirtschaft in Afrika für eine erhöhte Feinstaubbelastung auf den Karibischen Inseln. Warum ist das so?
Brandrodung, intensive Landwirtschaft und die verschwenderische Nutzung von Wasser sorgen dafür, dass der Boden trocken und brüchig wird. Durch Winde wird der Boden abgetragen, diesen Vorgang nennt man Erosion. Während große Partikel wie Sand nicht sonderlich weit getragen werden können, erreichen kleinere Teilchen wie Staub schnell gigantische Höhen und treten so ihre Reise um die Welt an. Die Menge an Wüstenstaub, die beispielsweise auf der Karibik-Insel Barbados ankommt, ist heute bis zu fünfmal höher als noch 1970.

Wie Staub einem Kontinent das Leben schenkt


Dass der Wind den Staub nicht vollständig über den Atlantischen Ozean transportieren kann, ist dabei nicht verwunderlich. Wissenschaftler beschäftigen sich deshalb seit mehreren Jahren mit der Frage nach den Auswirkungen des Staubes auf die Meere. So wird der Staub etwas für das Absterben der Korallenriffe verantwortlich gemacht.
Gleichzeitig ist die Welt vom Staub abhängig. Ökosysteme wie der Regenwald Südamerikas sind auf die Mineralien im Staub der Sahara angewiesen. Sie dienen ihm als Dünger, weil die tropischen Böden arm an Nährstoffen sind. Ohne Staub in der Luft wäre die Welt nicht die Welt, die wir kennen. Wasserdampf haftet sich an winzige Aerosole, um in der Luft zu kondensieren und so Wolken zu bilden. Ohne Staub in der Luft bräuchte es eine Temperatur von -38°C, ehe es auf unserer Welt schneien könnte - das haben US-Forscher herausgefunden.
Die größten "Staublieferanten" der Welt sind die Sahara und die Wüsten Asiens und Australiens. Mit den globalen Windsystemen wird der Staub im Frühling nach Europa, im Frühsommer über den Atlantik getragen.

Was ist drin im Staub?


Der Staub, den wir regelmäßig von unseren Möbeln wischen, besteht zu 80% aus menschlichen Bestandteilen. Hautschuppen und Haare bilden die Grundsubstanz unseres Hausstaubs. Im Leben verliert ein Mensch etwa 26 Kilogramm Hautschuppen. Je näher man an die Küsten kommt, umso mehr Salzkristalle sind im Staub zu finden, in ländlichen Regionen sind es vermehrt Pflanzensporen.
Während die Schleimhäute auf dem Weg zur Lunge als Filter fungieren, wird der feine Staub nicht abgefangen. So gelangt Staub nicht nur in unsere Lungen sondern sogar bis in unsere Blutbahn.
Um die Luft in Zukunft etwas reiner zu halten, sind riesige Staubsauger in Planung. Der größte Staubsauger der Welt misst sieben Meter und steht derzeit in Rotterdam. Zukünftig sollen ähnliche Geräte weltweit für reine Luft sorgen, indem Luft aus der Umgebung eingesaugt, gefiltert und wieder freigesetzt wird. 30.000 m³ Luft sollen so stündlich gereinigt werden, benötigt wird dafür weniger Energie als für den Betrieb eines Wasserkochers. Wer auch ein bisschen reine Luft haben möchte, kann diese Problemlos im Internet bestellen. Das Unternehmen Vitality Air verkauft kanadische Frischluft aus der Dose. Umgerechnet etwa 21,-€ bezahlt man für eine 7,7-Liter-Flasche kanadischer Frischluft.

Quellen: geo.de, Welt der Wunder


Auch interessant:


1 Kommentar:

  1. Hallo Kevin,

    schöner Artikel!
    Die verschiedenen Betrachtungsweisen auf das Thema Staub haben mir gut gefallen. Auch die Infos zur Staubzusammensetzung und dem größten Staubsauger der Welt waren wirklich unterhaltsam zu lesen.
    Die "Vitality Air" Lösung hört sich zwar ganz gut an, ist aber nicht gerade preiswert.
    Da wische ich lieber einmal mehr Staub in der Bude :)

    Beste Grüße
    Stephan

    AntwortenLöschen