Sind Vitamine wirklich gesund?



"Mit 9 wertvollen Vitaminen" ist in neun von zehn Fällen gelogen.


Statt des Eistees greifen wir häufig zu Fruchtsäften - warum denn auch nicht? Sie schmecken lecker und sind viel gesünder. Dass häufig auch in ihnen Zucker steckt, ist längst kein Geheimnis mehr, schließlich haben viele Früchte von Natur aus Zucker. Die Tricks der Lebensmittel-Industrie sind perfide, denn mit Versprechen wie "mit neun wertvollen Vitaminen" oder "mit den Vitaminen A, B, C und D" tarnen sie oft ungesunde Lebensmittel als gesundheitsfördernd.

Eine aktuelle Foodwatch-Studie zeigt jedoch, dass 190 von 214 getesteten Produkten zu viel Fett, zu viel Zucker oder zu viel Salz enthalten und somit alles andere als gesundheitsfördernd sind.

Über die Hälfte der Deutschen übergewichtig


Die Verbraucherschutzorganisation setzte sich in der Vergangenheit schon mehrfach dafür ein, irreführende Gesundheits- und Nährwertsversprechen zu verbieten. Vermeintlich gesunde Lebensmittel tragen zur Fehlernährung bei und können sogar zu chronischen Krankheiten führen. Mehr als 50% der Deutschen sind übergewichtig, mit einem BMI von über 30 gilt sogar jeder vierte als fettleibig. "Auf den Etiketten werden häufig positive Gesundheitseffekte einzelner Inhaltsstoffe beworben", heißt es von Seiten der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch.
Zwar gebe es seit 2012 strenge Richtlinien, nach denen solche Werbeaussagen von der EU abgesegnet werden müssen, ein entscheidender Teil - die sogenannten Nährwertprofile - warten jedoch seit 2009 vergeblich auf ihre Einführung. Sie würden erstmal Mindestanforderungen an die Nährwertzusammensetzung von Lebensmitteln formulieren und könnten so helfen, zu erkennen, was wirklich gesund ist und was eben nicht.

Fruchtsäfte mit tierischer Gelatine


Gelatine ist nicht nur in Gummibärchen enthalten. In Weinen und Fruchtsäften wird sie häufig verwendet, um Trübstoffe aus der Flüssigkeit zu filtern. Da sie anschließend wieder entfernt wird, ist ihr Einsatz auf den Getränken nicht einmal kennzeichnungspflichtig. Dass das auf Empörung stößt, ist kein Wunder. Immer mehr Hersteller reagierten bereits auf die Verbraucherproteste und verzichten seit einiger Zeit komplett auf tierische Produkte bei der Herstellung. Dennoch sind Fruchtsäfte nicht die frischgepressten Säfte, die einfach in eine Packung gefüllt wurden. Antioxidationsmittel werden oft beigefügt, um eine Braunfärbung des Obstes im Saft zu verhindern.

Welche Produkte belügen uns?


"Mit neun Vitaminen", "Vitamine und Naschen", "+Vitamin" - die Liste der Lügen, die uns Fruchtbonbons und -gummis auftischen, könnte man endlos weiterführen. Zwar werden ihnen Vitamine beigemischt, aufgrund ihres Zuckergehalts sind sie jedoch alles andere als ausgewogen und erfüllen nicht einmal die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation. Ähnliches gilt auch für Hustenbonbons, die dank vieler Vitamine schneller wieder gesundmachen sollen. Stattdessen trägt der enthaltene Zucker zu Karies, Übergewicht und Diabetes Typ II bei.
Auch Fitness- und Vitamindrinks erfüllen nicht die Empfehlung der WHO. Neben Vitaminen befindet sich in ihnen oftmals Zucker und Süßstoff. Dasselbe gilt auch für Energydrinks, die mit dem Zusatz von Vitamin B werben. Foodwatch fand heraus, dass sie nicht nur unausgewogen sondern absolut ungesund sind. 
Egal ob "Folsäure zur Zellneubildung", "Magnesium für den Muskelaufbau" oder "Vitamin C und E gegen oxidativen Stress" - der zu hohe Zuckergehalt katapultiert viele Fruchtsäfte jenseits der WHO-Vorgaben.
Für Joghurt und andere Milchprodukte rät die WHO nicht mehr als 2,5 Gramm Fett, 10 Gramm Zucker und 0,2 Gramm Salz. Auch hier überschreiten viele Produkte die Vorgaben der WHO.

Ballaststoffe gehen im Saft verloren


Die WHO empfiehlt 50, maximal 60 Gramm Zucker für einen Erwachsenen am Tag. Laut Fruchtsaftverordnung dürfen in Fruchtsäfte pro Liter bis zu 150 Gramm Zucker verwendet werden, um einen süßen Geschmack zu erzielen. Auf dem Weg von der Frucht zum Saft gehen zudem wertvolle Ballaststoffe verloren, sodass Fruchtsäfte das Verdauungssystem schneller passieren - so steigt der Blutzucker rasant an. Doch das muss nicht so sein. Die Kennzeichnung Direktsaft zum Beispiel versichert dem Verbraucher, dass neben einem Fruchtanteil von 100% weder Zuckerzusätze noch Farb- oder Konservierungsstoffe hinzugefügt wurden. Auch Saft aus Fruchtsaftkonzentrat besteht aus 100% Fruchtanteil und hat weder Zucker noch Farb- und Konservierungsstoffe zugefügt bekommen. Der Unterschied zum Direktsaft: Dem Saft wurde Wasser entzogen, um so etwas Transportraum zu sparen. Später werden Wasser, natürliche Aromen und Fruchtfleisch wieder hinzugefügt.
Fruchtnektar hat einen Fruchtanteil von 25 bis 50%, abhängig von der verwendeten Frucht. Bei Apfel- und Orangennektar sind es 50%, bei Sauerkirschnektar 35%, bei Johannisbeeren nur 25% Fruchtanteil. Zusätzlich werden Fruchtnektaren Zucker zugeführt.
Am wenigsten Frucht steckt in Fruchtsaftgetränken. Mindestens 6 bis höchstens 30% Fruchtanteil sind enthalten, Wasser, Zucker, Aromen und Farbstoffe werden dem Getränk beigesetzt. In Zahlen heißt das: 30% Fruchtanteil bei Äpfeln und Trauben, 10% bei Ananas, Maracuja, Kirschen und Johannisbeeren und 6% bei Orangen und anderen Zitrusfrüchten.
In der Regel haben Fruchtsaftschorlen einen Fruchtgehalt von 50%, ihnen dürfen aber verschiedenen Zusätze wie Zucker und Aromen zugesetzt werden.
Der Begriff Smoothie ist bisher nicht lebensmittelrechtlich geschützt. Zwar ist klar, dass es sich hierbei um einen pürierten Mix aus ganzen Früchten handelt, die Zusammensetzung kann jedoch laut aid-Infodienst für Ernährung sehr unterschiedlich sein, sodass durchaus Aromen oder Farbstoffe enthalten sein könnten. Lediglich der Fruchtsaft-Smoothie unterliegt der deutschen Fruchtsaftordnung und darf keine Zusätze enthalten.

Quellen: apotheken-umschau.de, web.de/magazin, ernaehrungsstudio.nestle.de, foodwatch.org, fr-online.de, welt.de


Blickt ihr nun anders auf Fruchtsäfte und Lebensmittel mit "Gesundheitsversprechen"?
Was habt ihr bisher für Getränke gekauft, bzw. habt ihr beim  Kauf überhaupt auf die Bezeichnung geachtet?


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