Können wir durch die Zeit reisen?



Sind Zeitreisen möglich?


Eine Minute dauert 60 Sekunde - das ist eine feste Größe, denn eine Stoppuhr lässt sich nicht betrügen, oder? Der britische Physiker Julian Barbour erklärt: "Wie können Zeit erkennen, verstehen sie aber nicht." Zeit ist für uns etwas geradliniges. Sie schreitet voran, unaufhaltsam. Auf diesem Zeitstrahl schiebt sich die Gegenwart immer weiter in Richtung Zukunft mit einer Geschwindigkeit, die wir auf Uhren und Kalendern ablesen. Forscher fanden heraus, dass wir die Gegenwart nur 2,7 Sekunden wahrnehmen, länger konzentriert sich das Gehirn in der Regel nicht auf eine Sache. Alles davor war eben, alles danach ist gleich. Paradox ist jedoch: 2,7 Sekunden sind nicht gleich 2,7 Sekunden. Abhängig davon, wo man die Zeit misst, kann man mit modernen Messtechniken wie sie mittlerweile bestehen, eine Differenz von 30 Millionstel Sekunden pro Jahr messen - das ist zehnmal schneller als ein Blitzschlag bei einem Gewitter. 

An der Nordsee läuft die Zeit langsamer als auf dem Mount Everest


Und obwohl die Differenz so schwindend gering ist, ist sie vorhanden und heutzutage messbar. Die geringere Schwerkraft auf dem Mount Everest verändert keinesfalls die Mechanik der Uhr sondern die Zeit selbst. Sein Gipfel liegt weiter vom Gravitationszentrum der Erde entfernt, was sich tatsächlich auf die Zeit auswirkt. Verstehen können wir das nicht, wie der britische Physiker erklärt.
Mit heutiger Technik lassen sich solch geringe Differenzen nachweisen. Neben einer Abhängigkeit der zeit zur Schwerkraft, ist die Zeit auch abhängig von unserer Geschwindigkeit. Je schneller wir uns bewegen, desto langsamer wird die Zeit. Wir alle reisen ständig durch die Zeit, denn fahren wir mit unserem Wagen auf der Autobahn, vergeht die Zeit für uns 1,000 000 000 000 004 Mal langsamer als für einen Menschen, der beispielsweise gerade eine Pause auf dem Rastplatz macht.
Könnten wir mit dem Auto auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen, also etwas 300.000 Kilometer pro Sekunde zurücklegen, würde die Zeit 7000-Mal langsamer verlaufen. So könnten wir innerhalb von 24 Stunden 20 Jahre in die Zukunft springen.

Jeder von uns reist täglich durch die Zeit


Von solchen Fahrzeugen sind wir jedoch noch weit entfernt. Der Russe Gennady Padalka hält mit 879 Tagen im Weltraum nicht nur den Rekord für den längsten Aufenthalt, sondern auch den Rekord für die längste menschliche Zeitreise. Moderne Messgeräte haben gezeigt, dass er sich bei seinem Aufenthalt 20 Millisekunden in die Zukunft bewegt hat.
Auch mit unserem Smartphone reisen wir täglich durch die Zeit. Nicht nur, indem wir stundenlang auf das Display starren und uns so ohne sinnvolle Handlung in die Zukunft bewegen, GPS-Systeme bestehen aus mehr als 20 Satelliten, die in einer Höhe von etwa 20.000 Kilometern die Erde umkreisen. Dort sind die Satelliten nicht nur einer geringeren Schwerkraft ausgesetzt, mit einer Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde, reisen die Satelliten täglich 38 Mikrosekunden in die Zukunft. Dieser Fehler muss auf der Erde korrigiert werden, denn eine Abweichung von nur einer Millionstel Sekunde würde auf der Erde eine Abweichung von 300 Metern bedeuten. Eine Mikrosekunde im Weltall entscheidet also darüber, ob unser Navigationssystem uns rechtzeitig oder 300 Meter zu spät zum Abbiegen auffordert.

"Zeitreisen könnten möglich sein" >> Stephen Hawking, Physiker


Physiker kombinieren Raum und Zeit als Raumzeit. Die logische Konsequenz ist: Wir können uns durch die Zeit bewegen, so wir uns im Raum bewegen können. "Zeitreisen könnten möglich sein, sie sind aber nicht besonders praktikabel", sagt der bekannte Physiker Hawking. Demnach seien Zeitreisen zu energieaufwändig und für die Menschen viel zu gefährlich. 

In die Zukunft bewegen wir uns von ganz allein, im Auto, Zug oder Flugzeug noch ein wenig schneller. Erstmals waren Zeitreisen 1895 Thema in der Gesellschaft. Der Engländer H. G. Wells schrieb in seinem Roman "Die Zeitmaschine" erstmal von Zeitreisen. Zehn Jahre später begründete Einstein mit seiner Relativitätstheorie, dass auch Zeit relativ sei. Auch jahrhunderteweite Zeitsprünge in die Zukunft sind aus Sicht der Forscher zumindest theoretisch möglich. Doch können wir auch in die Vergangenheit reisen?

Zeitreisen sind möglich - zumindest theoretisch


Laut Einsteins Relativitätstheorie sind auch Reisen in die Vergangenheit möglich. Doch Einsteins Theorie bietet viele Lösungen, ob eine dieser Lösungen unseren Kosmos beschreibt, ist bisher eine offene Frage. Wissenschaftler gehen dieser Frage jedoch nicht auf den Grund, weil sie ernsthaft an Reisen in die Vergangenheit interessiert sind, sondern weil sie sich Aufschlüsse über die Entstehung des Universums erhoffen. Der österreichische Mathematiker Kurt Gödel entwickelte ein Modell, in dem Reisen in die Vergangenheit möglich wären. Im rotierenden Kosmos, könnte ein Astronaut immer geradeaus fliegen, würde aber irgendwann wieder an seiner Ausgangsstelle ankommen - zu einem früheren Zeitpunkt. Derartige Strecken nennen Phsiker "geschlossene zeitartige Kurven". Seit Gödels Modell haben Wissenschaftler eine ganze Reihe solcher Kurven ausgedacht, die Zeitreisen in die Vergangenheit zumindest auf dem Papier ermöglichen. Für betroffene Astronauten wäre dieser Flug jedoch äußerst unspektakulär - rückwärtsdrehende Uhren seien eine Erfindung Hollywoods. Dennoch käme der Astronaut in seiner eigenen Vergangenheit an. 
In der Praxis ist jedoch noch niemand in die Vergangenheit gereist, weder durch eine geschlossene zeitartige Kurve noch durch ein Wurmloch, wie es in SciFi-Filmen oft gemacht wird.
Zeitreisen in die Vergangenheit bleiben also weiterhin nur Theorie und geben so den Physikern von heute die Möglichkeit, das im Studium erlernte Formel-Wirrwarr anzuwenden.

Quellen: wdw(3/16), spektrum.de, web.de/wissen, faz.net

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1 Kommentar:

  1. Sollten Zeitreisen JEMALS möglich sein, dann bitte noch zu meinen Lebzeiten ;) Ich liebe es, Zeitreisenfilme zu sehen und seitdem überlege ich mir auch immer, wohin ich gerne einmal zurückreisen würde! Da würden mir schon so einige Zeitpunkte in der Weltgeschichte einfallen :)

    Liebe Grüße
    Jana

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