Warum sagt man eigentlich...? (Part 3)



Täglich verwenden wir Redewendungen. Doch wenn wir sie einmal hinterfragen, stellt sich die Frage, warum wir "ins Fettnäpfchen treten" oder warum wir zum Oralsex "blasen" sagen.


Völlig selbstverständlich verwenden wir täglich eine Vielzahl von Redewendungen und Begriffen, die wir alle verstehen. Warum wir dabei so reden, wie wir reden, fragen wir uns oftmals nicht.
In meinem Germanistikstudium begegnet mir diese Frage viel zu oft, als dass ich sie ignorieren könnte.

Redewendung: "Ich hab' keine Kohle mehr."


Nicht nur beim Grillen sehr ärgerlich, sondern auch im Alltag sehr hinderlich: Gemeint ist natürlich, dass jemand kein Geld mehr hat.Und obwohl wir alle sofort verstanden haben, was gemeint ist, wären Fremde sicherlich verwirrt. Geld hat bei uns viele Namen: Moneten, Kohle, Mäuse, Zaster.
Zurückzuführen ist das auf ein altes Sprichwort: Über Geld spricht man nicht. Früher sprach man nicht gerne über Reichtum oder gar Armut, nicht einmal in der Familie. Nach und nach wurden so Synonyme für "Geld" in den Sprachgebrauch etabliert, die wir alle verstehen: Kies, Asche, Schotter und die oben genannten, so auch Kohle. Über die Verwendung dieser Phrase streiten sich die Sprachforscher. In der Sprache der Kriminellen bedeutete "Kohle haben" nämlich, nichts zu haben. Doch die Annahmen der Sprachwissenschaftler von 1950 sind umstritten. So galt Kohle bei anderen Forschern als Zeichen von Wohlstand, schließlich benötigte man Kohle, um den Ofen anzufeuern. Das sei beeits seit dem 1800 Jahrhundert so gewesen.

Redewendung: "Die Arschkarte ziehen"


Die berühmte "Arschkarte" stammt aus dem Sport - genauer gesagt dem Fußball. Sie verwieß einen Spieler vom Platz. Wer vor Ort dabei war, konnte natürlich sehen, dass es sich hierbei um die rote Karte handelte. Zu Zeiten des Schwarz-Weiß-Fernsehens fiel es aber zunehmend schwer, die gelbe Karte von der roten Karte zu unterscheiden. Den Zuschauern zu Hause zuliebe wurde die gelbe Karte deshalb aus der Brusttasche, die rote aus der Gesäßtasche gezogen. Das Schlimmste, was einem Spieler passieren konnte, war es also, die Arschkarte zu ziehen oder viel mehr gezogen zu bekommen.

Redewendung: "Blasen" zu Oralsex


An dieser Stelle muss wohl kaum erklärt werden, was sich hinter der Praktik verbirgt. Feststeht, dass es dabei ganz sicher nicht um blasen im Sinne von pusten geht. Sollte jemand auf die Idee kommen, in den steifen Penis eines Mannes zu pusten: Das ist kein Luftballon und es kommen auch keine Töne wie bei einer Trompete raus. Zudem fördert das nicht gerade das Lustgefühl.
Wissenschaftler sind sich nicht einig, welche Geschichte hinter diesem Begriff steckt, haben aber verschiedene Ansätze gefunden. Die Form der Lippen beim Oralsex sei so zum Beispiel dieselbe, als würde man bei einer Pusteblume blasen. Andere behaupten, es könnte damit zusammenhängen, dass der Penis größer und praller wird, wenn man ihn in den Mund nimmt - so als würde man einen Luftballon aufblasen. Wieder andere führen den Begriff tatsächlich auf die Trompete zurück, die man zuerst in die Hand, dann in den Mund nimmt und bläst. Oder aber - die meiner Meinung nach lustigste Theorie - es erinnert an eine heiße Kartoffel, die in den Mund genommen wird, dann aber wieder ausgespuckt wird, um sie kalt zu blasen.

Redewendung: "in ein Fettnäpfchen treten"


Früher stand neben der Tür eines Hauses ein kleines Näpfchen mit Fett, das Heimkehrende nutzen sollte, um ihre Lederschuhe damit einzureiben. Wer aber versehentlich in das Fettnäpfchen trat, verursachte anschließend Fettflecken auf dem Fußboden und zog somit den Zorn der Hausfrauen auf sich. Auch heute macht man sich noch unbeliebt, wenn man durch eine (versehentliche) Handlung oder Äußerung "in ein Fettnäpfchen tritt".

Redewendung: "einen Korb bekommen"


Ursprünglich aus dem Mittelalter stammend sagt diese Redewendung aus, dass jemand von seinem Schwarm abserviert wurde. Schwärmte ein Mann für eine Frau so war es früher üblich, vor ihrem Fenster zu erscheinen. Einen Korb bekam man allemal, denn sie ließ einen Korb an einem Seil herunter, in den sich der Mann setzen sollte, um zu ihr hinauf gezogen zu werden (so abwegig ist Rapunzel also gar nicht). Wollte sie den Mann jedoch nicht haben, sägte sie vorher den Korbboden an, sodass der Mann hindurch fiel. So lässt sich auch die Herkunft des Wortes durchgefallen erklären. Er hatte es nicht geschafft, zu seiner Geliebten hinauf gezogen zu werden.

Redewendung: "Schwein gehabt"


Schützenfeste erfreuten sich früher großer Beliebtheit. Während der Sieger einen Geldgewinn erhielt, gingen auch der Zweite und Dritte nicht leer aus. Der Letzte erhielt ein Ferkel. Und weil er etwas bekam, obwohl er eigentlich verloren hatte, prägte sich die Phrase "Schwein gehabt" - eine Bezeichnung für (unverdientes) Glück. So wurde das Schwein schließlich zu einem Zeichen von Glück und findet bis heute - gerade zu Silvester - in Figuren und Co Anwendung als Glücksbringer.

Redewendung: "beleidigte Leberwurst"


Früher glaubten die Menschen, die Leber sei der Ursprung für menschliche Gefühle. So sagte man zu grimmigen Menschen oft: "Dir ist wohl eine Laus über die Leber gelaufen". Auch das Schmollen und Traurigsein wurde damals der Leber zugeschrieben, sodass der Begriff "beleidigte Leberwurst" geprägt wurde.

Redewendung: "Pech gehabt"


Wurde eine Burg im Mittelalter angegriffen, wurden die Angreifer an der Mauer oft mit Pech übergossen. Die klebrige, zähflüssige und oft noch heiße Masse machte die Gegner kampfunfähig. Wen eine solche Dusche erwischte, der hatte schon damals "Pech gehabt".

Pech gehabt. Das war's schon wieder. Aber bevor ihr jetzt wie eine beleidigte Leberwurst den Tag verbringt, schaut euch auch die anderen Teile an oder erzählt mir, welcher Redewendungen ich euch beim nächsten Mal erklären soll.

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1 Kommentar:

  1. Mal wieder was dazu gelernt! Schon spannend, wie all die Redewendungen in unserer Sprache eine tiefere Bedeutung haben :) Man denkt immer und wenn man raten müsste, würde man sicher oft daneben liegen! Erst recht, wenn sich die schlauen Köpfe da manches Mal auch nicht einig sind!

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