Lehrer der Zukunft



Lehrer sein, heißt Verantwortung zu übernehmen.


30 Prozent der Lehrer und Erzieher leiden unter Burn-Out oder Erschöpfung, Tendenz steigend. Dies geht aus einem Gutachten des Aktionsrates Bildung hervor. Der Aktionsrat, der sich aus Forschern verschiedener Universitäten sowie PISA-Experten zusammensetzt, sieht die Ursachen in der Ausbildung, in der "zu idealistische Vorstellungen vom Lehrerberuf" vermittelt werden würden. 
Und auch meiner Meinung nach kommt im Lehramtsstudium die Praxiserfahrung zu kurz. Drei Schulpraktika in 5 Ausbildungsjahren - das ist die Gänze der Praxiserfahrung, mit der junge Lehrkräfte auf Schüler losgelassen werden. Erst im Referendariat erfolgt die Supervision durch einen Mentoren. Ist es dann bereits zu spät?

Der Traum, ein großartiger Lehrer zu sein


Ann Liebermann, Professorin von der Columbia University of New York, ist anerkannte Forscherin der Lehrerfortbildung und weiß, was eine gute Lehrperson ausmacht. "Großartige Lehrer fühlen sich in ihre Schüler hinein, sie respektieren sie und sind davon überzeugt, dass jeder von ihnen etwas Besonderes hat, worauf aufgebaut werden kann."
Lehrer als Pädagogen sind also ähnlich wie Erzieher. Gibt die Familie den Erziehungsauftrag phasenweise aus den Händen, tragen die Erzieher im Kindergarten und der Krippe diese Aufgabe. Bis zu einem Alter von etwa sechs Jahren (nach dem Entwicklungsstufenmodell von Montessori) werden die Kinder erzogen und sozialisiert, das heißt sie werden auf das Leben in der Gesellschaft vorbereitet, indem sie beispielsweise Sprechen und Laufen lernen.
In den darauffolgenden sechs Jahren sinkt der Anteil der erzieherischen Kompetenz der begleitenden Pädagogen. Zwar werden in der Grundschule noch viele Werte und Normen vermittelt, aufgrund der einsetzenden Pubertät wird die Erziehung durch die Lehrkräfte doch insbesondere zum Ende dieser Stufe schwieriger. Fachlehrkräfte sehen die Schüler pro Woche zwei Stunden. Klassenlehrer haben zwar mehr Kontakt zu den Kindern, begleiten sie aber auch nur während der Unterrichtszeit und selten darüber hinaus. Der Einfluss nimmt ab.
In der dritten Stufe der Entwicklung (etwa von 12-18) setzt die Pubertät ein. Eine schwierige Phase, voller Unruhen und Labilität. Aufgabe der Erziehung in dieser Phase ist es, die Entwicklung zu fördern, sie aber gleichzeitig auch zu schützen.

Die Schulen und somit die Lehrer müssen immer mehr Erziehungspflichten übernehmen, arbeiten dabei aber nicht selten gegen eine Wand. Rohrstock und Co gibt es schon lange nicht mehr, aber wenn Lehrer rein rechtlich die Schüler nicht einmal vor die Tür schicken dürfen, wenn sie den Unterricht stören, weil sie dadurch ihre Aufsichtspflicht verletzen würden, sind den Lehrkräften klare Grenzen in ihren Möglichkeiten gesetzt. Wie soll Erziehung nur durch Gutes-Zureden erfolgen?
Wie kann man den Ansprüchen an den Lehrerberuf gerecht werden?

Denken wir etwa an den Film "Sister Act", in dem eine falsche Nonne, gespielt von Whoopi Goldberg, aus einer Gruppe unmotivierter Nonnen begnadete Sängerinnen macht. Oder an "Fack Ju Göthe", wo Elias M'Barek aus "Problemschülern" das Beste rausholt. Motivation ist das Zauberwort. Wie motiviere ich Schülerinnen und Schüler, etwas zu lernen? Wie motiviere ich, meine Erziehung anzunehmen? Ein respektvolles Miteinander ist besonders wichtig, muss aber auch erst einmal erreicht werden. Und ob das möglich ist, liegt nicht zuletzt an der bisherigen Erziehung der Kinder.

Was soll Schule eigentlich leisten?


Offiziell soll Schule eine Stätte der Bildung und Erziehung sein. Schüler sollen zur sozialen Selbstständigkeit erzogen werden. Dabei ist die Schule auf das Mitwirken der Eltern angewiesen, in deren Pflicht es laut Grundgesetz liegt, ihre Kinder zu erziehen. Diese Aufgabenteilung gelingt jedoch in den seltensten Fällen, sodass Lehrkräfte immer mehr Aufgaben übernehmen müssen, während Eltern immer mehr mitreden wollen. 
Das Allenbach-Institut führte eine Umfrage durch, in der Lehrer und Eltern gefragt wurden, welchen Einfluss Lehrkräfte auf die Schülerinnen und Schüler haben können und sollen. Erschreckend: Fast die Hälfte der befragten Lehrer sagten, sie hätten wenig oder keinen Einfluss auf die Kinder. Selbst an Gymnasien empfinde es rund ein Drittel der Lehrer schwierig, Werte zu vermitteln. Diese Aufgabe, sagten 76% der Lehrkräfte, falle zunehmend auf die Medien und den Freundeskreis zurück.

Die Lehrer der Zukunft


Einer davon könnte ich sein - Lehramtsanwerber im vierten Semester. Und trotz laufenden Studiums, das auf das Berufsleben vorbereiten soll, bleiben viele meiner Fragen bislang offen. Wie reagiere ich beispielsweise korrekt auf Unterrichtsstörungen? Wie gehe ich mit respektlosem Verhalten um? Wie begegne ich Mobbing in meiner Klasse? Fragen, die mir mein Studium wohl auch nicht beantworten wird - der Verlust der Praxisnähe fällt mir immer wieder auf. Als angehender Geographielehrer soll ich den Schülern in der Orientierungsstufe topographisches Wissen - also das Arbeiten mit Karten näherbringen. In meinem Studium lerne ich diesbezüglich kaum etwas, sodass ich gestehen muss, nicht zu wissen, welches Land nordwestlich an Pakistan grenzt. Auch Iller, Isar, Lech und Inn könnte ich vermutlich nur mit Glück in der richtigen Reihenfolge  in die Donau münden lassen. Ich habe mich längst damit abgefunden, mir dieses Wissen eigenständig aneignen zu müssen.
Stattdessen begleiten mich Bodenhorizonte und umfangreichste Wirtschaftsgeographie durch mein Studium, Themen, die im schulischen Unterricht bestenfalls kurz und in keinem Fall so umfangreich zum Einsatz kommen.
Und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb bin ich davon überzeugt, ein guter Lehrer werden zu können. Weil ich die Aufgaben des Lehrerberufes als Berufung verstehe und nicht als Job mit möglichem Beamtenstatus und vermeintlich viel Freizeit. Eine Aufgabe, an der ich wachsen kann und muss, in der ich mich kreativ, aber auch reflektierend mit anderen auseinandersetze und bei der ich Schülerinnen und Schüler begleite, unsere Zukunft zu werden.
Das Problem ist kein unbekanntes und so zerbricht sich selbst die Kultusministerkonferenz den Kopf darüber, mehr Praxisnähe ins Studium zu bringen. Eine wichtige Frage, denn unsere eigene Zukunft liegt in den Händen derer, die unsere Kinder erziehen - in den Händen der Lehrer.

Den Lehrkräften wird nicht nur die Vermittlung von Fachwissen aufgetragen, sie sollen die Schüler auch im engen Rahmen ihrer Möglichkeiten erziehen. Damit das funktionieren kann, benötigt die Lehrperson den nötigen Respekt. Diesen zu verlieren, macht es für Lehrer schwierig, auf die Klasse einzuwirken. Konsequenz ist das Stichwort. Ein Lehrer, der Strafen immer nur androht, sie aber nicht umsetzt, verliert seine Autorität.
Ein Lehrer, der geradlinigen Unterricht durchführt, verliert die Aufmerksamkeit der Schüler und gerät eher in Konfliktsituationen. Letztendlich muss jeder Lehrer seinen eigenen Weg finden und hoffen, dass die Eltern ihren Teil zur Erziehung beitragen.

Zukunft ohne Erziehung?


Louise und Daniel stellten auf ihrem Blog die Frage, wie die Kindererziehung des 21. Jahrhunderts aussehen könnte und müsste. Mir war es ein Anliegen, aufzuzeigen, dass Erziehung auch im 21. Jahrhundert eine wichtige Rolle spielt, die zunehmend außerhalb der Familie, nämlich in der Schule und dem sozialen Umfeld des Kindes, ausgetragen wird.
Es ist zu beobachten, dass die disziplinäre Erziehung von Kindern in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen hat. Wo einst Eltern selbst von den eigenen Kindern gesiezt wurden, ist diese Form der Höflichkeit mittlerweile unüblich.
Dies spiegelt sich auch in der schulischen Erziehung wider. Zwar sind disziplinäre Erziehungsmaßnahmen weiterhin erlaubt, der rechtliche Rahmen wird dafür jedoch immer enger. Physische Strafen wie das Schlagen mit dem Rohrstock, aber auch viele andere Methoden, wie das Rausschicken vor die Tür, welches aufgrund der Verletzung der Aufsichtspflicht, oder das Verdonnern zu Klassenarbeiten, etwa in Form von täglichem Tafelwischen, was aufgrund des Diskriminierungsverbots, kritisch gesehen werden können, grenzen die Lehrer in ihren Möglichkeiten stark ein und stellen die Schule vor ein neues Problem.

Meiner Meinung nach sollten es nach wie vor die Eltern sein, die den größten Teil der Erziehung übernehmen. Denn obwohl Lehrer Fehler in Klassenarbeiten korrigieren, sollte die Korrektur von Erziehung keine primäre Aufgabe von Lehrkräften sein.

Respekt, Höflichkeit, Ehrlichkeit, Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, eigenes Verhalten kritisch zu reflektieren und zu hinterfragen sollten nach wie vor die Grundwerte der Erziehung sein. Doch wenn mir eine Lehrerin erzählt, wie an meiner ehemaligen Schule eine Gruppe Sechstklässler eine ältere Dame überfallen hat, um wenig später ein Video davon ins Netz zu laden, hinterfrage ich die Erziehungskompetenzen - und zwar nicht die der Lehrer.

Quellen: welt.de, zeit.de, sueddeutsche.de, web.ard.de, tagesspiegel.de, faz.net


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Kommentare:

  1. Klasse Beitrag! Vor Allem bist du auch direkt zum Punkt gekommen, der das Problem darstellt.

    Zu mir wurde mal gesagt, dass ich ein super Lehrer abgeben würde, weil ich so gut Dinge einfach erklären kann und den Mitschülern helfe. Die Lehrer an meiner alten Berufsschule hatten das jedenfalls so gesehen, da ich echt gut war. Wahrscheinlich sprachen sie deshalb auch im Unterricht öfters die Problematik des Lehrermangels an. Klar, jetzt gibt es zurzeit eine Welle von Lehramt-Studenten, aber mal ehrlich: So attraktiv ist es echt nicht mehr.

    Du erklärst schön, dass wir durch unsere antiautoritäre Erziehung auf keinen grünen Zweig kommen. Und wenn ich sehe, dass es die eine Gattung von Eltern gibt, die einfach keinen Plan, keine Lust und überhaupt haben; lieber mit ihrem Handy durch die Stadt laufend, als mit ihrem Kind an der Hand, was währenddessen irgendwas aus dem Verkäuferstand mitnimmt; da wird mir schlecht. Die andere Seite sind diese modernen Familien, die eh arbeiten sind und Abends keine Zeit haben. Die sind dann meistens ziemlich fern von Familienbindung und auch sehr anspruchsvoll, um nicht zu sagen: "die machen, was sie wollen". Dass da der Lehrer einspringen soll, ist richtig, zum einen, aber zu unserer Zeit hieß es da noch, dass die Schule kein Elternersatz ist und auch nicht sein kann. Probleme in der Familie wurden da meistens mit der o. g. Klassenleitung besprochen, aber auf jeden Fall wurde versucht, die Eltern mit in die Pflicht zu nehmen. Wie das heutzutage ist, kann ich mir nur ausmalen. Bestimmt versuchen es die Lehrer gar nicht mehr, weil sie dumme Antworten bekommen... Keine einfache Sache.

    Aber so an sich ist der Lehrerberuf echt schön und wenn man mit Herz und Seele dabei ist, dann merken das die Kinder auch und man kann viel entspannter in den Unterricht gehen. Es gibt so die typischen Lehrertypen, die man eben mag und nicht mag. Ich kam mit allen gut klar, außer halt mit dem einen, der immer meinte, schlechte Laune verbreiten zu müssen und alles an den Schülern auszulassen. Am liebsten war mir der chaotische Lehrer-Typ, der ernst genommen nicht viel Unterricht gemacht hatte, aber wenn, dann mit viel Ehrgeiz und er hat einfach jeden mitgenommen, wo es nur geht. Wer nicht wollte, den hat er angeschubst und "auf Kumpel" gemacht. Bisschen Spaß gehört auch einfach dazu. Ein weiterer Lehrer war auch so in der Art, hatte aber durchweg straff Unterricht gemacht und man hat ihn halt sofort geglaubt, dass er was drauf hatte und dich zum Schulleiter schleift, wenn du aufgemuckt hast. Er war ziemlich offen und hat sich auch gleich geoutet und mit sarkastischen Sprüchen die Klasse bei Laune gehalten. Fetzt auch für eine Zeit, aber nach 4 Stunden â 45" am Tag hatte man auch davon die Schnauze voll.

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  2. Ich selbst wäre wahrscheinlich so wie ich bin: Klein wenig verpeilt, nett, ehrgeizig und hilfsbereit, aber garantiert nicht dumm. Doch wie zieht man alle mit? Es ist - je nach Stufe - gar nicht so einfach und der Lehrplan schreibt strikte Zeiten vor und man weiß nie so richtig, was am Ende für die Prüfung von Vorteil sein kann. Ich denke, Offenheit und Ehrlichkeit ist da nicht falsch. Man kann die Klasse ein wenig mit entscheiden lassen, aber letzten Endes würde das Programm durchziehen und immer wieder auflockern. Unsere Englischlehrerin hatte auch die Schnauze voll von antiautoritär und hatte von einer Klasse einen Boxsack (mit Sand gefüllter Luftballon, wo ein Smiley vorne drauf war) bekommen und immer wenn ihr was nicht gepasst hat, hat sie auf das Ding gepfeffert. Klar, sowas bringt die Klasse zum Lachen, aber verschafft auch Respekt, weil sie dann verstehen, dass der Typ da vorne sich wirklich für jeden interessiert und auch will, dass es jeder schafft. Weiß nicht, aber Lehrer sein sollte einfach Spaß machen und man sollte so sein, wie man ist. Verkrampfte Lehrer bringen nichts auf die Reihe und werden allenfalls mal ausgelacht, wenn die ganze Klasse sich nicht beim Direktor beschwert und der Lehrer beurlaubt wird. :D

    Echt schade, dass nicht immer alles, wie in Sister Act läuft. Ich denke aber, dass ein Lehrer immer auch ein Bezugspunkt sein sollte. Er sollte einem zeigen können, was man gut kann und was nicht, wie man sich verbessern kann und sollte auf jeden Fall auch immer gucken, wie sich der Schüler entwickelt. Kleine Wissentests zum Stundenbeginn sind dafür immer beliebt und dadurch wird eine Ruhe in der Klasse erzeugt. Die gemeinsame Auswertung ist danach auch wichtig... und am Ende hilft eh nur eins, was in der Schule das wichtigste ist, neben dem ganzen Zwischenmenschlichen ...: Lernen, üben, büffeln, pauken und was mitnehmen!

    Zum Thema Realitäts- bzw. Praxisfern: Man muss immer dazu sagen, was Theorie ist und was Praxis! Vieles, was man in der Schule gelernt hat, braucht man in der Praxis später einfach nicht. Ein guter Lehrer sagt das und zeigt auch, wie es in der Praxis aussieht. Und die Form von Lernen gefällt wohl jedem Schüler am Besten!

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