Warum gibt es immer nur schlechte Nachrichten?



Schießerei in München, Bombenanschlag in Ansbach - Warum gibt es immer nur schlechte Neuigkeiten in den Nachrichten?


Dass die Darstellung der Medien die öffentliche Wahrnehmung prägt, ist nichts Neues. Gerüchte streuen sich, Zwischenfälle führen zu Ausländerhass. Kultivierungshypothese nennen die Kommunikationswissenschaftler diesen Einfluss der Medien. Demnach ist es im Allgemeinen so, dass negative Nachrichten größere Schlagzeilen machen als positive. Während beispielsweise über die wirtschaftlichen Probleme von Karstadt berichtet wird, bleiben die vielen Neugründungen nahezu unkommentiert. Die Meldung "Es brennt in der Scheune!" interessiert den Bauern eben mehr als "Alles ist in Ordnung."

Schalten wir die Nachrichten ein, hören wir von einem Militärputsch in der Türkei, einem Verrückten, der mit einer Axt durch einen Regionalzug eilt, einem Amoklauf in München oder einen Bombenanschlag in Ansbach. Schlechte Nachrichten verkaufen sich wesentlich besser als gute - sie sind beliebter und glaubwürdiger. Psychologisch begründbar ist dies mit einem einzigen Schlagwort: Sozialkompetenz. Schlechte Nachrichten erwecken Mitleid, lösen Empathie aus. 

Außerdem sprechen schlechte Nachrichten unseren Instinkt an. Wird von einem Anschlag oder einem Amoklauf gesprochen, denken wir sofort: GEFAHR. Wir denken aber auch: Zum Glück war ich nicht dort. Dennoch werden wir uns bewusst: Mir kann das auch passieren. Bin ich als nächstes dran?
Gute Nachrichten vermögen dies nicht auszulösen. "Das ist schön." oder "Hurra." - Glück und Freude, mehr kommt da nicht. Sind wir nicht direkt betroffen, sind die Gedanken anschließend zu Ende. 

Schlechte Nachrichten machen uns krank


Das zeigt eine aktuelle US-Studie. Schlechte Nachrichten können Stress auslösen. Demnach sei das Gucken von Nachrichten einer der wesentlichen Gründe für erlebten Stress. Bei einem Anschlag im April 1995 detonierte eine Autobombe vor einem Kindergarten - es starben 168 Menschen, darunter 19 Kinder. Auch Menschen, die kilometerweit entfernt waren, fürchteten sich plötzlich um ihre eigenen Kinder. Dabei vermitteln die verschiedenen Nachrichtensender die News immer sensationeller, um sich mit der Konkurrenz messen zu können.
Nachrichten schauen löst Stresssymptome aus. Eine andere US-Studie mit 4.500 Amerikanern zeigte, dass Menschen, die sich intensiv mit der Berichterstattung beschäftigten, sogar mehr Stresssymptome zeigten, als Menschen, die etwa beim Boston-Marathon-Anschlag dabei gewesen waren.

Wie unsere Psyche die Welt schlechter macht als sie ist


Die News vermitteln, dass es der Welt, in der wir leben, schlecht geht. Drei von vier Befragten einer in Deutschland durchgeführten Umfrage meinen, dass es den Menschen in Entwicklungsländern immer schlechter gehe. Sogar neun von zehn sind der Überzeugung, dass wir die Umwelt immer weiter verschmutzten. Doch in Wahrheit geht es dieser Welt sehr gut. Zwar leben wir nicht im Himmel, doch zu Zeiten des Mittelalters, der Epidemien in Europa, der Zeit des Krieges oder den 70er-Jahren, indem unsere Wirtschaft in den Keller fiel, geht es uns wirklich gut. Wir leben länger und gesünder als noch vor einigen Jahren, wir arbeiten weniger für mehr Geld. Dennoch behaupten wir, dass es uns schlechter geht, da die Nachrichten nur über Missstände berichten. 

Wir haben Einfluss auf die Medien, die Medien haben Einfluss auf uns... Auf der einen Seite ist das gut, doch manchmal sollten die Nachrichtensender auf Fakten warten, ehe sie Halbwahrheiten streuen, nur um die ersten zu sein. So schlecht ist die Welt nicht, auch wenn wir sie so wahrnehmen. Und wenn wir einfach häufiger mal hinausgehen und nicht jede Nachrichten-Sondersendung stundenlang verfolgen, würden wir davon auch mehr mitbekommen.

Quellen: zeit.de, faz.net, spiegel.de, tz.de

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1 Kommentar:

  1. Hallo Kevin.

    Super Artikel, der auch das beleuchtet, was ich mir die ganze Zeit gedacht habe. Natürlich sind die Medien zunächst einmal nicht uneigennützig und senden nur das, was Quote macht. Wenn das schlechte Nachrichten sind, dann sind die Leute auch bereit, mehr zu diskutieren. Ein Sprichwort sagt ja auch: "Gute Nachrichten schleppen sich mühsam voran, aber schlechte Nachrichten haben Flügel."

    Das Problem ist aber mittlerweile auch die wütenden Leute, die sofort "Sommerloch!" schreien, sobald mal eine gute Nachricht auftaucht oder diese Nachricht dann bis ins kleinste Detail kaputt reden. Man könnte fast sagen, egal was die Medien veranstalten, es ist sowieso falsch. Aber es geht auch viel um die Art und Weise, wie die Medien diese Nachrichten aufbereiten und darstellen. Während der eine Sender ein wahres Drama zusammenbastelt, überlegt die andere Zeitung, mit welchen Fakten (ist ja auch richtig) das hinterlegt werden kann und sucht Erklärungen. Um Quote zu bringen, da muss man sich ja nur mal bei der Bild umschauen, muss man halt Sensationen und Skandale aufdecken, Mord und Totschlag herbeirufen oder einfach eine Position einnehmen, statt mal gründlich zu recherchieren. Ich kann auch nicht sagen, was der richtige Weg ist, aber eine Objektive, nicht überspitzte und vor Allem eine gründliche Berichterstattung würde ja genügen (a la 10-Sekunden-Block bei den Tagesschau-Kurzmeldungen).

    Allgemein ist es auch noch weiterhin ein Problem unserer Gesellschaft, was sich ja dadurch belegen lässt, dass wir auf schlechte Nachrichten so anspringen. Vielleicht suchen wir gerade die Fehler anderer, um von uns selbst abzulenken? Und wenn wir gute Nachrichten verbreiten, dann wird es gleich schlecht geredet, als wäre es nur mal eine Phase. Schlimm ist nur, wenn wir selbst uns steuern lassen, von Angst, Gewalt, Albträumen und Katastrophen, statt konsequent unseren Kopf einzuschalten und positiv zu denken. Aber da kommt gleich der nächste schlaue Spruch: "Fürs Lachen braucht man 17 verschiedene Gesichtsmuskeln"... und das ist wahrscheinlich auch schon zu viel verlangt.

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