Kurzurlaub in Oslo (2)



Wie verbringt man am sinnvollsten vier Stunden in der norwegischen Hauptstadt Oslo? (Beitrag 2/2)


Nachdem die Color Fantasy mich in zwanzig Stunden von Kiel nach Oslo gebracht hatte (→ hier der Beitrag dazu) stand nun die Stadt Oslo auf meinem Plan. Das Problem: Vier Stunden sind nicht viel. Für 42€ buchte ich deshalb eine Stadtrundfahrt. Wer mal länger in Oslo ist, sollte sich auf jeden Fall mehr Zeit für die Stadt einplanen.

Der Bus mit deutschsprachiger Reiseleitung wartete direkte am Terminal und fuhr uns zunächst in die Stadt. Zu Fuß ist das Color Line Terminal etwa zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.
Es handelte sich um neue, hochwertig ausgestattete Busse, die auch über eine WLAN-Verbindung verfügten. Das ist natürlich ideal, wenn man auf dem Schiff erste Entzugserscheinungen erlitt und im Ausland kein mobiles Internet nutzen kann.

Festung Akershus

Die Festung Akershus liegt östlich des Hafens auf der Halbinsel Akersneset und kann kostenlos besucht werden. Die Festung ist auch beim Einfahren in den Hafen gut sichtbar und prägt die Silhouette der Stadt. Die historisch wichtige Anlage wurde im zweiten Weltkrieg von den Deutschen belagert und früher insbesondere als Gefängnis gefürchtet. Die prunkvollen Räume des Schlosses werden noch heute zu Repräsentationszwecken der Regierung verwendet. Im Mausoleum liegen die norwegischen Könige der Neuzeit und die Außenanlage wird immer noch vom Militär genutzt, ist aber gleichzeitig als Freizeit- und Grünanlage zugänglich. Das Widerstands-Museum (norw.: Hjemmefrontmuseum) kostet zwar Eintritt, gewährt aber weitere Einblicke in Norwegens Militärgeschichte.

Das Opernhaus: Bei Sydney gespickt

Das im modernen Stil errichtete Neue Opernhaus von Oslo wurde nach dem berühmten Vorbild des Opernhauses von Sydney am Wasser gebaut und liegt unweit des Hauptbahnhofes (Oslo Sentralstasjon). Das Gebäude wurde aus Beton, Glas und Marmor gebaut, die Pläne lagen seit 1998 vor und wurden lange Zeit diskutiert, ehe 2003 der erste Spatenstich für das Gebäude erfolgte. Anfangs wurde die Eröffnung im September 2008 vorgesehen, aufgrund der zügigen Bauarbeiten konnte die Oper jedoch schon im April 2008 eröffnet werden. Seitdem ist sie die Spielstätte der norwegischen Oper.

Heimatstätte des Nobelfriedenspreises

Das Nobel-Friedenszentrum in Oslo
Das Nobel-Friedenszentrum informiert über den Friedensnobelpreis, den einzigen Nobelpreis, der in Norwegen und nicht in Stockholm verliehen wird, die Preisträger und deren Arbeit und soll bei einem Besuch zur Reflexion anregen und das Engagement der Besucher wecken.

Das Rathaus von Oslo
Verliehen wird der Friedensnobelpreis alljährlich jedoch im Osloer Rathaus, das durch die Preisverleihung weltweite Bekanntheit genießt. Das monumentale und dominante Gebäude ist außerdem das Wahrzeichen für die norwegische Unabhängigkeit. Nachdem der dänische König Norwegen im Jahr 1814 an Schweden abtreten sollte, rief Norwegen seine Unabhängigkeit aus. Erst 1905 zerbrach die Union zwischen Norwegen und Schweden, die der endgültigen Unabhängigkeit Norwegens bis dato im Weg stand. Bereits kurz darauf kamen erste Forderungen auf, die Unabhängigkeit mit einem Monument zu feiern. Diese Forderungen wurden irgendwann so laut, dass 1931 schließlich der Grundstein für das heutige Rathaus gelegt wurde. Die beiden Türme sind jeweils über 60 Meter hoch und beherbergen das Glockenspiel, dass aktuell aus 49 Bronzeglocken besteht, die zwischen 14 und 4.000 Kilogramm wiegen.

Shopping in Oslo

Westlich des Hauptbahnhofes gibt es in Oslo viele Shopping-Möglichkeiten. Die Straße Karl Johans Gate kann wohl als wichtige Einkaufsstraße in der Stadt angesehen werden. Rundherum gibt es viele Geschäfte und Shopping-Center. Die Straße verläuft bis zum königlichen Schloss. Dabei führt sie neben zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten auch am Parlamentsgebäude (norw.: Stortinget) vorbei. Kommt man vom Hauptbahnhof, so findet man kurz darauf auf der rechten Seite das luxoriöse Grand Hotel, dessen Café ein bekannter Treffpunkt für Politiker, Künstler und Schriftsteller ist. Zudem wird hier traditionell der Gewinner des Friedensnobelpreises untergebracht und auch Barack Obama und Angela Merkel sollen hier bei ihren Staatsbesuchen geschlafen haben. 
Kurz vor dem Schloss sieht man auf der linken Seite das Nationaltheater, welches sich internationaler Bekanntheit erfreut und seit 1983 unter Denkmalschutz steht, auf der rechten Seite ein Gebäude der Universität, wo Jura studiert wird.

Am Ende der Karl Johans Gate liegt das königliche Schloss, das nicht nur als Residenz des Königs und Ort der staatlichen Repräsentation sowie der Verwaltung der Monarchie genutzt wird, sondern gleichzeitig das vornehmste Gasthaus des Landes ist. Übrigens: Weht die Flagge auf dem Dach des Schlosses, bedeutet dies, dass die Königsfamilie aktuell im Schloss haust. Ein besonderer Höhepunkt ist die tägliche Wachablösung um 13:30 Uhr. In den Sommermonaten kann das Schloss besichtigt werden. Der Grundbaustein für das Schloss wurde 1825 unter König Karl Johann gelegt, nach dem übrigens auch die Prachtstraße vom Hauptbahnhof zum Schloss benannt ist und der seit 1875 als Reiterstatue vor dem Schloss abgebildet wird.

Der Vigeland-Skulpturenpark

Das Reiterstandbild, das vor dem königlichen Schloss steht, ist nur eine der über 1.600 Skulpturen des norwegischen Bildhauers Gustav Vigeland. 212 weitere Skulpturen aus Bronze und Granit lassen sich im Vigeland-Skulpturenpark bestaunen. Die Parkanlage, die eigentlich Frognerpark (norw.: Frognerparken) heißt, beherbergt viele Skulpturen, die den Kreislauf des menschlichen Lebens symbolisieren. Überthront wird die Parkanlage vom sogenannten Monolitten. Die 17 Meter hohe Säule stellt die Entwicklung über alle Lebensstadien dar und bildet 121 Figuren ab. Drumherum sind 36 weitere Figurengruppen aufgestellt, die gängige Situationen aus den verschiedenen Lebensstadien darstellen. 
Im nahen Vigeland-Museum werden alle Werke des Bildhauers ausgestellt. Vigeland entwarf 1902 auch die Medaille des Friedensnobelpreises.

Made in Norway

Neben Gustav Vigeland, der als bedeutendster Bildhauer Norwegens gilt, brachte das Land auch einen berühmten Künstler hervor: Edvard Munch. Der Künstler gilt als Vorreiter des Expressionismus. Seine bekanntesten Werke sind Der Schrei und Madonna, welche beide im Jahr 2004 aus dem Munch-Museum in Oslo gestohlen wurden. Erst zwei Jahre später gelang es, die Bilder sicherzustellen, weitere zwei Jahre dauerte die Restauration, da die Bilder von den Dieben aus den Rahmen gerissen wurden. Seit 2008 werden die Bilder wieder in Oslo ausgestellt. Der Schrei gilt neben Leonarde Da Vincis Mona Lisa als eines der bekanntesten Werke weltweit. Neben der neuen Oper soll nun auch ein neues, 14-stöckiges Munch-Museum gebaut werden, in das die Werke des weltbekannten Künstlers dann einziehen sollen.

Ski-Sprungschanze Holmenkollen

Die Ski-Sprungschanze liegt außerhalb des Stadtzentrums, am Hang des gleichnamigen Berges Holmenkollen. Sie kann auch mit der Bahn problemlos erreicht werden. Hier bietet es sich nicht nur an, Fotos zu machen, man kann auch einen Ausblick über das Stadtgebiet von Oslo genießen. Holmenkollen ist die älteste Sprungschanze der Welt, 1892 wurde hier der erste Weltrekord mit 21,5 Meter aufgestellt. Um die internationalen Standards immer wieder zu erfüllen und so Olympische Spiele und WeltCups nach Oslo zu holen, wurde die Schanze 17x umgebaut, ehe sie 2008 abgerissen und durch eine neue Schanze ersetzt wurde. Der derzeitige Weltrekord liegt übrigens bei 251,5 Metern und wird von einem Norweger gehalten.

Oslo ist grün, Parken ist teuer

Wer sich Oslo auf einer Karte anschaut, sieht, dass die Stadt nicht nur viele recht große Grünflächen zu bieten hat, sondern quasi von Grün umschlossen wird. Bei der Fahrt mit dem Bus zur Halbinsel Bygdøy im Osten der Stadt kam nach städtischer Bebauung urplötzlich Grün, Weiden, Bauernhöfe, Wälder. Ich finde, auf der Tour, die ich durch Oslo unternommen habe, hat man Oslo nicht angesehen, dass es eine Großstadt ist. Auf insgesamt 454km² kommen rund 661.000 Einwohner unter. Ganz Norwegen hat übrigens nur etwa 5,2 Millionen Einwohner.

Oslo wirkt sehr sauber und das ist es auch. Neben den vielen und großen Grünflächen, steht der ÖPNV in Oslo ganz weit vorn: Viele Linienbusse sind Hybridfahrzeuge oder werden mit Wasserstoff betrieben, um so besonders umweltfreundlich zu fahren. Zudem sind alle Straßen, die in die norwegische Hauptstadt führen mautpflichtig - etwa vier Euro fallen an. 
Dass in Oslo so wenige Leute mit dem eigenen Auto fahren, hat aber einen guten Grund. Parkplätze sind nicht nur selten, sondern die Parkgebühren auch sehr teuer. 15 bis 85 Norwegische Kronen können je nach Parkplatz pro Stunde anfallen - das sind zwischen zwei und zehn Euro. Bei einem achtstündigen Arbeitstag ist es dann nur logisch, mit den Öffentlichen in die Stadt zu fahren. Hier kostet eine Tageskarte 90 NOK, also etwa 11 Euro, Wochen-, Monats- und Jahreskarten sind entsprechend günstiger zu haben.

Oder man kauft sich ein Elektro-Auto, die haben in Oslo nämlich echte Vorteile: Auf vielen Parkplätzen ist das Parken mit Elektro-Autos kostenlos und man kann das  Fahrzeug kostenlos laden.
Da viele Norweger sich deshalb Elekto-Autos anschaffen, haben andere Städte in Norwegen bereits entschieden, nur noch 50% der Parkkosten zu erlassen, um weiterhin ausreichend Parkplätze gewährleisten zu können.

Museumsinsel Bygdøy

Zuletzt brachte uns der Bus wie gesagt auf die Halbinsel Bygdøy, die als Erholungsgebiet genutzt wird, sehr schöne Häuser und eine Vielzahl an Museen beheimatet. Deshalb gilt die Insel auch als Museumsinsel mit diversen Museen zur norwegischen Geschichte. Das Norwegische Volksmuseum (norw.: Norsk Folkemuseum) ist ein Freilichtmuseum und das kulturhistorische Museum Norwegens. Im Laufe der Jahre entstand auf dem immer größer werdenden Gebiet des Volksmuseum so eine Art kleine Altstadt mit eigens hierfür angelegten Straßen, in der auch die alte Stabskirche von Gol angegliedert werden konnte. Die Stabskirche wurde nach dem Vorbild der Stabskirche von Borgund errichtet und wurde 1309 erstmals urkundlich erwähnt. Noch heute kann man in der Kirche heiraten. Die Wartezeit für eine Hochzeit in der mittelalterlichen Kirche auf bis zu drei Jahren geschätzt.
Auch das Wikingerschiffmuseum erzählt einen Teil der Geschichte Norwegens und zeigt Wikingerschiffe und verschiedene Gegenstände der Wikingerzeit. Das altnordische vikingr bezeichnet "Seekrieger, der sich auf langer Fahrt von der Heimat entfernt". Wikinger ließen sich in zwei Gruppen unterscheiden: Diejenigen, die anfangs (ab 800 n. Chr.) in die Ferne zogen, um Ruhm, Abenteuer und Reichtum zu finden. Erst in der späten Wikingerzeit (bis 1060) ließen sie sich wie ihre Vorfahren nieder und betrieben die übliche Wirtschaft. Und diejenigen, die ufernah ihr Unwesen trieben. Sie galten später als nicht mehr in die Gesellschaft integrierbar und wurden als Verbrecher bekämpft.
Das Frammuseum liegt unmittelbar neben dem Norwegische Seefahrtsmuseum und sticht bereits bei der Einfahrt in den Hafen von Oslo ins Auge. Es besteht aus drei dreieckig erscheinenden Gebäudehallen, die bereits von der Color Line auffallend an der Küste der Halbinsel zu sehen waren. Die Fram, die diesem Museum den Namen gab, ist ein Forschungsschiff, das unter norwegischer Flagge fuhr. Es war so gebaut, dass es ohne Schaden zu nehmen durch das Packeis fahren konnte, dem es auf den Polarexpeditionen begegnete. Dementsprechend ist sie das einzige Holzschiff, das jemals soweit nördlich wie südlich in die Polarregionen vordrang. Der bekannte Zoologe, Polarforscher und Nobelpreisträger Fridtjof Nansen setzte den Bau des Schiffes in Gang und begleitete jede der insgesamt drei Expeditionsfahrten. 1935 wurde das Schiff an Land gezogen und das heutige Frammuseum drumherum errichtet. Das Schiff ist mit Originalausstattung versehen und kann im Museum besichtigt werden. 
Der Eintritt ins Fram-Museum kostet für Erwachsene 100 NOK, also etwa zwölf Euro und war bereits in dem Preis der Bustour enthalten. Anschließend brachte uns der Bus zurück zum Terminal. Gäste, die einen Aufenthalt in Oslo gebucht haben, fährt der Bus anschließend ins Hotel.

Fazit:

Auch in nur vier Stunden kann man sehr viel von Oslo sehen und viel über die Stadt, ihre Geschichte und die Geschichte des Landes lernen. Nach meinem vierstündigen Kurzurlaub in Oslo würde ich sagen, dass ich auf jeden Fall einen längeren Besuch der Stadt anstreben werde.
Dann könnte der Oslo Pass für mich interessant werden. Er kostet für einen Tag für Erwachsene 395 NOK (etwa 45 Euro), für zwei Tage 595 NOK (etwa 68 Euro) und für drei Tage 745 NOK (also etwa 85 Euro) und beinhaltet 
  • freien Eintritt in mehr als 30 Museen und Attraktionen (darunter das Munch-Museum, das Volksmuseum, das Rathaus, das Skimuseum an der Schanze Holmenkollen und die kostenlose Auffahrt auf die Schanze, das Nobel-Friedenszentrum, das Frammuseum, das Wikingerschiffmuseum, das Widerstandsmuseum, das Seefahrtsmuseum, das Vigeland-Museum und viele weitere)
  • Rabatt bei Aktivitäten wie dem Besuch von Norwegens größtem Vergnügungspark (20%), vielen Restaurants und weiteren Attraktionen sowie kostenloser Eintritt ins Schwimmbad
  • die kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs und die kostenlose Teilnahme bei Wanderungen
  • günstige Angebote in Restaurants
Ob sich das lohnt, werde ich vielleicht bei meinem nächsten Besuch in Oslo herausfinden. Ich kann von meinem Kurzurlaub nur sagen, dass ich sehr zufrieden war. Die Schifffahrt kostete regulär 89,- Euro, das Frühstück einmal etwa 17,- Euro, Spa etwa 15,- und die Stadtrundfahrt 42,- Euro.
Im Internet gibt es viele Leute, die sich darüber aufregen, dass an Bord alles Geld kostet und was das denn für eine Kreuzfahrt sei. Liebe Leute: Streng genommen ist das eine Fährüberfahrt, denn die Schiffe der Color Line sind Autofähren. Und für diese Klassifizierung ist die Ausstattung echt Luxus!

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