Hollywood vor unserer Haustür – Hollywoodreife Krim-Krise

Russland gegen die Ukraine – Wem gehört die Krim?

Wie alles begann…

Nach dem Fall der Eisernen Vorhangs wurde auch die Ukraine 1991 unabhängig. Doch das Land ist nicht vereint. Während der Westen auf die Europäische Union ausgerichtet ist, ist der Osten traditionell an Russland orientiert. Das ist nicht zuletzt historisch bedingt. Der Westen gehörte früher zu Österreich-Ungarn. Heute konkurrieren hier Brüssel und Moskau um politischen und wirtschaftlichen Einfluss. Nach Russland ist die Ukraine der zweitgrößte Flächenstaat auf dem europäischen Kontinent und gilt als wichtigstes Transitland für Gaslieferungen in die EU. Mehr als ein Drittel der Erdgasimporte bezieht Deutschland aus Russland und auch für die Ukraine ist Deutschland, nach Russland, der wichtigste Handelspartner. Russisch wird überwiegend im Süden und Osten des Landes als Muttersprache verwendet, während im Westen die ukrainische Sprache dominiert. Obwohl mehr als drei Viertel der Bevölkerung Ukrainer sind, gibt es seit einiger Zeit einen schweren Konflikt mit den nur etwa Russen, die in der Ukraine leben. Sie machen nur 17% der Bevölkerung aus.

Obwohl der ehemalige ukrainische Präsident Janukowitsch bei seiner Wahl 2010 großes Interesse an einer Annäherung zur EU zeigte,  vollzog er wenig später eine Kehrtwende und zeigte plötzlich großes Interesse an einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Russland. Erst als das Staatsoberhaupt bei einem Gipfeltreffen 2013 nicht das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union unterzeichnete, brachen in der Ukraine Proteste aus. Über die Proteste wurde seit November 2013 regelmäßig in den Medien berichtet.

Warum hat sich die Ukraine nicht einfach geteilt?

Eine Teilung des Landes schlug auch die Bevölkerung der Ukraine vor, doch derartiges Vorgehen wäre wenig sinnvoll gewesen. Abgesehen davon, dass nicht alle Menschen der westlichen Ukraine für die Europäische Union und nicht alle Menschen der östlichen Ukraine für Russland sind, wäre ein geteilter Staat schwierig zu tragen. Sämtliche Wirtschaftsanlagen, die nicht zuletzt auch der Selbstversorgung dienen, liegen im Osten des Landes, der Westen ist wirtschaftlich eher schwach.

Eskalation und Krim-Krise

Am 18. Februar 2014 eskalierte der Konflikt in der Ukraine. Es kam zu schwersten Ausschreitungen, bei denen mehrere Menschen ums Leben kamen, bevor es am 21. Februar zur Unterzeichnung eines Abkommens zwischen Regierung und Opposition kam. Wenig später wurde Janukowitsch seines Amtes enthoben, Neuwahlen zum Präsidenten stehen noch aus.

Quelle: timediver.de

Janukowitsch hatte 2010 unter anderem auch die Verlängerung der Stationierung der Schwarzmeerflotte auf der Halbinsel Krim vereinbart. Dort soll die Flotte nun bis 2042 stationiert bleiben. Deshalb zeigte seit Februar 2014 Putin verstärkt Interesse an der Halbinsel, die zu diesem Zeitpunkt ein nicht anerkannter Staat war, denn die Schwarzmeerflotte ist Teil von Russlands Seestreitkraft. Nachdem Janukowitsch am 22. Februar 2014 abgesetzt wurde, lehnte sich ab dem 27. Februar die Regierung der Krim gegen die provisorische Regierung in der Ukraine auf. Der Großteil der Bevölkerung auf der Krim ist russischstämmig.

Am 11. März 2014 rief die Regierung der Autonomen Republik Krim ihre Unabhängigkeit aus und gründete die Republik Krim, die am 17. März nach einem Entscheid den Beitrittsantrag an Russland stellte. Diesen unterzeichnete Putin nur einen Tag später und erkannte die Krim somit als Teil der Russischen Föderation an. Die Ukraine und eine große Zahl anderer Staaten erkennen dies nicht an und sehen die Krim weiterhin als ukrainisches Staatsgebiet.

Krisengebiet Krim: Europa und die Welt

Es fing Ende Februar mit Protesten auf der Krim an, doch schon wenige Tage später besetzten bewaffnete Soldaten das Regionalparlament und Regierungsgebäude. Russland spielte das alles zunächst runter, wolle nur seine Bevölkerung schützen, vollführe nur eine Übung. Doch irgendwann erklärte Putin, er könne nicht weiter „tatenlos zusehen“, wenn es weitere Gewalttaten gegen die russische Bevölkerung gäbe. Beantwortet wird dies seitens der Ukraine mit der Zusicherung der vollen Einsatz- und Kampfbereitschaft der ukrainischen Truppen. Interimspräsident Turtschinow: „Eine Intervention Moskaus ist der Beginn eines Krieges und das Ende alle Beziehungen.“ Obama sagt währenddessen ein G-8-Treffen in Sotschi ab und beruft eine Sondersitzung des Weltsicherheitsrates ein – ohne Erfolg. Auch Brüssel und Merkel kritisieren das Vorgehen Putins. Die russische Intervention verstoße gegen das Völkerrecht, so Merkel. Auch EU und UN befassen sich mit dem Problem. Die EU verurteilt Russland die „Verletzung der territorialen Integrität der Ukraine“.

Putin bleibt von den Sanktionen und Urteilen unbeeindruckt. In seiner ersten öffentlichen Stellungnahme am 04. März sagte er, er sehe aktuell nicht die Notwendigkeit eines Militäreinsatzes, könne dieses aber für die Zukunft auch nicht ausschließen. Einer der russischen Außenpolitik-Experten, Dmitrij Trenin, gab kurz vorher bekannt, dass Putin glaube, er könne einen späteren Krieg verhindern, indem er jetzt begrenzt militärisch vorgehe. Derartige Aussagen sorgen für Angst, nicht nur in der betroffenen Region.

Wir stehen vor folgendem Problem: Die Ukraine ist potentieller NATO-Beitrittskandidat. Bereits das sieht Russland als Vertrauensbruch, denn Russland ist kein Mitglied der NATO und desweiteren war die Ukraine in dieser Hinsicht sogar mit Russland zusammengeschlossen. Zusammen mit anderen, ehemaligen Sowjetstaaten bilden die Ukraine und Russland die Gemeinschaft unabhängiger Staaten (kurz: GUS). Ein Beitritt zur Nato bricht hingegen diese Zugehörigkeit. Putin möchte kein Partner des Westens sein und Putin möchte auch nicht, dass die Schwarzmeerflotte und die militärischen Einrichtungen auf der Krim Teil des Westens werden. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs sprach sie die NATO auch gegen eine Osterweiterung aus. Dies war Teil des Einigungsvertrages mit Russland.

Hollywood vor unserer Haustür…

Zuletzt wurden Russland auch persönliche Interessen vorgeworfen. Demnach solle man Erdöl- und Erdgasvorkommen vor der Küste der Krim gefunden haben, an denen Russland verstärktes Interesse habe. Diese und andere Meldungen überschwemmen die Medien. Zeitungen und Nachrichtensendungen berichten über den „bösen Putin“. Es ist keine Frage, dass auch die EU Interesse an der Ukraine zeigt. Demnach wollte die EU die Ukraine zum Beitritt bewegen und bot dafür sogar Geld. Putin konnte dieses Angebot weit überbieten. Die öffentlichen Meinungen spalten sich – und das dürfen sie auch, denn es herrscht Meinungsfreiheit in Deutschland. Von der deutschen Presse wird jedoch stets nur die eine Seite aufgezeigt, in der Putin als „böser Junge“ dargestellt wird. Ich finde es schwierig, zu entscheiden, welche Aussagen richtig oder falsch sind, möchte euch aber gerne beide Meinungen vorstellen (also auch die, die nicht in den deutschen Medien gezeigt wird) und möchte euch zum Schluss meine eigene Meinung und meine Ängste schildern.

Russland ist ein bedeutender Erdöl- und Erdgas-Exporteur und hat so den nötigen Einfluss, um diesen Markt zu beeinflussen. Das gefällt dem Westen nicht, denn schließlich sind wir die Empfänger des russischen Öls. Putin verkauft das Öl seit 2011 nicht mehr ausschließlich gegen Dollar – wie es weltweit üblich ist – sondern auch gegen Rubel. Das gefällt natürlich auch den Vereinigten Staaten nicht, denn der Markt ist das, was den Dollar stabil hält. Die USA und Deutschland stehen im Westen gegen Russland im Osten, unterschiedliche Interessen führen auch zu unterschiedlichen Ansichten.

Ich kann und will nicht sagen, dass die Meinung, die in der Presse in Deutschland vertreten wird, wahr ist. Auf der anderen Seite kann und will ich auch nicht glauben, dass alles, was in den Nachrichten gezeigt wird, falsch ist. Ich bin mir (leider) ziemlich sicher, dass uns die Nachrichten nicht immer die ganze Wahrheit zeigen, dass nicht alle Informationen auf diesen Weg an uns herangetragen werden und das man versucht, unsere Meinung auf diesen Weg zu beeinflussen, das Problem „einfach zu halten“, indem man sagt „Putin ist der böse, wir sind unschuldig“. Ich bin mir sicher, dass wir das nicht sind. Die USA, Brüssel, Deutschland, Wir haben die Ukraine unter Druck gesetzt, genauso hat es Russland getan. Man darf vielleicht nicht immer alles glauben, was die Nachrichten uns vermitteln wollen.

Welche Folgen kann die Krim-Krise haben?

Die Ukraine ist nicht weit von uns entfernt und sollte es zu einem Krieg kommen, wird Deutschland sicher nicht unbetroffen bleiben, nicht zuletzt aus dem Grund, dass unsere Soldaten unter Umständen ebenfalls beteiligt sein könnten. Gregor Gysi sagte vor dem Bundestag: „Der Kalte Krieg ist beendet, aber solche Interessengegensätze können zu ganz ähnliche Zügen führen.“
Ich persönlich bezweifle, dass es zu einem Krieg kommen wird. Ich zweifle keine Sekunde an der Möglichkeit eines Krieges, doch an eine Umsetzung glaube ich nicht. Dennoch ist die Angst davor präsent, denn viel trennt uns nicht von dem Krisengebiet.

Viel größer sehe ich jedoch die Gefahr der Abhängigkeit. Deutschland ist in gewisser Weise abhängig von den Importen aus Russland, da wir daher einen Teil unserer Energie beziehen. Russland könnte die Preise drastisch erhöhen oder die Exporte vollständig einstellen. Zwar halte ich auch das nicht für wahrscheinlich, weil Russland von dem Absatz lebt, gleichzeitig sind wir jedoch auch darauf angewiesen. Die Bundesregierung möchte deshalb möglichst schnell auf eigene Alternativen umsteigen. Diesbezüglich ist das „Fracking“ ins Gespräch gekommen, das zur Zeit noch umstritten ist, in Kanada aber schon sehr erfolgreich angewendet wird.

Persönlich macht es mich traurig, dass die Menschen in einen derartigen Machtkampf verfallen. Es geht um Macht und Einfluss, das Zugewinnen von Einfluss, gleichzeitig aber das Verteidigen von vorhandenen Einflussgebieten. Menschen streiten um Menschen, Länder streiten um Land. Es streiten sich die ganz Großen, wie kleine Kinder, die sich um einen Ball streiten. In meinen Augen gibt es nur eine friedliche Lösung für dieses Problem und die kennen alle Parteien seit ihrer Kindheit.

„Der Klügere gibt nach.“
Ich möchte mich auf keine der Seiten stellen und auch keine der Seiten vertreten. Ich möchte lediglich beide ein wenig vorgestellt haben und zum Denken anregen. Deshalb bin ich auf eure Meinungen gespannt! Hinterlasst einen Kommentar und/oder schaut euch die anderen Artikel zu diesem Thema an.

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14 Gedanken zu „Hollywood vor unserer Haustür – Hollywoodreife Krim-Krise

  1. Ich habe vor kurzen noch selbst einen artikel zum Thema geschrieben, fand es aber mal interessant auch etwas mehr über die Ukraine zu lesen! Momentan glaube ich keiner Parttei so rcihtig weder den Medien noch den Verschwörungsteorektikern. Obwohl letztere viele überzeugende Beweise haben. Allerdings sehe ich ganz klar die wirtschaftlichen Aspekte bei diesem Konflikt, denn in unserer heutigen Gesellschaft dreht sich alles um Gewinn. Aber ich bin mir ebenso sihcer, das dieses Modell veraltet ist und bald umkippt. Da ewiger Wachstum allein auf Grund der Resscouren gar nicht möglich ist… Auch wenn sie jetzt ein Projekt fördern wollen um seltenes Gestein und Material von Kometen im All abzubauen, finde ich dies bedenklich, denn dadurch könnte der Mensch falls er nicht den gesamten Kometen abbaut seine Richtung verändern und eventuell ganze Kulturen anderer Planeten auslöschen oder gar beeinflussen. Denn wir wissen nahezu nichts über den Weltraum, vielleicht haben wir gerade mal die Spitze des Eisbergs gesehen.

  2. Sehr umfangreicher Artikel.
    Die Situation der Ukraine ist denke ich nicht mit einer einfachen Teilung gelöst. Kulturell sind viele Bewohner der Ukraine auch mit Russland verbunden. Das macht das ganze für die Menschen auch so schwierig.
    Beste grüße

  3. Das mit dem Kometenprojekt wusste ich noch gar nicht, werde mich darüber mal schlau machen.
    Leider hast du Recht, Gewinnmaximierung spielt eine bedeutende Rolle und da sind Russland und die Vereinigten Staaten wohl die größten Konkurrenten – immer gewesen.

  4. Richtig. generell ist es schwer, einen Staat zu teilen, da man nicht sagen kann: "Der Osten mag Russland, der Westen Europa." Um ein anderes Beispiel heranzuziehen, möchte ich nur mal an die Deutsche Teilung denken. Ich wage zu bezweifeln, dass jeder in seiner Hälfte zufrieden war, nicht zuletzt, weil vielleicht der Rest der Familie in der anderen Hälfte lebt. Und es wird niemand bereit sein, das Land neu zu sortieren und zu sagen: Wer zu Russland gehören möchte, muss in den Osten ziehen, der Rest in den Westen. Man darf gespannt bleiben, wie es weitergeht!

  5. Hallo Kevin.
    Wieder mal ein toller Artikel den du da geschrieben hast! Danke dafür. Meine persönliche Meinung kennst du ja sicher aus meinen Artikeln zur Krim-Krise. Da muss ich die hier nicht breittreten. Ich bewundere aber, wie Objektiv du geblieben bist.

    An alle andern Blogger: Fühlt euch herzlichst eingeladen an der Blogparade teil zu nehmen und auch die Artikel der anderen Blogger zu lesen!!! Den Link habt ihr ja im Artikel von Kev.

    Liebe Grüße, Ben

  6. Die ganze Angelegenheit ist nicht einfach einzuschätzen. Ich hab mir auch verschiedenste Artikel von russischer Seite durchgelesen (in irgendeiner Lokalzeitung war auch ein langer Kommentar eines Russland-Experten, der ganz aufschlussreich war) und ich kann die russische Seite gut verstehen. Allerdings finde ich die Vorgehensweise nicht richtig. Russland hätte von Anfang an mit dem Rest der Welt in Kontakt treten müssen und ihr Vorhaben erklären sollen. Das hätte nicht so ein hartes Zeichen gesetzt wie Soldaten, die die Krim "besetzen". Der mangelnde Dialog hat wohl dazu geführt, dass die westlichen Reaktionen sehr scharf ausgefallen sind. Auch jetzt habe ich manchmal das Gefühl, man sollte eher an einer Lösung interessiert sein, als möglichst zu versuchen ohne den jeweils anderen zu leben. Wir sind genauso abhängig von Russland wie Russland von uns. Und alle Parteien in diesem Konflikt werden schlau genug sein um zu wissen, dass eine kriegerische Lösung hier völlig sinnlos wäre. Wenn alle mal nach den Gründen und Intentionen der jeweils anderen forschen würden, statt sie zum Buhmann zu machen, dann wären wir diplomatisch sicher schon viel weiter.

  7. Ein wirklich guter, sehr umfangreicher Artikel 🙂
    Die Situation der Ukraine wird glaube ich nicht mit einer (einfachen) Teilung gelöst sein. Viele der Bewohner der Ukraine identifizieren sich ja zum Teil auch mit den russischen Kulturen, ich denke das macht es für viele schwierig.
    Ich finde aber die Vorgehensweise der Russen nicht richtig. Russland hätte von Anfang an ihr Vorhaben offen darlegen sollen. Soldaten, die Krim besetzen sendet ein (falsches) Signal. Die Reaktionen der restlichen, vor allem westlichen Welt ist dadurch nun wirklich nicht nett ausgefallen und man hätte dem eventuell vorbeugen können.

    Liebe Grüße,
    Angi

  8. Es war auch nicht einfach, objektiv zu bleiben. Ständig habe ich ein paar Sätze wieder gelöscht, weil ich mich in ein Argument verrannt habe. Dachte eine kleine Übersicht zur Situation ist ganz hilfreich, weil es doch recht schwierig war, das ganze immer zu überblicken! 🙂

  9. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich es amüsant finde, wie kindisch sich selbst die größten Politiker manchmal verhalten. Aber sollen sie mal machen, wenn sie meinen, die Welt wieder teilen zu wollen. Die Amerikaner und die Russen sollen sich aber bitte über die Beringstraße die Köpfe einschlagen und nicht über dem europäischen Kontinent.

  10. Sowas können die Politiker leider nicht. Was wäre das denn für eine Politik, wo man sich zusammensetzt und bei einem Tee die Lage bespricht. Ich sag es immer wieder… Wie kleine Kinder.

  11. Sehr guter Artikel – ich fühl' mich jetzt besser informiert, die Hintergründe warn mir bis jetzt nämlich nicht bekannt!
    Liebe Grüße, Denise

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