Verkehr – Mythen und Fakten

Tag für Tag begeben wir uns auf die Straßen und nehmen somit am Verkehr teil. Doch auch hier gibt es viele Irrtümer, die sich wacker halten. Was man als Verkehrsteilnehmer wissen sollte.

 

Wer sich tagtäglich in den Verkehr begibt, stößt auf Unklarheiten, Fragen und Rätsel. Viele Autofahrer denken, sie seien im Recht und wüssten es besser, dabei gefährden sie sich und andere durch fehlerhaftes Verhalten im Straßenverkehr. Was ist wirklich erlaubt und wo lauern die Todsünden des Straßenverkehrs?

Auf Supermarktparkplätzen gilt ebenfalls „rechts vor links“!

Die Regelung „rechts vor links“ gilt auf öffentlichen Straßen, sofern der Verkehr nicht durch andere Verkehrszeichen, Ampeln oder Polizisten geregelt wird. Auf Parkplätzen gilt diese Regelung eigentlich nicht, da sie Privatgrundstück sind. Heikel wird es jedoch, wenn der Parkplatz über breite Fahrbahnen mit Markierungen verfügt und einer Straße sehr ähnelt. Das Schild „Hier gilt die StVO“ ist jedoch nicht automatisch wirksam. Da dies häufig irrtümlich angenommen wird, verlassen sich andere Autofahrer darauf, dass andere stehen bleiben, wenn sie sich von rechts nähern. Um Unfälle zu vermeiden, sollte man sich also lieber auch hier an die Regelung halten.

Müdigkeit am Steuer und Alkohol am Steuer sind verboten.

Es ist kein Geheimnis, dass es verboten ist, unter Alkoholeinfluss ein Fahrzeug zu führen. Alkohol wirkt sich auf unser Bewusstsein und unser Reaktionsvermögen aus und führt deshalb zur Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer und der eigenen Gefährdung. Die Fahrleistung ist nach 17 Stunden ohne Schlaf bereits genau so beeinträchtigt wie mit einem Alkoholgehalt von 0,5 Promille. Wer nach 24 Stunden ohne Schlaf noch Auto fährt, zeigt dieselben Beeinträchtigungen wie mit etwa einer Promille Alkoholgehalt. Jeder vierte tödliche Verkehrsunfall auf den deutschen Straßen ist auf Müdigkeit zurückzuführen. Wer im Auto müde wird, sollte sich nicht mit offenem Fenster und lauter Musik zufrieden geben. Stattdessen wird zu einer Pause und Bewegung an der frischen Luft geraten. Sollte man sich anschließend noch müde fühlen, sollte das Auto stehen bleiben. Führerscheinbesitzer, die unter Alkoholeinfluss Fahrrad fahren, machen sich übrigens ebenfalls wegen Trunkenheit am Steuer strafbar. Auch hier droht ein Fahrverbot.
 

Hup-Paraden und Auto-Schaufahrten sind zum Feiern erlaubt!

Wer in Kolonnen hupend durch die Stadt fährt, etwa um den Sieg des Lieblingsvereines beim Pokalspiel zu feiern, macht sich strafbar. Das Gesetz sieht derartige Schauzüge als Demonstrationen an, die vorher angemeldet werden müssen. Und seit dem Prominenten-Special von „Wer wird Millionär“ weiß ich, dass unnützes Hin- und Herfahren durch §30 der Straßenverkehrsordnung (StVO) ebenfalls verboten ist, wenn andere dadurch belästigt werden.  

Es ist egal, wie meine Parkscheibe aussieht.

Parkscheiben müssen ausnahmslos blau sein, 15 Zentimeter hoch und 6 Zentimeter breit. Es wird beim Einstellen der Parkzeit immer auf die nächste halbe Stunde aufgerundet. Wer also um 13:07 einparkt, stellt die Parkscheibe auf 13:30. Wer nach Ablauf der Parkzeit noch nicht fertig ist, darf die Scheibe nicht nachdrehen, um die Parkzeit zu verlängern. Es ist dafür erforderlich die Parklücke zu verlassen und neu einzuparken. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann das Fahrzeug ganz einfach andersherum (beim vorwärts-/rückwärtsparken) abstellen. Wer seitwärts parkt, sollte auf keinen Fall entgegen der Fahrtrichtung parken.

Nur wer abbiegt, muss blinken.

Das stimmt nicht ganz. Blinker haben die Aufgabe, eine Änderung der Fahrtrichtung anzuzeigen. Beim Abbiegen an Kreuzungen oder zum Wechseln der Fahrspur muss also geblinkt werden. Wer auf der Fahrspur rechts anhalten möchte, ist nicht dazu verpflichtet, dies durch den Blinker anzukündigen. Es schadet jedoch nicht, dem folgenden Verkehr zu signalisieren, dass man rechts halten möchte.

Bei Fahrbahnverengungen muss ich mich möglichst früh einordnen.

Verengt sich eine Fahrbahn (beispielsweise von zwei Spuren auf eine) muss ich mich nicht möglichst früh einordnen. Gesetzlich ist es erlaubt, bis zum Schluss auf der endenden Spur zu fahren, ehe man sich auf die andere Spur einordnet. Nach dem „Reißverschlussverfahren“ ist der Fahrer der weiterführenden Spur sogar dazu verpflichtet, ein Fahrzeug von der endenden Spur einscheren zu lassen. Tut er das nicht, ist ein Bußgeld bis zu 20 Euro fällig. 

Müssen Radfahrer sich an roten Ampeln hinten anstellen?

Viele Autofahrer ärgern sich über Radfahrer, die sich an der roten Ampel rechts an den wartenden Fahrzeugen bis zur Ampel vorbeidrängeln. Dabei ist das gar nicht verboten, sondern wird sogar empfohlen. Allerdings muss dafür ein Abstand von mindestens einem Meter zwischen den wartenden Autos und dem Bordstein sein. Vorne werden Radfahrer deutlich besser wahrgenommen, sodass das Risiko, sie beim Losfahren zu übersehen, geringer ist. Auch Motorradfahrern wird dies zur eigenen Sicherheit geraten. Als Fahrradfahrer die rote Ampel über den Gehweg zu Umfahren, ist jedoch verboten. Wer auf den Gehweg fährt, um abzubiegen, begeht einen Rotlichtverstoß. Dieser kann mit bis zu 100 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg geahndet werden. Nicht verboten ist es hingegen, vom Rad abzusteigen, und auf den Gehweg zu wechseln. Denn die Fußgänger sind zum Abbiegen nicht an die rote Ampel gebunden.

Inliner-Skater und Kick-Roller haben nichts auf dem Fußweg zu suchen.

§24 der StVO legt Inline-Skates, Skateboards und Kick-Roller als besondere Fortbewegungsmittel fest. Das Gesetz behandelt diese als Fußgänger, sodass man mit diesen Fortbewegungsmitteln den Gehweg benutzen muss, obwohl man sich bis zu fünf Mal schneller fortbewegt als Fußgänger. Den Radweg dürfen diese Fortbewegungsmittel nur benutzen, wenn dieser mit einem speziellen Sonderzeichen gekennzeichnet ist.

Drängeln mit der Lichthupe ist verboten.

Langsamere Autos darf man außerhalb geschlossener Ortschaften tatsächlich mit der Lichthupe von der linken Spur blinken. Wer die Lichthupe jedoch übermäßig verwendet und mit zu dichtem Auffahren das Drängeln beginnt, macht sich möglicherweise wegen Nötigung strafbar, denn Drängeln ist gesetzlich verboten. Drängler ausbremsen zu wollen, um sie eventuell zur Vernunft zu bringen, ist aber ebenfalls verboten.

Auf der Autobahn darf man auch rechts überholen.

Innerhalb von geschlossenen Ortschaften darf rechts überholt werden, wenn mehrere Fahrstreifen in die selbe Richtung führen. Gibt es also drei Fahrspuren für das Geradeausfahren, darf auch rechts überholt werden. Bei Stau auf der Autobahn oder auf dem Beschleunigungsstreifen darf man auch rechts an anderen Autos vorbeifahren. In §5 der StVO steht zwar, dass links zu überholen ist, der Paragraph führt jedoch auch alle Ausnahmen auf. Überholt wird übrigens nicht nur, wenn man ausschert, um an einem langsameren Fahrzeug vorbeizufahren. Auch wer die Spur beibehält und ein anderes Fahrzeug passiert, überholt. Bei Stau oder stockendem Verkehr auf der Autobahn, muss man natürlich nicht stehen bleiben, wenn es auf den anderen Spuren nicht so schnell voran geht wie auf der rechten Spur. Ist der Verkehr auf den linken Spuren langsamer als 60 km/h, so dürfen die Fahrzeuge auf der rechten Spur überholt werden, wenn man ein Tempo von 80 km/h dabei nicht überschreitet. Dass Fahrzeuge auf der Autobahn mindestens 60km/h fahren müssen, stimmt jedoch nicht. Dies ist in Staus gar nicht möglich und es gibt auch sonst keine Mindestgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen. Einige Fahrzeuggruppen dürfen jedoch nicht auf die Autobahn. Grundsätzlich gilt: Das Fahrzeug muss mindestens 60 km/h fahren können. Wenn man langsamer fährt, begeht man deswegen zwar noch keine Straftat, behindert man dadurch jedoch den nachfolgenden Verkehr, ist dies ein Verstoß gegen die StVO. 

Parkplätze dürfen reserviert werden.

Laut Gesetz darf das Auto eine Parklücke nutzen, das sich ihr zuerst genähert hat. Ihn durch einen Menschen besetzen zu lassen, ist verboten. Wer allerdings versucht, jemanden aus dem Parkplatz zu drängeln, der offensichtlich den Parkplatz für einen Freund oder Verwandten besetzt, kann sich wegen Nötigung strafbar machen. 

Was ist beim Fahrradfahren erlaubt?

Das Fahren mit nur einer Hand ist nur bedingt erlaubt. Abhängig ist das davon, was man mit der anderen Hand macht. Der Gesetzgeber gestattet das Tragen von Einkaufstaschen mit der freien Hand. Auch ein zweites Fahrrad darf mit der freien Hand geschoben werden, wenn man es unter Kontrolle halten kann. Sogar Händchenhalten ist beim Radfahren erlaubt und Tierbesitzer dürfen ebenfalls angeleinte Hunde mit sich führen. Das Mitführen anderer Tiere ist nicht erlaubt. Das Bedienen eines Mobiltelefons ist weder am Steuer eines Autos noch auf dem Fahrrad erlaubt. Auf dem Gepäckträger mitfahren dürfen nur Kinder bis sieben Jahre und auch nur, wenn sie einen speziellen Kindersitz haben, der auf dem Gepäckträger montiert wird. Beim ersten Bußgeldverstoß gegen diese Regelung fällt ein Bußgeld von 5 Euro an.   

Wenn jemand meine Einfahrt zuparkt, darf ich den Abschleppdienst rufen.

Zwar gilt grundsätzlich, dass vor Grundstückseinfahrten und abgesenkten Bordsteinen das Parken verboten ist, wer aber eigenwillig einen Abschleppdienst anruft, bleibt womöglich auf den Kosten sitzen. Nur die Polizei und das Ordnungsamt können darüber verfügen, einen Wagen abschleppen zulassen. 

Taxifahrer müssen keine Tiere befördern.

Wer mit seinem Hund an das andere Ende der Stadt möchte und sich für eine Taxifahrt entscheidet, muss vom Taxifahrer befördert werden. Taxifahrer haben eine Beförderungspflicht und müssen jeden Fahrgast befördern. Sie können die Mitnahme jedoch verweigern, wenn der Fahrgast gefährliche Stoffe oder Gegenstände mit sich führt. Hunde gehören dazu in der Regel nicht. Ist der Fahrer allergisch gegen Hunde oder fürchtet sich vor dem Tier, darf er die Fahrt ablehnen, muss aber dafür einen Kollegen anfordern, der den Fahrgast befördert.

Es ist in Ordnung mit Flipflops Auto zu fahren.

Es gibt keine Vorschriften zur Fußbekleidung beim Autofahren, sodass das Fahren mit Flipflops genauso wenig verboten ist wie das Fahren ohne Schuhe oder mit High-Heels. Geschieht deswegen jedoch ein Unfall, wird es richtig teuer. In vielen Fällen verweigert die Versicherung dann die Schadensübernahme. Zusätzlich kann es von der Polizei ein Bußgeld von bis zu 50 Euro und 3 Punkte in Flensburg geben. 

Telefonieren und laute Musik am Steuer sind nicht verboten.

Wer im Auto telefonieren möchte, muss dafür die Freisprecheinrichtung benutzen. Das Handy während der Fahrt zu bedienen, ist verboten. Das gilt auch, wenn an einer roten Ampel gewartet wird. Schaltet man den Motor an der Ampel ab und telefoniert dann, zählt das nicht mehr als Telefonieren beim Fahren und ist deswegen erlaubt. Aber auch mit Freisprecheinrichtung kann das Telefonieren vom Verkehrsgeschehen ablenken. Ähnlich ist dies mit lauter Musik im Fahrzeug. Es gibt zwar kein Gesetz, das verbietet, laute Musik im Auto zu hören, andere Verkehrsteilnehmer könnten sich dadurch jedoch belästigt oder beeinträchtigt fühlen. Lenkt die laute Musik den Fahrer vom Verkehrsgeschehen ab, ist ein Bußgeld von 10 Euro fällig. Behindert man ein Rettungsfahrzeug, weil man die Sirenen nicht wahrnimmt, muss man unter Umständen für den entstandenen Schaden aufkommen und ein Bußgeld von 5.000 Euro bezahlen.

8 Gedanken zu „Verkehr – Mythen und Fakten

  1. Ja, das müssten jetzt mal so einige Autofahrer lesen.
    Leider denken viele Autofahrer, nur weil sie einen Führerschein haben, wüssten sie alles.
    Das mit der Schuhbekleidung, hatten wir vor kurzen auch das Thema, da eine Freundin immer ohne fährt im Sommer. Ich zieh dann lieber im Auto festes Schuhwerk an und nehme mir andere mit. Sicher ist sicher.

    Wir haben ja einen Eigenen Parkplatz und da stellen sich einige auch gerne mal drauf. Bevor ich die Polizei rufe, stelle ich mich immer davor und bleib stehen. Das macht immer einen riesen Spaß, wenn die Fahrer nicht rauskommen und die meisten lernen auch darauß.
    Zumal Gäste nicht einmal in unsere Nebenstraße reinfahren dürfen, da es einen Eigenen Parkplatz für sie gibt. Manche können oder wollen wohl die Verkehrsschilder nicht lesen.

    Liebe Grüße http://himmelsblumen.blogspot.de/

  2. Das meiste wusste ich zwar schon aber nicht alles.
    Finde das ist mal wieder ein sehr interessanter Post.
    Das mit dem Schuhwerk haben mich auch schon einige gefragt, da ich auch mit hohen Schuhen fahre. Nicht immer aber ich nehme mir auch nicht extra andere mit.
    Man muss sich einfach sicher sein beim fahren, dann geht das schon:)

    Alles Liebe
    Michelle

  3. Meine beiden besten Freunde sind Juristen bzw. studieren Jura und ich finde es immer wieder lustig über gewisse Mythen, die ja wirklich viele im Kopf haben, von ihnen aufgeklärt zu werden.

  4. Wenn du bezüglich der Themen, die ich hier behandle, mehr weißt, darfst du dein Wissen gerne mit uns teilen 🙂

  5. Das ist ein Thema wo es vieles zu schreiben gibt. Fahrräder dürfen nicht über den Zebrastreifen fahren, außer es steht extra dabei. Und trotzdem achtet kaum jemand drauf. Auch mit Radfahren und dem Radweg ist es eine Sache, ohne Blaues Schild ist es kein Radweg. Ich fahre jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit, da muss ich doch immer ganz schön auf passen.

  6. Sehr interessant so manchen Mythos aufgeklärt zu wissen. Zwar wusste ich auch schon einige der Sachen hier, aber es waren auch für mich noch unklare Sachen dabei.
    Viele Autofahrer sollten sich mal mit solchen Regeln auseinander setzen, denn oft passieren Unfälle auf Grund von Unwissenheit.

  7. Ja, da stimme ich meinen Vorkommentaren zu! Das sollten wirklich mal so einige Autofahrer lesen… Ich finde das super, dass du dich da so engagierst und recherchierst und einen so wichtigen Post schreibst; meiner Meinung nach ist das viel wichtiger als die heutigen zahlreichen Modeblogs etc…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.