Mythen und Fakten – Luft

Die sogenannte „Vier-Elemente-Lehre“ besagt, dass alles Sein aus den vier Elementen Luft, Feuer, Wasser und Erde besteht. Beginnen wir mit dem Element, das wir andauern um uns herum finden: Luft.

 

Mythos: Kalte Luft löst einen Entzündungsreiz aus.

Sportler, die im Winter an der frischen Luft trainieren, kennen es sicherlich: Beim Atmen macht sich ein leichter Schmerz bemerkbar. Bereits dieser gilt in der Medizin als leichter Entzündungsreiz. Experten raten: Tempo drosseln und weniger tief atmen, um die Lunge vor der kalten Luft zu schützen. Auch ein vor das Gesicht gebundener Schal könne helfen, die Atemwege zu schonen.

 

Mythos: Zu kalte Luft schadet der Lunge.

Bis zu einer Temperatur von -15°C kann ein gesunder Mensch auch im Winter ohne Bedenken Sport an der frischen Luft treiben. Experten haben jedoch herausgefunden, dass bei geringeren Temperaturen die Luft nicht mehr ausreichend erwärmt werden kann, ehe sie die Lunge erreicht. So schadet zu kalte Luft der Lunge. Asthmatiker sollten schon früher vorsichtig sein: Nebel und auch Temperaturen rund um den Gefrierpunkt würden das Risiko für einen Asthma-Anfall steigern, so Experten.

Mythos: Wunden heilen an der Luft am besten.

An der Luft beginnt die Wunde relativ schnell zu trocknen. Denselben Effekt haben auch trockene Binden und Wundauflagen mit großem Saugeffekt. Trocknet die Wunde, bildet sich auf ihr Schorf. Dieser behindert jedoch die Wundheilung. Ärzte raten daher zu Wundauflagen ohne großen Saugeffekt, sodass die Wunde möglichst lange durch das Wundsekret feucht bleibt. Nur so können Antikörper und Enzyme problemlos in die Wundregion fließen. Feuchte Wundauflagen nehmen also überschüssiges Sekret auf, schützen die Wunde aber gleichzeitig vor dem Austrocknen und vor Schmutz und Keimen.

Wenn ich mich mit dem Thema „Luft“ beschäftige, darf natürlich auch die Luftfahrt nicht vergessen werden. Und zu dem häufigsten Verkehrsmittel der Luftfahrt gehört das Flugzeug, um das sich eine Menge Mythen ranken.

Mythos: Die Toiletten werden während des Fluges in die Luft entleert.

Alle Substanzen, die in der Toilette hinuntergespült werden, gelangen in einen Tank, der erst nach der Landung entleert wird. Das Abwasser aus dem Waschbecken wird jedoch fein zerstäubt in die Atmosphäre entlassen.


Mythos: Passagiere können durch offene Türen oder beschädigte Fenster aus dem Flugzeug gesaugt werden.

Ohne weiteres lassen sich die Kabinentüren eines Flugzeuges in der Luft nicht öffnen. Zunächst einmal muss jede Kabinentür nach innen geöffnet werden, ehe sie nach außen geöffnet werden kann. Dies ist aufgrund des Druckunterschieds zwischen Kabine und Umgebung jedoch nicht möglich. Dieser Druckunterschied führt aber auch dazu, dass Fluggäste theoretisch aus dem Flugzeug gesaugt werden könnten, wenn ein Fenster kaputt geht. Die Fenster im Passagierraum sind jedoch mehrfach verglast und ohnehin viel zu klein, sodass ein solches Szenario nur in Filmen möglich ist. 1990 ereignete sich jedoch ein Zwischenfall, bei dem der Pilot beinahe durch ein zerstörtes Fenster im Cockpit aus dem Flugzeug gesogen worden wäre. Der Copilot und ein Flugbegleiter konnten das Unglück jedoch verhindern.

Mythos: Fallen die Triebwerke aus, fällt das Flugzeug vom Himmel.

Versagen die Motoren eines Flugzeuges, stürzt dieses nicht ohne weiteres ab. Versagen beispielsweise die Triebwerke eines modernen Airbus A380, könnte das Flugzeug noch 250 Kilometer weit gleiten, wenn es sich auf normaler Reiseflughöhe befindet.

Mythos: Handys stören die Bordelektronik.

Dieser Mythos des Luftverkehrs löste in den vergangenen Jahren viele Diskussionen aus. Zwar ist bekannt, dass Mobilfunkwellen die Kommunikation zwischen Pilot und Boden stören können, dass die Bordelektronik dadurch aber stark beeinträchtigt wird, konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Dennoch kann der Flugverkehr gefährlich dadurch beeinträchtigt werden, wenn es Missverständnisse in der Kommunikation zwischen Boden und Pilot gibt. Im Funk sind Mobilfunkwellen nämlich gut zu hören, das dabei auftretende Geräusch kennt man auch von zu Hause, wenn das Handy den Fernseher oder das Radio stört.

Mythos: Ein Blitzeinschlag führt zum Absturz des Flugzeuges.

Das ist nicht richtig. Der letzte Flugzeugabsturz, der sich aufgrund eines Blitzeinschlages ereignete, wurde 1967 datiert. Die Flugzeuge werden heutzutage strengen Zulassungstests unterzogen. Passagiere, die einen Blitzeinschlag im Flugzeug miterlebt haben, berichten von leichten Turbulenzen, die den Flug nicht sonderlich beeinflussten. Jährlich wird durchschnittlich jede Passagiermaschine mindestens einmal von einem Blitz getroffen.

Und schon habe ich die perfekte Überleitung für den nächsten Themenbereich. Wenn warme Luft auf kalte Luft trifft, entsteht ein Gewitter. Auch um dieses Thema ranken sich eine Menge Mythen, die es zu beleuchten gilt.

Mythos: Blitze schlagen immer in die höchste Erhebung ein.

Blitze suchen sich den möglichst kürzesten Weg auf dem Weg zum Boden. Diesen erreichen sie am schnellsten, wenn sie in die höchste Erhebung einschlagen. In der Luft gibt es jedoch immer wieder Regionen mit großem elektrischen Widerstand, die der Blitz umgeht. So entsteht die typische Zackenform. Auch wenn Blitze meistens in die höchste Erhebung einschlagen, ist das keine Garantie dafür, dass man neben einem Haus in Sicherheit ist. Dennoch ist es ratsam, sich bei Gewitter möglichst klein zu machen. Optimal ist es, in einer natürlichen Bodensenke in die Hocke zu gehen, die Füße möglichst nah beieinander, die Arme über die Knie. Das ist zwar unbequem, bietet dem Blitz aber eine möglichst geringe Angriffsfläche. Sich flach auf den Boden zu legen, wird übrigens nicht geraten. So bietet man eine große Angriffsfläche. Personengruppen sollten die oben beschriebene Haltung mit möglichst großem Abstand zueinander einnehmen.

Mythos: Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen.

Menschen, denen es nicht gelingt, eine Eiche von einer Buche zu unterscheiden, können beruhigt sein: Sich unter einem Baum zu verstecken, ist bei Gewitter nicht ratsam. Dem Blitz ist es egal, welcher Baum seine Spannung an den Boden weiterleitet. Die Spannung kann sogar vom Stamm auf den Körper überspringen oder abbrechende Äste können auf einen herabstürzen. Ein Wald ist bei Gewitter deshalb ein überaus gefährlicher Ort.

Mythos: Telefonieren bei Gewitter ist gefährlich.

Nur Schnurtelefone sind bei Gewitter gefährlich. Der Stromschlag hält sich jedoch auch dann gering, wenn ein Blitz in eine der Telefonleitungen überspringt. Telefonieren mit dem Handy ist bei Gewitter absolut unbedenklich, solange man nicht gleichzeitig am Ladekabel hängt.
Um elektronische Gegenstände zu schützen, sollte man bei Gewitter zumindest teure technische Geräte vom Netz nehmen. Fahrräder, Regenschirme, aber auch Handys, Schlüssel und Geldbörsen enthalten Metall, das ebenfalls Blitze anzieht. Sicher hingegen ist man im Auto oder im Zug. Das Metallgehäuse wirkt nach dem Prinzip des Faradayschen Käfigs und leitet den Blitz ab.  Blitze während der Autofahrt sind dennoch nicht ganz ungefährlich. Die gewaltige Spannung kann Reifen zum Platzen bringen, sodass der Fahrer das Fahrzeug nicht mehr manövrieren kann. Außerdem können Blitze den Fahrer blenden und so kurzzeitig vom Verkehrsgeschehen ablenken.

Mythos: Bei Gewitter zu duschen, ist gefährlich.

Unterirdische Wasserleitungen sind geerdet und leiten den Strom sofort in die Erde ab. Unter Umständen kann es jedoch auch dazu kommen, dass die Spannungen über die Rohre und das Wasser bis in die Dusche oder die Wanne vordringt. Auf diese Art und Weise kann es zur Gefährdung von Personen kommen. Dasselbe Risiko besteht bei einem Blitzeinschlag in ein Haus. Sicher ist man nur, wenn das Wasser durch unterirdische Wasserleitungen zugeführt wird und wenn das Haus über eine Blitzschutzanlage verfügt, die auch die Wasserleitung beinhaltet. Wenn man sich nicht sicher ist, sollte man während des Gewitters auf die Dusche verzichten. So geht man keine Gefahr ein. 

Zum Schluss kommen wir noch zu einem eher häuslichen Thema, der Lüftung.

Mythos: Wenn viele Menschen in einem Raum sind, wird der Sauerstoff knapp.

Ein Wohnzimmer mit 20m² Raumfläche und einer Deckenhöhe von 2,60m enthält genug Sauerstoff, um drei Personen mehrere Tage lang überleben zu lassen. Denn unsere Luft besteht zu etwa 21% aus Sauerstoff, sodass der Sauerstoffgehalt nicht allzu schnell abklingt. Auch der CO2-Gehalt ist nicht weiter gefährlich für die Menschen in geschlossenen Räumen. Der Mensch atmet jedoch auch sogenannte flüchtige organische Bestandteile wie Aceton aus. In höherer Menge machen diese Stoffe müde und erzeugen mit Geruchsstoffen den Eindruck der abgestandenen Raumluft.

Mythos: Durch geschlossenes Fenster sichere ich mir eine gute Luftqualität.

Bei kurzzeitiger Belastung der Luftqualität (etwa durch eine Baustelle vor dem Fenster) kann das geschlossene Fenster vor einem Großteil der Staubbelastung schützen. Verkehrsabgase hält ein geschlossenes Fenster jedoch nicht zurück. Auch bei geschlossenem Fenster gibt es einen geringen Luftaustausch. Die eigene Ausgasung, also der Ausstoß von Stoffen wie Aceton, würde die Raumluft auf Dauer unhygienisch verunreinigen, weshalb regelmäßiges Lüften schon sinnvoll ist.

Mythos: Stoßlüften ist die beste Methode zu lüften.

Beim Stoßlüften, also dem Lüften mit geöffneten Fenster und idealerweise mit geöffneter (gegenüberliegender) Tür, wird die komplette Raumluft innerhalb von kürzester Zeit komplett ausgetauscht. Beim langfristigen Kipplüften kühlen hingegen die anliegenden Wände aus. Wände, Decken und Böden sind die wichtigsten Wärmespeicher im Haus. Stoßlüften ist für die Luftqualität also die beste und mit Sicherheit auch die energieeffizienteste Möglichkeit.


Mythen und Fakten zum Wasser: Schwimmen, Trinken und Meer.

Mythen und Fakten zum Feuer: Brände und Sonnenbaden.

7 Gedanken zu „Mythen und Fakten – Luft

  1. Uh, total interessant, vor allem die häusliche Lüftung meiner Meinung nach! Für die Luftqualität meiner Stadtwohnung habe ich einen CO2 Sensor installieren lassen. Damit weiß ich immer, die Qualität hoch zu setzen.

  2. Wirklich wieder sehr interessant, einiges wusste ich noch nicht.
    Jetzt habe ich keine Angst mehr vorm fliegen haha.
    Ich war bis jetzt immer beim Gewitter duschen. Glück gehabt:)
    Alles Liebe
    Michelle

  3. Ich liebe deine Mythen-Aufklärungen! 😀
    Das mit dem Schorf auf Wunden fand ich diesmal besonders interessant, denn ich habe einen eingerissenen Nietnagel und da merke ich besonders, wie wichtig es ist, dass die Wunde feucht bleibt. Ansonsten bin ich so ein Gewitter-Schisser, dass ich freiwillig bei Gewitter nichts mache und abwarte, bis es zu Ende ist 😀

    Liebe Grüße,
    Caro von http://www.caroeddy.blogspot.de

  4. Stimmt, das war wirklich sehr interessant, weil man sich damit ja unmittelbar einen Gefallen tun kann, wenn man mal wieder verletzt ist! 🙂

  5. Krass, was es alles für Mythen gibt. Man kennt sie alle, aber man denkt nie darüber nach. Richtig interessant und auch schön geschrieben (:

    Ein weiterer Grund dafür, dass man sich nicht auf den Boden legen sollte um sich vor Gewittern zu schützen, ist der größere Spannungsunterschied, der im Körper entsteht, wenn der Blitz in der Nähe in den Boden einschlägt. Dann wird man nicht direkt vom Blitz getroffen, aber der Spannungsdifferenz schadet einem.

  6. Wow.:) Hab es eben gelesen, und muss sagen, du hast es echt toll geschrieben. Viele interessante Infos, die ich noch nicht kannte. Danke! 🙂

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