Wie tolerant sind wir?

Wie tolerant sind wir? Und was ist Toleranz überhaupt?

Was ist „Toleranz“?

Allgemein betrachtet ist Toleranz das Dulden, Geltenlassen oder Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. Den eigentlichen Begriff der Duldung übersteigt die heute geläufige Bedeutung jedoch. Denn umgangssprachlich ist damit die Anerkennung und Gleichberechtigung fremder Überzeugungen, Handlungen und Sitten gemeint. Die Mitgliedsstaaten der UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Bildung , Wissenschaft und Kultur) verabschiedeten auf der 28. Generalkonferenz 1995 die „Erklärung von Prinzipien der Toleranz„.

In meiner Umfrage zum Thema „Toleranz“ fragte ich nach den Bestandteilen von Toleranz. Akzeptanz sahen 97% der Befragten als Bestandteil von Toleranz an. Akzeptieren beschreibt wieder das Dulden einer fremden Haltung und ist somit unumstritten Bestandteil von Toleranz. 92% ordneten auch den Respekt zur Toleranz ein. Respekt geht über den Begriff der Duldung hinaus. Respekt ist eine gewisse Art und Weise von Achtung, die auf Anerkennung oder Bewunderung beruht. 89% gaben ihre Stimme außerdem der Gleichberechtigung. Die Gleichstellung der unterschiedlichen Überzeugungen und Minderheiten ist ein weiterer wichtiger Baustein der Toleranz.

Auf staatlicher Ebene fasst sie Gerechtigkeit und Unparteilichkeit zusammen. 49% sehen auch den Frieden als Bestandteil der Toleranz. Die UNESCO beschreibt Toleranz als „eine Tugend, die den Frieden ermöglicht, und dazu beiträgt, den Kult des Krieges durch eine Kultur des Friedens zu überwinden“. Desweiteren heißt es in der Erklärung: „Ohne Toleranz gibt es keinen Frieden und ohne Frieden kann es weder Demokratie noch Entwicklung geben. Demokratie haben ebenfalls 41% der Befragten in meiner Umfrage angeklickt.
Nur 14% sahen auch zwischen Diskriminierung und Toleranz einen Zusammenhang. Doch tatsächlich stehen auch diese beiden Themen in einem engen Verhältnis.
Das Ergebnis hat mich ein wenig überrascht, freut mich aber auch irgendwie. Denn befragt wurden auch Bürger mit Migrationshintergrund, Bürger einer religiösen Minderheit und Homosexuelle. Erfreulich ist dieses Ergebnis deshalb, weil viele von diesen Menschen offensichtlich keine Diskriminierung erfahren haben, obwohl es genau diese Bevölkerungsgruppen sind, die Toleranz betrifft. Ich habe mich bei meinen Facebook-Kontakten mal erkundigt.

Gleichermaßen gehört auch die Gewalt zur Toleranz. Denn wenn Diskriminierung ausartet, wird sehr schnell Gewalt daraus. 11% haben deshalb auch die Gewalt der Toleranz zugeordnet. Leider muss man hier auch festhalten, dass es Menschen gibt, die zur Gewalt greifen, um Toleranz zu erfahren.
Insgesamt haben 93 Personen an meiner Umfrage teilgenommen. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei allen bedanken, die sich die Zeit genommen haben, ein paar Kreuzchen zu setzen oder sich meinen Fragen gestellt haben.72 der Befragten Personen sind zwischen 16 und 25 Jahren alt. 11 Personen sind zwischen 26 und 35 Jahre alt, 5 zwischen 36 und 45 und 5 zwischen 46 und 55. Ich freue mich sehr, dass so viele Menschen teilgenommen haben.

Wie oben bereits erwähnt ist Toleranz ein Thema, mit dem sich gerade Minderheiten befassen (müssen). Auf die Frage, welche Minderheit man angehört, antworteten 20 mit „Keiner“, 33 gaben an, Homosexuell zu sein (28 Männer und 5 Frauen). Außerdem nahmen 26 Bürger mit Migrationshintergrund an der Umfrage teil. Sechs Bürger einer religiösen Minderheit waren ebenfalls dabei. Acht Befragte ordneten sich bei Sonstige ein.

Im nächsten Teil der Befragung ging es speziell um Meinungen zu Homosexuellen:

Die meisten der Befragten sind für die Gleichstellung von Homo-Ehen mit den „normalen“ Ehen. Auch im Bundesgerichtshof wurden im vergangenen Jahr mehrere Urteile gefällt, die genau dies verlauteten. Doch in Berlin tun sich vor allem die CDU/CSU damit schwer. Außerdem wollen die Befragten, dass auch homosexuelle Paare Kinder gemeinsam adoptieren dürfen. Seit Anfang des Jahres ist die Sukzessivadoption auch für gleichgeschlechtliche Paare gesetzlich erlaubt. Demnach können Schwule und Lesben ein von ihrem eingetragenen Lebenspartner bereits adoptiertes Kind nachträglich ebenfalls adoptieren. Die gemeinsame Adoption eines Kindes wird Schwulen und Lesben jedoch vorerst weiterhin verwehrt bleiben. Die Union lehnt eine derartige Gesetzesänderung ab.

Auch dürfen Homosexuelle in vielen Ländern der Welt noch nicht Blut spenden. In Frankreich hat ein Mann gegen diese Regelung geklagt und vom Europäischen Gerichtshof Recht bekommen. Blutspenden können Leben retten. Doch auch die Risiken müssen bedacht werden. So könnten sich Empfänger mit Krankheiten wie AIDS, Hepatitis C oder anderen gefährlichen Erregern infizieren. Auch in Deutschland dürfen Männer, die mit anderen Männern schlafen, keine Blutspenden abgeben. Der Generalanwalt Paolo Mengozzi war der Auffassung, dass allein die sexuelle Beziehung zwischen zwei Männern keinen dauerhaften Ausschluss vom Blutspenden rechtfertige.


Erfreulich finde ich, dass die meisten Befragten sehr tolerant gegenüber Homosexuellen zu sein scheinen. So ist zumindest das Prinzip der Akzeptanz erfüllt.

In einem Punkt waren sich die Befragten einig:

Jeder sollte das Recht haben, selbst zu entscheiden, wen er liebt.

Interessant ist auch, wie insbesondere Homosexuelle zur Toleranz untereinander und zur Toleranz gegenüber anderer Minderheiten eingeschätzt werden.

 

 

Warum werden Homosexuelle hier thematisiert?

In über 60 Ländern weltweit wird Homosexualität noch immer mit harten Strafen geahndet, in 10 Ländern sogar mit der Todesstrafe. Da Homosexuelle auch in Deutschland nicht komplett gleichgestellt sind, thematisiere ich sie, wenn es um Toleranz geht. Derzeit wird häufig der Bildungsplan thematisiert, da einige Politiker der Meinung sind, dass Homosexualität in Schulen nicht behandelt werden sollte. In der Erklärung der UNESCO heißt es: „Toleranz wird gefördert durch Wissen, Offenheit, Kommunikation und durch Freiheit des Denkens, der Gewissensentscheidung und des Glaubens.“ Sollte man also nicht so offen sein und in Schulen das Wissen vermitteln?

Im letzten Teil der Befragung ging es um Bürger mit Migrationshintergrund. Mir ist aufgefallen, dass viele Vorurteile zu solchen Menschen existieren. Wie tolerant sind wir gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund?

Laut Kriminalstatistik 2006 hatten 22% der von der Polizei bei Verbrechen ermittelten Täter „nicht die deutsche Staatsangehörigkeit“. Zu diesem Zeitpunkt betrug der Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung Deutschlands nur 8,8%. Doch darf man anhand dieser Zahlen eine Hochrechnung überhaupt wagen?

28% aller Tatverdächtigen, die wegen Mordes verhaftet wurden, waren im Jahr 2006 „nicht deutsch“. Rund 30% der Tatverdächtigen, die wegen Vergewaltigung oder sexueller Nötigung verhaftet wurden, waren ebenfalls „nicht deutsch“.

Die Mehrheit der Befragten tolerieren Bürger mit Migrationshintergrund und haben sogar welche in ihrem Bekanntenkreis.

Auffällig ist hier, dass viele Menschen der Meinung sind, dass Bürger mit Migrationshintergrund eher weniger tolerant gegenüber anderer Minderheiten sind. Ähnlich sieht das Diagramm zur Frage aus, ob es Bürger mit Migrationshintergrund einfach hätten, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren.

Letztendlich sind diese Ergebnisse subjektive Einstellungen. Ich hoffe, dass sich niemand aufgrund dieser Darstellungen diskriminiert fühlt. Jeder darf und soll sich seine eigene Meinung bilden. Und Verallgemeinerungen à la „Kennst du einen, kennst du alle“ sollte man ganz schnell hinter sich lassen. Schließlich gibt es immer Ausnahmen, die die Regeln bestätigen.

Toleranz ist Harmonie über Unterschiede hinweg.(„Erklärung von Prinzipien der Tolerant“, UNESCO 1995)

Hast Du jemals Erfahrungen mit dem Thema Diskriminierung gemacht?


„Remember those eyes“ ist eine meiner Geschichten, die sich mit Homosexualität befasst. Es geht um zwei schwule Jungs, die sich ineinander verlieben und sich gegen die Intoleranz und die Diskriminierung der Gesellschaft stellen müssen.

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6 Gedanken zu „Wie tolerant sind wir?

  1. Ein echt interessanter Artikel. Man sieht das du dir wirklich Mühe gibst. Das imponiert einem als Leser sehr! Weiter so! Ich finde in dem Post ist eigentlich schon alles gesagt und ich bin froh in meiner wirklich toleranten Multikulti-Familie zu leben und auch solche Freunde zu haben 🙂

  2. Das ist ein super Artikel der jeden zum nachdenken anregt. Ich würde von mir auch behaupten das ich Tolerant bin, doch im tiefsten Inneren hat doch jeder eine gewisse Art von Vorurteilen, egal auf wen oder was diese sich beziehen. Keiner kann behaupten das er keinerlei hätte, glaube ich. Das Wichtige ist ja auch, dass wir jegliche Art von Andersein akzeptieren, auch wenn wir Vorurteile haben.

    Liebst, Colli

  3. Wer sich in diesem Zusammenhang mit Rassismus beschäftigen möchte, sollte das Buch Deutschland Schwarz Weiß von Noah Sow lesen. "Wenn wir gefragt werden, sind wir natürlich gegen Rassismus. Gleichzeitig finden wir es normal, dass uns im Restaurant ein schwarzer Diener aus Porzellan begrüßt." Sie zeigt deutlich auf, wie schwarze Menschen im Alltag oft aus Unwissenheit und falschen Vorstellungen diskriminiert werden. Auch von vielen Menschen, die behaupten Tolerant zu sein. Rassismus findet sich in Deutschland überall und fängt mit der Annahme an alle Schwarzen währen eingewandert und daher keine Deutschen. Sow musste aber nicht nur ihren Stammbaum bis zur Einwanderung immer wieder erklären, ihr wurde auch immer wieder ungefragt in die Haare gefasst. Im Gegensatz zu z. B. Homosexuellen können Schwarze ihre Hautfarbe schwerlich leugnen oder verheimlichen. Und ist es in Ordnung lachende, schwarze Kinder auf Plakaten für Hilfsorganisationen für Afrika zu zeigen?
    In diesem Sinne macht es Sinn Aussagen wie "Ich bin kein Rassist" zu ändern in "ich möchte nicht rassistisch handeln", denn wir sind oft unterbewusst rassistisch. Und es macht Sinn aktiv daran zu arbeiten tolerant zu sein und Vorurteile immer wieder zu hinterfragen.
    Ich versuche dies immer wieder am Grundsatz zu messen: "Das einzige, was man nicht tolerieren kann ist die Intoleranz."

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