Nein! zur Homo-Ehe

Vor kurzer Zeit gab es in Irland zum ersten Mal weltweit eine Volksabstimmung über die „Homo-Ehe“. Nun ist Irland eines der rund 20 Länder weltweit, in denen die vollwertige Ehe für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt wurde.

Irland ist ein religiöser Staat. Protestanten und Katholiken haben sich in der Geschichte Irlands schon häufiger die Köpfe eingeschlagen. Und obwohl Irland ein erzkatholischer Staat ist, stimmten vor Kurzem 62% der Bürger für die vollwertige Gleichstellung der Ehe. Während der Erzbischof von Dublin diesen Volksentscheid als „Kulturrevolution“ betitelt, sieht der Vatikan diese Entscheidung als „Niederlage für die Menschheit“. Dabei hat Irland etwas wirklich Vorbildliches geleistet, denn es ist das erste Land weltweit, in dem via Volksentscheid über die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare entschieden wurde. In Deutschland ist es Schwulen und Lesben nach wie vor nicht gestattet, zu heiraten.

Die Homo-Ehe und Deutschland

Dabei spielt Deutschland in der Geschichte eine wichtige Rolle. Mit der Einführung der eingetragenen Partnerschaft für Homosexuelle war Deutschland 2001 der Vorreiter für die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare. Die Öffnung der Homo-Ehe in Irland setzt Deutschland unter Druck, denn die Union sträubt sich mit der Idee, die Ehe ebenfalls zu öffnen, auch das Adoptivrecht für gleichgeschlechtliche Paare ist stark eingegrenzt. Slowenien, Portugal, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Island, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland (ab 2017), die Niederlande, Belgien, Irland und Luxemburg bieten gleichgeschlechtlichen Paaren in Europa die Möglichkeit, zu heiraten, ohne dabei im Kontrast zu „normalen Ehen“ zu stehen. Dass auch gleichgeschlechtliche Ehen völlig normal sind, beweisen jüngste Ereignisse, denn vor Kurzem heiratete der Regierungschef Luxemburgs – einen Mann.
Justizminister Maas will dies nicht einfach auf sich sitzen lassen und verspricht deshalb eine weitere Portion Gleichstellung in naher Zukunft: Mehr als 20 Gesetzestexte sollen geändert oder angepasst werden.
Während sich beispielsweise die Grünen schon länger für die Gleichstellung einsetzen, tut sich Frau Merkel schwer mit diesem Schritt. Die Grünen offenbarten: Im Groben und Ganzen seien es nur noch die Namen, die die „Homo-Ehe“ von der „Heten-Ehe“ trennten. Denn in den meisten der 54 Gesetze müsste lediglich „oder Lebenspartner“ hinter das „Ehegatte“ gehängt werden, um die gleichgeschlechtliche Ehe gleichzusetzen – reiner bürokratischer Kleinkram.

Die Kanzlerin und die Ehe

Die letzte, große Hürde zur Gleichstellung der Ehen ist die wohl sehr veraltete Meinung unserer Regierung. Denn das Adoptionsrecht haben nur Verheiratete oder Alleinstehende, gleichgeschlechtliche Partner dürfen dies nicht. Der Grund: Dies widerspricht dem traditionellen Familienbild der Union. Wo unsere Frau Kanzlerin auf der Strecke geblieben ist, sind die Deutschen sicherlich viel weiter. Eine Umfrage auf meinem Blog zeigt: 86,5% der Leser denken, dass man die Ehe komplett öffnen sollte, auch der Genehmigung des Adoptionsrechts stimmen 58,3% voll zu, 27,8% stimmten – zunächst etwas unsicher – ebenfalls zu.
Frau Merkel argumentierte jedoch in der Wahlarena 2013: „Es geht um die Frage des Kindeswohls in solchen Beziehungen.“  Wenig später gesteht sie zwar, dass diese Ansicht „etwas veraltet“ sein mag, sie tue sich aber weiterhin schwer mit der Vorstellung und werde keinen derartigen Gesetzesentwurf einbringen. Doch wäre das Kindeswohl auch nur ansatzweise gefährdet, wenn das Kind bei zwei Männern oder zwei Frauen aufwachsen würde? Schließlich räumte die Regierung vor gut einem Jahr das Sukzessiv-Adoptions-Recht für gleichgeschlechtliche Paare ein, das besagt, dass Partner das Adoptivkind ihres Partners ebenfalls adoptieren dürfen. Das Kind würde dann gleichermaßen bei einem gleichgeschlechtlichem Paar aufwachsen, oder etwa nicht? Kein Wunder also, dass es ausgerechnet Grüne und Linke sind, die gegen die Sukzessiv-Adoption stimmten. Ihnen ging das Gesetz nicht weit genug.
Braucht ein Kind nicht letztendlich eine Familie, die es schützt, es liebt und ihm zur Seite steht? Welche Gründe gibt es, daran zu zweifeln, dass zwei gleichgeschlechtliche Elternteile einem Kind dies genauso gut geben können, wie Männlein und Weiblein?

Artikel 3 (Grundgesetz)

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Wo bleibt die Gleichberechtigung, wenn gleichgeschlechtliche Partner nicht dieselben Rechte und Möglichkeiten haben wie heterosexuelle Paare? Warum sollten zwei Männer oder zwei Frauen nicht heiraten dürfen und warum stellt sich die Union dem Kinderwunsch homosexueller Paare in den Weg?
Setzt die Union das Grundgesetz außer Kraft, weil die Kanzlerin Bauchschmerzen kriegt, wenn homosexuelle Paare Kinder adoptieren?
Die Meinungen sind kontrovers, denn es gibt durchaus Menschen, die auf der Seite der Union stehen und dieses „traditionelle“ – viel mehr konservative – Familienbild vertreten. Auf der anderen Seite wird sich darüber aufgeregt, dass über die gleichgeschlechtliche Ehe überhaupt diskutiert wird.

Unter dem Hashtag #Ehefueralle werden beispielsweise auf Twitter die verschiedenen Meinungen zum Thema kundgetan. Während viele sich für die Öffnung der Ehe aussprechen, verlangen andere, die Ehe komplett abzuschaffen. Dabei würde sich nicht einmal etwas ändern, wenn gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürften – außer natürlich, dass sie heiraten würden.

Die Union und die Ehe

Obwohl CDS/CSU und SPD im Koalitionsvertrag beschlossen hatten, klammern sich Teile der Union noch immer an das traditionelle Bild der Familie. Bisher gilt die Ehe als dauerhafte Verbindung zweier Menschen unterschiedlichen Geschlechts. Schließlich stellt Artikel 6 des Grundgesetzes Ehe und Familie unter besonderen Schutz. Vollkommen richtig entschied dagegen das Bundesverfassungsgericht, das beschloss, dass dieser Schutz nicht andere Formen des Lebensgemeinschaften ausgrenzen würde.

Die Kirche und die Ehe

Dass dem Vatikan derartige Beziehungen nicht ins Zeug passen, ist natürlich kein Wunder, denn in der Bibel steht ja:

Und wenn ein Mann bei einem Manne liegt, wie man bei einer Frau liegt, so haben beide einen Greuel verübt; sie sollen gewißlich getötet werden, ihr Blut ist auf ihnen.“  » 3. Mose 20, 13

 
 
Dabei verlangt sicher kein gleichgeschlechtliches Paar, kirchlich zu heiraten, denn in der Debatte um die Ehe für alle geht es um die gesetzliche Gleichstellung der „Homo-Ehe“ mit der Ehe zwischen heterosexuellen Paaren. Denn während die Rollenverteilung in der Ehe längst als veraltet angesehen wird und Gleichberechtigung in der Ehe keine Frage mehr ist, werden Lebenspartnerschaften nicht akzeptiert. 
Der evangelische Landesbischof von Baden-Württemberg Frank Otfried July, dass das traditionelle Familienbild aus Mann, Frau und Kind nach wie vor das prägende sei, räumte aber ein, dass er Menschen, die einander lieben und in einer verlässlichen Beziehung leben, niemals den persönlichen Zuspruch verweigern würde. Thüringen und Rheinland-Pfalz sprechen sich für eine komplette Gleichstellung aus und planen sogar eine Bundestagsinitiative. 
 
Sabine Rau vom WDR sagte in einem Kommentar zur „Diskussion um eine Öffnung der Ehe“:
 

„Warum sollen homosexuelle Paare schlechtere Eltern sein als die mit dem Segen der Kirche und der Förderung des Staates – ein Anachronismus. Es wäre übrigens nicht das erste Mal, dass die Union vom Verfassungsgericht zu einem zeitgerechten, modernen Kurs gezwungen würde. Peinlich für eine Volkspartei.“

Und während die Union nur auf ihre kirchentreue Kernwählerschaft schaut, ist die Gesellschaft längst weiter, als Kanzlerin und Co glauben. Eine Mutter schreibt auf Twitter:

„Mit dem Ewig-Gestrigen sind Morgen keine Wahlen mehr zu gewinnen“, betonte Rau in Ihrem Kommentar. Die Deutschen sind viel moderner, toleranter und entspannter geworden, als die Union denkt.

Spiegel online schreibt dazu, dass die Kanzlerin sich sowohl der traditionellen Haltung ihrer Partei als auch der gesellschaftlichen Stimmung im Land durchaus bewusst sei. Demnach befürworte eine große Mehrheit der Deutschen die Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der Ehe. Hielte sie weiterhin an ihrer Meinung fest, gäbe sie SPD und Opposition Ein Freitor für den nächsten Wahlkampf. Nachgeben hätte jedoch zusätzliche Spannungen innerhalb der eigenen Partei zur Folge – ein Zwiespalt für die Kanzlerin.

Ich und die Ehe

Auf die Frage, ob auch ich die „Homo-Ehe“ endlich möchte, muss ich ganz klar mit „Nein!“ antworten. Die Tatsache, die Ehe als Bund der Liebe zwischen zwei Menschen in eine „normale“ und eine „Homo-Ehe“ zu teilen, ist genauso falsch wie die Annahme, gleichgeschlechtliche Elternpaare wären weniger gut für die Erziehung von Kindern geeignet. Gleichberechtigung sieht anders aus. Und dabei steht die Gleichberechtigung aller Menschen im Grundgesetz, über das sich Frau Merkel und die Union offenbar hinwegsetzen möchten. Liebe Frau Merkel, homosexuelle Menschen sind auch Menschen und Gleichberechtigung fängt dort an, wo alle Menschen die Möglichkeit haben, zu heiraten und es nicht zwei verschiedene Begriffe für ein und dieselbe Sache gibt.

Quellen: tagesschau.de, welt.de, spiegel.de, zeit.de, n-tv.de, ARD


Wie denkt ihr über die #EhefuerAlle und habt ihr persönliche Bezüge zu Betroffenen?


Some people are gay

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7 Gedanken zu „Nein! zur Homo-Ehe

  1. Zum 3. Mose 20, 13: "Wenn jemand beim Knaben schläft wie beim Weibe, die haben einen Greuel getan und sollen beide des Todes sterben; ihr Blut sei auf ihnen." (Übersetzung: Luther 1912)

    Wenn man diese Stellen nicht aus ihrem Kontext heraus reißt sondern betrachtet wie sie entstanden sind, kommt das aus einer Zeit, zu der es keine Homosexuellen Liebesbeziehungen gab, wie es sie heute gibt. Stattdessen versuchte sich die junge Religion damit von der Kultur und den Bräuchen abzugrenzen, die sie damals vorfanden. So unter anderem die Tempelprostitution, die auch unter
    Gleichgeschlechtlichen stattfand.

    Mal ganz davon abgesehen, dass wir andere Textstellen, die ganz in der Nähe stehen auch nicht beachten. Wer hält sich heute schon an eines der folgenden Gebote:
    * Männer dürfen sich nicht den Bart rasieren. (3. Mose 19,27)
    * Du sollst keine Kleidung aus mehr als einem Stoff tragen. (3. Mose 19,19)
    * Kranke und Behinderte dürfen nicht zum Altar kommen. (3. Mose 21,17-18)
    * Ungehorsame Kinder sollen gesteinigt werden. (3. Mose 21, 18-21)

  2. Also ich finde das jeder das Recht haben sollte zu heiraten.
    Was ist an einer Person die das gleiche Geschlecht liebt den so verwerflich?
    Wir sind alle Menschen und haben alle verdient, gleich Behandelt zu werden.
    Deshalb freut es mich immer wieder, wenn solche Gesetze durch kommen und zu gleich bin ich erstaunt wie viele Menschen es immer noch gibt, die eine solche Beziehung nicht tolerieren können.
    So viele Homosexuelle trauen sich nicht zu sagen, dass sie auf von gleichen Geschlecht angezogen werden. "So etwas sei ja unnormal!!"
    Die Folgen – sind Psychische Erkrankungen und führen teilweise sogar bis in den Tod. So etwas darf nicht sein.
    Mit dem Artikel hast du wirklich genau den Punkt getroffen. Den es ist etwas worüber wir alle nachdenken sollten.
    Liebst Michelle von beautifulfairy

  3. Also dass es Homosexuellen kirchlich verboten ist, zu heiraten, kann ich nachvollziehen. Wie du schon sagtest, wenn in der Bibel steht, dass es verboten ist, dann geht das natürlich nicht, ich meine man kann ja nicht etwas, was von der heiligen Schrift einer bestimmten Religion verboten wird, kann man auch nicht in dieser Religion tun. Aber bei standesamtlichen Ehen, also dem "offiziellen", da sehe ich gar keinen Grund, das auch nur irgendwie einzuschränken. Ich dachte immer, Staat und Religion sollten getrennt bleiben? Wenn die christliche Partei das nicht so gerne sieht, ok, sie heißen ja nicht umsonst christliche Partei, wenn sie sich nicht an dieser Religion orientieren würden.
    Aber dass sie es verbieten? Ich dachte immer, mit ihrem christlich meinen sie die Werte wie Nächstenliebe und nicht das Einschränken anderer Menschen.
    Ich finde, jeder, der gerne ein Kind haben möchte, sollte doch ein Kind adoptieren dürfen und wenn es zwei Männer sind, dann sind es halt zwei Männer. Es ist doch nicht schlimm, ob ein Mann und ein Mann oder eine Frau und eine Frau oder eine Frau und ein Mann das Kind groß ziehen, solange sie hinter dem Kind stehen und es unterstützen und lieben, wird es ihm auch nicht schaden.
    Außerdem, ein interessantes Argument, dass ich mal während einer Projektwoche an der Schule gehört habe: Schwule und Lesben können nicht einfach aus Versehen Kinder bekommen, die sie eigentlich gar nicht wollten. Sie können nur adoptieren und wenn man ein Kind beantragt, dann will man es ja auch wirklich und es kann nicht passieren, dass sie das Kind nur haben, weil sie zu dumm zum Verhüten waren oder ähnliches.

    LG,
    Alexandra von growing-in-self-confidence.blogspot.de

  4. Also erstmal, ich denke nicht dass zwei gleichgeschlechtliche Eltern schlechter sind, als zwei anderen Geschlechts. Denn es kommt hier überhaupt nicht auf das Geschlecht an, sondern auf die individuelle Erziehung. Ein lesbisches Pärchen kann ein Kind gut oder schlecht erziehen, ebenso wie ein heterosexuelles Pärchen. Möglicherweise werden Kinder von gleichgeschlechtlichen Eltern mehr gemobbt, aber dass liegt nicht an der dieser Tatsache, sondern daran, dass die anderen Kinder nicht richtig erzogen werden. Denn wir haben unsere Gehirne zum Denken und unsere Münder nicht nur zum Essen sondern auch zum Reden. Leider setzen viele diese Fähigkeit noch nicht ein und so bleibt bei den vielen Leuten nur die Frage: "Wie soll ich meinem Kind denn sowas erklären?" Schade, wirklich schade.
    Und zur Öffnung der Ehe, ja ich bin dafür. Man könnte natürlich jetzt dagegen steuern, zum Beispiel mit dem Steuervorteil der Ehe. Klar sollte dieser nur Leuten mit Kindern zu Gute kommen. Dann müsste man diesen Vorteil aber auch den heterosexuellen Pärchen ohne Kinder wegnehmen, weil die praktisch auch nicht zur Vermehrung unserer Gesellschaft beitragen.
    Allem in allem kann man zu diesem ganzen Thema sagen, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben. Jeder Mensch sollte den Menschen heiraten können, den er liebt. Es sind nicht Homosexuelle, die die Ehe kaputt machen, sondern Realityshows, bei denen man blind einen Partner heiratet, den man vorher noch nie gesehen hat. Und ganz ehrlich, wer sich heute noch auf dieses alte Märchenbuch stützt, der hat sowieso keine ordentlichen Argumente, die gegen die Eheöffnung sprechen.

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