Tafel war gestern – Schule im digitalen Zeitalter

Kinder mit Smartphone und Tablet – worin einige ein Horror-Szenario sehen, vermuten andere einen Schritt in die richtige Richtung.

Was in Deutschland noch immer rar ist, ist in anderen Ländern längst Gang und Gebe. In England und den Vereinigten Staaten sind viele Klassenräume bereits mit SmartBoards ausgestattet, einer Art digitale Tafel, angeschlossen an einen Computer. Im Schulranzen findet man keine Hefte, wie man es aus der eignen Schulzeit kennt, sondern Tablet-PCs. Zwar schreitet Deutschland in sämtlichen Wirtschaftsbereichen der Digitalisierung entgegen, das Bildungswesen bleibt jedoch auf der Strecke, die Meinungen gehen weit auseinander.
Es ist ein bekanntes Bild: In der Bahn oder im Bus sitzt ein Kind, das Alter an beiden Händen abzählbar, in der Hand ein Smartphone. Die Digitalisierung hat auch die jüngste Generation erreicht. So wirbt sogar Microsoft im offiziellen TV-Spot für Windows 10 mit kleinen Kindern. Computer, Smartphone und Co scheinen eine feste Rolle im Alltag einnehmen zu wollen, das Bildungswesen bleibt davon nicht verschont, oder?

„Bildung“ kommt von „Bildschirm“, nicht von „Buch“

Frontalunterricht kennt jeder. Und doch hat sicherlich jeder schon einmal einen Film im Unterricht gesehen oder sein Referat mit einer Präsentation visualisiert. Das Spektrum der Medien, die im Unterricht eingesetzt werden könnten, ist gewaltig. Und digitaler Unterricht könnte so einfach sein:
In der Klasse wird gemeinsam an einem Tafelbild gearbeitet. Hier wird alles irgendwie festgehalten, was im Unterricht passiert und anschließend in einer Cloud gespeichert, wo Schüler und Lehrer es jederzeit wieder abrufen können.
Dennoch nutzen längst nicht alle Schulen das, was das digitale Zeitalter ihnen zur Verfügung stellt.
Und das ist auch gut so!
 
Wo kämen wir denn hin, wenn Schüler nicht mehr schreiben, sondern nur noch tippen würden? „Schreiben Sie bitte noch Ihren Namen auf den Fragebogen?“ – „Wo ist denn die Tastatur?“ Natürlich könnten wir Papier sparen, aber auch der Strom muss irgendwo herkommen und reicht es nicht, dass die Kinder in ihrer Freizeit kaum noch von den Geräten zu lösen sind? Wie gut kann man sich etwas merken, was man nicht mehr abschreibt, sondern vielleicht per Mail erhält oder kopiert und einfügt? Und wie sollen Lehrkräfte kontrollieren, dass die Schüler dem Unterricht folgen und nicht ihr Facebookprofil pflegen oder den neusten Tratsch auf Twitter retweeten? Daran hindern kann man sie jedoch auch ohne digitalen Unterricht nicht. So zeigt eine aktuelle bitkom-Studie, dass 92% der Schülerinnen und Schüler ihr Smartphone mit in die Schule bringen.
Ich bin angehender Lehrer und ich möchte nicht, dass Hausaufgaben künftig von Würmern und nicht mehr von Hunden gefressen werden. Ich möchte nicht, dass Schüler sogar in die Schule auf den Monitor starren. Irgendwo muss Schluss sein!
Und doch finde ich es wichtig, dass auch digitale Medien in den Unterricht eingebunden werden. Es wäre falsch, zu behaupten, dass ein Film kein guter Einstieg in ein neues Thema ist, oder dass ein Film den Inhalt der letzten Unterrichtseinheit weniger gut zusammenfasst und veranschaulicht, als ein Buch es könnte. Es wäre nicht richtig, zu sagen, dass SmartBoards nicht an Schulen gehören. Das ist innovativ und bietet sicher eine große Menge neuer Möglichkeiten. Und es wäre auch verkehrt, zu sagen, dass Schüler in der Schule komplett auf Smartphones und Rechner verzichten sollten. Insbesondere zur schneller Recherche sind Smartphones gut geeignet, insbesondere dann, wenn gerade keiner der Computerräume frei ist. Doch zu verlangen, dass jeder Schüler ein Tablet im Ranzen hat, hilft niemandem, auch den Schülern nicht. Wer sollte das denn auch bezahlen? Es gibt nun einmal Familien, die jeden Cent zweimal umdrehen müssen, da bleibt kein Geld, jeden Schüler zur Anschaffung eines solchen Geräts zu verpflichten.

Die Digitalisierung der Bildung

Digitale Medien wie das SmartBoard verdienen eine Chance. Trotzdem sollte auch ihr Einsatz nicht verpflichtend sein. Denn die Geräte, mit denen jeder von uns groß wird, gab es vor ein paar Jahren noch nicht, einige Lehrer hingegen schon. Und ich wage zu behaupten, dass einige Schüler im Bereich Medien sogar kompetenter sind als ihre Lehrkräfte. Und obwohl ich dagegen bin, jeden Schüler mit einem Tablet auszustatten und in Zukunft auf Heft und Füller zu verzichten, ist es wichtig, die Schüler im Medieneinsatz zu lehren. Jeder muss heutzutage wissen, wie ein Computer bedient wird. Jeder sollte mit Programmen wie Excel umgehen können. Wir können die Digitalisierung nicht verleugnen, weder in der Schule und schon gar nicht danach. Und das sollte auch keiner tun. Schließlich zeigt eine im Namen der Telekom durchgeführte Allensbach-Studie, dass mittlerweile 75% der Lehrer das Internet zur Unterrichtsvorbereitung benutzen. Aus der Umfrage geht auch hervor, dass 62% der Lehrerinnen und Lehrer und 73% der Schülerinnen und Schüler sagen, dass der Unterricht durch Einsatz von Medien abwechslungsreicher werde.
Fazit: Trotz Digitalisierung darf der Unterricht schon ein bisschen „old school“ bleiben. Dass jeder Schüler mit einem Tablet ausgestattet und der Unterricht komplett digitalisiert wird, ist ein Schritt in die falsche Richtung. Lehrer sollten zunehmend im Umgang mit Medien geschult werden und die Medienbildung sollte in den Schulalltag eingebunden werden. Digitale Medien sollten Teil des Unterrichts werden, mehr aber auch nicht.
Wie ist eure Meinung? Sollte man den Unterricht an den digitalen Fortschritt anpassen, oder – zumindest teilweise – am alten System festhalten?

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