Diagnose: Kevin

„Kevin ist kein Name, das ist eine Diagnose“, sagen sogar Lehrer – die Psychologie der Namen

Meistens können Menschen nichts für ihren Namen, denn sie sind nicht gefragt worden, ob der Name gefällt oder nicht. Als ich geboren wurde, wusste vermutlich noch niemand, was man mir mit dem Namen in die Wiege legt. Woher sollte man sowas auch wissen, rätseln Sprachwissenschaftler noch heute darüber, woher die abwertende Haltung gegenüber des Namens „Kevin“ kommt.

Woher kommt der Name?

Erstmals tauchte mein Name in den 50ern in Deutschland auf, 1991 war er sogar der beliebteste Vorname der Deutschen. Kein Wunder, denn im selben Jahr erschien der Klassiker „Kevin allein zu Haus“ auf den deutschen Bildschirmen. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts geriet der Name in einen Abwärtstrend, mittlerweile wird er sogar als Synonym für „unterbelichtet“ und „asozial“ verwendet.

Ursprünglich kommt der Name jedoch vom altirischen Wort „coemgen“, was „anmutig, hübsch von Geburt“ bedeutet.

Warum wird der Name dermaßen negativ assoziiert?

In ihrer Masterarbeit beschäftigte sich Julia Kube von der Universität Oldenburg mit der Psychologie von Vornamen. Dafür befragte sie Grundschullehrer nach ihren Erfahrungen mit bestimmten Namen. Mit dem Namen wird oftmals etwas in Erinnerung gebracht. Lehrer schließen – der Umfrage zufolge – vom Vornamen auf Fähigkeiten und Verhalten der Kinder. Schüler mit den Namen Maximilian, Sophie, Hanna, Charlotte, Marie, Alexander, Lukas, Jakob oder Simon werden als verhaltensunauffälliger wahrgenommen, als Schüler, die beispielsweise Kevin, Angelina, Justin oder Maurice heißen. Demnach sei ganz besonders mein Vorname oftmals mit verhaltensauffälligen Schülern in Verbindung gebracht worden.
Derartige Vorurteile können dazu führen, dass Schüler in Schubladen gepackt werden, aus diesen ist es schwer, hinauszukommen. Die Assoziierung der Vornamen mit schlechten Charaktereigenschaften führt, ohne die Überlegung zu reflektieren, zu schlechteren Noten. Getestet wurde dies anhand eines Aufsatzes, der sowohl unter dem Namen Maximilian als auch unter dem Namen Kevin abgegeben wurde. Der Aufsatz wurde unter dem Namen Kevin regelmäßig schlechter bewertet.
Zu Beginn der Namensgeschichte in Deutschland wurde der Name überwiegend von gebildeten Familien vergeben. Erst als er durch Kevin Costner und „Kevin allein zu Haus“ bekannt wurde, vergaben auch Mittel- und Unterschicht den Namen immer häufiger.  Dennoch können Sprachwissenschaftler sich nicht erklären, warum der Name mit so negativen Eigenschaften verbunden wird, denn lautlich gesehen, ist Kevin ein schöner Name, denn die Vokale e und i geltend als wohlklingend.
Fakt ist jedoch, dass Vornamen nicht nur in der Schule zu Benachteiligungen führen können. Gabriele Rodriguez von der Vornamensberatungsstelle der Universität Leipzig erklärt, dass es in Deutschland einen Trend dahin gebe, dass sogar Arbeitgeber Bewerbungen bereits anhand der Vornamen aussortieren.
Logisch betrachtet kommt die negative Assoziation der Vornamen durch die Ergebnisse der Studien, aus denen hervorgeht, dass Kevins, Justins und Co verhaltensauffällig und eher ungebildet sind. Die Folge: gebildete Schichten meiden entsprechende Namen und stempeln diese als Unterschichten-Namen ab.
In der Namensgebung orientierten sich bildungsferne Schichten früher an den Gebildeten. Mittlerweile wird sich eher an Schauspielern und Promis orientiert, Justin Timberlake, Angelina Jolie und Co traten für viele Kinder als Namenspaten ein.  Dass der Name Kevin in der Studie derartig negativ wahrgenommen wurde, hänge – so Rodriguez – nicht damit zusammen, dass alle Kevins ungebildet sind, sondern viel mehr damit, dass der Name in dern 90ern so häufig vergeben wurde.
Und es gibt Beweise, dass nicht jeder Kevin verhaltensauffällig ist! Nicht jeder Kevin ist bildungsfern. Neben mir gibt es noch viele andere Kevins, die in ihrem Leben mehr erreicht haben, als einen 4,0 Schnitt im Hauptschulabschluss. (→mehr dazu, welt.de)

Die nervigsten Kevin-Sprüche

Glaubt mir, ich kenne sie alle. Und obwohl sie eigentlich diskriminierend gemeint sind, muss ich doch über den einen oder anderen Spruch lachen!
„Jede Sekunde wächst die Weltbevölkerung durchschnittlich um 2,6 Menschen. Also 2 Menschen und ein Kevin.“
„Kevin wirft einen Stein auf den Boden und trifft nicht.“
„Arzt nach der Geburt: ‚Es tut mir Leid.‘ – ‚Was ist denn?‘ – ‚Es ist ein Kevin.'“
„Früher war es ‚Kevin allein in New York‘. Heute ist Kevin überall.“
„Vor Gericht: ‚Stimmt es, dass Sie das Opfer mit dieser Pfanne geschlagen haben?‘ – ‚Haha, Kevin. Selbst der Richter nennt dich Opfer.'“
„Bewerbungsgespräch: ‚Wie heißen Sie?‘ – ‚Kevin.‘ – ‚Tut mir Leid, wir haben in der Firma schon genug Probleme.'“
„Kevin? Das ist eine Krankheit.“
„Alpha-Kevin“
Apropos Alpha-Kevin. Das Wort wäre beinahe zum Jugendwort des Jahres gewählt worden, doch die Jury kickte den Favoriten aus dem Rennen. Der Grund: Auch ihnen geht das Hypen des Namens Kevin auf die Nerven.
„‚Wir sammeln für das städtische Kinderheim.‘ – ‚Kevin, kommst du bitte?'“
„Wie nennt man es, wenn sich Kevin fortbewegt? dumm gelaufen.“
„‚Ich heiße Kevin.‘ – ‚Hallo Kevin.‘ – ‚Ich habe ein Problem.‘ – ‚Das sagtest du bereits.'“
„‚Ich heiße Helena, das bedeutet die Erhabene. Und du?‘ – ‚Ich heiße Kevin. Das heißt, meine Eltern sind Geschwister.'“

Kennt ihr noch mehr Kevin-Sprüche? Welcher ist euer persönlicher Favorit?
 
Quellen: beliebte-vornamen.de, spiegel.de, welt.de, focus.de, t-online.de

3 Gedanken zu „Diagnose: Kevin

  1. Das mag sein Nico! Aber das trifft sich nicht auf alle Neuschöpfungen unserer Zeit zu! Ich bezweifle, dass viele dieser Namen "normal" werden und dass alle Eltern es schaffen, ihre Kinder zu selbstbewussten Menschen zu erziehen! Schau mal hier:

    "Xantippe, Anakin, Neymar, Sequoia, Godsgift, Buckminster, Schnuckelpupine, Prinz-Gold – alles Namen, die kürzlich auf deutschen Geburtsurkunden erfasst wurden." Quelle: http://www.welt.de/vermischtes/article153022663/Wenn-das-Kind-Schnuckelpupine-oder-Prinz-Gold-heisst.html

    Die kleine Schnuckelpupine wird es im Leben nicht leicht haben! Und ich bleibe dabei! Mobbing vorprogrammiert!

  2. Also Kevin-Sprüche kenne ich keine, aber die Vorurteile dagegen schon! Das weibliche Gegenstück ist ja immer die Chantal! Tja, die Namen werden von den Eltern ausgesucht, die Kinder können da nichts für! Aber schon interessant, dass z.B. "Lukas" und "Sophie" als verhaltensunauffällig gelten. Meine Tochter war mal mit einer Sophie befreundet und beruflich habe ich mit zwei kleinen Jungen zu tun, die Lukas heißen und die finde ich alle recht entspannend 🙂 Wenn ich dagegen schon "Theo" höre, oder "Michael" oder "Vincent", da stäuben sich bei mir die Haare! Aber das sind dann halt schlechte Erfahrungen mit einzelnen Kindern und die kann man nicht auf alle mit dem gleichen Namen projizieren. Die Bedeutung von Namen fand ich auch schon immer interessant und ganz ehrlich, irgendwie habe ich gehofft, dass du mal was über "Kevin" machst. Bot sich ja an! Meine Eltern waren damals uneinig, ob ich eine "Anja" oder eine "Jana" werde, es wurde dann halt "Jana" – kurz und schmerzlos. Jana heißt übrigens "die Gottbegnadete" und Aimee bedeutet "die Geliebte".

    PS: Sei froh, dass du "Kevin" heißt, der Trend geht ja heutzutage zu sehr ausgefallenen Namen und 3.- und 4.Vornamen. Schau doch mal auf die Seite: http://chantalismus.tumblr.com/ Da kann man so oft nur mit dem Kopf schütteln, was Eltern heutzutage ihren Kindern antun! Da tun mir die meisten Kinder jetzt schon leid, Mobbing vorprogrammiert!

    Hat Spaß gemacht, deinen Beitrag zu lesen!

    Liebe Grüße
    Jana

  3. Klar kann man sich über einige Namen besser lustig machen, als über andere. Jedoch ist Mobbing deswegen nicht vorprogrammiert. Gemobbt werden meist die Schüler, bei denen die geringste Gegenwehr zu erwarten ist. Wenn die Eltern es also schaffen ihr Kind zu einem selbstbewussten Menschen zu erziehen, der nicht einfach alles mit sich machen lässt, ist die Wahrscheinlichkeit von Mobbing eher gering. Auch so ungewöhnliche Namen können dann normal werden, wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat.

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