Wenn wir müde werden…

Wenn es dunkel wird, geht’s los: Wir werden müde. Was passiert dann in unserem Körper? Wieso kriegen wir Augenringe? Und hilft Kaffee wirklich gegen Müdigkeit?

Gerade im Winter wird es bereits früh dunkel, die Tage scheinen kürzer und wir müder. Unmittelbar über unserem Sehnerv befindet sich ein Nervenbündel, das den Namen Suprachiasmatischer Kern (kurz: SCN, vom engl. suprachiasmatic nucleus) trägt. Dieses Nervenbündel beherbergt unsere circadianen Rhythmen – hier befindet sich unsere Innere Uhr! Die Wechsel zwischen Hell und Dunkel werden vom SCN wahrgenommen und mit unserer Inneren Uhr synchronisiert. Wird es dunkel, gibt dieses winzige Nervenbündel dem Körper das Signal, sich auf den Schlaf vorzubereiten. Wir werden müde.

Hormone, die uns müde machen

Die Zirbeldrüse befindet sich unweit vom SCN im Epithalamus unseres Hirns. Sie nutzt dieses Signal und wandelt das Glückshormon Serotonin in das Schlafhormon Melatonin um. Dieser Prozess läuft hauptsächlich nachts ab, wenn es dunkel ist.
Melatonin wirkt wie ein Schlafmittel. Ähnlich wie das Glückshormon Serotonin fungiert Melatonin als Neurotransmitter, also als körpereigener Botenstoff, der in jeder Nervenzelle für die Weiterleitung elektrischer Impulse zuständig ist.
Es ist jedoch nicht nur für das Müdewerden verantwortlich, zusätzlich hat Melatonin eine antioxidative Wirkung und reduziert Zellschäden.
Insbesondere im Winter, wenn die Helligkeitszufuhr stark eingeschränkt ist, bleibt der Melatoninspiegel im Körper auch tagsüber erhöht. Es kommt zu sogenannten Winterdepressionen.

Fernseher, Handy und PC halten uns wach

LED-Bildschirme strahlen Licht aus, das einen erhöhten Blauanteil aufweist. Genau dieses Licht aktiviert den Suprachiasmatischen Kern und vermittelt den Befehl, den Körper wieder aufzuwecken. Die Umwandlung von Serotonin zu Melatonin in der Zirbeldrüse wird umgehend gestoppt. Wer ruhig schlafen möchte, sollte deshalb vor dem Schlafengehen die Bildschirme meiden.

Warum ist Gähnen ansteckend?

Früh morgens und am Abend gähnen wir besonders häufig.  Zwar Gähnen alle Wirbeltiere und es sieht bei jedem relativ ähnlich aus, Funktionen und Gründe sind aber ebenso vielfältig wie geheimnisvoll. Forscher der University of Texas, darunter auch Gregory Collins, sind sich einig, dass auch das Gähnen auf chemischen Prozessen im Gehirn basiert. Das Ansteckungspotential des Gähnens lässt sich auch bei vielen Tierarten beobachten. Angenommen wird, dass das Gähnen eine Methode ist, um das Gehirn wach zu halten – insbesondere in anstrengenden Situationen. Bei Tiergruppen vermutet man, dass das ansteckende Gähnen ein Mittel ist, dass alle aus der Gruppe wachsam bleiben können.
Eine Reaktion auf Sauerstoffmangel sei das Gähnen jedoch nicht. Auch das Anstecken des Gähnens aufgrund von Empathie konnte in den Beobachtungen der Forscher aus Texas nicht bestätigt werden.
Der Psychologe Andrew Gallup von der State University of New York vertritt die Annahme, das Gähnen sei eine Reaktion des Gehirns auf minimale Temperaturschwankungen. Die ideale Arbeitstemperatur des Gehirn liege bei 37°C. Bereits eine Erhöhung von 0,1°C verringere die Leistungsfähigkeit und die Gedächtnisfähigkeit enorm. Nachdem er Sensoren in die Gehirne von Ratten einsetzte, konnte er das Gähnen provozieren, indem er die Hirntemperatur innerhalb von kürzester Zeit um 0,1°C erhöhte. Nachdem die Tiere gegähnt hatten, hatte das Gehirn wieder die optimale Arbeitstemperatur von 37°C angenommen. Demnach gähnen wir morgens, um das Gehirn wieder auf die Temperatur von 37°C zu kühlen, da die Gehirntemperatur in der Nacht erhöht ist.
Desweiteren stützt Gallup seine Annahme auf der Beobachtung, dass Menschen im Sommer häufiger Gähnen als im Winter. Das Einatmen kalter Luft beim Gähnen kühle das Blut und somit das Gehirn. Angst und Stress seien, so Gallup, ebenfalls Ursache für das heißer werden unseres Gehirns. Über die tatsächlichen Gründe der hohen Ansteckbarkeit des Gähnens kann jedoch weiterhin nur spekuliert werden.

Warum bekommen wir nachts Hunger?

Das Gleichgewicht unserer Hormone ist auch für unser Hungergefühl von beachtlicher Bedeutung. Das Gleichgewicht zwischen den Hormonen Leptin und Ghrelin entscheidet darüber, ob wir satt sind oder Hunger haben.
Schlafen wir, schüttet der Körper vermehrt das Hormon Leptin aus. Seine Aufgabe ist es, unseren Appetit zu zügeln und so für einen ruhigen Schlaf zu sorgen.
Das Ghrelin hingegen macht uns hungrig. Je länger wir wach sind, desto mehr Ghrelin produziert unser Körper. Schlafen wir mehrere Nächte hintereinander nur weniger als vier Stunden, ist der Ghrelin-Gehalt unseres Körpers um rund 30% erhöht – dies beweist eine Studie.
Auf diese Art und Weise kann Schlafmangel die Ursache für die Gewichtszunahme sein und der Grund, warum wir im Winter natürlicherweise ein wenig zulegen.

Warum reiben wir uns die Augen, wenn wir müde sind?

Sind wir müde, werden auch unsere Tränendrüsen in den Ruhemodus versetzt. Die Tränenflüssigkeit ist jedoch von großer Bedeutung für unseren Körper, denn Tränen schützen unsere Augen vor Erregern, reinigen die Hornhaut und versorgen die Augen mit Sauerstoff. In der Nacht ist sie jedoch ebenfalls im Sparmodus und produziert weniger Flüssigkeit, wodurch das Auge trocken wird und juckt. Am besten wäre es nun, die Augen für ein paar Stunden zu schließen.
Außerdem sind wir unaufmerksamer und reagieren deutlich langsamer. Wir haben Schwierigkeiten uns zu konzentrieren und verlieren unsere motorischen Fähigkeiten. Damit das Gehirn auch nach einer langen Zeit noch arbeiten kann, arbeitet es im Energiesparmodus. Der Neurotransmitter Adenosin setzt sich in den Nervenzellen ab und beruhigt unsere Körperfunktionen zunehmend.

Hierdurch wird der Informationsfluss der Nervenzellen verlangsamt. Die Reaktionszeit steigt stetig und wir werden immer müder. Unser Körper läuft mit seinen Reservekräften, muss auf Energiespeicher zugreifen, die sonst unberührt bleiben. Das schwächt den Körper und macht ihn anfälliger für Krankheiten. Das das Gehirn in der Nacht jedoch keinesfalls schläft, sondern die Geschehnisse des Tages verarbeitet, benötigt es Energiereserven, die bei anhaltendem Schlafmangel nicht mehr vorhanden sind. Der immer weiter ansteigende Adenosin-Gehalt in unserem Körper hat die Ausschüttung des Hormons namens Cortisol zur Folge. Cortisol ist ein Stresshormon, dass sich auf unseren gesamten Stoffwechsel und die Organe auswirkt. Da beide Hormone relativ langsam abgebaut werden, kann anhaltender Schlafmangel zu Psychosen und Depressionen führen, schwächt das Immunsystem und begünstigt sogar Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Dass auch unser Erinnerungsvermögen unter Müdigkeit leidet, hängt mit dem Informationsgehalt zusammen, der im Zwischenspeicher des Gehirns gespeichert ist. Dieser wird erst im Schlaf sortiert und im Langzeitgedächtnis abgespeichert. Zunehmende Müdigkeit führt dazu, dass derartige Informationen vertauscht oder vergessen werden. Ausreichender Schlaf kann uns also auch dabei helfen, effektiver zu lernen.

Macht Koffein wach? Wachmacher Kaffee, Cola und Energy

Trinken wir einen Kaffee, erreicht das Koffein etwa nach 30 Minuten unser Gehirn und entfaltet seine Wirkung. Es ähnelt in seinem Aufbau dem Adenosin und kann so an die Rezeptoren der Nervenzellen anlegen, die für das Adenosin gedacht sind. Die Informationsübertragung der Nervenbahnen wird beschleunigt.
Taurin, das Bestandteil vieler Energy Drinks ist, kann der Körper auch selbstständig herstellen. Es kommt außerdem in Lebensmitteln wie Fisch, Fleisch und Milch vor. Auf eine künstliche Zufuhr sind wir nicht angewiesen.
Taurin dient der Stabilisierung der Zellmembranen und ist einer der Stoffe, die ebenfalls eine antioxidative Wirkung haben und somit Zellregeneration ankurbeln. In Energy Drinks wirkt das Taurin häufig gemeinsam mit Koffein als Wachmacher. Basieren tut dieser Energieschub jedoch beinahe ausschließlich auf den hohen Koffeinmengen. Eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit konnte Taurin bisher nicht nachgewiesen werden.

Zucker ist ein großer Energielieferant für die Zellen unseres Körpers. In der Blutbahn ist Zucker in Form von Glucose vorhanden. Damit diese zu den Zellen gelangen kann, muss Insulin diese spalten. Eine vollständige Verarbeitung von Glucose zu Energie ist ohne das Stoffwechselhormon Insulin nicht möglich. Anhaltender Schlafmangel oder die Umstellung der inneren Uhr sorgen dafür, dass das Insulin nicht mehr planmäßig arbeitet. Die Folge: Der Körper verliert Energie und das Risiko, an Diabetes zu erkranken, steigt.

Warum haben wir Augenringe?

Augenringe sind ein bekanntes und verhasstes Phänomen bei Müdigkeit. Schuld an den Schatten unter den Augen sind unsere Muskeln, die ebenfalls müde sind. Damit die Muskeln weiterhin mit voller Kraft arbeiten können und wir nicht urplötzlich umkippen, entsendet der Körper eine zusätzliche Ration von Blutkörperchen, die Sauerstoff in die entsprechenden Regionen bringen sollen. Damit diese freie Bahn haben, weiten sich die Blutgefäße und es wird mehr Blut zu den Muskeln gepumpt. Um die Augen ist unsere Haut besonders dünn, die dunkle Farbe des Blutes schimmert hindurch.

Schlafmangel macht also nicht nur müde, sondern auch krank, dick und kraftlos. Es gibt viele Tricks, wie man dem entgegenwirken kann und viele kleine Hinweise, die – wenn man sie denn beachtet – zu einem besseren Schlaf beitragen.

Quellen: welt.de, galileo.tv, planet-wissen.de, wissenschaft-im-dialog.de, zentrum-der-gesundheit.de


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