Rassismus

Rassismus – Ein Spalt in unserer Gesellschaft

Als das Mädchen im Bus ein Telefonat entgegennimmt und den Gesprächspartner in einer Fremdsprache grüßt, verdreht die ältere Dame, der ich soeben meinen Sitzplatz angeboten hatte, ihre Augen. Rassismus ist jedoch kein Problem der Neuzeit. Rassismus existiert nicht erst seit Köln und auch die Nazis im Dritten Reich haben den Rassismus nicht erfunden.
Es ist lange her, als die schwarze Bevölkerung als „unzivilisiert“ und „minderwertig“ angesehen wurde. Mit dieser Deklaration rechtfertigte man die Versklavung. Anhand biologischer Merkmale, in diesem Fall der Hautfarbe, wurden in der Gesellschaft verschiedene Gruppen voneinander getrennt. Diesen Gruppen wurde ein bestimmtes Wesen zugeordnet, das ihnen „im Blut lag“ und somit unveränderlich war. So entstand die Einteilung von Menschen in Rassen, was immer schon mit der Diskriminierung einer Gruppe verbunden war.

Der Kurzfilm „Schwarzfahrer“, der 1994 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, thematisiert die Ausländerfeindlichkeit im Alltag. Während die abwertende Haltung früher insbesondere gegen Schwarze, im Dritten Reich in erster Linie gegen Juden, gerichtet war, sorgt eine aktuelle Bewegung für eine Abwertung einer Weltreligion. Der Islam hat nach dem Christentum die meisten Anhänger weltweit.

Personen des muslimischen Glaubens sind nicht zwangsweise biologisch erkennbar. Sie bilden also keine Rasse im eigentlichen Sinne. Ohnehin hat die Wissenschaft inzwischen erkannt, dass es keine menschlichen Rassen gibt. Rassismus beruft sich deshalb heutzutage viel stärker auf Merkmale wie die Kultur, die Herkunft oder den Glauben.

Die Flüchtlingskrise, die eine scheinbar unkontrollierte Zuwanderung von Menschen unterschiedlichster Nationalitäten zur Folge hat, die zunehmenden Kriminalfälle, die in Zusammenhang mit Flüchtlingsunterkünften und Asylbewerbern laut werden, und die wachsende Angst vor Terroranschlägen durch Terrororganisationen wie den Islamischen Staat spitzen die Lage in Deutschland extrem zu. Und auch in anderen europäischen und außereuropäischen Ländern der Welt nimmt die Feindseligkeit gegenüber Muslimen stark zu. Pegida in Deutschland, Donald Trump in den Staaten – aufgrund der Terroranschläge durch den Islamischen Staat ist alle Gastfreundschaft und Weltoffenheit längst der Angst gewichen.

Was der Islamische Staat mit dem Islam zu tun hat

In einem Brief an den IS-Chef lehnten mehr als 120 der führenden muslimischen Theologen die Terrormiliz und ihre Doktrin ab. Die Auslegung des Koran ist eigentlich nicht jedem erlaubt. Nur führende Theologen dürften die Schrift interpretieren, doch im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde diese Freiheit weitgehend eingeschränkt. Saudi-Arabien und der Iran bilden hierbei Ausnahmen. Sie haben ihre eigene Auslegung zur Staatsreligion erhoben, die nicht ohne weiteres angefochten werden kann. Ähnliches versucht auch der Islamische Staat. Seine eigene Islam-Interpretation hat der Islamische Staat zur Staatsreligion erklärt, inklusive Theologen, die das Vorhaben des IS stützen.
Die Ideologie des IS sieht vor, den Glauben des Islam zu verbreiten und Ungläubige „zu beseitigen“.

Wer glaubt, der Islamische Staat und die Terroranschläge, die er begeht, hätten rein gar nichts mit dem Islam zu tun, der irrt. Zwar ist es absolut richtig und auch wichtig, dass nicht jeder Anhänger des Islam ein Islamist ist, warum aber ausgerechnet diese Religion so viele Terroristen hervorbringt, sollte man jedoch in Ruhe einmal überdenken. Es ist wichtig, zu betonen, dass die Mehrheit der Muslime nicht radikal und schon gar nicht terroristisch ist, doch zu behaupten, der Islamische Staat hätte nicht mit dem Islam zu tun, wäre, als würden wir sagen, die Kreuzzüge hätte nichts mit dem Christentum zu tun gehabt.

Schließlich beruft sich der Islamische Staat bei seinen Taten auf den Islam, lobt Allah und wirft so einen Schatten auf die Weltreligion. Einen Schatten, der bei uns für Angst sorgt. Der türkische Staatspräsident kritisierte, der Islamische Staat missbrauche den Islam. Doch durch die eigene Auslegung, die innerhalb des Islamischen Staates als Wahrheit angesehen wird, sehen sich die Islamisten im Recht, rufen sogar andere Muslime dazu auf, dem heiligen Krieg beizutreten. Das Verständnis des Koran ist also von elementarer Bedeutung. Und nur, weil die Islamisten den Koran anders interpretieren als andere Muslime, kann man nicht sagen, der islamische Staat hätte nichts mit dem Islam zu tun.

Wie Rassismus und Fremdenhass entstehen

Der Schatten, der sich in diesen Zeiten über den Islam legt, unsere Ängste schürt und für Rassismus und Fremdenhass in unserer Gesellschaft führt, ist etwas, wofür die Muslime am allerwenigsten können. Es wäre falsch, alle Muslime über einen Kamm zu scheren, doch genau das passiert aktuell und genau das spaltet unsere Gesellschaft. Warum sollten wir uns vor sexuellen Übergriffen durch Ausländer fürchten, wenn es wir Deutschen sind, die Flüchtlingsunterkünfte anzünden? Ohne Frage – was in der Silvesternacht in Köln passiert ist, ist jenseits von Gut und Böse und sollte viel härter geahndet werden, als die Bundesrepublik es handhaben wird.
Der Spiegel beschreibt den Vorfall in Köln als „kolossales Versagen der Polizei“. Doch abgesehen davon, dass sexuelle Verbrechen in Deutschland rückständig bestraft werden, ist der Vorfall in Köln viel mehr. Er ist das Salz in der Wunde, das Benzin in den Flammen. Fallen Ausländer wie in der Silvesternacht negativ auf, nehmen nicht nur Rechtsradikale dies als Anlass, zu reagieren. Die Medien reden von „einer neuen Welle rassistischer Gewalt“, ein Rachefeldzug gegen die Ausländer. So sollen am Wochenende Hooligans, Rechtsextreme und Co in Köln Menschen angegriffen haben, die sie für Ausländer hielten. Während Bundesjustizminister Maas vor „pauschaler Hetze gegen Ausländer“ warnt, beklagen sich Muslime über eine „neue Dimension des Hasses“.
Rassismus entsteht in der Absicht, ein hierarchisches System zu erschaffen, die Gesellschaft zu ordnen und zu unterscheiden. Während ein Teil des Systems abgewertet und benachteiligt wird, profitiert ein anderer davon und sichert so seine Privilegien. Rassismus ist also das Produkt einer Gruppenbildung innerhalb der Gesellschaft, die durch ein Vorurteil oder eine Zuschreibung abgewertet und hierarchisch untergeordnet wird.
Wir unterscheiden also zunächst zwischen „Wir“ und „Andere“ und blenden dabei Unterschiede innerhalb dieser Gruppen aus, wodurch dieses „Über einen Kamm scheren“ entsteht. Den Gruppen werden unveränderbare Merkmale zugeschrieben, die für eine hierarchische Anordnung sorgt. Das „Wir“ wird den „Anderen“ dabei stets übergeordnet.
In Bezug auf Muslime hat sich dieses Denken mittlerweile in der Gesellschaft verankert. Wir fürchten uns vor ihnen oder empfinden Abneigung. Das gilt für Migranten genauso wie für Asylsuchende. Durch die Pauschalisierung, die in unseren Köpfen geschieht, verletzen wir nicht nur die Menschenwürde, sondern im schlimmsten Fall auch die körperliche Unversehrtheit.

Deutschland ist radikal geworden, man möchte fast sagen, die Deutschen sind richtige Nazis. Und wer sich als Deutscher da nicht mit zuzählen möchte, sollte sich fragen, ob jeder Muslim als Terrorist abgestempelt werden will.

Quellen: internationale-woche-gegen-rassismus.de, taggesschau.de, spiegel.de, faz.net
 
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