Beziehungsstatus: Mingle

Mingle – halb Beziehung halb Single. Was soll das sein?

„Mingle“ setzt sich aus den englischen Wörter „mixed“ und „Single“ zusammen und bezeichnet also einen Beziehungsstatus, der irgendwo zwischen Single und vergeben einzuordnen ist. Es ist ein Phänomen der Neuzeit, eine Konstellation, die sich vom ursprünglichen Vater-Mutter-Kind abhebt.
Nur weil diese Art der Beziehung von der traditionellen Form abweicht, heißt dies jedoch nicht, dass die Beteiligten nicht genauso glücklich werden könnten, wie ein Pärchen. Man definiert also einen eigenen Maßstab als Paar, indem man sich von der konventionellen Beziehung löst. Oder?Nicht nur der Begriff auch diese besondere Beziehungsform scheinen im Trend zu liegen. Einer Umfrage der Zeitschrift Die Welt zufolge, können sich 29% der Deutschen das Leben als Mingle vorstellen. Welche Motive gibt es dafür?

Sex auf Abruf → Freundschaft Plus

Forschungen zufolge wächst zwischen dem 25. und 35. Lebensjahr der Wunsch nach privater und beruflicher Flexibilität enorm. Das Mingle-Dasein lässt diese Freiheit, bietet den Raum zum Experimentieren, hält aber auch Geborgenheit und Sex bereit. Die verpflichtende Verantwortung, wie es sie in einer Beziehung gibt, entfällt dabei. Ist eine solche „Mingle-Beziehung“ also nichts anderes als eine Freundschaft mit gewissen Vorzügen?

Weniger Beziehung → Offene Beziehung

Wenn wir von einem Zwischending zwischen Single und vergeben reden, könnte man dies ja auch mit einer offenen Beziehung vergleichen, oder? Nähe und Freiheit treffen aufeinander, Ehrlichkeit spielt eine große Rolle. Doch der klare Unterschied: Wären Gefühle vorhanden, könnte man eine Beziehung führen. Bei einem Mingle scheinen diese zu fehlen, mindestens auf einer Seite.

Kann eine „Mingle-Beziehung“ glücklich machen? – Ja, sie kann. Doch das ist abhängig von den Bedürfnissen und der persönlichen Entscheidung. Nur wenn beide Teile damit einverstanden sind, kann eine solche Mingle-Verbindung funktionieren.

Und wem das nun furchtbar bekannt vorkommt, wird sich vermutlich an die Freundschaft mit gewissen Vorzügen zurückerinnern. Sex haben, ohne ineinander verliebt zu sein. 43% der Befragten sind gegen ein Mingle-Dasein, 28% äußerten keine Meinung.

Wer das Mingle-Leben als sein Ideal sieht, sollte sich jedoch dringend jemandem anvertrauen. Diplom-Psychologin Lisa Fischbach weiß nämlich, dass das „minglen“ als Phase in Ordnung ist, sich hinter einem „Dauermingle“ aber eine Bindungsstörung verbirgt. 66% der Deutschen glauben an die wahre Liebe. Wer sich aktuell als Mingle sieht, sollte sich der Gefahren bewusst sein: Sex führt nicht selten zu Gefühlen und Erwartungen, welche schnell verletzt werden können. Keine Beziehung bedeutet nämlich auch, dass weitere Sexualpartner erlaubt sind. Das Vertrauen wird auf die Zerreißprobe gestellt.

Andere beschreiben das Mingle-Dasein als Liebespärchen ohne die offizielle Bezeichnung „Paar“. Birgt mit Sicherheit Vorteile – Sex und Nähe, ohne dabei die Schwiegereltern kennen lernen zu müssen -, beinhaltet aber auch Nachteile wie die Schwierigkeit, öffentlich miteinander umzugehen, wenn man offiziell kein Paar ist und sich vielleicht mal zufällig begegnet.

Für mich ist „Mingle“ kein neues Phäomen, sondern nur ein neues Kleid für eine alte Frau. Sieht vielleicht ein bisschen moderner und schick aus, ist aber nur einer von vielen Anglizismen, die immer stärker ins Deutsche getragen werden.
Quelle: welt.de, elitepartner.de, flirtuniversity.de, brigitte.de, rp-online.de
 

 

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2 Gedanken zu „Beziehungsstatus: Mingle

  1. Mingle, auch noch nie gehört. Aber das ist wirklich so ein Neuzeit-Phänomen, da hast du Recht. Immer mehr Beziehungen fangen schon an, bevor sie überhaupt anfangen. Es geht so wahnsinnig schnell, dass sich heutzutage Menschen verlieben, aber trotzdem ihre Unabhängigkeit feiern.

    Problematisch ist an der Mingle-Sache nur, dass es sich wirklich wie eine Beziehung anfühlt, aber es nie dazu kommt. Die angesprochenen Bindungsängste zögern eine Solche hinaus, und ob man am Ende wirklich so glücklich ist, bleibt fraglich.

    Fakt ist: Der Trend geht dazu, dass die Menschen immer oberflächlicher werden und da passt dieses Mingle-Ding genau ins Bild. Zu einer richtigen Beziehung gehört so viel mehr und es ist so viel schöner zu wissen, dass man einen festen Menschen hat, dem man vertraut und der ständig an einen denkt, als so ein Mingle und "man könnte sein", "könnte aber auch nicht sein". Ich persönlich komme, wie du es bei der offenen Beziehung schon geschrieben hast, auch nicht mit solchen Formen klar und bin der Überzeugung, dass das alles nur schadet. Sicher gibt es Inspirationen und man schaut mal einen Porno oder stellt sich etwas vor, damit der Sex gleich viel geiler wird. Aber mit jemand anderen zu schlafen bedeutet immer, dass man die körperliche Nähe des anderen voll und ganz akzeptiert und das hat für mich wieder was mit Vertrauen zu tun. Diese Art von Vertrauen ist für mich nur mit einer emotionalen Bindung (= Liebe) möglich.

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