Intelligente Menschen brauchen weniger Freunde

Braucht ein Mensch viele Freunde, um glücklich zu sein? Intelligente Menschen seien jedenfalls nicht auf zahlreiche soziale Beziehungen angewiesen, sagt eine aktuelle Studie.

Satoshi Kanazawa und Norman Li, das sind die Namen der Wissenschaftler, die im „British Journal of Psychology“ der Frage nachgegangen sind, was das Leben für Menschen lebenswert sind. Dafür interviewten sie 15.000 Menschen zwischen 18 und 28.

Dabei kam heraus, dass Einsamkeit nicht zwangsläufig unglücklich macht. So sind zum Beispiel Menschen, die in weniger besiedelten Gebieten leben, glücklicher als jene, die in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte leben. Auf der anderen Seite stellten sie fest, dass das empfundene Glück höher ist, je mehr soziale Beziehungen ein Mensch hat.

Eine Ausnahme scheint es der Studie nach hierbei aber zu geben: Besonders intelligenten Menschen genügen weniger soziale Beziehungen, um dasselbe Glück zu empfinden. Die Forscher gehen davon aus, dass der Lebensstil unserer Vorfahren grundlegend für das ist, was uns heute glücklich macht.

Bei intelligenten Menschen blieb das Lebensglück dabei unbeeinflusst von der Bevölkerungsdichte. So seien intelligente Menschen weniger zufrieden gewesen, je mehr sie in sozialen Beziehungen standen.
Auch die Glücksforscherin Carol Graham analysierte die Ergebnisse gemeinsam mit der „Washington Post“. Sie sei nicht überrascht, da intelligente Menschen weniger Zeit in der Gesellschaft verbringen würden  und stattdessen lieber „auf ein anderes, längerfristiges Ziel ausgerichtet sind“. Soziale Interaktionen würden unglücklich machen, weil sie dem Erreichen dieser Ziele im Wege stehen würden, so die Forscherin.
Eine weitere Erklärung liefern die Wissenschaftler im „British Journal of Psychology“. Das Gehirn sei darauf ausgelegt, dass wenige Menschen auf einem großen Gebiet leben. Dies ist heutzutage nicht mehr gegeben. Eine weitere Diskrepanz entstehe durch den technischen Fortschritt, viele Freunde über das Internet, über Distanzen hinweg. Intelligente Menschen können diese Diskrepanzen besser handhaben, sodass diese quasi einfacher glücklich werden.

Was ist eigentlich Glück?

Abgeleitet von dem mittelhochdeutschen Wort „Gelucke“, das das gute Ende eines Ereignisses benannte, wird Glück im Duden als „angenehme und freudige Gemütsverfassung“ definiert. Wer glücklich ist, ist also innerlich befriedigt, seine persönlichen Wünsche sind erfüllt. Glück kann jedoch für jeden etwas anderes bedeuten, sodass man es nicht eindeutig definieren kann. Dem aktuellen UN-World-Happiness-Reports zufolge sind unsere Nachbarn in Dänemark am glücklichsten. Deutschland befindet sich in der Liste von 158 Staaten aktuell auf Platz 16.
Das „World Book of Happiness“ beinhaltet von Forschern aufgelistete Faktoren für Glück:
Eine stabile Liebesbeziehung, ein den eigenen Fähigkeiten angemessener Beruf, Gesundheit, Kinder und Geld für die Grundbedürfnisse seien demnach die wichtigsten Faktoren für ein glückliches Leben. Die Forscher fanden heraus, dass das Glück jedoch nicht mit steigendem Reichtum weiter steigt. Im Gegenteil: Materiell arme Menschen lernen, die Dinge eher zu schätzen und bilden deshalb verlässlichere Beziehungen. Die Grundbedingungen für ein glückliches Leben laut der UN seien mindestens 2500 Kalorien. 100 Liter Wasserverbrauch am Tag, mindestens sechs Quadratmeter Wohnraum, ein Platz zum Kochen und sechs Jahre Schule.

Die Amerikaner haben das „Streben nach Glück“ sogar als ein Grundrecht in ihrer Unabhängigkeitserklärung verankert.

Fest steht: Glück ist für jeden Menschen anders. Ich glaube daher, dass man auch aufgrund einer solchen Studie nicht verallgemeinern oder interpretieren sollte: Denn nur weil ein Mensch viele Freunde hat, muss er nicht zwangsläufig einen geringen IQ haben. Für die Menschen, die aber wenige Freunde haben: Schach spielt man ohnehin nur zu zweit.



1 Gedanke zu „Intelligente Menschen brauchen weniger Freunde

  1. Ein interessanter Artikel, auch wenn ich deine Einführung dazu zu überspitzt finde. Ich habe auch ein bisschen in die Primärquelle (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/bjop.12181/full oder https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26847844) geguckt.

    Ich würde die beiden Aspekte auch trennen. Zum einen nimmt die Zufriedenheit mit steigender Bevölkerungsdichte ab, zum anderen nimmt die Zufriedenheit mit steigender Zahl an Treffen/Kontakt mit Freunden zu.

    Welche Rolle spielt hier die Intelligenz? Die Statistik zeigt, umso höher der IQ der Befragten war, umso weniger hat eine höhere Bevölkerungsdichte ihr Zufriedenheit gesenkt. Gleichzeitig hat eine höhere Anzahl an Treffen mit Freunden ihre Zufriedenheit nicht so stark gesteigert. Bis hin zu sehr hohen IQ-Werten, wo eine höhere Anzahl an Treffen mit Freunden die Zufriedenheit eher senkt.

    Auch beschreiben sie, dass es sich nur um eine statistische Auswertung der aktuellen Zustandsbeschreibung handelt. Menschen die auf dem Land leben, sind zufriedener als jene, die in einer Stadt leben. Ob die Zufriedenheit von Menschen aus der Stadt jedoch steigen würde, wenn sie aufs Land ziehen, kann die Studie nicht klären. Daher können auch keine direkten Handlungsempfehlungen abgeleitet werden.

    Entscheidend sind die Gründe, für die Situation und die sind nicht gut belegt. Hier sagen auch die beiden Forscher in ihrer Arbeit, dass dies nur die Grundlage für Theorien ist, die dann näher erforscht werden müssen.

    Was die Intelligenz angeht, bin ich auch immer etwas vorsichtig. Denn der Begriff ist wie "Glück" relativ schwammig. Hier wird der IQ zur Bemessung verwendet. Dieser wird durch bestimmte Tests ermittelt in denen verschiedene Fähigkeiten geprüft werden. Es gibt jedoch viele Arten von Intelligenz: Mathematisch, Gedächtnis, Orientierungssinn und räumliche Vorstellungskraft, soziale Intelligenz, musikalische Intelligenz, ich würde sogar Körperkoordination mit rein nehmen. Menschen sind intelligenter, wenn sie in den Bereichen weniger Konzentration brauchen, wenn es ihnen leichter von der Hand geht. IQ-Tests testen da nur einen relativ kleinen Teil von ab. Möglicherweise haben die Befragten mit einem sehr hohen IQ dafür öfter eine geringere soziale Intelligenz, was dazu führen könnte, dass sie andere Menschen schlechter einschätzen können, die Freundschaften daher schwieriger sind und ein häufiges Treffen daher anstrengender wird, weil sie mehr Konzentration für die Kommunikation benötigen. Das ist nur eine weitere Theorie und Möglichkeit die Daten zu interpretieren.

    Dein Fazit finde ich daher gut. Die Studie zeigt eine statistische Verteilung, die uns helfen kann die Welt besser zu verstehen. Die aber uns persönlich nicht hilft glücklicher zu werden. Sie kann uns höchstens als Ideengeber dienen. Ihr könnt ja mal ausprobieren öfter aufs Land zu fahren, oder euch häufiger oder seltener mit Freunden treffen. Und wenn es euch glücklicher macht, intensiviert ihr das, wenn nicht, kehrt ihr halt zum gewohnten zurück.

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