ESC2016

Am 14. Mai stehen 26 Länder beim Eurovision Song Contest in Stockholm im Finale. Einen guten Song wird es auf jeden Fall geben.

Ein Verlierer steht schon fest: Rumänien ist dieses Jahr nicht beim ESC dabei und darf auch nicht zuschauen. Der Grund: Schulden in Gesamthöhe von 14,5 Millionen Euro, die der rumänische Sender bei der Europäischen Rundfunkunion EBU hat. Dazu gehen auch die Übertragungsrechte für die Fußball-EM in Frankreich und die Olympischen Sommerspiele in Brasilien flöten – „eine bedauerliche Entscheidung“, verkündete die EBU. Schade eigentlich, denn so schlecht war der Rock-Song „Moment of Silence“ vom Rumänen Ovidiu Anton gar nicht.

Deutschland fest im Finale

Im ersten sowie im zweiten Halbfinale treten jeweils 18 Länder gegeneinander an, nur jeweils zehn von ihnen kommen ins Finale. Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien ziehen direkt ins Finale ein und auch das Gastgeberland Schweden muss sich nicht qualifizieren, sodass im Finale 26 Länder gegeneinander antreten.

Das erste Halbfinale

Ihr könnt euch die Lieder über die jeweiligen Links anhören. Mit Herzen von  bis  bewerte ich den Song.
Armenien schickt Iveta Mukuchyan mit „Love Wave“ ins Rennen. Sie hat sich als Ziel gesetzt unter die Top3 zu kommen – das wäre das erste Mal für Armenien. Riskiert hat die armenische Sängerin dies Vorhaben jedoch, als sie die verbotene Flagge Bergkarabachs im Warteraum schwenkte. Der Staat, dessen Unabhängigkeit international nie anerkannt wurde, liegt im Gebiet Aserbaidschans, wird aber überwiegend von Armeniern belebt und sorgt immer wieder für diplomatische Konflikte zwischen beiden Ländern. Schade wäre es, wenn die EBU dieses Verhalten mit einem Ausschluss sanktionieren würde, denn der Song hat was. 
Aserbaidschan, das 2011 den ESC in Deutschland gewann und somit 2012 nach Baku holte, schickt Samra Rahimli ins Rennen. Mit ihrer kräftigen Stimme singt sie die Ballade „Miracle“ und qualifizierte das Land damit fürs Finale. Aserbaidschan schaffte es bereits 2009, 2011 und 2013 in die Top3 und sollte deshalb nicht unterschätzt werden. 
Bosnien-Herzegowina schaffte es nur einmal in die Top3. Dieses Jahr schaffte der Song „Ljubav Le (Love is)“ es nicht ins Finale. Abgesehen von dem Cello-Solo fehlt dem Song aber auch irgendwas, obwohl er gefühlsvollen Pop mit Rap kombiniert. 
Estland gewann 2001 den Contest und holte ihn somit 2002 Tallinn, wo das Land wiederum Dritter wurde. Einen solchen Erfolg wird es dieses Jahr nicht geben, denn der Song „Play“ überzeugte die Jury nicht. 
Finnland, der Nachbar Schwedens, durfte 2007 den ESC austragen, hat es ansonsten aber noch nie in die Top3 geschafft. Mit „Sing it away“ sang sich Sandhja zudem den Einzug ins Finale weg. Mich erinnert das Lied ein bisschen an eine kräftigere und nicht ganz zeitgetreue Version von Ariana Grande. 
Griechenland schaffte es 2001 und 2004 auf den dritten Platz, holte sich 2005 den Sieg und schaffte es auch 2008 wieder in die Top3. Dieses Jahr ist der Song „Utopian Land“ orientalisch angehaucht und erinnert eher an ein Volkslied. Kein Wunder also, das Griechenland es dieses Jahr nicht ins Finale geschafft hat. 
Island schaffte es 1999 und 2009 in die Top3, setzte aber dieses Jahr wieder auf die Teilnehmerin von 2012, die es nicht in die Top3 schaffte. Dieses Jahr schafft es Greta Salóme mit ihrem düsteren Song „Hear them calling“ nicht ins Finale. Dabei finde ich nicht nur den Song sondern auch das Video dazu sehr gelungen. 
Kroatien kombiniert traditionelle Klänge mit Pop. Mit ihrem Song „Lighthouse“ will Nina Kraljic das Land zum Sieg führen. Ich finde, man kann sich den Song gut anhören, aber dieses Bewegende, Rockige kommt nicht an.
Malta schaffte den Sprung aufs Treppchen 1992, 1998, 2002 und 2005, wurde jedoch nie Erster. Um das zu ändern schickt Malta die Teilnehmerin von 2002 wieder ins Rennen, die mit dem Lovesong „Walk on water“ ihr Glück versucht. Mir hat der Song Flügel verliehen, auch wenn der Funke zuletzt nicht ganz übergesprungen ist. 
Moldau schickte Lidia Isac mit „Falling stars“ ins Rennen. Wo ich zunächst einen schönen Song vermutete, entdeckte ich eine Art Englisch singende Helene Fischer, die jedenfalls nicht am Finale teilnimmt. 
Montenegro belegte 2002 den zweiten Platz und setzte 2006 aus. Mit dem rockigen „The real thing“ versuchte das Land dieses Jahr, ins Finale einzuziehen. Meinen Geschmack trifft das Lied jedoch nicht, sodass ich nicht traurig darüber bin, dass Montenegro es nicht geschafft hat. 
Die Niederlande setzen auf ihren Song „Slow Down“ und wollen so ihre Pokalsammlung erweitern. 1957, 1959, 1969 und 1975 auf Platz 1, einmal auf Platz 2, einmal auf dem dritten Platz. Mich erinnert der Song an eine Mischung aus Elvis und den Beatles. Er hat einen schönen Text, aber kein Ohrwurmpotential. 
Österreich präsentiert „Loin d’ici„, einen Chanson der die Niederlage im letzten Jahr wieder gutmachen soll. Optisch ähnelt die Interpretin Annett Louisan, musikalisch finde ich den Song ebenso wenig aufregend. 
Russland gilt als Topfavorit. Der Popsong „You are the only one“ soll Russland den Sieg einfahren. Die Chancen sind groß, der Interpret Sergey Lazarev startete seine Gesangkarriere bereits mit neun Jahren und ist ein richtiger Star in Russland. Der Song macht einiges her und kann sich nicht nur hören sondern auch sehen lassen. 
San Marino schaffte es dieses Mal nicht ins Finale, der Discosong „I don’t know“ ist meiner Meinung nach alles andere als zeitgetreu und ich sehe förmlich die Schlaghosen wieder vor mir. Hinzu kommt die sehr dunkle Stimme des Interpreten, die meiner Meinung nach nicht zu dem Song passt. 
Die Tschechische Republik ist zum ersten Mal im Finale. Durchaus verdient. Die gefühlsvolle Ballade „I stand“ hat die Tschechin zu Recht ins Finale gebracht. 
Ungarn überzeugt in „Pioneer“ mit der rauhen Stimme des Interpreten, die wirklich erstklassig zu dem Song passt. Mit etwas Glück könnte Ungarn es mit Freddie erstmals bis aufs Treppchen schaffen.  
Zypern sicherte sich die letzte Fahrkarte des ersten Halbfinales zum Finale. Mit dem Rock-Song „Alter Ego“ will die Band Minus One die ESC-Bühne rocken.  

Das zweite Halbfinale

Albanien schickt „Fairytale“ ins Rennen. Die Interpretin singt in Stockholm Englisch, im Vorentscheid sang sie den Song albanisch. Der Song ist gefühlvoll, nimmt mich persönlich jedoch nicht mit und konnte auch im Halbfinale nicht überzeugen.. 
Sound of Silence“ heißt die Ballade aus Australien, welches zum zweiten Mal am ESC teilnehmen darf. Mit ihrer kräftigen Stimme hat Dami Im nicht nur mich überzeugt – Australien singt im Finale.
Belgien tritt mit der Disco-Funk-Nummer „What’s the pressure“ an. Zwar macht die Interpretin gute Musik, verfehlt meiner Meinung nach aber den Nerv der Zeit. Trotzdem dürfen wir Belgien im Finale erneut hören. 
Mit „If love was a crime“ schickt auch Bulgarien einen interessanten Song ins Rennen, der eher zeitgetreu ist. Der Text ist super, doch auch das ist kein Song, den ich mir immer und immer wieder anhören würde. Mindestens einmal hören wir ihn jedoch noch – nämlich im Finale. 
Unser nördlicher Nachbar Dänemark schickt seine „Soldiers of love“ nach Schweden. Der Text macht viel her, das Lied als Ganzes hat mich persönlich jedoch wenig berührt und hat das Trio nicht ins Finale gebracht. 
Georgien tritt mit dem Indie-Song „Midnight Gold“ auf und trifft meinen Geschmack mit dem Song so gar nicht. Ich finde den Song nicht aufregend und den Text nicht sonderlich kreativ. Geogien wurde jedoch ins Finale gewählt und bildet meiner Meinung nach das Schlusslicht. 
Die Pop-Ballade von Irland trägt den Namen „Sunlight“ und gefällt mir gut. Die Stimmfarbe des Interpreten hat einen gewissen Wiedererkennungswert. Kein Wunder, denn der Interpret ist ehemaliger Sänger der Band Westlife. Leider hat er es nicht ins Finale geschafft.  
Auch Israel schickt eine Ballade ins Rennen. „Made of stars“ klingt sehr emotional und wird vom Interpreten erstklassig herübergebracht. Vielleicht kann Hovi Star den Pokal wieder nach Israel holen. 1978 und 1979 holte sich das Land den Sieg gleich zweimal in Folge, 1982/83 holte es zweimal Silber, 1991 Bronze und 1998 erneut Gold. Dieses Jahr könnte es eine weitere Medaille geben, Israel ist im Finale. 
Lettland setzt auf den jungen Sänger Justs und den Pop-Elektro-Song „Heartbeat„. Seine jugendliche Stimme überzeugt durch eine breite Stimmfarbe, die in dem Song jedoch nicht wirklich zur Geltung kommt, auch wenn er das ganze Spektrum präsentiert. Im Finale hat er noch einmal die Chance, uns zu überzeugen. 
Den Song „I’ve been waiting for this night“ präsentiert Donny Montell beim ESC in Stockholm. Nach 2012 ist der Sänger bereits zum zweiten Mal für Litauen am Start und überzeugt mit seiner sehr klaren Stimme. Auch Litauen darf im Finale nochmal ran.  
Mazedonien schickt ebenfalls eine Kandidatin zum zweiten Mal zum Contest. Das Lied „Dona“ soll zeigen, was sie kann und das Land ins Finale und zum Sieg tragen. Meinen Geschmack trifft es jedoch nicht und auch die Abstimmenden waren nicht überzeugt genug, Mazedonien ins Finale zu wählen. 
Icebreacker“ heißt der Song, den Norwegen nach Stockholm schickt. Der Song klingt zunächst nicht auffällig, hat mich dann aber durch eine Art Bruch im Rhythmus gefangen genommen. Bedauerlicherweise hat die Interpretin es nicht ins Finale geschafft. 
Für Polen versucht Michal Szpak mit „Colour of your life“ sein Glück. Der eher ruhige Song konnte mich jedoch nicht erreichen, obwohl er einen schönen Text hat. Polen singt im Finale erneut.  
Geboren in Kanada, aber mit Wurzeln aus der Schweiz – das ist Rykka, die den Song „Last of our kind“ präsentiert und damit ins Finale möchte. Die Schweiz legt damit einen sehr vielfältigen Song vor, der meiner Meinung nach eine Chance hat, ins Finale einzuziehen. Rykka hat den Einzug ins Finale verpasst. 
Serbien schickt den Song „Goodbye (Shelter)“ nach Stockholm. Sanja Vucic hat eine sehr kräftige Stimme und bringt den Song gut rüber. Vielleicht erlangt Serbien so wie bereits 2007 den ersten Platz, die Chance im Finale hat es sicher. 
Der Popsong „Blue und Red„, der meiner Meinung nach sehr nach County-Musik klingt, geht für Slowenien nach Schweden. Mich hat der Song jedoch nicht überzeugt. Slowenien schaffte es nicht ins Finale. 
Mit „1944“ bringt die Ukraine einen politischen Song ein. Die Interpretin Jamala singt über das Leid der Krimtartaren und versucht auf diesen Weg, ins Finale einzuziehen. Der Song bleibt sehr ruhig, mir fehlt ein Höhepunkt und der Nachdruck in ihrer Stimme. Der Song überzeugte und wird im Finale noch einmal performt. 
Weißrussland möchte mit „Will help you fly“ ins Finale einziehen. Mit dem aus Russland stammenden Song wird sich das Land zumindest Russlands Stimme sichern, meine bekommt es für die rockige Nummer jedoch nicht. Weißrussland konnte mit dem Song nicht überzeugen. 

Die sechs festen Finalisten

Deutschland schickt die Voice of Germany Siegerin Jamie-Lee Kriewitz mit „Ghost“ ins Finale. Ich ahne Böses: Wieder nicht die Top10 für Deutschland. 
Frankreich kommt mit „J’ai cherché“ nach Stockholm. Ich bin zwar kein Fan französischer Lieder, doch würde ich den Text verstehen, hätte ich sicherlich einen Ohrwurm bekommen. 
Großbritannien bringt Sommer-Feeling ins Finale: Mit „You’re not alone“ von Joe and Jake hören wir im Finale eine fröhliche Popnummer.  
Die Liebesballade aus Italien trägt zwar den englischen Titel „No degree of separation“ wird jedoch komplett auf Italienisch performt – eine schöne Sprache, ein schönes Lied. Leider nicht ganz so mitreißend. 
Spanien bringt hingegen erstmals ein komplett englisches Lied zum Eurovision Song Contest mit. Der Song „Say Yey!“ macht nicht nur gute Laune sondern trifft mit den temporeichen Beats den Nerv der Zeit.  
Als Veranstalter ist Schweden nicht nur fest im Finale sondern hat auch bereits eine Startnummer: Platz 9. Frans soll mit dem Song „If I were sorry“ den Titel verteidigen und macht es der Konkurrenz nicht gerade einfach. 
Ebenfalls im Finale tritt übrigens Justin Timberlake auf. Der Superstar präsentiert erstmal seinen neuen Song „Can’t stop the feeling“ und sorgt so dafür, dass zumindest ein Song für längere Zeit in die Köpfe der Menschen dröhnt.

Die Finalisten im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Finalisten in meinem persönlichen Ranking.
 
1. Spanien 
2. Australien 
3. Ungarn 
4. Israel 
5. Aserbaidschan 
6. Serbien 
7. Russland 
8. Frankreich 
 
9. Tschechien 
10. Großbritannien 
11. Armenien 
12. Schweden 
13. Zypern 
14. Malta 
15. Bulgarien 
16. Lettland 
17. Litauen 

18. Kroatien 
19. Niederlande 
20. Belgien 
21. Italien 
 
22. Deutschland 
23. Österreich 
24. Ukraine 
25. Polen 

26. Georgien 
Wie sieht’s bei euch aus? Wer sind eure Favoriten oder welchen Song würdet ihr anders bewerten?

2 Gedanken zu „ESC2016

  1. Ich bin ja auch ESC-Fan und versuche es jedes Jahr zu schauen! Hab auch meine Tochter damit angesteckt 🙂 Dieses Jahr fanden wir die Songs im Finale doch durchgegend wirklich gut, wir hatten uns auch eine Favoritenliste geschrieben und bei der Auszählung dann verglichen, wie weit es unsere Lieblingslieder geschafft haben! Leider fiel Island schon im Vorfeld raus, den Song fanden wir auch wirklich gut 🙂 Zusätzlich mochte ich noch Italien, die Niederlande und Schweden! Nur mit dem Gewinnersong konnten wir zwei so gar nichts anfangen! Aber wie ich sehe, war der auch nicht so wirklich dein Geschmack 🙂

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