Gender

Geschlechtergerechtigkeit ist kein Selbstläufer

Die Natur hat eine klare Ordnung geschaffen – Mann und Frau. Auf die biologischen Unterschiede baut unsere Gesellschaft auf. Die älteren Männer verzichten nicht freiwillig auf ihre Privilegien, sodass es Frauen zunehmend schwer haben, sich im Kampf um Führungspositionen durchzusetzen.

Anzahl wöchentlicher unbezahlter Arbeitsstunden von Frauen: 29,5
Anzahl wöchentlicher unbezahlter Arbeitsstunden von Männern: 19,5

 

Typisch Mann, typisch Frau

Männer und Frauen unterscheiden sich biologisch. Körpergröße, Geschlechtsorgane und Körperbehaarung sind die offensichtlichsten Unterschiede. Doch auch weniger offensichtliche Merkmale unterscheiden Mann und Frau voneinander. So sind Männer viel häufiger von der Rot-Grün-Schwäche betroffen als Frauen – etwa jeder zehnte Mann, aber nur eine von einhundert Frauen.
Forscher vermuten, dass die Sehschwäche auf dem X-Chromosom vererbt wird. Da Frauen zwei X-Chromosomen haben, kann das eine die Schwäche des anderen ausgleichen.

Auch die Hormone unterscheiden die beiden Geschlechter. Der Testosterongehalt ist bei Männern deutlich höher als bei Frauen, was Männer aggressiver und risikofreudiger macht.

Anteil der Jungen zwischen 11 und 17, die sich zu dick finden: 35,5%
Anzahl der Mädchen dieses Alters, die sich zu dick finden: 54,5%

 

Geschlechter kennen keine Grenzen – Männer dürfen auch weiblich sein

Sabine Hark ist eine der bekanntesten Genderforscherinnen Deutschlands. Sie erklärt, dass Geschlecht nur eine Kategorie sei, mit der wir die Gesellschaft ordnen würden.
Wir leben in einer Übergangsphase, einer Phase, in der die Grenzen verschwimmen, in der Geschlechterrollen aufbrechen. Geschlechter seien ein Produkt historisch-kultureller Prozesse. Nicht immer waren Männer des Westens so, wie sie heute zu sein scheinen. Erinnern wir uns etwa an die großen Könige der früheren Zeit trugen diese auf den meisten Gemälden enge Strumpfhosen.
Auch heute wandelt sich die Wahrnehmung von Geschlechtern. Jeder lebt Geschlecht anders, auch wenn biologisch und juristisch ein männliches oder weibliches Geschlecht feststeht. Ob sich eine Person selbst in diesem Geschlecht sieht, ist nicht immer gegeben (→Hier erzählt Jerome von seinem Weg von einer Frau zum Mann).
Hark sieht das Geschlecht als „sozialen Platzanweiser“ der Gesellschaft. Das Ziel sollte sein, Geschlechtergleichheit zu schaffen, dabei sei es egal, ob am Ende zwei, fünf oder zwölf Geschlechter staatlich anerkannt würden.

Frauen aus Männern

Geschlechtergleichheit gab es schon in der Bibel nicht. Eva wird aus Adams Rippe erschaffen, um ihm zu helfen. Frauen seien schon immer an die Seite gedrängt worden, erzählt Claudia Janssen vom Studienzentrum für Genderfragen der Evangelischen Kirche. So wurden Frauen beispielsweise bei der Verbreitung des Christentums in den Hintergrund gestellt, was mit Zitaten aus der Bibel legitimiert wurde.
Historisch bedingt kommt den Männern seit jeher eine übergeordnete Rolle zugute. Die Auswirkungen der Entwicklung lassen sich bis heute spüren. Wir leben in einem „Vaterland“, Frauen dürfen erst seit rund 100 Jahren überhaupt studieren, Feminismus ist kein Fremdwort mehr.

Was ist überhaupt gender?
Gender lässt sich mit „Geschlecht“ übersetzen, entspricht aber nicht dem biologischen Geschlecht (engl. sex). Gender beschreibt das soziale Geschlecht und somit die Prägung einer Person durch Gesellschaft und Erziehung,

Dass es heutzutage trotz vieler Versuche weniger Frauen als Männer beispielsweise in der Wissenschaft gibt, lässt sich auf Vorurteile zurückführen. Experimentelle Studien zeigen, dass bei identischen Bewerbungen auf Professuren Männer deutlich erfolgreicher abschnitten als Frauen. Während die „Frauenquote“ in Deutschland noch nicht wirklich durchgreift, sind andere Länder uns weit voraus.
In Dänemark, Irland, Malta und Argentinien beispielsweise können Menschen zum Amt gehen und ohne großes Prozedere das Geschlecht wechseln – ganz ohne psychologisches Gutachten.
Die argentinische Provinz Buenos Aires, die in etwa so groß ist wie Polen, machte noch einen weiteres Schritt: Einer von 100 Angestellten des öffentlichen Dienstes soll aus der Trans-Community stammen. Die „Trans-Quote“ soll Transpersonen helfen, sich in das gesellschaftliche Leben zu integrieren. So sollen Vorurteile abgebaut werden. Im Alltag hingegen stoßen Transpersonen immer noch auf Diskriminierung.

Jeder redet von Political Correctness, jeder redet falsch.

Political Correctness befasst sich auf sprachlicher Ebene stark mit der Gleichberechtigung der Geschlechter. Liebe LeserInnen, das großgeschriebene Binnen-I ist wohl eine bekannte Variante, verstößt aber wohl gegen die Regeln der deutschen Sprache. Wer auf Nummer Sicher gehen will, spricht dann lieber die Leserinnen und Leser an oder beraubt den Formen ihres Geschlechts.
So laufen an Universitäten nicht länger Studenten, die in der Wortkategorie männlich sind, herum, sondern „Studierende“.
ABER: Student bleibt Student. Studierender ist er nur, während er an der Uni oder in der Bibliothek arbeitet. Wenn er seine Eltern besucht, studiert er nicht mehr – der Nachteil bei der Verwendung des substantivierten Partizip Präsenz.

Was ist eine Gender Gap?
Besteht ein großer Unterschied zwischen den Geschlechtern, verdienen also die Männer etwa 22% mehr als die Frauen, wie es in Deutschland derzeit beobachtbar ist, spricht man von „Gender Gaps“.

Diese Gender Gap wird auch beim Betrachten unterschiedlicher Berufsgruppen deutlich. So gibt es immer noch deutlich mehr weibliche Flugbegleiterinnen als männliche Flugbegleiter. Diese Ungleichheit, die sich auch in der Bezahlung bemerkbar macht, ist in Deutschland so hoch wie in kaum einem anderen Land der Europäischen Union.

Vereinzelt tauchen auch schon abstrakte Formen auf, die gängige Geschlechtervorstellungen brechen sollen. Doch ob sich Formen wie „Professx“ jemals in den allgemeinen Sprachgebrauch integrieren werden, darüber müssen wir erst nochmal reden.

Quellen: fluter (57),2015/16, bpb.de/gender


Geboren im falschen Körper

Homosexualität in der Öffentlichkeit

2 Gedanken zu „Gender

  1. Ich denke auch, es ist viel mehr, als nur die Rechtschreibung. Wenn man sich anschaut, dass noch das "ideal" gehört, dass männliche Wesen eher blauere Farben, und weibliche Wesen eher rotere Farben tragen dürfen/ihr Eigen nennen dürfen, dann wird mir schlecht. Weil, sobald du als Mann mal rosa trägst, bist du gleich wieder in die Gay-Schublade gefallen oder wirst als "Tunte" abgestempelt. Das ist auch das, was uns die Werbeindustrie die ganze Zeit einreden will, wenn Zahnpasta "for men" ist oder das "Mädchen-Ü-Ei", was nur von eben solchen gegessen werden darf. Letzten Endes ist es eine Einstellungsfrage, wie tolerant man ist und was für einen selbst ästhetisch ist. Aber genau da wandelt sich unsere Gesellschaft im Moment.

    Wir sind noch ganz am Anfang und müssen einfach weiter aufklären, dass sich jeder individuell sieht und daher auch das Geschlecht individuell anpassen können sollte. Jeder lebt seinen Stil anders aus, jeder denkt anders und es macht mich endlos müde, dass es so viele Vorurteile gibt, über Leute, die anders sind und ihr Geschlecht anders ausleben.

    Klar, es gibt Dinge, die sind einfach typisch Mann und typisch Frau. Wer aber davon unabhängig sich besser fühlt, wenn er/sie sein/ihr Leben anders auslebt, sollte dafür respektiert werden! Das mag jetzt flach klingen, aber wer auslebt, was er für richtig hält, sei es seine Sexualität, sein "Gender", seine Art oder Denkweise, ist wirklich mutig und verdient auch Anerkennung. Bei Intoleranz und Dummheit hört der Spaß auf und ich denke, wir in Deutschland sind echt noch gaaaaaaaanz am Anfang und haben viel nachzuholen.

    "Liebe LeserInnen, das großgeschriebene Binnen-I ist wohl eine bekannte Variante, verstößt aber gegen wohl gegen die Regeln der deutschen Sprache." – Das ist mir lieber, als ein * (Sternchen) oder irgendein anderes Zeichen. Für mich gilt die Urform auch als richtig. Ich denke, um die Schreibweise wird im Moment ein viel zu großes Drama gemacht, solange in den Köpfen einfach nicht klar ist, dass eine Servicekraft auch männlich, eine Führungsposition auch weiblich sein kann. Zum Thema "Frauenquote" kann ich nur den Blickpunkt aus dem Osten der Republik sagen: Hier war die Frau schon immer genauso in die Arbeit involviert, wie der Mann. Das Klischee, dass der Mann "draußen" arbeitet und die Frau "im Büro" kommt daher, dass sich einfach sehr viel geändert hat. Durch die Technologisierung und die Industrialisierung gibt es viele Berufe, in denen auch Köpfchen gefragt ist. Das kommt der Frau zu Gute, wenn sie nicht so gut "anpacken" kann, denke ich. Von der Evolution her gesehen ist ja der Mann der körperlich Stärke.

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