Pokémon GO und seine Nebenwirkungen

Das Trendspiel Pokémon GO – bei Apple und Android landete es schnell auf dem ersten Platz der App-Charts.

Derzeit trifft man Pokémon-Sammler alle paar Meter auf der Straße. Das Trendspiel Pokémon GO eroberte die Smartphones innerhalb weniger Tage. Der Inhalt ist alt – die Idee eine Revolution.

Seit wann gibt es Pokémon?

1996 startete der junge Ash Ketchum zum ersten Mal sein Abenteuer auf den Gameboys. Innerhalb der letzten zwanzig Jahre hat sich die Anzahl der kleinen und großen Monster verfünffacht – und es werden immer mehr. Aktuell arbeitet Nintendo an einer neuen Generation: Pokémon Sonne und Pokémon Mond erscheinen im November diesen Jahres.
Zwar war man auch mit dem Gameboy schon mobil, doch auf dem Sofa zu liegen, während man die Welt der Pokémon erkundet, war oft viel bequemer als dabei umherzulaufen. Mit den Smartphones, dem mobilen Internet und mittlerweile sogar WLAN in vielen Innenstädten wurde der Menschheit eigentlich alles gegeben, um Couchpotatoes zu mobilisieren.
Facebook, Snapchat, Instagram – anstatt unsere Freunde zu treffen, sendeten wir eine Whatsapp, unsere Gesichter sahen wir nur auf Selfies, die anstrengendste Bewegung im Leben wurde der Griff zum Smartphone-Ladekabel. Darin liegt das Problem der fehlenden Mobilität: Das einzige, was uns interessiert, ist unser Akkustand.

Pokémon GO ist die lang ersehnte Revolution – gleicht aber einer Zombieapokalypse.

Nintendo änderte das. Das lange angekündigte Pokémon GO lockt die Menschen wieder auf die Straßen. Es führt uns in die Städte, in Nachbars Garten (oder Keller), die Monster machen keinen Halt vor Grundstücksgrenzen, Zäunen, Mauern. Pokémon sind die bessere Polizei, wie aktuell ein Fall aus Dänemark zeigt, wo ein Pokémon-Sammler statt eines digitalen Monsters eine reale Leiche fand (→mehr dazu bei spiegel.de).
Leider ist das Spiel auch gefährlich. Trotz einer wunderschönen Warnung mit einem angsteinflößenden Garados, fesselt das Smartphone jeden Blick an sich auf der Suche nach den virtuellen Geschöpfen. Dass es extra deswegen einen Vibrationsalarm gibt, der anzeigt, wenn ein neues Monster auftaucht, ist dann nebensächlich.
Den Blick auf das Smartphone gesenkt, blindlings durch die Stadt laufend – das ist das, was vor einem Jahr als Jugendwort des Jahres gewählt wurde: Ein Smombie.
Versammlungen rund um PokéStops, die mit einem Lockmodul ausgestattet sind, oder gar sogenannte PokéWalks: Das sind keine Erfindungen, sondern bittere Realität. Hunderte Spieler scharen sich um irgendeine Sehenswürdigkeit, einen Ort besonderer Bedeutung – einen PokéStop -, um dort nicht nur alle zehn Minuten neue Items zu erhalten, sondern um die vom Lockmodul angelockten Monster zu fangen.

Woran erkenne ich PokémonGO-Spieler?

1. Sie schauen beinahe ununterbrochen auf ihr Handy, ohne jedoch zu tippen.
2. Sie laufen scheinbar ohne erkennbares Ziel durch die Gegend – auch in Sackgassen.
3. Sie bleiben ohne erkennbare Ursache einfach stehen, um einen PokéStop zu aktivieren oder ein Pokémon zu fangen.
4. Sie reden beinahe ununterbrochen auf ihrer Jagd über Pokémon.
5. Hin und wieder verbindet ein Kabel, das aus der Tasche hängt das Handy mit einer Powerbank.
 

Ist Pokémon GO gesund? Verbrennt Pokémon GO Kalorien?

 
So viele Erfolgsmomente in so kurzer Zeit. Wenn wir ein Pokémon fangen, spricht das das Belohnungssystem unseres Hirns an. Glückshormone werden ausgeschüttet und lösen ein Wohlgefühl in uns aus.
Außerdem geht man davon aus, dass regelmäßiges Spielen die Lernfähigkeit unseres Gehirns verbessert, weil dadurch Synapsen gestärkt werden.
Die Umkehrwirkung: Das Gehirn fordert uns zum Weiterspielen auf. Immer und immer wieder will es dieses Glücksgefühl erleben – wir werden schneller süchtig.
Die Revolution der Smartphone-Apps hat das geschafft, was Gesundheitsexperten seit Jahren predigen: Mehr Bewegung an der frischen Luft. So motiviert Pokémon GO dazu, einen Spaziergang an der frischen Luft zu machen. Eine Studie stellte fest, dass das die Lebenserwartungen erhöht. Es mindert das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und reduziert den Stress.
Experten haben zudem berechnet, dass wir etwa 125kcal pro Kilometer verbrennen. Um ein 10-Kilometer-Ei auszubrüten, müssen wir also 1250kcal verbrennen. Ein Kilo Körpergewicht verlieren wir etwa beim Verbrennen von 7000kcal – der Effekt ist also minimal. Dennoch: Das Spiel sorgt für frische Luft und Bewegung.
Auf der anderen Seite erfordert es unsere ständige Aufmerksamkeit. Der dauerhafte Blick auf das Smartphone ist nicht nur gefährlich. sondern auch gesundheitsschädigend.
Der Kopf eines Erwachsenen wiegt im Schnitt vier bis sechs Kilogramm. Je weiter wir den Kopf jedoch noch vorn neigen, umso mehr Kraft wirkt auf unsere Wirbelsäule. Bei einer Neigung von 30° lasten ganze 20 Kilo auf unserer Halswirbelsäule. Wenn wir auf unser Handy schauen, neigen wir den Kopf um bis zu 60° nach vorn. Das entspricht einer Last von 27 Kilogramm, die auf unseren Nacken und unseren Rücken wirken. Verspannungen, Kopfschmerzen und das übermäßige Abnutzen der Bandscheiben sind die Folge – letzteres kann einen operativen Eingriff notwendig machen – ersteres bekam in der Vergangenheit eine diagnostische Bezeichnung: Der „Handy-Nacken„.
Um dem entgegenzuwirken hilft es, das Ohr auf die Schulter zu legen, bis ein Ziehen spürbar ist. Das wird auf der anderen Seite wiederholt. Anschließend soll der Nacken gestreckt werden, während die Schultern nach unten gezogen werden.
Pokémon GO verhilft übrigens auch zum Knüpfen neuer sozialer Kontakte, wenn man zufällig zur selben Zeit im Park nach dem Shiggy sucht, das schon seit Ewigkeiten als „In der Nähe“ angezeigt wird. Der Austausch und die soziale Interaktion schweißen zusammen, senken den Blutdruck, stärken das Immunsystem und tragen so zu einer höheren Lebenserwartung bei.

Pokemon GO Drive?

Im Stadtteil Prenzlauer Berg in Berlin (und vermutlich auch überall anders) gibt es Leute, die mit ihrem Fahrrad in Schrittgeschwindigkeit umherfahren, das Smartphone in der Hand, um nach Pokémon zu suchen. 25,- Euro Bußgeld sind die Folge, bei mehrfachem Auffallen wird die Strafe entsprechend teurer. Wer beim Autofahren Monster jagt, gefährdet damit nicht nur sich, sondern auch andere. Handy am Steuer wird mit einem Bußgeld von mindestens 60,- Euro und einem Punkt in Flensburg geahndet. Wirklich lohnenswert ist das nicht: An Autobahnen und Landstraßen sind selten Pokémon zu finden, der Empfang ist nicht sonderlich gut und der Preis dafür deutlich zu hoch.
Fazit: Pokémon GO taugt zwar nur im geringen Maße dazu, wirklich abzunehmen, hält aber auf jeden Fall fit und macht glücklich. Statt der erhofften Kalorien verbrennt das Spiel viel mehr den Akku. GPS-Standortabfrage und Mobile Daten fordern ihren Preis. Entgegen mancher Meinungen verbraucht das Spiel jedoch kaum Datenvolumen. Mehrere Tests haben belegt, dass pro Stunde nur etwa 20MegaByte verbraucht wurden. Pokémon GO scheint jedoch das erreicht zu haben, was Gesundheistexperten haben wollten. Zu welchem Preis das umgesetzt wird, wird die Zukunft zeigen.
Quellen: praxisvita.de, tz.de, spiegel.de, welt.de, chip.de

1 Gedanke zu „Pokémon GO und seine Nebenwirkungen

  1. Dachte ich mir doch, dass du darüber schreibst ^^.
    Aber dafür liebe ich deinen Blog. Immer auf den Aktuellen Themen angepasst.

    Für meinen Fall muss ich sagen, dass ich geteilter Meinung zu diesem Spiel bin.
    Auf der einen Art finde ich es gut, dass alle mal endlich nach draußen gehen. Aber leider so gar nicht auf die Straße achten oder auf andere Fußgänger. Das finde ich echt traurig.

    Am Ende kann ich aber nur sagen. Jeder sollte einfach auch mal die Technik links liegen lassen und raus gehen. Aber mit dem Ball, einem schönem Buch oder eben dem Fahrrad "aber ohne das Handy in der Hand".

    Schön geschrieben dein Bericht.

    Liebe Grüße

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