Ozapft is – Oktoberfest

Riesengaudi auf den Wiesn. Saufgelage oder deutsches Kulturgut?

Das, was jährlich auf den Wiesn gefeiert wird, hat kaum noch etwas mit dem ursprünglichen Oktoberfest zu tun, sondern gleicht mehr einem Volksfest oder einem Rummel. Als das Oktoberfest 1810 erstmal gefeiert wurde, war es jedoch etwas ganz anderes: Eine Hochzeit.
Zu Ehren des Brautpaares – Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburgshausen – wurde am 17. Oktober 1810 ein Pferderennen veranstaltet. Die Wiese, auf der dies stattfand, wurde nach der Braut benannt und heißt seitdem Theresienwiese. Diese ist mittlerweile übrigens rund 42 Hektar groß und somit knapp 60 mal so groß wie das Spielfeld der Allianz-Arena.

Wie das Oktoberfest zur Tradition wurde

Ein Jahr später waren sich die Bürger einig, dieses Fest zu wiederholen. Diesmal wurde es vom Landwirtschaftlichen Verein Bayern veranstaltet. Das Fest und das Pferderennen sollten demonstrieren, was Bauern tagtäglich für Arbeit leisten, und fand auch im darauffolgenden Jahr statt. Aufgrund der Kriege Napoleons entfiel das Oktoberfest im Jahr 1813 einmalig wieder. Bis 1819 wurde das Oktoberfest jährlich veranstaltet und privat finanziert, ehe die damaligen Stadtväter das Fest und die Finanzierung in die Hand nahmen. Unter Leitung der Stadt kamen jährlich neue Schaubuden und Fahrgeschäfte hinzu, sodass das Oktoberfest wuchs und Volksfestcharakter erhielt. Als 1850 die Statue der Bavaria enthüllt wurde, war der Jubel besonders groß, doch gleichzeitig ging das Oktoberfest damit in eine längere Pause – aufgrund von Cholera-Epidemien und Kriegen konnte das Volksfest einige Jahre nicht stattfinden.
1881 war die Geburtsstunde des Wiesnhendls – ein Traditionsgericht, das damals von der ersten Hendlbraterei an die hungrigen Besucher verteilt wurde. Im Laufe des späten 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Oktoberfest immer mehr zu dem Fest, das wir heute als Oktoberfest kennen. Elektrische Beleuchtung schmückte Buden und Fahrgeschäfte und die Brauereien eröffneten riesige Bierzelte mit Musik anstelle der kleinen Bierbuden. Durch die Kriege im 20. Jahrhundert fiel das Oktoberfest längere Zeit aus, nach dem zweiten Weltkrieg fand zwar das Volksfest an sich wieder statt, die Tradition des Pferderennens entfiel jedoch fortan – mit Ausnahme der Jubiläumsjahre 1960 und 2010.

„Ozapft is“

Der Oberbürgermeister Thomas Wimmer zapfte 1950 erstmals das Oktoberfestfass an. Mit den Worten „Ozapft is“ ist es seither Tradition, dass der Oberbürgermeister das Oktoberfest mit diesem Anstich eröffnet.
Weniger erfreulich hingegen ist der Bombenanschlag, der 1980 13 Menschen inklusive Attentäten tötete und weitere 200 Menschen verletzte. Der Attentäter zündete die Bombe am Haupteingang der Wiesn und verübte so einen der schlimmsten Anschläge der deutschen Geschichte.

Das Oktoberfest heute – Das Oktoberfest in Zahlen

Rund sechs Millionen Besucher lockt das Oktoberfest als größtes Volksfest der Welt jährlich auf die Wiesn. Dabei lassen die Menschen etwa 1,1 Milliarden Euro pro Jahr in München. 435 Millionen werden davon direkt auf dem Fest ausgegeben, weitere 400 Millionen für Übernachtungen. Der Rest wird für die Fahrten und die Verpflegung aufgebracht.
Rund 7,5 Millionen Maß Bier werden jährlich auf den Wiesn ausgeschenkt. Während diese vor drei Jahren noch 9,80€ pro Maß kosteten, beträgt der diesjährige Durchschnittspreis 10,60€. Echte Schnäppchenjäger sollten die Schottenhammel-Festhalle aufsuchen: Hier kostet die Maß nur 10,55€.
Neben der 42 Hektar großen Theresienwiese gibt es seit 2010 die rund 3 Hektar große Oide Wiesn. Insgesamt gibt es dieses Jahr 144 Gastronomiebetriebe auf dem Oktoberfest in München. Davon bieten insgesamt 37 Stück insgesamt 119.000 Sitzplätze in Zelten an. Das größte davon ist das Hofbräuzelt mit 11.000 Sitzplätzen.

Jedes Jahr arbeiten auf dem Oktoberfest rund 13.000 Mitarbeiter, wovon 8.000 festangestellt sind. Einige davon arbeiten auch im Fundbüro, aus dem nur etwa 20% der Fundstücke wieder abgeholt werden.

 

Das Oktoberfest weltweit

Lederhosen und Brezeln – zumindest klischeehaft ist das wohl typisch Deutsch. Bierbauch, Trachtenkleidung, so würden uns die Amerikaner wohl beschreiben, wenn Sie noch nie bei uns gewesen sind – und das ist sehr gut möglich, denn von den rund sechs Millionen Besuchern, die jährlich auf die Wiesn strömen, kommen nur 19% aus dem Ausland.
Dennoch gibt es auch im Ausland Nachahmungen des Volksfestes – auch in den Vereinigten Staaten, beispielsweise in San Francisco, wo in den Festhallen des Pier 48 jährlich ein Oktoberfest mit Live-Musik gefeiert wird. Auch in Kanada, Brasilien, China, Australien und sogar in Afrika und Russland gibt es entsprechende Festlichkeiten, die sich an das Oktoberfest anlehnen. Das Oktoberfest auf den Münchener Wiesn ist übrigens nicht nur das größte Oktoberfest Deutschlands, sondern auch das größte Oktoberfest der Welt – nicht umsonst trägt es den Titel des größten Volksfestes der Welt.
Das zweitgrößte Oktoberfest der Welt findet in China statt – im August. Das Qingdao Intenational Beer Festival geht auf eine ehemalige deutsche Kolonie zurück und lockt jährlich bis zu vier Millionen Besucher.
Auf dem amerikanischen Kontinent ist das Kitchener-Waterloo-Oktoberfest in Kanada das größte und belegt weltweit gleichzeitig den dritten Platz. Seit 45 Jahren locken deutsche Einwanderer jährlich rund 800.000 Menschen in die kanadische Provinz Ontario.
Doch das Okltoberfest bleibt typisch Deutsch: Würde man weitere deutsche Standorte dem Ranking hinzufügen, würde sich das Cannstätter Volksfest auf den zweiten Platz des Rankings setzen. Es ist das zweitgrößte Bierfest Deutschlands. Frankfurt, Berlin, Dortmund, Mainz, Hannover, Hamburg – das Oktoberfest hat viele (kleinere) Standorte, sodass eine Fahrt nach München vielleicht nicht unbedingt notwenig wird.
Warum stehen auf der Wiesn keine Mülleimer?

Die Wiesn sind vermutlich der einzige Ort in Deutschland, wo es keine Ordnungswidrigkeit darstellt, Müll auf den Boden zu schmeißen, denn öffentliche Mülleimer gibt es hier nicht. Nur ausgewählte Stände dürfen Mülleimer aufstellen, müssen diese dauerhaft überwachen und benötigen eine spezielle Erlaubnis hierfür. Warum?
Am 26. September 1980 kam es am Eingang des Oktoberfestes zu einem Anschlag mit einer selbstgebauten Rohrbombe, die in einem Mülleimer versteckt war. Bei dem Anschlag kamen 13 Menschen ums Leben, über 200 wurden verletzt. Rund um die Uhr ist deshalb Reinigungspersonal auf den Wiesn unterwegs.
Was sagt ihr? Ist das Oktoberfest Teil unserer Kultur und eine deutsche Tradition oder ein reines Saufgelage?
 
Quellen: weg.de, tz.de, statista.de, sueddeutsche.de, welt.de, oktoberfest.de

Weitere Beiträge

  • 10. Januar 2017 Kurzurlaub in Oslo (1) So wird eure Mini-Kreuzfahrt auf der ColorLine nicht nur unvergesslich schön, sondern auch möglichst günstig!
  • Hallo, Rügen!11. April 2017 Hallo, Rügen! Rügen ist die flächengrößte Insel Deutschlands und bietet mehr als gigantische Buchenwälder und weiße Kreidefelsen!
  • Hallo, Lübeck!7. März 2017 Hallo, Lübeck! Was sollte man sich bei einem Besuch in der Hansestadt Lübeck unbedingt einmal anschauen?

2 Gedanken zu „Ozapft is – Oktoberfest

  1. Oh, ich wusste ganz viel davon gar nicht. Interessanter Beitrag. Ergänzend kann man noch erwähnen, dass es auf dem Oktoberfest auch teilweise Achterbahnen und ähnliche Jahrmarktgeschäfte geben soll. Aber da ist der Hamburger Dom wohl bekannter für.

  2. Ich wohne zu weit von Bayern entfernt, als dass ich viel Tradition mit dem Oktoberfest verbinden würde. Hier bei uns gibt's zwar auch Abklatschfeste davon, aber da ich eh kein Bier trinke, zieht es mich dort auch nicht wirklich hin 🙂 Aber mich würde interessieren, ob du da auch mit Lederhosen aufkreuzen würdest! 🙂

    Liebe Grüße
    Jana

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.