Halloween – Bist du ANGSTGEIL?

Die Lust an der Angst – warum wir uns gern gruseln

GRUSELN – Das ist der spielerische Umgang mit der Angst, den wir selbst provozieren. Wir erleben (in abgeschwächter Form) etwas Schreckliches – zum Beispiel auf der Kinoleinwand. Dadurch üben wir den Umgang mit Angstsituationen. Dabei sind wir losgelöst von einer realen Bedrohung. Durch das Gruseln steigern wir die Fähigkeit, eine Angst zu überwinden. Gruseln ist das kontrollierte Gleichgewicht zwischen Angstvermeidung und gleichzeitiger Erregungssuche. nach Spektrum, Akademischer Verlag Heidelberg

Es ist dunkel, menschenleer. Schaurige Kreaturen und Blut. Passend untermalt spannungssteigernde Musik unsere Schritte. Nach dem Abbiegen blicken wir plötzlich einer solchen Kreatur in ihr blutverschmiertes Gesicht. Doch warum erschrecken uns solche Szenarien auf der Kinoleinwand? Warum schauen wir uns so gern Horrorfilme an?

Warum gruseln wir uns gern?

Marc Tollas  / pixelio.de

Niemand, der Angst vor Spinnen hat, würde freiwillig eine Spinne über seinen Arm laufen lassen. Trotzdem gucken wir uns Filme an, in denen Spinnen Menschen fressen. Wir schauen zu wie unmenschliche Gestalten Familien abschlachten, Massenmörder in der Nacht ihr Unwesen treiben und eine Familie von Geistern heimgesucht wird. Warum gucken wir trotz Angst so gern Horrorfilme?

Psychologen nennen dieses Phänomen Angstlust. Sie entsteht, wenn wir wissen, dass das, was uns Angst macht, nicht real ist. Schauen wir den Film jedoch, kommt es uns zumindest für einen Moment sehr real vor – wir erschrecken uns, gruseln uns, empfinden Angst.

fritz zühlke  / pixelio.de

Der Psychologie-Professor Peter Walschburger von der Freien Universität in Berlin weiß: „Das Bewusstsein schwankt zwischen der Fixierung auf den angsterregenden Reiz und dem Bauchgefühl, dass mir nichts passieren wird.“

Wir erschrecken uns also, zucken zusammen und merken dann: Mir passiert nichts, das war gar nicht so schlimm. Dass dies nicht gleichzeitig möglich ist, liegt daran, dass es unmöglich ist, gleichzeitig etwas positives und etwas negatives zu erleben.

Warum haben wir Angst?

Angst ist Teil des Lebenserhaltungstriebes, der uns von der Evolution in die Wiege gelegt wurde. Die Hormone Adrenalin und Noradrenalin, die Allgemein als Stresshormone bekannt sind, versetzen unseren Körper in Alarmbereitschaft, wenn eine Gefährdung vorliegt oder wahrgenommen wird.
Das war bereits bei unseren Vorfahren so: Waren diese auf der Jagd und sahen plötzlich einen Bären oder einen Sebelzahntiger, half die Angst, ihr Leben zu retten, indem sie die Flucht ergriffen.
Gibt es einen lauten Knall, erschrecken wir uns und zucken zusammen. Dadurch nehmen wir eine Schutzposition ein und schützen unseren Kopf und unseren Bauch und somit alle lebenswichtigen Organe.

Angst braucht Vertrauen

Walschburger berichtet von einem Experiment, bei dem die Mutter eines Kleinkindes in gewohnter Umgebung, etwa zu Hause, eine Maske vor ihr Gesicht hält und dann wieder weglegt. Das kleine Kind gröhlt vor Begeisterung. Anschließend wird dasselbe Experiment an einem fremden Ort, etwa im Wartezimmer durchgeführt. Sobald die Mutter hinter der Maske verschwindet, fängt das Kind an zu schreien.
Menschen müssten erst ein Urvertrauen aufbauen, um sich neuen Erfahrungen stellen zu können, so der Psychologe. Dieses Urvertrauen ist notwendig, damit wir uns gruseln können und unsere Angst uns nicht in die Knie zwingt.

Aus Angstlust wird Angstsucht – wie Angst krank macht

Wer mit dem Horror übertreibt, könne jedoch auch süchtig werden, berichtet Peter Walschburger weiter. Kampfspiele und Horrorfilme haben Suchtcharakter – gleichermaßen. Gerade Jugendliche seien gefährdet. „Die häufige Beschäftigung damit, lässt die Schwelle sinken, im Spiel vollzogene Kampfhandlungen auch in Echt zu tätigen“, warnt der Berliner Psychologe. „Dann wollen sie sich austesten. Dabei graust es ihnen vor gar nichts. Auch nicht beim Bahn-Surfen.“
Dauerhafte Konfrontationen mit der Angstlust, senken also die Schwelle. Andersherum ist dies jedoch genauso möglich – es entsteht eine Phobie. Wer dann nicht zum Arzt geht, für den nimmt Halloween kein Ende mehr.
Quellen: rp-online.de, n-tv.de, welt.de
 

6 Gedanken zu „Halloween – Bist du ANGSTGEIL?

  1. Apropos Spinnen! 😉 Wir hatten gestern das Glück, einmal kostenlos in einen Escape Room in Berlin zu kommen und der Mitarbeiter dort fragte vorher noch, ob irgendjemand panische Angst vor Spinnen hat! Hätten wir mal nicht ja gesagt, denn er meinte nur "Na, dann wird es gleich noch viel lustiger!" Wir sind also mit dem Gedanken rein, da drin gibt's Spinnen und selbst wenn wir nur von unechten ausgegangen sind, war das schon mal gruselig genug! In jeden Schrank und jedes Schubfach (es war übrigens ziemlich dunkel im Raum) haben wir nur gaaaaanz vorsichtig reingefasst und da er auch meinte "Nur im ersten Raum hat sich niemand in den Schränken versteckt", ging auch jede Schranktür durch uns ganz langsam auf! Wie leichtgläubig man doch ist 😉 Aber aus Angst vorm Erschrecken glaubt man glaube ich alles 🙂

    Ich schaue mir auch ganz gerne mal gruselige Filme an! Aber bevorzugt, wenn es draußen noch nicht dunkel ist und ich nach dem Film nicht das Licht ausmachen und schlafen muss 😉

    Toller Beitrag! Hat Spaß gemacht, zu lesen!

    Liebe Grüße
    Jana

  2. Sehr interessant zu lesen, vorallem, nachdem ich letztens erst eine Doku über "Angstlust" gesehen habe. Dort wurde auch sehr passend beschrieben, dass "man sich entspannen" will, wenn man z.B. einen Horrorfilm schaut. Nach der Schrecksekunde entspannt sich der Körper mit dem Gedanken: "Mir kann ja nichts passieren." Meist ein guter Stressabbau im Alltag.

    Magst du auch die fiktiv-herbeigeführte Angst? Wenn ja, wie (Film, Buch, …)?

    Gruselkabinette sind mir persönlich viel zu real. Bei Filmen muss ich mich ja nicht im Freien bewegen. Umso krasser finde ich die Vorstellung, dass es in Amerika einige Horrorhäuser gibt, die du erst ab 21 und nach vorheriger ärztlicher Untersuchung betreten darfst. Minimum 2 Stunden Aufenthalt, kein Eintritt, aber sie bauen dir deinen persönlichen Horrorfilm mit Dingen, vor denen du am meisten Angst hast…

  3. Man muss ja sagen: Obwohl ich Germanistik studiere, bin ich extrem lesefaul und ich merke immer wieder, dass das eine schlechte Eigenschaft für mein Studium ist.

    Horrorfilme schaue ich immer mal wieder, allerdings bin ich da wirklich schreckhaft, was die Personen, die mit mir gucken, zum Lachen bringt. 😀 Aber ist es nicht schön, andere zum Lachn zu bringen?

    Solche Horrorhäuser hab ich immer für Hollywood-Erfindungen gehalten. Ich glaube, ich würde mir sowas auch antun. Bis vor ein paar Jahren hatten wir Deutschlands größtes Grusellabyrinth in Kiel – das war echt eine Attraktion und ich bin dort jedes Jahr hingegangen.
    Leider haben Sie keine Genehmigung bekommen, den alten Güterbahnhof auszubauen, weshalb sie nun ins Ruhrgebiet gezogen sind, um sich zu vergrößern.

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