Bedroht Facebook die Demokratie?

Datenskandal bei Facebook – Politiker sehen die Demokratie in Gefahr.

Es ist nicht das erste Mal, das Datenschützer Alarm schlagen, wenn es um Facebook geht. Erinnern wir uns beispielsweise an die Übernahme WhatsApps durch Facebook, wurde plötzlich jeder zum Datenschützer – trotzdem werden pro Minute mehr als 29 Millionen Nachrichten über Whatsapp versendet. Die Facebook-Community wächst trotzdem weiter: In den letzten fünf Jahren sind mehr als eine Milliarde neue Nutzer hinzugekommen. Die bekanntesten Dienste, die unter dem Hut von Facebook sitzen, sind wohl WhatsApp, Instagram und Facebook selbst. Drei grundlegend kostenfreie Plattformen. Wie kommt es dann, dass Facebook mittlerweile auf Platz 5 der Tech-Unternehmen mit dem meisten Einkommen ist?

Der Datenskandal – wie alles anfing

Es ist etwa fünf Jahre her, dass sich der Neurowissenschaftler Aleksandr Kogan an Facebook wandte, um – für rein wissenschaftliche Zwecke – mit einer App Informationen über Facebook-Nutzer zu sammeln. Die Nutzer von ThisIsYourDigitalLife gaben Kogan ihre Einstimmung, Nutzerdaten zu verwerten, darunter ihr Wohnort und getätigte Likes. Doch daraus entsteht noch lange kein Datenskandal, wäre da nicht die Tatsache, dass die App sich zusätzlich der Daten der Freunde und deren Freunde bediente – ohne deren Einwilligung. Statt der rund 270.000 Nutzerdaten, von Personen, die ihr Okay gaben, wurden so mehr als 50 Millionen Facebook-Profile ausgelesen und verkauft.

Die Daten, die mittels dieser App gewonnen wurden, verkaufte Kogan an die Firma Cambridge Analytica, die daraus psychologische Profile erstellt. Wichtigster Kunde dieser Firma sind die Republikaner, die 2016 mit Hilfe von 50 Millionen Kundendaten genau wussten, was die Wähler beschäftigt, welche Sorgen und Nöte die Wähler hatten. Dies könnte Donald Trump im Wahlkampf in die Karten gespielt haben.

Nachdem Facebook vom Verkauf seiner Kundendaten an Cambridge Analytica erfahren hatte, habe man die Datenschutzrichtlinien verändert, um Apps wie denen von Kogan keine Chance mehr zu geben, Nutzerdaten auszulesen. Man habe darüber hinaus Cambridge Analytica bereits 2015 aufgefordert, die Daten zu löschen. Dass dies ohne Erfolg geschah, habe man letzte Woche von Zeitungen wie The Guardian und The New York Times erfahren, schreibt Mark Zuckerberg, Facebook-Gründer, auf seiner Seite.

„Wir sind verantwortlich, Eure Daten zu schützen und wenn uns das nicht gelingt, verdienen wir es nicht, Euch zu dienen.“ – Mark Zuckerberg, 21.03.2018

Wieso gelingt es Facebook nicht, Nutzerdaten besser zu schützen?

Dass Daten im Internet kaum 100%ig sicher sind, sollte längst jedem bekannt sein, der sich im Internet rumtreibt. Auch die Cyberkriminalität hat zugenommen und sorgt dafür, dass sich die Menschen zunehmend um ihre Daten sorgen. Nun zeigt Facebook Reue (mal wieder) und kündigt Veränderungen an. Fakt ist jedoch, dass Mark Zuckerberg in seinem Beitrag schrieb, das Unternehmen habe bereits 2015 von dem Datenskandal gewusst – offenbar hat sich bisher nichts verändert. Oder Zuckerberg hielt es nicht für nötig, seine Nutzer umfassend zu informieren, ehe die Presse es nun letzte Woche getan hat.

Facebook-Manager Chris Cox sagte: „Es war ein Fehler, Cambridge Analytica beim Wort zu nehmen, dass es die Nutzerdaten gelöscht habe.“ Da zeigt sich wieder einmal: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Drei Maßnahme habe man bei Facebook nun ergriffen:

  1. Man hat sich hingesetzt, um die Vorkommnisse zu verstehen und die Fehler zu entdecken.
  2. Die Plattform soll für den weiteren Missbrauch von Daten gesperrt werden, indem die Einstellungen zur Privatsphäre erweitert werden.
  3. Nutzereinstellungen sollen fortan ganz oben erscheinen, sodass sie immer im Blick sind. Zudem soll die Verbindung zu Apps automatisch unterbrochen werden, sobald diese länger als 90 Tage nicht genutzt wurde.

 

Der Haken: Wie verdient Facebook sein Geld?

Facebook steht wie gesagt auf Platz 5 der Tech-Unternehmen mit dem höchsten Umsätzen. Da Geld auch im Silicon Valley nicht an Bäumen wächst, stellt sich die Frage: Woher kommt das Geld, wenn die Plattformen überwiegend kostenlos sind?

Apple scheffelt mit seinen iPhones, Macs und Co Milliarden. Das wundert wohl kaum bei den Preisen: Das iPhone X kostet immer noch 999$.

Amazon verdient Geld über den Onlinehandel, aber auch Hardware wie der kindle, FireTV oder Alexa spielen inzwischen eine Rolle.

Google ist die wohl größte Suchmaschine im Internet und verdient mit platzierten Werbeanzeigen deshalb ganz gut. Das ermöglicht Google, in weitere Geschäftsbereiche vorzudringen. Ob Android-Betriebssystem, das Pixel-Smartphone oder ChromeCast, Google verdient nun auch jenseits der Werbung.

Microsoft verkauft Software. Das Betriebssystem Windows macht aber gerade einmal 10% der Einnahmen aus – gleichauf mit der XBOX. Womit Microsoft das große Geld macht? Microsoft Office macht den größten Teil der Software-Einnahmen aus.

Facebook verdient nur einen schwindend geringen Teil mit Apps wie Whatsapp oder Spielen, die man auf Facebook spielen kann. Den Großteil seiner Einnahmen generiert Facebook durch Werbung – für den Nutzer optimierte Werbung. Insbesondere auf dem Handy erfolgt diese Optimierung besonders erfolgreich, da sich hier zusätzlich an Standortdaten bedient wird. Facebook generiert 53% seiner Einnahmen durch mobile Werbung.

Um Werbung zu optimieren, ist das Auslesen von Nutzerverhalten erforderlich. Das macht jedoch nicht nur Facebook, sondern im Idealfall jedes Unternehmen, das mit Werbung Geld verdienen möchte. Wenn ich beispielsweise nach Jacken im Internet suche, wäre es doch wahnsinnig intelligent, mir Werbeanzeigen von Jacken zu zeigen. Schließlich suche ich ja gerade nach einer. Damit steigt die Chance, dass ich auf die Werbeanzeige klicke, womit das Unternehmen Geld verdient. Während Apple, amazon und Co also direkt unser Geld erhalten, indem wir dort etwas kaufen, verdient Facebook den Großteil seines Umsatzes an Unternehmen.

 

Bedroht Facebook die Demokratie? – Meine Einschätzung

Nachdem der Datenskandal um Facebook letzte Woche an die Öffentlichkeit kam, sehen Politiker die Demokratie bedroht. Insbesondere EU-Justizkommisarin Vera Jourová läutet die Alarmglocken. Sie spricht von „heftigen Manipulationen von Meinungen und Wahlergebnissen“. Auch unsere Justizministerin Katarina Barley möchte Facebook vorladen, nachdem bereits in den USA und Großbritannien Verfahren gegen den Internetkonzern laufen. Es sei „ein handfester Skandal“, wenn Nutzerinnen und Nutzer „gegen ihren Willen ausgeleuchtet werden, um sie ganz gezielt mit Wahlwerbung oder Hass gegen den politischen Gegner zu bombardieren“.

Europa hat ein sehr viel stärkeres Datenschutzrecht als die USA. Ab Mai gelten zudem höhere Sanktionen: Bis zu vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes können bei Verstößen drohen. Damit könnten Strafen nicht mehr mit der Begründung abgewiesen werden, das Hauptquartier des Unternehmens sitze in den USA, erklärte Dagmar Bär, Staatsministerin für Digitales.

Ob Datenskandale wie dieser wirklich ursächlich für die Wahl des US-Präsidenten oder den Brexit sein könnten? Das wird sich in Zukunft zeigen. Selbstverständlich ist es ein Skandal, dass Nutzerdaten von Personen weitergegeben wurden, die diesem nicht zugestimmt haben. Meiner Meinung nach ist es jedoch nicht Facebook, welches die Demokratie bedroht, sondern vielmehr die politischen Parteien, die mit unfairen Mitteln spielen und diese Daten offenbar einkaufen, um Wähler zu manipulieren.

Dass Daten erhoben und gespeichert werden, weiß jeder, der sich bei der Anmeldung auf irgendeiner Internetseite die Datenschutzbestimmungen durchliest, denen er zustimmt. Das das ganze zum Skandal wird, weil die Daten an Dritte weitergegeben wurden, ist nur verständlich. Letztendlich ist es aber in erster Linie Aleksandr Kogan gewesen, der die Daten verkauft hat. Erst im weiteren Verlauf kann eine Schuld auf das Unternehmen abgewälzt werden, da dieses trotz Kenntnis nicht entschiedener dagegen vorgegangen ist, um die Daten seiner Nutzer zu schützen. Ob Nutzer Facebook deswegen verlassen? Ich glaube nicht. Das ist wie mit den Abschreckbildern auf Zigarettenschachteln. Man kennt das Risiko, aber es ist einem egal.


Quellen: tagesschau.de, zeit.de, Digital Economy Compass 2018

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