Cybermobbing: Wenn WhatsApp plötzlich Albträume beschert

Mobbing ist kein Phänomen der Neuzeit - Cybermobbing schon. Was kann man tun, wenn WhatsApp plötzlich Albträume beschert?

Mobbing ist ein Problem in der Schule – für Schüler, Eltern und Lehrer. Mobbing beschreibt dabei nicht kurzzeitige Konflikte, weil ein Mitschüler die Federtasche weggenommen oder eine Freundin den Lieblingsstift ausgeliehen hat, ohne zu Fragen. Der Begriff „Mobbing“ beschreibt

  • wiederholt schikanöse Handlungen von einem oder mehreren Tätern
  • ein kräftemäßig unterlegender Betroffener
  • ein Anhalten der Schikane über einen längeren Zeitraum
  • eine Eskalation in Häufigkeit, Dauer und Art der Schikane
Ziel des Mobbings ist – insbesondere in der Schule – die Manifestation der Täter-Opfer-Beziehung und der Ausschluss des Betroffenen aus dem Werterahmen der Gruppe. Dadurch wird der Betroffene nicht länger als Teil der Gruppe anerkannt. Plötzlich scheint alles erlaubt.
Oftmals fühlen sich Betroffene dann so unwohl, dass sie der Schule fernbleiben oder sich häufig krank stellen – Warnsignale für Eltern und Lehrer.

Cybermobbing: Das Wegfallen der "sicheren Orte"

Betroffene ziehen sich zurück und bleiben der Schule fern, um dem Mobbing zu entgehen. Die Schule, bzw. der Klassenraum wird nicht länger als sicherer Ort angesehen.

Facebook, WhatsApp und Co erweitern das Problem „Mobbing“ jedoch um eine digitale Ebene. Die sicheren Orte entfallen durch die 24/7-Erreichbarkeit, die elektronische Kommunikationsmedien mit sich bringen. Drohungen, beleidigende Kommentare, peinliche Fotos und andere Schikanen machen den Kindern über Handy, Internet und Computer das Leben rund um die Uhr zur Hölle. Smartphones bieten nicht länger nur die Möglichkeiten zum Austausch von Informationen, zu Verabredungen und zur Organisation, sie bringen jenseits der verantwortlichen Nutzung auch neue Probleme in die Schule und nach Hause.

Counselling / Pixabay

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest führt regelmäßig Studien über die Nutzung von Internet und Medien von Kindern und Jugendlichen durch. Die Studie Kindheit, Internet, Medien (kurz: KIM) betrachtet dabei den Medienumgang von Kindern zwischen sechs und 13 Jahren. Mehr als jeder Fünfte zwischen sechs und 13 Jahren ist im Internet schon einmal auf Gewalt- oder Prügelszenen aufmerksam geworden und empfand dies als beängstigend oder für Kinder ungeeignet (vgl. KIM-Studie 2016).

Die Studie Jugend, Internet, (Multi-)Media (kurz: JIM) untersucht den Medienumgang von Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren. 37% der Befragten gaben an, im Bekanntenkreis bereits Erfahrung mit Cybermobbing gemacht zu haben, auf die Frage, ob sie auch selbst schon einmal betroffen gewesen sein, antworteten jedoch nur 8% mit JA (vgl. JIM-Studie 2017).

Sexting: Wenn Kinder Tätern selber das Material für Mobbing liefern

Im Freundes- und Bekanntenkreis, aus Cliquen oder Peergroups können über das Internet – beispielsweise via WhatsApp – gewalthaltige Bilder und Videos, aber auch erotische und pornografische Inhalte binnen Sekunden verschickt und miteinander geteilt werden. Insbesondere bei älteren Kindern und Jugendliche spielt letzteres eine bedeutende Rolle im Rahmen ihrer Pubertät. Das Ausprobieren, Entdecken und Erfahren der eigenen Sexualität durch das Verschicken von Textnachrichten, Bildern oder Videos an etwa den Schwarm, kann dann zum Problem werden, wenn diese Schwärmerei beispielsweise ein Ende findet. Aufgrund der Komplexität dieser Thematik wurden Kinder in der KIM-Studie ganz allgemein gefragt, ob es im Bekanntenkreis schon einmal Probleme aufgrund von Nachrichten, Bildern oder Videos gab. Nur 2% der sechs bis sieben Jährigen, aber immerhin 10% der zwölf bis 13 Jährigen haben so etwas bereits im Freundeskreis erlebt.

Jugendliche setzen sich mit ihrer Sexualität auseinander. Dazu gehört auch die Frage, ob sie auf andere attraktiv, interessant und begehrenswert wirken. Beim Kennenlernen und Flirten über soziale Netzwerke, aber auch zur Beziehungspflege können deshalb erotische Bilder verschickt werden. Insgesamt gaben 33% der Jugendlichen in einer Studie von saferinternet.at an, dass sie schon einmal Nacktaufnahmen erhalten haben.

16% gaben zu, selbst schon einmal Nacktaufnahmen versendet zu haben. Die Umfrage stellte auch heraus: Wer eine Nacktaufnahme von sich macht, verbreitet diese auch oft.

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Video „Stop Cyber-Mobbing“ von klicksafe.de

Woran merken Eltern, dass ihr Kind von Cybermobbing betroffen ist?

Insbesondere Jugendliche wollen sich manchmal absichtlich von ihren Eltern abgrenzen, um eine unabhängige Gruppe zu bilden, ihre Selbstständigkeit zu symbolisieren oder sich zu Erproben. Das bedeutet noch lange nicht, dass sie von Cybermobbing betroffen sind. Doch woran können Eltern und Lehrer erkennen, ob ein Kind betroffen ist?

Betroffene von Cybermobbing…

  • sind niedergeschlagen und zeigen fehlendes Selbstvertrauen.
  • ziehen sich zurück, wirken verschlossen und erzählen weniger von der Schule.
  • meiden die Schule oder gehen nur noch extrem ungern hin.
  • sind plötzlich seltener im Internet und Sozialen Netzwerken unterwegs und schließen diese sofort, wenn jemand hinsehen könnte.
  • leiden unter Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit.
  • sind weniger fröhlich und unkonzentriert.
  • weichen Gesprächen über Verhaltensänderungen aus.
  • zeigen längerfristig deutlich schlechtere schulische Leistungen.
  • reagieren aggressiver als sonst und sind leicht gereizt.
  • haben in Kombination mit „klassischem“ Mobbing Verletzungen oder fehlende oder beschädigte Schulsachen.

Wie kann man helfen?

Eltern und Lehrer können helfen, indem sie…

  • eine Informationsbasis schaffen, um den Reiz der Kinder an Medien zu verstehen und sie über Gefahren und Probleme informieren zu können.
  • Respekt vermitteln, um klare Regeln und einen freundlichen und fairen Umgang zu etablieren. (Sinnvolle Regeln findet man zum Beispiel bei schau-hin.info)
  • eine Unterstützungsstruktur aufbauen, um eine Anlaufstelle zu schaffen und als Ansprechperson präsent zu sein. So wird die Hemmschwelle geringer, sich jemandem anzuvertrauen, wenn man betroffen ist.
  • Probleme und Sorgen der Kinder ernst nehmen und mit ihnen gemeinsam nach Lösungen suchen.
  • die Schikane beispielsweise durch Screenshots dokumentieren, um Beweise zu sammeln.
  • externe Unterstützung anfordern, zum Beispiel von der Jugendhilfe, einer anderen Stelle, die Mobbingsprävention anbietet oder der Polizei.

Sexting und Cybermobbing können rechtlich relevant sein…

  • das Aufbewahren und auch das Weiterversenden und Teilen von expliziten Aufnahmen von Kindern unter 14 Jahren sind gemäß §184b StGB strafbar.
  • §184c lässt sich darüber hinaus für ähnliche Abbildungen von Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren anwenden.
  • Das Weiterversenden ohne Einwilligung der abgebildeten Person stellt eine Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches dar (§201a StGB). Zusätzlich wird das Recht am eigenen Bild verletzt (§22 KunstUrhG).
  • Beim Cybermobbing sind Beleidigungen ebenfalls gemäß §185 StGB strafbar.
  • Üble Nachrede (§186) und Verleumdung (§187) können beispielsweise bei Aussagen, die einen Betroffenen verächtlich darstellen oder herabwürdigen zur Anzeige gebracht werden.

Quelle: saferinternet.at

WhatsApp in der Schule: Sind Klassenchats überhaupt ratsam?

Cybermobbing kann zum Problem werden. Dennoch möchte ich an dieser Stelle beruhigend auf euch einreden: Eine Vermeidungskultur ist nicht ratsam. Laut JIM-Studie liegt WhatsApp auf Platz zwei der liebsten Internetangebote für Jugendliche. Nur YouTube liegt noch davor. Bei den wichtigsten Apps liegt WhatsApp jedoch auf Platz 1.

Eine App, die eine solche Beliebtheit bei den Jugendlichen genießt, sollte man nicht aus deren Leben ausschließen – weder im Privaten noch in der Schule. Doch die Nutzung der Messenger-App in der Schule ist problematisch und im Grunde nicht erlaubt. Diese Problematik möchte ich am Beispiels des niedersächsischen Schulgesetzes einmal verdeutlichen:

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»Schulen, Schulbehörden, Schulträger, Schülervertretungen und Elternvertretungen dürfen personenbezogene Daten der Schülerinnen und Schüler und ihrer Erziehungsberechtigten (§ 55 Abs. 1) verarbeiten, soweit dies zur Erfüllung des Bildungsauftrags der Schule (§ 2) oder der Fürsorgeaufgaben, zur Erziehung oder Förderung der Schülerinnen und Schüler oder zur Erforschung oder Entwicklung der Schulqualität erforderlich ist.«

Verarbeitung personenbezogener Daten

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§31 NSchG

WhatsApp würde nicht zur Erfüllung des Bildungsauftrages, sondern lediglich zur Erleichterung des Schulalltages beitragen. Die Nutzungs von WhatsApp im Rahmen des Schulunterrichts ist deshalb nicht zulässig. Auch in anderen Bundesländern sieht die Rechtslage ähnlich aus. In Berlin beispielsweise bekam ein Lehrer Ärger, weil er eine WhatsApp-Gruppe einrichtete und ein Vater sich bei der Datenschutzbeauftragten beschwerte. Vom Datenschutzbeauftragten aus Rheinland-Pfalz hieß es daraufhin: »Sofern eine Lehrkraft es als notwendig erachtet, über Messenger mit Eltern, Schülerinnen und Schülern zu kommunizieren, kommen nur europäische Anbieter, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbieten, in Betracht«.

Es gibt durchaus Alternativen zu WhatsApp. Signal, Threema und Wire könnten sich beispielsweise für Klassenchats eignen. Lehrer sollten dies jedoch nicht selber entscheiden, sondern sich vorher beim Datenschutzbebauftragten erkundigen. Zudem bieten einige Schulen bereits eigene Kommunikationsplattformen an, die auf eigenen Servern gespeichert und deshalb in puncto Datenschutz am wenigsten bedenklich sind.

 

Klassenchats ergänzen den Schulunterricht

mohamed_hassan / Pixabay

Mit einem gesunden Blick auf die Gefahren, die das Internet birgt – Stichwort: Cybermobbing -, sind digitale Medien doch eigentlich eine Bereicherung für den Unterricht. Tafelbilder mit den Klassenkameraden teilen, Arbeitsmaterialien digital zur Verfügung stellen, Fragen stellen und gegenseitig oder gemeinsam beantworten: Meiner Meinung nach bietet das Möglichkeiten für den Unterricht. Die Handyverbote, die noch immer an vielen Schulen gelten, sollten aufgehoben werden, da das Smartphone eben nicht nur Ablenkung und Gefahren, sondern auch ungeahntes Potential mit sich bringt.

Nichtsdestotrotz sind insbesondere im Gebrauch in der Schule besondere Regeln notwendig, die ein faires und respektvolles Miteinander und den sicheren Umgang mit Medien gewährleisten. Dafür müssen nicht nur Schüler ihre Medienkompetenz ausbauen, sondern auch und ganz besonders Lehrkräfte. Klassenchats sind dann eine echte Bereicherung für den Schulunterricht und in meinen Augen durchaus ratsam.

Die Initiative „SCHAU HIN! Was dein Kind mit Medien macht“ hat sich hier mit Daten- und Jugendschutz von Messengern befasst und zeigt Eltern auch Alternativen zu WhatsApp auf.

Dieser Beitrag ist in bezahlter Zusammenarbeit mit der Initiative „SCHAU HIN! Was dein Kind mit Medien macht“ entstanden. Den Artikel habe ich eigenständig redaktionell erstellt.

 

Quellen: mpfs.de, JIM-Studie 2017, KIM-Studie 2017, schau-hin.info, saferinternet.at, klicksafe.de, datenschutzbeauftragter-info.de

Titelbild: Riala / Pixabay

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