Medienkompetenz: Wer ist verantwortlich?

Moderne Medien wie das Smartphone begleiten Kinder und Jugendliche inzwischen tagtäglich. Doch wer steht in der Verantwortung, den Kindern den kompetenten Umgang damit beizubringen: Eltern oder Lehrer?

Abbildung: © Kevin Ruser

Kinder und Jugendliche wachsen inzwischen in einer digitalen Welt auf. Sie können sich somit zu den sogenannten Digital Natives zählen. In 99% der Haushalte befinden sich inzwischen Smartphones (vgl. JIM-Studie 2017), sodass der Zugang zum Internet zum Alltag der Kinder und Jugendlichen dazu gehört. Die JIM-Studie (Jugend, Internet, (Multi-)Media) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest zeigt, dass die Verfügbarkeit eines Smartphones mit zunehmenden Alter ansteigt. So besitzen bereits 92% der zwölf bis 13-Jährigen ein eigenes Smartphone, bei den 18- bis 19-Jährigen sind es 99%.

Smartphones sind echte Allrounder. Sie helfen mittels Kalenderfunktion in der Alltagsorganisation und dienen über Messenger und Soziale Netzwerken der Kommunikation. Zudem ermöglicht das Smartphone den orts- und zeitunabhängigen Zugang zum Internet. Mit einer Vielzahl an Apps sind die Geräte individuell anpassbar, können für Schule, Arbeit oder zum Zeitvertreib verwendet werden. Das Smartphone ist gleichzeitig Foto- und Videokamera, Audiorekorder, Musikplayer und Datenspeicher.

All diese Funktionen nehmen im Leben der Kinder eine immer größer werdende Bedeutung ein. Das Smartphone bringt jedoch nicht nur Potentiale im handlichen Format mit sich, sondern birgt auch Risiken und Gefahren. Die Digitalisierung des Alltags verlangt ihnen urplötzlich Kompetenzen und Know-How ab, die es in dieser Form früher noch nicht gab. Wer ist verantwortlich, die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen auszubauen: Eltern oder Lehrer?

Was zeichnet Medienkompetenz aus?

Medienkompetenz wird inzwischen als lebensnotwendig verstanden. Da moderne Medien uns inzwischen überall im Alltag begegnen, kann Medienkompetenz nicht nur die Fähigkeit beschreiben, mit diesen Medien umzugehen und über den Umgang zu reflektieren. Vielmehr steht die Medienkompetenz im Sinne des lebenslangen Lernens. Dementsprechend sind auch jegliche Erfahrungen im Umgang mit Medien Teil der Medienkompetenz.

Die Kultusministerkonferenz (kurz: KMK) ist ein Zusammenschluss der Kultusminister der Länder und soll die Bildungs- und Kultuspolitik der Länder koordinieren. Sie unterteilt die Medienkompetenz in sechs Teilkompetenzen:

Kinder und Jugendliche lernen demnach,

  • Suchstrategien zu nutzen und weiterzuentwickeln.
  • relevante Quellen zu identifizieren.
  • Informationen und Daten zu analysieren, zu interpretieren und kritisch zu bewerten.
  • Informationsquellen kritisch zu hinterfragen.
  • Informationen und Daten sicher zu speichern, abzurufen, zusammenzufassen und strukturiert aufzubewahren.

Denn laut JIM-Studie gewinnt mit zunehmenden Alter der Kinder und Jugendlichen das Internet als Informationsquelle an Bedeutung. 85% der Jugendlichen zwischen zwölf und 19 verwenden täglich oder mehrmals pro Woche Suchmaschinen wie Google, Yahoo oder Bing, um sich zu informieren.

Dass ein Ausbau dieser Kompetenzen zwingend erforderlich ist, zeigte 2016 beispielsweise eine Studie der Universität Stanford. Sie fand heraus, dass 80% der Jugendlichen Werbung nicht zweifelsfrei von News-Artikeln unterscheiden konnten.

Demnach müssen Kinder und Jugendliche wissen,

  • wie sie mit Hilfe digitaler Möglichkeiten kommunizieren.
  • wie sie Dateien, Informationen und Links teilen.
  • wie man fremde Informationen mit Quellenangaben versieht.
  • wie man sich bei digitaler Kommunikation und Interaktion verhält (Netiquette) und die Kommunikation der jeweiligen Umgebung anpasst.
  • wie man als selbstbestimmter Bürger aktiv an der Gesellschaft Teilhabe trägt.

Der Schwerpunkt Kommunikation nimmt mit rund 40% den größten Teil der Onlinenutzung ein.

Für einen medienkompetenten Umgang können Kinder und Jugendliche,

  • mehrere technische Bearbeitungswerkzeuge anwenden.
  • Inhalte bearbeiten, zusammenführen, veröffentlichen und teilen.
  • mit Urheber-, Nutzungsrecht und geistigem Eigentum umgehen.

Die Kinder und Jugendlichen…

  • kennen, reflektieren und berücksichtigen Risiken und Gefahren der digitalen Umgebung.
  • berücksichtigen Maßnahmen zur Datensicherheit und gegen Datenmissbrauch.
  • schützen ihre Privatsphäre durch geeignete Maßnahmen.
  • vermeiden Suchtgefahren und verwenden digitale Technologien gesundheitsbewusst.

Im Rahmen der Medienkompetenz erlernen Kinder und Jugendliche,

  • technische Probleme zu identifizieren.
  • eine Vielzahl von digitalen Werkzeugen kreativ anzuwenden.
  • die digitale Umgebung und Werkzeuge zum persönlichen Gebrauch anzupassen.
  • ein persönliches System digitaler Lernressourcen selbst zu organisieren.

Kinder und Jugendliche…

  • kennen und bewerten Gestaltungsmöglichkeiten von digitalen Medienangeboten.
  • analysieren die Wirkung von Medien in der digitalen Welt und gehen konstruktiv damit um.
  • kennen die Vielfalt der digitalen Medienlandschaft.
  • erkennen Chancen und Risiken des Mediengebrauchs in unterschiedlichen Lebenslagen.
  • reflektieren die eigene Mediennutzung.
  • wissen um die Potentiale der Digitalisierung im Sinne sozialer Integration und sozialer Teilhabe.

Eltern in der Verantwortung

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Mehr als 50% der Achtjährigen sind bereits im Internet unterwegs, bei den Sechsjährigen sind es rund ein Drittel. Sogar bei den Dreijährigen ist jedes zehnte Kind online. Das stellte eine Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (kurz: DIVSI) heraus. Den ersten Kontakt mit digitalen Medien haben Kinder also bereits vor Schuleintritt.

Die Studie fand zudem heraus, dass Kinder nahezu die gleichen Zugriffsmöglichkeiten auf Smartphones, Computer und Spielekonsolen haben – ungeachtet dem Einkommen ihrer Eltern. Dennoch weist die Studie Parallelen zwischen den Eltern und dem Nutzungsverhalten der Kinder nach. Kinder von Eltern mit geringerer formaler Bildung nutzen das Internet häufiger für Spiele und seltener für die Informationssuche und Lernzwecke als Kinder von Eltern mit höherer Bildung.

Zudem wirkt sich eine geringe formale Bildung der Eltern auf die Bereitschaft aus, ihre Kinder aktiv in der digitalen Welt zu begleiten. Sie sind häufiger der Ansicht, Kinder würden den Umgang mit digitalen Medien eigenständig erlernen. Wenn Eltern selbstverständlich im Internet unterwegs sind und digitale Medien als festen Bestandteil ihres Alltags sehen, zeigen die Kinder außerdem mehr Selbstsicherheit im Umgang mit digitalen Medien.

In der Sicht der meisten Eltern überwiegen die Risiken den Potentialen digitaler Medien. Sie fürchten insbesondere den Zugang zu nicht-kindgerechten Inhalten, den möglichen Kontakt mit unbekannten Personen und die Gefahr des Cybermobbings. 57% der Gespräche, die Eltern mit ihren Kindern über die Sicherheit im Netz führen, behandeln die Preisgabe persönlicher Informationen im Internet. Ein ähnlicher Prozentanteil der Eltern hat – der Studie zufolge – Jugendschutzprogramme auf den Geräten ihrer Kinder installiert.

Obwohl auch sie häufig noch Unsicherheiten im digitalen Alltag zeigen, sehen sich Eltern als die Hauptverantwortlichen, wenn es darum geht, Kindern einen kompetenten Umgang mit dem Internet zu vermitteln.

Medienkompetenz in der Schule

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Die Kultusministerkonferenz hat das Thema Medienpädagogik fest in den Lehraufträgen der Schulen verankert. Im Schreiben der KMK heißt es dazu: »Die Länder verpflichten sich dazu, dafür Sorge zu tragen, dass alle Schülerinnen und Schüler […] bis zum Ende der Pflichtschulzeit die in diesem Rahmen formulierten Kompetenzen erwerben können.« Damit wird die Medienkompetenz automatisch auch zur Aufgabe einer jeden Lehrperson – ganz gleich, welches Fach sie unterrichtet.

Um kompetent den Umgang mit digitalen Medien lehren zu können, müssen Lehrkräfte jedoch zunächst eine eigene Medienkompetenz erwerben. Dies soll im Rahmen von Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte geschehen.

Hinderlich ist zudem die mediale Ausstattung der Schulen. Zwar sind inzwischen nahezu alle Schulen mit Computern und Internet ausgestattet, eine WLAN-Verbindung beispielsweise gibt es jedoch nicht einmal in der Hälfte der Schulen. In gerade einmal 12% der Schulen dürfen die Schülerinnen und Schüler das WLAN nutzen.

Schüler verbringen viel Zeit in der Schule. Sie bietet deshalb ideale Voraussetzungen für den Einsatz von Smartphones im Unterricht. Dennoch werden diese Potentiale oftmals nicht annähernd ausgeschöpft. Lehrer befinden sich in der Position, dies zu ändern. Das Smartphone bietet sich im Unterricht für Recherche-Zwecke, aber auch zum Arbeiten mit Apps an, die den Unterricht ergänzen. 

Auch Mobbing geht in der digitalen Zeit häufig mit Cybermobbing einher. Die Schikane hält sich nicht mehr nur in der Schule, sondern setzt sich auf der digitalen Ebene fort. Die Ursache hierfür ist häufig in der Schule zu finden und fällt damit wiederum in den Verantwortungsbereich der Lehrkräfte.

Wer ist Verantwortlich: Eltern oder Lehrer?

Meiner Meinung nach sind beide Standpunkte logisch erklärbar. Schülerinnen und Schüler verbringen fünf Tage pro Woche mehrere Stunden in der Schule, wo sie ständig im Kontakt mit Lehrkräften sind. Lehrer sind professionell und darauf geschult, Wissen und Kompetenzen zu vermitteln.

Ich denke jedoch, dass Medienkompetenz in der heutigen Zeit Teil der Sozialisation ist. Damit fällt sie größtenteils in den Verantwortungsbereich von Eltern und Erziehungsberechtigten – jedoch nicht ausschließlich. Wie würdet ihr euch entscheiden, wenn ihr eine Seite in die Verantwortung stellen müsstet?

Auf Twitter haben in dieser Umfrage knapp zwei Drittel für Eltern gestimmt! Meiner Meinung nach ist das jedoch nicht ausreichend, da Eltern oft selbst kaum die Medienkompetenz besitzen, die es zu vermitteln gilt.

Lehrkräfte sollten in ihrer Ausbildung in Berührung mit Medienkompetenz kommen, diese erwerben und im eigenen Unterricht vermitteln können. Medienkompetenz lässt sich also nicht aufteilen – weder auf die einen noch auf die anderen.

Dieser Beitrag ist in bezahlter Zusammenarbeit mit der Initiative „SCHAU HIN! Was dein Kind mit Medien macht“ entstanden.

Quellen: mpfs.de, JIM-Studie 2017, KIM-Studie 2017, schau-hin.info, divsi.de,

Kevin Ruser (2017): It’s a smart world! Das Smartphone im Geographieunterricht.,  

KMK (2016): Bildung in der digitalen Welt,

Stanford History Education Group (2016): Evaluating Information. The Cornerstore of civic online reasoning.

Titelbild: albersHeinemann / Pixabay

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