Faszination Social Media – Warum nutzt man eigentlich Soziale Netzwerke?

Soziale Netzwerke gehören zu den liebsten Internetangeboten von Kindern und Jugendlichen. Aber warum eigentlich?

Kaum noch sieht man Jugendliche ohne Smartphone in der Hand. An der Bushaltestelle, in der Bahn, in der Schule, sogar beim Gehen durch die Stadt schauen sie hochkonzentriert auf das moderne Gerät in ihrer Hand, das sie über das Internet mit all ihren Freunden verbindet. Die Faszination von sozialen Netzwerken beruht auf der Tatsache, dass Menschen annehmen, in Verbünden mehr erreichen zu können als allein. Wo früher SchülerVZ, ICQ und MSN standen, gibt es inzwischen Facebook, Instagram, WhatsApp, Snapchat, Twitter, Google+, Tumblr und so viele weitere Dienste. Doch warum genau sind Kinder und Jugendliche so fasziniert von sozialen Netzwerken?

Welche Netzwerke nutzen Kinder und Jugendliche?

Die JIM-Studie (Jugend, Internet, (Multi-)Media) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest befragt regelmäßig Jugendliche zu ihrem Umgang mit Medien. Im Jahr 2017 befragte sie die Jugendlichen beispielsweise auch nach ihren liebsten Internetangeboten. Unter den 15 am häufigsten genannten Angeboten befinden sich sieben Dienste, die im weitesten Sinne als Soziales Netzwerk verstanden werden können. 

Welchen Reiz haben soziale Netzwerke auf Kinder und Jugendliche?

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Soziale Netzwerke sind deshalb so beliebt bei Kindern und Jugendlichen, weil sie ihnen die Möglichkeit geben, sich selbst darzustellen. Mit Hilfe von Selfies oder durch Angaben von Interessen und dem sozialen Umfeld wird in den Netzwerken die Persönlichkeit repräsentiert. Auf diese Art und Weise erhalten sie – durch Likes beispielsweise – Anerkennung von anderen. Schon längst hat die Anzahl der Freunde oder Likes in Netzwerken Symbolcharakter. Jugendliche definieren sich und ihren Wert anhand solcher virtuellen Werte.

Viele Jugendliche sehen soziale Netzwerke als Räume ohne Erwachsene. Sie verwenden diese Plattformen also zur Abgrenzung von ihren Eltern – ähnlich wie die Verwendung der Jugendsprache. In den Netzwerken können und wollen Jugendliche sich ausprobieren, ohne Konsequenzen ihrer Eltern fürchten zu müssen.

 

Facebook, Instagram und Co sind multifunktionell. Sie weisen verschiedene Funktionen und sogar Spiele auf und bieten somit für jede Stimmungslage die richtige Funktion. Ob passives Durchklicken anderer Profile und das aktive Teilen der eigenen Meinung: Die vielen Stimmungslagen der Jugendlichen sind optimal abgedeckt.

Auch im Internet gibt es eine Art Gruppenzwang. Ist der gesamte Freundeskreis in einem Netzwerk vertreten, ist deshalb die Chance hoch, dass sich die übrigen Teenager auch dort anmelden, um Teil der Gruppe zu werden oder zu bleiben.

Nicht zuletzt bieten soziale Netzwerke Kommunikationsmöglichkeiten, um Neuigkeiten auszutauschen, auf dem Laufenden zu bleiben und Kontakte zu pflegen.

Welche Probleme bringen soziale Netzwerke mit sich?

Doch die Netzwerke bergen nicht nur Entfaltungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Kinder und Jugendliche sollten sich deshalb folgender Risiken und Probleme bewusst sein. Eltern, Erzieher oder Lehrer können beratend und unterstützend zur Seite stehen. Wie das genau funktioniert, erkläre ich weiter unten.

15 Goldene Regeln für die verantwortungsvolle Nutzung sozialer Netzwerke

In sozialen Netzwerken interagieren Menschen über das Internet miteinander. Für einen respektvollen und verantwortungsvollen Umgang mit solchen Onlineangeboten sollten deshalb Regeln etabliert werden, die Teil der zu erwerbenden Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen sind. In der Verantwortung stehen insbesondere die Eltern, doch auch Erzieher oder Lehrkräfte können Regeln etablieren, um auch in der digitalen Welt ein faires Miteinander zu ermöglichen.

  1. Plattformen auf Angaben zum Jugend- und Datenschutz überprüfen. Die Videoplattform YouTube bietet beispielsweise eine Jugendschutzfunktion an und verhindert so, dass Jugendliche unter 18 besonders anstößige Videos ansehen. Eltern können beispielsweise eine Jugendschutzsoftware installieren oder entsprechende Einstellungen im Browser vornehmen.
  2. Den Kindern und Jugendlichen die Wege verdeutlichen,
    1. anstößige Inhalte an den Betreiber zu melden (melden).
    2. bestimmten Kontakten das Kontaktieren und Aufrufen des Profils zu untersagen (blockieren).
  3. Die Privatsphäre-Einstellungen gemeinsam mit dem Kind durchgehen und erklären.
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    Verantwortungsvoller Umgang mit Bildern: Kinder und Jugendliche sollten sich über die Reichweite ihrer persönlichen Bilder im Klaren sein.
  5. Das Recht am eigenen Bild einfordern. Wenn unerlaubte oder unerwünschte Bilder gepostet oder geteilt werden, kann der Betreiber diese umgehend löschen.
  6. Beim Verdacht auf Cybermobbing sollte in Absprache mit dem Kind schnell gehandelt werden.
  7. Kinder und Jugendliche sollten über die weiteren Gefahren im Internet aufgeklärt werden. Das Problem von Fake-Profilen sollte unbedingt zur Ansprache gebracht werden, damit Kinder und Jugendliche sich nicht unbedacht mit Online-Freunden treffen.
  8. Auf Dritt-Anbieter-Apps verzichten, die persönliche Daten auslesen und weitergeben könnten.
  9. Kinder und Jugendliche sollten über die Konsequenzen ihres Handelns im Netz informiert werden. Like-Angaben oder das Freigeben von E-Mail-Adressbüchern, um Freunde zu finden, sollten mit Bedacht behandelt werden.
  10. Standortdaten sollten nicht ohne Weiteres freigegeben werden. Bei WhatsApp sollte unbedingt die Funktion „Live Standort“ deaktiviert werden.
  11. Auch in Sozialen Netzwerken sind Erziehungsberechtigte der Vormund ihrer Kinder. Profile, die ohne Einverständnis entstanden sind, können dem Betreiber gemeldet werden. Dieser ist dann verpflichtet, diese umgehend zu entfernen. Aber: Dieses Vorgehen sollte gut überlegt sein. Kinder sollten den Umgang mit Medien erlernen können.
  12. Kinder und Jugendliche sollten bei ihren ersten Erfahrungen im Internet begleitet werden. Eltern können helfen, indem sie Interesse an den Aktivitäten ihrer Kinder zeigen, ohne jedoch zu neugierig zu werden.
  13. Eltern können sich ein eigenes Profil in sozialen Netzwerken anlegen und sich dabei von ihrem Kind helfen lassen. So kann überprüft werden, was das Kind bereits darüber weiß und wie gut es sich mit Sicherheits- und Privatsphäre-Einstellungen auskennt.
  14. Durch die Begrenzung der Online-Zeit je nach Alter kann ein übermäßiges Nutzen von Onlineangeboten unterbunden werden.
  15. Eltern müssen ihren Kindern Zeit und Freiheiten einräumen. Es sollte respektiert werden, wenn das Kind die Freundschaftsanfrage auf Facebook nicht annehmen möchte.
Wichtig ist, dass sowohl Eltern als auch Kinder stets wissen müssen, dass sie nicht allein sind. Eltern können sich untereinander austauschen oder mit Erziehern und Lehrern sprechen. Auch Kinder können Informationen untereinander austauschen. Indem Eltern ihren Kindern das Gefühl geben, ein offenes Ohr zu haben, schaffen sie eine Vertrauensbasis für Gespräche.

Dieser Beitrag ist in bezahlter Zusammenarbeit mit der Initiative „SCHAU HIN! Was dein Kind mit Medien macht“ entstanden.

Quellen: schau-hin.info, klicksafe.de, mpfs.de, Schillinger (2010): Faszination Facebook, JIM-Studie 2017, KIM-Studie 2016

Titelbild: Pixelkulty | pixabay.com

Social Media Logos: ElisaRiva | pixabay.com

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