Smartphones in der Schule

Digitalisierung, Internet und immer leistungsfähigere Smartphones verändern die Welt der Jugendlichen grundlegend. Kann man das Smartphone auch in die Schule integrieren?

Bereits jeder zehnte Dreijährige kommt regelmäßig in den Kontakt mit digitalen Medien wie Smartphone oder Tablet-PC und ist damit online. Unsere Kleinsten wachsen als Digital Natives – Personen, die im digitalen Umfeld groß werden – auf. Mit 13 Jahren besitzen dann etwa 92% der Jugendlichen ein eigenes Smartphone, bei den 18- bis 19-Jährigen sind es 99%. Das Smartphone ist aus dem Leben der Jugendlichen gar nicht mehr wegzudenken, schließlich kombiniert es die Vorzüge der Internetnutzung und Kommunikation mit Organisation, Musik-Player und Kamera.  Und so trifft das Smartphone unvermeidlich irgendwann auf die Schule – den Ort, in dem Jugendliche rund 30 Stunden pro Woche verbringen. Kann das Smartphone das Schulbuch verdrängen?

Das Smartphone in der Schule

Da das Smartphone der ständige Wegbegleiter der Jugendlichen ist, möchte man meinen, es könne auch in der Schule Anwendung finden. Schließlich sind die Möglichkeiten unendlich und mit Hilfe des Internets ist ein gigantisches Reservoire an Informationen immer und überall abrufbar. Dennoch überwiegen aus Sicht vieler Schulen in Deutschland die Gefahren des Smartphones in der Schule: Cybermobbing und die Verletzung des Rechts am eigenen Bild sind ursächlich für die Handyverbote, die vielerorts in den Schulordnungen verankert sind. Insbesondere die älteren, konservativen Lehrkräfte verteidigen diese Verbote und setzen auf traditionelle Medien wie das Schulbuch. Als junger angehender Lehrer habe ich mich mit der Frage auseinandergesetzt, ob man das Smartphone in den Schulunterricht integrieren kann und darüber auch meine Abschlussarbeit geschrieben! In diesem Beitrag möchte ich die Vorzüge und Nachteile des Smartphones in der Schule gegeneinander abwägen.

"Mobile Learning": Das Smartphone als Allrounder

Das Smartphone ist ein echter Alleskönner, dessen Fähigkeiten über die eines einfachen Handys weit hinaus gehen. Neben Telefonie und dem Versenden von Textnachrichten, dient das Gerät als Musik-Player, Kamera, Aufnahmegerät und Kalender und eröffnet durch den Zugang zum Internet unendliche Möglichkeiten.

Dank Millionen von Apps sind die Potentiale des Smartphones auch für die Schule nahezu unbegrenzt. Sei es die Internetrecherche, das Anschauen von Lernvideos, die Verwendung von Apps für den Unterricht oder das Dokumentieren von Experimenten – sinnvolle Ansätze und Gründe für die Einbindung des Smartphones gibt es genug. So sollten auch Eltern wissen, dass das Kind durchaus mit dem Smartphone lernen kann: Schule und Smartphone schließen sich nicht gegenseitig aus! Einige der folgenden Apps sind womöglich nicht für alle Betriebssysteme zu haben.

  • YouTube: Sommers Weltliteratur fasst verschiedene Klassiker der Literatur anschaulich und humorvoll mit Playmobil-Figuren zusammen.
  • POESI bietet verschiedene deutschsprachige Gedichte im praktischen Taschenformat.
  • Top im Abi bietet Übungsaufgaben für das Abitur
  • Der Westermann-Verlag hat Apps zu unterschiedlichen Themen im Sortiment.
  • GeoGebra vereint Algebra, Geometrie, Statistik und Analysis in einer App.
  • TheSimplyMaths erklärt bei YouTube die verschiedenen Themen der Mathematik.
  • Cornelsen Clevery – Oberstufe hilft, Mathematik passend zum Lehrplan zu vertiefen.
  •  DuoLingo hilft beim Erlernen einer neuen Sprache, fragt Vokabeln ab und stärkt die Sprachfähigkeiten.
  • Langenscheidt hat eine App entwickelt, um Sprachwissen aufzufrischen. Der L Sprachkurs – Englisch lernen für Job und Reise festigt das Sprachwissen.
  • Auch hier kann Cornelsen Clevery – Oberstufe helfen. Neben Mathe werden Englisch und Französisch angeboten.
  • Top im Abi beinhaltet unterschiedliche Übungsaufgaben für das Abitur
  • YouTube: Der Channel The Simply Geography erklärt verschiedene Themen der Geographie in kurzen, verständlichen Videos.
  • In MxGeoPro können Daten zu Ländern abgerufen und Länder auf der Weltkarte ausfindig gemacht werden. Zudem kann mithilfe eines Quizzes die Topographie ausgewählter Regionen gelernt werden.
  • Mit ActionBound kann man Rallyes erstellen und diese mittels GPS und Geocaching absolvieren lassen.
  • Die Grundwasser-App veranschaulicht das Thema Grundwasser und stellt in einem interaktiven Labor Zusammenhänge her.
  • YouTube: The Simply Biology erklärt in kurzen Videos verständlich die verschiedenen Themen der Biologie
  • Biologie Akademie vermittelt spielerisch Oberstufenwissen für das Fach Biologie.
  • In einem Quiz, einer Challenge oder einer Olympiade kann man  mit der Bioapp sein Wissen zu Themen wie Zellbiologie, Verhalten,  Ökologie und vielen weiteren auf die Probe stellen.
  • Biologische Fachbegriffe kann man im Linder Biologie Glossar des Westermann Verlags nachschlagen und trainieren.
  • Praktische Lernkarten inkl. Prüfungsmodus bietet  die Abi-Lernbox BIOLOGIE.

Smartphone und Schule: Wie geht das?

Das Smartphone ist ein echter Allrounder und kann deshalb auch in der Schule eingesetzt werden. Dabei ist es jedoch wichtig, es gezielt einzusetzen, da es sonst zu Ablenkung führt. Die große Problematik: Lehrer können nicht bei allen Schülern kontrollieren, ob das Smartphone gerade in diesem Moment für den Unterricht und nicht für Facebook, YouTube oder WhatsApp verwendet wird. Erforderlich ist also eine Menge Vertrauen von der Lehrkraft in die Schüler und die Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler, das Handy tatsächlich für den Unterricht zu verwenden.

Damit das Smartphone tatsächlich sinnvoll im Unterricht integriert werden kann, ist jedoch nicht nur ein ausgebautes Netzwerk in der Schule erforderlich, damit alle Schülerinnen und Schüler das Internet nutzen können, es müssen auch entsprechende Materialien angeboten werden, die dann genutzt werden können. Das stellt den Smartphone-Einsatz vor eine neue Problematik: Unterschiedliche Betriebssysteme wie Android und iOS haben nicht gleichermaßen Zugriff auf Apps – ein einheitliches Angebot kann also nur geschaffen werden, wenn alle Schülerinnen und Schüler einer Lerngruppe dasselbe Betriebssystem nutzen.

Zusätzlich muss man sich fragen, ob der Einsatz von Smartphones das Smartphone zum Lehr- und Lernmittel macht. Einige Bundesländer schreiben eine sogenannte Lernmittelfreiheit vor, die es Schülerinnen und Schülern ermöglicht, die Schulbücher kostenlos gestellt zu bekommen. Wenn das Smartphone plötzlich zum Lernmittel wird, muss man sich also die Frage stellen, ob die Geräte durch die Schule gestellt werden (beispielsweise leihweise). 

Doch das Smartphone allein ist oft nicht ausreichend. Lernvideos und Apps müssen verfügbar sein. Das Angebot ist zwar vorhanden, aber definitiv noch ausbaufähig. Meiner Meinung nach ist das Smartphone deshalb nur als Ergänzung in der Schule geeignet und hat nicht das Zeug, das Buch in naher Zukunft abzulösen.

Dieser Beitrag ist in bezahlter Zusammenarbeit mit der Initiative „SCHAU HIN! Was dein Kind mit Medien macht“ entstanden.

 

Quellen: mpfs.de, JIM-Studie 2017, KIM-Studie 2017, schau-hin.info

Titelbild: geralt / Pixabay.com
Infografik: Initiative „SCHAU HIN! Was dein Kind mit Medien macht.“

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