100 Jahre Demokratie

Deutschland war nicht immer eine Demokratie. Noch vor 100 Jahren hatten wir einen Kaiser. Die Geburtsstunde der Demokratie.

Es ist gerade einmal 100 Jahre her, dass Deutschland noch einen Kaiser hatte. Wilhelm II. war seit 1888 Kaiser des Deutschen Reiches und führte dieses bis in den ersten Weltkrieg. Dieser begann 1914 nach einem Anschlag auf den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo. Nachdem ein Bombenanschlag in der bosnischen Hauptstadt zunächst verhindert werden konnte, wurden der Thronfolger und seine Frau durch einen serbischen Nationalisten erschossen. 

Einen Monat darauf erklärt Österreich-Ungarn am 28. Juli 1914 den Krieg. Das Deutsche Reich, das Österreich Unterstützung zusagt, macht ebenfalls mobil und erklärt am 01. August 1914 Russland den Krieg, welches als serbischer Verbündeter eine Gefahr für Österreich-Ungarn darstellte. Da Frankreich zu diesem Zeitpunkt mit Russland verbündet war, rüsteten sich auch die Franzosen auf. Das Deutsche Reich erklärt daraufhin auch Frankreich den Krieg.

Um eine Schlacht an zwei Fronten zu vermeiden, entscheidet man sich, zunächst Frankreich im Westen auszuschalten. Dafür ist jedoch der Durchmarsch durch das neutrale Belgien notwendig, das sich weigert, die deutschen Truppen ziehen zu lassen. Infolgedessen erklärt das verbündete Großbritannien dem Deutschen Reich den Krieg, um die Neutralität Belgiens zu schützen. Das Unheil nimmt seinen Lauf.

Die Seeschlacht von Skaggerak - Das Ende der deutschen Marine?

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Der Krieg tobt seit zwei Jahren. Hunderttausende ließen bisher ihr Leben. Ein Ende ist nicht in Sicht. Bei der größten Seeschlacht des ersten Weltkriegs treffen das Deutsche Reich und Großbritannien am Skaggerak, nördlich von Dänemark, aufeinander.

Wieder gibt es dutzende Tote, versenkte U-Boote und Schiffe. Aufgrund der schweren Verluste und den niedrigen Erfolg dieser Seeschlacht wird die deutsche Marine im weiteren Verlauf des Krieges kaum noch eingesetzt.

Der Krieg erscheint aussichtlos. Ebenso aussichtlos wie eine erneute Seeschlacht, die am 26. Oktober 1918 angeordnet wird – einen Monat nachdem die Gespräche um einen endgültigen Waffenstillstand begonnen hatten. Der Flottenbefehl erreicht die Matrosen in Wilhelmshaven und Kiel. Nachdem die Matrosen sich dem Befehl widersetzen, kommt es in Wilhelmshaven zu Verhaftungen.

Der Kieler Matrosenaufstand

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Auch in Kiel verweigern die Matrosen – insbesondere die Heizer – den Flottenbefehl. Sie sind empört über die Festnahmen in Wilhelmshaven und gehen dagegen am 03. November 1918 auf die Straßen. Kiel ist in der Hand der Aufständischen. In der Nacht werden sieben Matrosen bei einer Massenkundgebung erschossen. Es wird die Abdankung des Kaisers gefordert. Viel zu lange gab es Krieg in Deutschland. Viel zu lange sind Menschen gestorben. Viel zu lange hat die Bevölkerung gehungert, weil alle Reserven an die Fronten gingen.

Nachdem das Militär gegen den Aufstand vorgegangen war, weitet sich dieser aus. Nicht nur Matrosen gehen fortan auf die Straße und auch in anderen Städten wird demonstriert. Es bilden sich Arbeiter- und Soldatenräte, die allesamt die Abdankung des Kaisers fordern. Die Novemberrevolution beginnt.

 

"Es lebe das Neue! Es lebe die Deutsche Republik!"

Am 09. November zeigt die Novemberrevolution erste Erfolge. Ohne vorherige Absprache mit dem Kaiser ruft der stellvertretende SPD-Vorsitzende Philipp Scheidemann in Berlin das Ende der Monarchie und damit die Republik aus. Beinahe Zeitgleich ruft auch der Sozialist Karl Liebknecht die sozialistische Republik in Deutschland aus – Doppelt hält ja bekanntlich besser.

Am 11. November schließlich wird der Waffenstillstand unterschrieben. Millionen Tote. Am 28. November 1918 dankt Wilhelm II. offiziell ab. Das Ende der Monarchie in Deutschland.

Die Weimarer Verfassung - Die Geburt der deutschen Demokratie

Schließlich bildet sich eine Verfassungsgebende Nationalversammlung. Sie beschließt am 11. August 1919 die erste praktizierte demokratische Verfassung. Die Weimarer Verfassung tritt am 14. August 1919 in Kraft. Noch heute ist sie der Grundbaustein für unsere Verfassung – das Grundgesetz. So findet man in den heutigen Ausgaben des Grundgesetzes noch immer einen „Auszug aus der deutschen Verfassung vom 11. August 1919“.

Erst am 10. Januar 1920 tritt der Versailler Vertrag in Kraft. Damit ist der 1. Weltkrieg offiziell beendet. Deutschland wird die alleinige Kriegsschuld zugesprochen. Das Deutsche Reich muss Gebiete abtreten Reparationszahlungen leisten und Gebiete abtreten.

Deutschland hat in den vergangenen sechs Jahren viel verloren. Millionen von Menschen, eine Menge Land, Infrastruktur, Gebäude, den Krieg. Doch infolgedessen hat Deutschland etwas gewonnen, das das Land bis heute prägt: Die Demokratie.


Quellen: Bundesamt für Politische Bildung, Plievier: Der Kaiser ging, die Generäle blieben.

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