Organspende: Meine Organe bekommt ihr nicht!

In Deutschland warten rund 10.000 Menschen auf eine Organspende. Warum nicht Leben retten?

Laut Deutscher Stiftung für Organtransplantationen warten rund 10.000 Menschen in Deutschland auf eine Organspende. Viele von ihnen werden vergeblich warten. Im Jahr 2017 gab es in Deutschland – ohne Lebendspende – gerade einmal rund 800 Organspender. Lebendspender sind all jene, die zu Lebzeiten ein eigenes Organ abgeben – beispielsweise an einen Familienangehörigen. Die in der Statistik von Eurotransplant aufgeführten 800 Spender in Deutschland haben nicht mehr gelebt – ihnen wurden die Organe post mortem entnommen. Streng genommen sind die Spender in der Regel noch nicht komplett tot, sondern hirntot. Dann ist ein Mensch nicht mehr lebensfähig, wird künstlich am Leben erhalten, weil die lebensnotwendigen Hirnfunktionen etwa nach starken Gehirnschädigungen erloschen sind. Den Hirntod müssen zuvor zwei Ärzte unabhängig voneinander feststellen – einer von beiden muss Facharzt für Neurologie oder Neurochirurgie sein.

Die Qual der Wahl

In einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) stellte sich heraus, dass 9 von 10 Deutschen eine Organspende empfangen wollen würden. Immerhin drei Viertel der Befragten wäre nach ihrem Tod bereit, selber Organe zu spenden. Einen Organspendeausweis besitzt jedoch nur ein Drittel.

Gibt es keinen Organspendeausweis oder keine Patientenverfügung, müssen Angehörige die schwierige Entscheidung treffen, ob ein Verstorbener seine Organe spenden möchte. Das stellt die Hinterbliebenen oft vor die ethische und moralische Frage, ob sie zulassen wollen, ihren verstorbenen Sohn, die verstorbene Mutter, den Partner oder die Frau nach dem Ableben noch einmal aufschneiden zu lassen.

Eine Frage, die ich in der Trauer um einen Angehörigen nicht beantworten wollen würde. Ein Organspendeausweis hilft also, den Trauernden eine wahnsinnig schwerfällige Entscheidung abzunehmen.

Thorben Wengert / pixelio.de

Der Organspendeausweis ist kostenlos. Man kann ihn ausfüllen und dort angeben, ob man bereit ist, nach seinem Tod Organe zu spenden. So kann man nach dem Ableben unter Umständen anderen Menschen das Leben retten. Die Frage ist nun: Will man das? Streng genommen sind wir in dieser Situation bereits tot – hirntot. Ob wir also noch mitbekommen, dass ein Team von Ärzten uns ausweidet, ist fraglich – ich will es mir lieber nicht vorstellen. 

Man kann den Organspendeausweis aber nicht nur ausfüllen, wenn man etwas spenden möchte, sondern auch, wenn man dies nicht will. Bestimmte Organe können zur Spende freigegeben und einer Spende versagt werden und auch der Wunsch, keine Organe zu spenden, kann auf dem Organspendeausweis festgehalten werden, um Angehörigen diese Entscheidung abzunehmen.

Organspenden in anderen Ländern

Organspenderegelungen in Europa

grün: Erweiterte Zustimmungslösung, gelb: Entscheidunglösung, rot: Widerspruchslösung

Deutschland ist europaweit das einzige Land, in dem diese Entscheidungslösung bei der Organtransplantation gilt. Die Entscheidung, ob die eigenen Organe gespendet werden sollen oder nicht, trägt also ein jeder Bürger für sich – solange er Entscheidungen treffen kann. Darüber hinaus entscheidet ein Vormund oder die Angehörigen, denen diese Entscheidung durch den Organspendeausweis abgenommen werden kann.

In Dänemark, Griechenland, Großbritannien, Litauen, den Niederlanden, Rumänien und der Schweiz gilt die Erweiterte Zustimmungslösung. Eine Organentnahme ist in diesen Ländern nur gestattet, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt hat. Liegt keine Erklärung vor, können stellvertretend die Angehörigen eine Entscheidung treffen.

 

In Belgien, Bulgarien, Estland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Lettland, Liechtenstein, Luxemburg, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, der Slowakei, Slowenien, Tschechien, der Türkei, Ungarn und Zypern gilt die Widerspruchslösung. Hier muss einer Organentnahme zu Lebzeiten widersprochen worden sein, ansonsten können die Organe entnommen werden. Derzeit strebt auch Gesundheitsminister Jens Spahn die Widerspruchslösung für Deutschland an. Geht die Änderung durch, ist künftig also jeder Spender, der nicht aktiv Nein sagt. Die Frage wird aller Voraussicht nach aber erst in weiter Zukunft im Bundestag geklärt werden.

Meine Organe bekommt ihr nicht!

Auch nach seinem Tod noch Leben retten zu können, ist an sich eine schöne Vorstellung. Trotzdem muss ich mich aus mehreren Gründen gegen eine Organspende entscheiden:

1. Möchte ich mir nicht vorstellen, nach dem Tod aufgeschnitten und auseinandergenommen zu werden. Und der viel schwerwiegendere Grund:

2. Habe ich eine Blutgerinnungsstörung, weshalb ich weder als Blut- noch als Organspender infrage komme.

Dennoch möchte ich mehr Menschen ermutigen, einen Organspendeausweis zu beantragen. Dieser ist absolut kostenlos und ihr könnt selbst festlegen, ob und was ihr spenden wollt. Ihr könnt Leben retten!

Quellen: organspende-info.de, bundesgesundheitsministerium.de, eurotransplant.org

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.