Das Tempolimit kann kommen!

Das Tempolimit kann kommen! Oder?

Kaum ein Thema wir zur Zeit so angeregt diskutiert, wie das Tempolimit auf deutschen Autobahn. Während einige ihre Freiheiten in Gefahr sehen, versprechen sich andere nur Vorteile von einem Tempolimit, beispielsweise einen geringeren Schadstoffausstoß und ein Rückgang der tödlichen Verkehrsunfälle.

Deutschland ist in Europa das einzige Land, in dem es keine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Autobahnen gibt. Ähnliche Regelungen gibt es weltweit nur in Afghanistan, Bhutan, Burundi, Haiti, Mauretanien, Myanmar, Nepal, Nordkorea und Somalia.

Die Geschichte des Tempolimits

Als Ende des 19. Jahrhunderts das erste Automobil erfunden wurde, war die Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Straßen schon rund 50 Jahre alt. Bereits Pferdegespanne unterlagen einem Tempolimit, das etwa Trab- oder Schrittgeschwindigkeit erlaubte. Erste Belege gibt es aus dem Jahr 1847, in dem vier Personen wegen zu schnellen Reitens oder Fahrens mit Kutschen zu Strafen verurteilt wurden.

Das erste Kraftfahrgesetz entstammt der Feder von Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1909. Es galt ab 1910 für Fahrzeuge bis 5,5 Tonnen und legte eine Höchstgeschwindigkeit von 15km/h innerorts fest – Autobahnen gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die Reichsverordnung, die 1923 in Kraft trat, erhöhte das Tempolimit innerorts auf 30km/h.

Die erste Autobahn – damals noch Kraftwagenstraße genannt – wurde im August 1932 zwischen Köln und Bonn eröffnet. 1934 hob die Reichsstraßenverkehrsordnung alle Geschwindigkeitsbegrenzungen vorübergehend auf. Erst fünf Jahre später wurden generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen wieder eingeführt. Diese galten erstmals auch auf den neuen Autobahnen und sahen eine Begrenzung auf 40km/h innerorts und 80km/h außerorts vor. Lastwagen und Busse durften außerorts nur 60km/h fahren.

Während die DDR auch nach dem Krieg an diesen Tempolimits festhielt, schaffte die BRD das allgemeine Tempolimit zunächst wieder ab. Während sich die Zahl der Fahrzeuge in der BRD in den kommenden Jahren auf fast fünf Millionen Fahrzeuge verdoppelte, stieg auch die Anzahl der Verkehrstoten auf 12.000 pro Jahr. Damit hatte Deutschland die meisten Verkehrstoten in Europa. 1957 führte die Bundesrepublik Deutschland Tempo 50 in geschlossenen Ortschaften ein.

Bis 1970 stieg die Anzahl der Fahrzeuge in Deutschland auf 17 Millionen an – bei rund 20.000 Verkehrstoten. Dies führte in Deutschland 1972 zur Einführung des Tempo 100 auf Landstraßen und 1974 zur Richtgeschwindigkeit von 130km/h auf Autobahnen. Dabei spielten nicht nur die Vernunft, sondern auch die Ölkrise eine besondere Rolle.

Die Forderung nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung

etwa
1
Mio. Autos
gibt es derzeit in Deutschland.
1
Verkehrstote
in 2017.
1
Mio. Tonnen CO2
stießen Autos im letzten Jahr in Deutschland aus.

Die mutmaßlichen Gründe für ein Tempolimit sind vielseitig. Wenn Autos langsamer fahren würden, sinken Schadstoffausstoß und auch der Spritverbrauch. Laut Umweltbundesamt könnten bei einem Tempolimit von 120km/h jedes Jahr rund drei Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.Kritiker sagen jedoch, dass dies gerade einmal ein Unterschied von 3% wäre – man müsse stattdessen an der Kraftfahrzeugtechnik ansetzen, um Schadstoffausstoß nachhaltig zu reduzieren. Völlig wirkungslos wäre ein Tempolimit für die Umwelt aber nicht.

Zudem geht man davon aus, dass ein Tempolimit auch Staus verhindern könnte. Staus entstehen immer dann, wenn die Kapazität einer Straße das Verkehrsaufkommen nicht mehr abwickeln kann. Sehr starke Geschwindigkeitsdifferenzen können im Verkehr zu Störungen führen, verhindern beispielsweise, dass langsame Autos überholen können, und führen so zum Abbremsen und schließlich zum Stau. Das Tempolimit würde somit zumindest einen Risikofaktor für Stau nehmen.

Zuletzt soll auch die Verkehrssicherheit durch ein Tempolimit erhöht werden. Demnach gab es laut Deutschem Verkehrssicherheitsrat im Jahr 2011 auf Strecken mit Tempolimit 120 rund 28% weniger Verkehrstote als auf Strecken ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Zu begründen ist das für jeden, der im Physikunterricht in der Schule aufgepasst hat.

1
Meter
Reaktions- und Bremsweg bei Tempo 120.
1
Meter
Reaktions- und Bremsweg bei Tempo 200.

Die Kritik am Tempolimit

Deutschland ist das einzige europäische Land, in dem es kein generelles Tempolimit gibt. Das freut die Autoindustrie, denn endlich können die 300PS-starken Motoren einmal zeigen, was sie können. Ein Tempolimit würde die Freiheit der Autofahrer einschränken. Jeder hätte das Recht, selbst zu entscheiden, wie schnell er fahren möchte. (Wenn es jedoch darum geht, selbst zu entscheiden, wen man liebt, ist das auch nicht Recht.)

Zudem wird der Umwelteffekt von den Kritikern des Tempolimits negiert. Es wäre ein „Nulleffekt“ und es könne nicht die Lösung sein, den Klimawandel immer allein auf den Verkehrssektor zu schieben.

Auch der Aspekt der Verkehrssicherheit wird relativiert. In anderen Ländern mit Tempolimit gäbe es vergleichsweise mehr Verkehrstote pro Fahrzeugkilometer. Das Autobahnnetz in Deutschland gehört zu den dichtesten der Welt. Auf zwei Dritteln davon gilt kein generelles Tempolimit. Daraus könnte man jedoch auch schließen, dass in Ländern mit mehr Verkehrstoten, mehr Fahrzeugkilometer auf Straßen jenseits der Autobahnen gefahren werden und hierdurch die Anzahl der Verkehrstoten steigt.

Fazit: Ein Tempolimit wird nicht kommen!

Die Automobilbranche hat Deutschland fest im Griff. Menschen sehnen sich nach immer schnelleren Autos mit immer mehr PS. Kritiker und Automobil-Lobby negieren die positiven Effekte eines Tempolimits und fühlen sich in ihren Grundrechten eingeschränkt. Ein Tempolimit wird deshalb auf deutschen Autobahnen wohl nicht kommen – unabhängig von Dieselskandal und Feinstaubproblem.

Quellen: Neue Westfälische Zeitung (31.08.2017), zeit.de

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