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Braucht Deutschland eine Impfpflicht?

Braucht Deutschland eine Impfpflicht?

Die Frage, ob man seine Kinder impfen lassen sollte, steht schon lange im Raum. Während einige Eltern es absolut befürworten, ihre Kinder gegen alle möglichen Erkrankungen impfen zu lassen, gibt es auch Eltern, die ihre Kinder lieber nicht impfen lassen wollen. Doch diese Entscheidung könnte ihnen bald abgenommen werden, denn die Bundesregierung diskutiert über eine gesetzliche Impfpflicht.

Der Grund hierfür ist die stark steigende Anzahl von Masern-Erkrankungen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es im Jahr 2018 so viele Masern-Infektionen in Europa wie seit zehn Jahren nicht mehr. Masern gehören zu den meldepflichtigen Krankheiten. Das bedeutet, dass Infektionen an das Gesundheitsamt gemeldet werden müssen. Deshalb ist es möglich, sehr genaue Zahlen der Erkrankung nachzuweisen. 2018 waren rund 82.500 Menschen an Masern erkrankt, 72 Todesfälle sind auf eine Masernerkrankung zurückzuführen.

Leichtsinn führt zur erneuten Ausbreitung von Krankheiten

In Deutschland ist die Häufigkeit von Masern-Erkrankungen in den letzten Jahren stetig zurückgegangen. Ähnlich wie bei anderen Erkrankungen ist dies vorallem auf den medizinischen Fortschritt und auf Impfungen zurückzuführen.

Dennoch kommt es in den letzten Jahren wieder vermehrt zu Häufungen verschiedener Krankheiten. Diese Häufungen lassen sich zumeist auf einen konkreten Grund zurückführen: Leichtsinn.

Zum einen ist die zunehmende Abwehrhaltung gegen Impfungen Schuld daran, dass mehr Menschen ungeschützt gegen die Krankheiten sind. Dies führt dazu, dass sogenannte „Kinderkrankheiten“ immer häufiger auch bei Jugendlichen und Erwachsenen auftreten.

So steigt auch die Zahl der weltweiten HIV-Infektionen seit einigen Jahren wieder an. Zurückzuführen ist dies auf den immer häufigeren Verzicht von Kondomen. Immer häufiger wird auf Kondome beim Geschlechtsverkehr verzichtet, vermehrt auf PrEP gesetzt – Prä-Expositions-Prophylaxe. Hierbei nehmen HIV-negative Menschen entweder täglich oder vor und nach sexuellem Kontakt (anlassbezogen) ein HIV-Medikament ein, um sich vor einer Infektion zu schützen. Nach Angaben der Deutschen Aidshilfe schützt dies bei korrekter Anwendung so zuverlässig wie ein Kondom. Weltweit sind derzeit sieben Fälle bekannt, in denen es trotz der Einnahme von PrEP zu einer HIV-Infektion kam.

Darüber hinaus können Migration und der Klimawandel zur erneuten Ausbreitung von Krankheiten in Europa führen, etwa wenn eine in Europa ausgerottete Krankheit durch infizierte Einwanderer importiert wird oder wenn sich infizierte Tiere aufgrund veränderter klimatischer Bedingungen wieder in Europa ansiedeln.

Warum Impfgegner gegen das Impfen sind

Eltern, die Impfgegner sind, tragen eine enorme Verantwortung. Sie sollen über das Leben ihrer Kinder entscheiden und durch moderne Medizin nachhaltig in dieses eingreifen, indem sie ihr Okay für die Impfung geben. Im Extremfall könnten die Kleinkinder so – folgt man den Empfehlungen der Impfkommission – rund 30 mal geimpft werden.

Jede Impfung geht mit einem gewissen Risiko einher. Denn in den meisten Fällen werden chemisch behandelte Erreger einer Krankheit injiziert. Impfungen können deshalb ungewollte Folgen haben – etwa zum Ausbruch eben jener Krankheit führen, gegen die sie schützen sollte. Impfungen können darüber hinaus aber auch noch größere gesundheitliche Schäden verursachen. Bleibende Impfschäden treten zwar äußerst selten auf, da viele sogenannte „Kinderkrankheiten“ in Deutschland jedoch inzwischen als ausgestorben gelten, erscheint selbst das kleinste Risiko zu groß.

Die „Impfkrankheit“ – also das Auftreten eben jener Krankheit, vor der die Impfung schützen sollte – wird von Impfgegner häufig als Wirkungslosigkeit des Impfstoffes ausgelegt. Bei einer Masern-Impfung tritt diese Impfkrankheit bei etwa 2% der Geimpften auf.

Was spricht für das Impfen?

Impfungen sollen vor der Gefahr einer Erkrankung schützen. Tetanus wird beispielsweise durch das Gift eines Bakteriums verursacht, das nahezu überall vorkommt. Bereits ein Sturz auf die Erde kann dich mit dem Toxin in Verbindung bringen, das die häufig tödlich endende Krankheit auslöst.

Kinder sind oft nicht nur besonders anfällig für Erkrankungen, weil ihr Immunsystem noch nicht derart ausgeprägt ist wie das eines Erwachsenen, sie werden von den Folgen einer solchen Erkrankung auch schwerer getroffen, sodass die „Kinderkrankheiten“ fatale Folgen für sie haben können.

Krankheiten wie Diphterie und Kinderlähmung sind in Westeuropa inzwischen selten geworden. Die Nachlässigkeit beim Impfen kann jedoch dazu führen, dass auch diese Krankheiten wieder eingeschleppt werden und sich erneut ausbreiten. So hat 1994 beispielsweise eine Diphterie-Epidemie in der ehemaligen Sowjet-Union 1.700 Menschen das Leben gekostet.

Wenn man zudem die gesamtwirtschaftliche Ebene betrachtet, ist das Impfen deutlich kostengünstiger als die wochenlange Behandlung schwerkranker Patienten. Kosten für Arzt und Medikamente sowie für Verdienstausfall (Krankengeld) belasten die Krankenkassen und die Wirtschaft. Auch die soziale Verantwortung spricht für den Impfschutz: Auch wenn einige Krankheiten, gegen die man sich impfen könnte, auf den ersten Blick harmlos erscheinen, können diese für junge, alte, kranke und schwangere Leute lebensbedrohliche Folgen haben. So sind Röteln für Kinder in der Regel harmlos. Erkranken jedoch Schwangere, kommt es zu schweren Fehlbildungen an den ungeborenen Kindern.

Fazit: Deutschland braucht eine gesetzliche Impfpflicht

kevvoegelchen3 (1)

»Seine Kinder nicht impfen zu lassen, ist verantwortungslos gegenüber dem Wohl des eigenen Kindes und auch gegenüber Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst geimpft werden können«

Michael Theurer (FDP)

-

stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag

„Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“ heißt es in Artikel 2 des Grundgesetzes. Damit stellt die Verfassung alle Menschen unter den gesundheitlichen Schutz des Staates und überträgt ihnen zugleich die Verantwortung, sich und andere Menschen zu schützen. Die Risiken einer Impfung unterliegen den Vorzügen bei Weitem. Wenn man seine Kinder also nicht aus Überzeugung impfen lässt, sollte man es zumindest aus Rücksicht tun.

Die Bundesregierung steht meiner Meinung nach in der Pflicht, für einen verpflichtenden Impfschutz zu sorgen. So können ansteckende Krankheiten eingedämmt und Erkrankungen verhindert werden. Dafür muss der Staat sicherstellen, dass es zum einen genug Impfstoff gibt, zum anderen muss eine Lösung zur Durchsetzung dieser gesetzlichen Pflicht gefunden werden.

Insbesondere sollte es um eine Impfpflicht für besonders ansteckende und gefährliche Erkrankungen gehen. Die Bundesregierung diskutiert eine entsprechende Regelung derzeit vor dem Hintergrund der Masern-Welle. Zudem wäre eine offensive Aufklärungskampagne notwendig, die beispielsweise darüber informiert, wie oft bestimmte Impfungen aufgefrischt werden müssen.

Quellen: br.de, infektionsschutz.de, spiegel.de, sn-online.de

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